Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1897)
- Date
- 1897-03-05
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Ueber schein (den Gottesnamen) und kisse (Gottesthron) ’ in ihrer Verbindung mit kabod.. Es sei einiges über sehem und kisse nachgetragen, was in obiger Bearbeitung nicht gut untergebracht werden konnte. -Wie die Ueberschrift besagt, Handelt es sich Hier nicht darum, die vielfache Bedeutung dieser Worte festzustellen, sondern nur insofern sie mit kabod verbunden erscheinen, oder auch, wo sehen, ohne kabod Ehre bedeutet. Da beide Worte zuweilen an Stelle Gottes gesetzt werden, könnte man hier mit vielem Rechte von einer Materialisirung des Idealen sprechen. Thatsächlich sind die Bezeichnungen von sehen, und kisse für Gott aus Vorstellungen menschlicher Verhältnisse hervorgegangen. Was zunächst sehen, betrifft, sei bemerkt, daß, je mehr die Anschauung Platz griff, Gott von allem Körperlichen losgelöst, als ein rein geistiges Wesen zu denken, umsomehr stellte sich die Nothwendigkeit heraus, nach einem Namen zu fragen. Der Begriff des Rein-geistigen ist für das Fassungsvermögen ein solch schwerer, daß der Mensch unwillkürlich nach dem Namen fragt. Und wenn der Name selbst schon ein Abstraktum ist, diesen wenigstens will er kennen, er will ein ihm verständliches Wort für das Gedachte haben. Die Ansicht, daß die Existenz vom Namen abhängig sei, ist nicht richtig. Richtig ist nur, daß der Name ein als seiend Gedachtes oder eine wirkliche Existenz voraussetzt. Der Name, meint Herrmann Schultz, ist der Körper, worin das Wesen seinen Inhalt ausprägt. „Der Name Gottes bedeutet, was von dem Wesen Gottes dem Menschen offenbar geworden ist. Der Name in seiner absoluten Bedeutung ist das göttliche Wesen als offenbartes, nach außen Ausdruck gewinnendes/' Der Name ist also nicht Gott an sich, sondern, wie auch Oehler erklärt, das, was er für den Menschen ist. Ich meine: Im Ausdruck „sehen," wird das Göttliche nicht materialisirt, sondern der menschliche Geist Hat es in seiner Idealität belassen, aber für das Unfaßbare nach etwas Faßbarem gesucht und es im Namen gefunden. Wo nach dem Namen Gottes gefragt (Exod. 3, 13) und auf die Frage geantwortet wird, ist auch der angegebene Name noch abstrakt genug. „Ich bin"! (V. 14) „Also das Sein schlechthin". Man hat später Scheu getragen, dieses Sein Gottes, Jhwe. auszusprechen, hat dafür Adonai gelesen oder gesetzt. Zuweilen ließ man auch dies weg und von '7s blieb üttf allein übrig. Der Grund hierfür war ein doppelter. Man hielt zunächst das häufige Aussprechen des Jhwe für eine Profanirung. Sodann ging es in gehobener Redeweise nicht an, immer dasselbe Wort zu gebrauchen. Daher sind es die Psalmisten, die in ihren Hymnen von sehen, am häufigsten Gebrauch machen, es au Stelle Gottes setzen. Hiermit sind die Bedeutungen des sehen,, auch da, wo es mit den verschiedenen Bezeichnungen für Gott in Verbindung steht, nicht erschöpft. Ich glaubte dies nur vorausschicken zu müssen, um zu den Bedeutungen Übegehen zu können, die das Wort in Verbindung mit kabod hat oder selbst Ehre bedeutet. Lehen, bedeutet Ehre, Ruhm, auch wo kabod nicht dabei steht: 1. Wo sich der Begriff der kabod ohne Weiteres aufdrängt. „Männer von Namen" (Gen. 6, 4) sind geehrte, berühmte Männer. Ebenso: Nnm. 16, 2; 2. Sam. 7, 23; 8, 13; 23, 18 —22; Ez. 39, 13; 1. Ehr. 11, 27; 17, 8; Neh. 9, 10. 2. Wo sehem parallel mit *TDD ,*6nh mKSn steht. „Ich gebe euch Namen und Preis." (Zef. 3, 20.. Ebenso: Jes. 48, 9; Jer. 33, 9; 1. Ehr. 22, 5.) . 3. Bei jenen Verben, die ehren, verherrlichen oder deren Gegensatz bedeuten. „Du sollst nicht verunehren den Namen deines Gottes." (Lev. 18, 21.) Stellen dieser Art sind zahlreich. 