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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-05 · Heft 10 (5.3.1897) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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120 Burgheim und die Frau Bürgermeisterin schüttelten, sich vor Heiterkeit, Herdliczka und Wotuschek schrieen Bravo, der Statthalter konnte trotz aller Anstrengung das Lachen nicht verbeißen,, und selbst Awronl mußte .in die allgemeine Heiterkeit einstimmem „Hassek, du host scho' wieder'n Rausch; ich Hab' dir g'sogt, du sollst Obacht geb'n; es is 'ne Schand'," sagte die Ehefrau des Urhebers der allgemeinen Heiterkeit. Der Turnwart.' mußte klopfen, daß sich Alles, was Nerven hatte, die Daumen in die Ohren steckte, bis einigermaßen Ruhe eintrat und der Hofrath', dem die Schweißperlen auf der Stirn ständen, mühsam die Worte hervorkeuchen konnte: „Diese getreue Stadt, welche heute unsere Gastgeberin ist, und ihr wackeres Oberhaupt, sie leben hoch!" . Der Bürgermeister erhob sich von seinem Sitze, um mit dem Redner, der in aller Hast, schwerathmend, drei weitere Knöpfe, aufriß, anzustoßen; der Herr Statthalter stieß mit seiner Nachbarin an und neigte sein Glas nach dem Herrn und der Frau Rittmeister, während der Unterhaltlingssturm immer lauter und lauter toste. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! Öfen Nummer 9 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" kritisirt Herr Dr. Funk die in meiner Arbeit: „Die Ehre in der Bibel" aufgestellte Behauptung, daß kabod auch Lohn, Geld re. bedeutet, und meint, daß das Zeitwort kabod „überall und auch an dieser Stelle nur die Bedeutung von ehren im gewöhnlichen Sinne haben kann". Ich liebe die Polemik nicht und lasse Jeden, gern bei seiner Meinung. Ich habe auch nichts dagegen, wenn kabod Herrn Fchik immer „ehren" im gewöhnlichen Sinne bedeutet. Ich hätte aber geglaubt, daß gerade die aufgestellte Behauptung, daß kabod auch Geld, Lohn bedeutet, am wenigsten Anfechtung von Seiten eines Rabbiners finden würde, weil sie uralt ist. Ich verweise Herrn Funk auf die Erklärung Raschis zur angezogenen Stelle Num. 22, 17. Raschi aber, wie er selbst angiebt, ist hier nicht originell und bezieht sich auf Midrasch rabba zur Stelle. Was dieser sagt, ist nichts als eine Erklärung der auch von Herrn Funk angeführten Mischna Abot V. Ich glaube, Herr Funk würde die Kritik unterlassen haben, wenn er sich die nöthigen und naheliegenden Erklärungen angesehen hätte. Obadja da Bartinoro erklärt, Bileam war mißgünstig niH pl?- Ich übersetze wörtlich: „Obgleich er (Bileam) wußte, daß sein Gang Gott nicht gefällt, ging er. zu Balak um „Lohn", zu nehmen. Denn.so heißt es: Wenn Balak mir giebt sein Haus voll Gold und Silber rc. (V. 18.) — Dem Sinne nach ebenso Midrasch Samuel. , Was Bartinoro auf nP1"! pj) bezieht, bezieht Midrasch rabba auf Asm tPS} „habgierig". Indem er als Beweis wieder auf V. 18 verweist, fährt er wörtlich fort. „Bileam denkt: hatte er (Balak) sich Söldlinge gemiethet, so wäre Sieg oder Niederlage zweifelhaft; da ich (durch meinen Fluch) gewiß siege, müßte er mir mehr geben." ■ Dasselbe sagt mit anderen Worten Raschi. Diese Erklärer dürften vielleicht Herrn Funk genügen. Zum Ueberflufse sei noch Jbn Esra hinzugefügt, der in klassischer Einfachheit die Worte „Ich werde dich sehr ehren" mit: „mit Geld", ergänzt. Dasselbe ist der Fall bei Jes. 61, 6. Gerade der Parallelismus der Glieder beweist, daß kabod Reichthum ist. Chel ist die Masse der Schätze, kabod find ihre Reichthümer. Es muß übersetzt werden: „In ihren Reichthum werdet ihr eintreten" (Kautzsch). Kabod bedeutet zweifellos Geld, Lohn, Reichthum.. Der Kommentar von Hirsch ist mir nicht zur Hand. Doch sollte es mich sehr wundern, wenn derselbe diese Ansichten der Alten außer Acht gelassen hätte. Berlin, 28. Februar. Dr. Stier. * Sehr geehrter Herr Redakteur! -Z^err Rabbiner