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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-05 · Heft 10 (5.3.1897) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
Seite 118 (sequence 10)
Language
German
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118 Zeichnung für Gott. Macht und Erhabenheit, Hoheit mit Kraft geeint. Es ist die Anrufung der Großmuth : „Hilf uns Gott.-uNi der Ehre Heiner Macht mitten/' (Pf. 79, 9.) Nimmt man kabod als Größe, Fülle, so bedeutet die Zusammensetzung der Worte-: Machtfülle. Ebenso ist Deut. 28, 58 zu verstehen. „Wenn du nicht darauf achtest... und diesen geehrten . . . Namen fürchtest . / . so . . . Es ist die große Macht." Daß sebem Ruhm bedeutet, bedarf keines Beweises. Beachtet man das, verliert auch so mancher Satz seine Unverständlichkeit. In dem wenig verständlichen Satze: „Gepriesen sei der Name' feiner kabod" (Pf. 72, 19), wird die berühmte kabod Gottes gepriesen. Da kabod hier Gott bedeutet, wird einfach der Nuhiü Gottes hervorgehoben. Ganz dasselbe Nehemia 9, 5. Bedeutet in den letzten zwei Sätzen kabod Gott, so wird in den folgenden Sätzen schein füt: Gott gesetzt. tritt als Verb mit schein in Verbindung, oder als Nomen mit dem Verb -jjrS. „Wenn ihr es euch nicht zu Herzen nehmt, meinem Namen die Ehre zu geben", bedeutet: mich, Gott, zu ehren. Mal. 2, 2; Ps. 86, 9 : „sie werden ehren deinen Namen" steht parallel mit also Gott selbst, ebenso das. V. 12 und c. 115, 1. Man ersieht hieraus, daß bei der Verbindung der kabod mit schein die erstere sich immer auf abstrakter Höhe hält und daß, wenn man genau auf Bedeutung des scbem achtet, keines der Worte etwas von seinem idealen Werthe verliert, aber beide an Verständlichkeit gewinnen. *—H MMMM 1-1 1-7—r-r—--■a&-—-1 l—I lll | FEUILLETON 1 * I 1 1-1!.. ■'’S*®- ■ — ' > I—1> Andere Zeiten. -» Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der,jüngsten Vergangenheit, von Gotthard Deutsch. Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Banket. . llerdings bei einer derartigen Gelegenheit, wie sie ihr das Banket darbot, ließ Leonore den ganzen Zauber ihrer Persönlichkeit spielen, so daß der Statthalter galant bemerkte: „Ich bin doch lange nicht so gut instruirt über die Sehenswürdigkeiten dieser guten Stadt, als es dem Oberhaupte der Landesregierung zukommt. Man sollte ja den Verfassern der Reisehandbücher einen Wink geben." „Neben den Namen unserer Stadt lasciale ogai speranza zu schreiben," fiel Leonore ein. . „Gewiß," bekräftigte seine Exzellenz,' „denn sie wird von einer Circe bewohnt." „Einer solchen, die aus ernsten Regierungsmännern mit einer Handbewegung Galanthommes erzeugt, welche armen Kleinstädterinnen aus Mitleid einige Artigkeiten erweisen." - „Im Gegentheil," fiel seine Exzellenz ein, „'einer Circe, die sich in der Entzauberungskunst übt und kahlköpfige, graubärtige Aktenwürmer des äußeren Glanzes ihrer Paradeuniformen entkleidet, um sie als hilflose Sterbliche in ihrer ganzen Ohnmacht zu zeigen." : „Das wäre ja Hochverrath," sagte Leonore mit schelmisch geheucheltem Entsetzen, während ihr Gesicht triumphirend erstrahlte. Frau Rittmeister von Burgheim hätte bisher ganz stille dagesessen und trotz-der 'allgemeinen lauten Unterhaltung einiges von dem Gespräche des Statthalters mit seiner schönen Nachbarin gehört. Jetzt wandte sie sich an Awrom. «Ihre Frau