4. Wo es für Gott gilt, Israel zu schützen, den Völkern gegenüber seine Ehre zu wahren. (Exod. 20, 9, 14, 22.) 5. Mangel an sehem ist Mangel an Ehre. (Job. 20,8) bedeutet sogar ehrlos. Hier sei auch auf Smend (Alttestamentliche Religionsgeschichte, pag. 281 ff.) hingewiesen, der, neben anderen Bezeichnungen, den Namen Ihwes gleich Ehre setzt. (Lew. 18,21; Ps. 86,11; 102,16.) Die Ehre will geschätzt, gepriesen sein. (Mal. 3, 16; Ps. 102, 22.) Smend setzt dann (pag. 350 ff.) aus einander, wie im Sinne der Propheten, namentlich Ezechiels, die Ehre Gottes mit dem Heile Israels verbunden ist. „Der allmächtige Gott rettet Israel, um ... seine alleinige Gottheit der Welt gegenüber durchzusetzen." Wenn die Heiden triumphiren, scheint es ein Sieg ihrer Götter zu sein. Daher muß Gott seines Namens, d. i. seiner Ehre wegen einschreiten. (Jes. 48, 9; Ps. 31, 9; 115, 1.) Das Glück Israels ist die Ehre Gottes, dieser Ehre wegen vergiebt er Israel seine Sünden. (Jes. 43,25.) Es steht daselbst blos sehem muß hinzugedacht werden. (Ps. 79, 9.) Diese Auseinandersetzung Smends ist in Einzelfällen, aber nicht durchgehends richtig. Die Meinung, daß der Name Gottes seine Ehre bedeutet. scheitert fast überall da, wo sehem mit kabod verbunden erscheint. Wenn diese Meinung richtig wäre, wäre das eine Wort die Teutologie des anderen, wollte man das nicht zugeben, müßte man zu ungerechtfertigten Auslegungen und Uebersetzungen seine Zuflucht nehmen. Diese, das mag man zugeben, werden bei der Verbindung dieser Worte immer schwierig bleiben. Der Sinn jener Sätze, wo wir dieser Verbindung begegnen, ist im Allgemeinen verständlich. Es ist immer eine Verherrlichung Gottes. Die Worte haben aber in ihrer Zusammensetzung oft etwas Ueberschwengliches, Unklares, Dunkles. So ist der Sinn des Satzes Ps. 66, 2, ohne Weiteres klar. Das Lob Gottes soll gesungen werden. Aber man sehe doch genau hin und frage, was wohl die Worte bedeuten mögen: „Singet von seines Namens kabod." Die Schwierigkeiten werden zum Theil behoben, wenn wir auf einige Bedeutungen achtes die wir in dem Worte sehem finden. ' Es sei vorerst bemerkt: Bei der Verbindung der Worte sehem und kabod wird abwechselnd eines zum status eonsteuetus des anderen. Bekanntlich Heiß es bald IM TOD, bald TfiDD M. Inhaltlich ist der Unterschied kein wesentlicher. In dem Ausdrucke: „preiset die Herrlichkeit seines Namens", wie in dem: „gepriesen sei sein herrlicher Name" wird von der Herrlichkeit, Güte, Macht zc. Gottes gesprochen. Welche dieser Bedeutungen gemeint ist, muß aus dem Zusammenhang erkannt werden. Ferner, daß bei der Verbindung beider, die kabod immer in ihrer höheren Bedeutung, als Hoheit, Erhabenheit rc., auftritt. Was nun sehem betrifft, so ist es zweifellos, daß es das Wesen Gottes bedeutet. Hält man dies fest, dann gewinnt mancher überschwengliche Ausdruck an Klarheit. Setzt man in dem angeführten Satz, Ps. 66. 2. statt Namen — Wesen, dann lautet er: „singet die kabod seines Wesens", oder einfacher: „singet von seinem erhabenen Wesen. Ebenso Ps. 29, 2. Statt: „gebet Gott die Erhabenheit seines Namens" — „preiset Gott als erhabenes Wesen". Dasselbe Ps. 96, 8; 1. Ehr. 16, 29. ' Wie das Wesen, bezeichnet sehem auch die göttliche Macht. Gott ist der Mächtige, darum kann er schützen und helfen. Deutlich ist dies zu ersehen aus Exod. 15, 3. Gott, als Herr des Krieges, steht parallel mit sehem. In Jes. 59, 19 „man wird den Namen Ihwes fürchten", ist sehem Macht. Ebenso Ps. 86, 11; 102, 16. Jes. 24, 45 zeigt der Zusammenhang, daß sehem Macht bedeutet. Kabod mit schein verbunden, giebt darum eine treffende Be-