Dr. Kohn sagt in Nr. 8, S. 96. „Ich habe in meinem Hyrkan - Bortrag die Mischnah (Sotah 47) einfach übersetzt und erklärt, wie fie vom jerusalemischen und babylonischen Talmud, Tosiphta u. s. w. aufgefaßt und interpretirt wird. . . . Also, der jerusalemifche Talmud und ebenso Tosiphta z. St. berichten: Es war der Brauch in Jerusalem. Man hat das Thier, um dessen Widerstand zu brechen, zwischen die Hörner, also aufs Hirn geschlagen, es also zu Falle gebracht und dann geschlachtet." Ich konstatire zunächst, daß im ersten Satze von Herrn Dr. Kohn auch der babylonische Talmud angeführt wird, während später nur vom Jeruschalmi und Tosiphta die Rede ist. Und aus bestimmtem Grunde führt Herr Dr. Kohn den babylonischen Talmud im zweiten Satze nicht an, da dort die Worte yy-\p p2 bjtfn pD& VH/ „man hat das Thier zwischen die Hörner geschlagen", nicht stehen. In Nr. 6, S. 60, habe ich den babylonischen Talmud mit der Erklärung Raschis angeführt. Ich rekapitulire daher nur, daß nach der Ansicht Samuels „nauk’phin“ Einschnitt ist, nach der anderen Meinung der (Borajta, Tosiphta) ptoDin .... „Man schlug das Thier mit Stöcken,' daß es sich zum Schlachten niederstrecke". Wohin man es schlug, sagt der babylonische Talmud wie auch der Kommentator Raschi nicht. Wäre dies so bestimmt, wie Herr Dr. Kohn annimmt, ein „Gehirnschlag", so würde es in Babli nicht heißen „vielleicht ist die Haut des Gehirns durchlöchert", sondern diese wäre gewiß durchlöchert. Das „vielleicht" im Talmud will besagen, vielleicht könnte einer der Schläge zufällig das Gehirn treffen. Ein Gehirnschlag ist, meiner Ansicht nach, aus dem babylonischen Talmud nicht zu entnehmen. Und dies ist mein Argument, das ich gegen Dr. Kohn anführte. Ob die jetzige Tosiphta und Jeruschalmi Dr. Kohns Ansicht unterstützen, ist hierbei irrevelant. Nicht Maimonides in seinem Kommentar zu Naaser sebevi kersk V Mischnah 15, noch Simon ben Abr. nehmen auf Tosiphta und Jeruschalmi Bezug bei der Erklärung von „nank'pbin“, sondern sie erklären es nach dem babylonischen Talmud. Und in der That ist der Jeruschalmi nach Gutachten der bedeutendsten Autoritäten gar nicht als zuverlässig bezüglich der Lesarten (mxnD15) betrachtet worden. Bergl. Ramban Siman 96. Chavot Jair von Jair Ghaim Bacharach SiMan 23. Jad Maleachi, Theil II 177 b, Nr. 6. Dr. David Cassel in seinem „Lehrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur" sagt S. 185: Der jerusalemifche Talmud ist weit weniger studirt und bearbeitet worden als der babylonische; daher liegt der Text sehr im Argen." Ferner das. S. 234: „Der Talmud war vollkommen abgeschlossen; der jerusalemifche fand in den babylonischen Lehrhäusern wenig Beachtung; sein Text ist viel mehr als der des babylonischen verwahrlost." Ebenso wenig ist die jetzige Tosiphta als Beweis für Herrn Dr. Kohns Behauptung anzuführen; wie Dr. Zuckermandel, der bedeutende Tosiphtaforscher und Herausgeber derselben, die Güte hatte, mir mitzutheilen, hat die Erfurter Handschrift p3t£tyy „Man zog das Thier zwischen den Hörnern herbei, wie dies beim Götzendienste zu geschehen pflegte". Die Wiener Handschrift hat allerdings Dies kommt aber nicht in Betracht, da' der babylonische anders die Boraita, Tosiphta ansührt. Hochachtungsvoll Dresden, 23. Februar. M. Auerbach. * Su meinen: großen Bedauern fehlen in der Anmerkung S. 108 der dieswöchentlichen Zeitung des Judenthums die von mir gebrauchten und wohl im Druck ausgefallenen Namen: Winter und Wünsche bei dem Citat des Buches: Die jüdische Litteratur u. s. w. Dresden. . Emil Lehmann. ❖ Berichtigung. In dem Leitartikel der letzten Nummer: „Die Pflege des Schönen durch die Religion" hat sich ein Druckfehler eingeschlichen; es muß dort heißen „Ceremoniell der Küche" nicht aber „der Kirche". Druck und Verlag von Ruvols Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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