Gemahlin, Herr Bürgermeister," sagte sie, „muß von aristokratischer Herkunft sein. Sie setzt unseren ganzen Adel in Flammew Ich sehe mit tiefem Mitleid, wie der arme Aspernfeld, der dort neben Nosenbaums am anderen Ende der Tafel sitzt, so traurige Blicke herüberwirft." Awrom wurde todtenbleich. Vergeblich bemühte er sich einen Augenblick, seine zitternden Lippen zu öffnen, um eine gesellschaftliche Alltagsphrase hervorzubringen. Er vermochte es nicht, sein Herz pochte so gewaltig, das ihm der Athen: verging. Seine Frau, die trotz ihrer eifrigen Konversation mit dem Statthalter diese Bemerkung gehört hatte, kam ihm zu Hilfe. „Ach, Frau von Burgheim," sagte sie mit gewinnendem Lächeln, „die adeligen Kreise unserer Stadt sind so klein, daß unsere Kavaliere ihre gesellschaftlichen Ansprüche herunterstimmen müssen, wenn sie nicht ganz isolirt sein wollen." Die Frau Rittmeister wurde feuerroth, und aus ihren Augen sprühte ein Haß, dem man ansah, daß es in ihr rief: „S.. jüdin!" während sie lächelnd sagte: „Sie sind gar zu bescheiden, Frau Bürgermeisterin." Der Statthalter, der merkte, daß er durch seine ausschließliche Unterhaltung mit seiner Nachbarin auffiel, sagte verbindlich: „Ich wollte schon lange fragen, gnädige Frau, ob wir nicht von früher her Bekannte sind. Ich . finde eine gewisse Ähnlichkeit in Ihren Zügen, die ich nicht recht lociren kann. Was sind Sie für eine Geborene, gnädige Iran?" „Eine Petruschek," lautete die sehr beklommen, mit niedergeschlagenen Augen ertheilte Antwort. Leonore sagte nichts. Nur ein aufmerksamer Beobachter konnte bemerken, daß ihre Mundwinkel sich um eine Haaresbreite nach abwärts bewegten, während ihre Nasenflügel zuckten und leise Grübchen sich auf ihren Wangen bildeten. „Petruschek, Petruschek!" sagte seine Exzellenz, indem er mit den Fingern der linken Hand leise auf dem Tische trommelte, „Petruschek! ach ja, nein', doch nicht! Als ich vor etwa zwanzig Jahren bei der Statthalterei als Konzeptspraktikant eintrat, hatten wir einen Amtsdiener dieses Namens. Ein sehr verläßliches altes Haus, nur hat er gern ein bischen zu tief ins Glas gesehen." Leonore zeigte ihre tadellosen Zähne, und ihre Augenwimpern bewegten sich rasch auf und nieder, während Frau von Burgheim eifrig bemüht war, mit ihrer Serviette einen Weinflecken von der weißen Weste ihres Gatten zu tilgen, und die Bemerkungen seiner Exzellenz offenbar überhört hatte. „Ach, Exzellenz!" sagte Leonore lächelnd. „Die hohe Regierung sollte Maßregeln treffen, um durch die Namen die Person zu be-, zeichnen. Was bedeutet ein Name heutzutage? Petruschek? Ja, wer heißt nicht Petruschek? Da taumelt ein betrunkener Amtsdiener durch die Straßen/ die liebe Jugend hinter ihm her. mit Hohngelächter und Neckereien; Petruschek will einen von den Böse- . nüchtern fassen, plumps, da. liegt er, ein Gassenjunge hatte seine Mütze erwischt und schwingt sie im Triumph, ein. anderer wirft mit wohlgezieltem Wurfe ein Stück Orangenschale auf- Petruscheks rothe Nase, die ein gar zu verlockendes Ziel bildet. Vergeblich versucht Petruschek sich aufzurichten, ein dritter Gassenjunge hilft ihm, um ihn durch plötzliches Loslassen in einen Tümpeln zu setzen. Da kommt endlich Petruscheks Tochter, die durch des Vaters weitreichenden Einfluß Stubenmädchen bei einem. General geworden ist

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