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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-26 · Heft 9 (26.2.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 die Verdienste des Jubilars hervorhob, Herrn Wolfes nicht nur eine kunstvoll ausgeführte Glückwunsch-Adresse überreichen, sondern auch die bisher eingegangenen Beiträge zur genannten Stiftung. Außerdem wurde Herr Wolfes seitens der drei Landrabbiner der Provinz durch Verleihung des Chaber (“OH) -Titels besonders geehrt. Das von kundiger Hand hergestellte Diplom wurde ebenfalls durch Dr. Lewinsky dem Jubilar übergeben. Ueberhaupt legte die Jubiläumsfeier, zu welcher eine große Anzahl brieflicher und telegraphischer Glückwünsche (in Poesie und Prosa) von Nah und Fern einlief, Zeug»iß ab von der Verehrung, welche Herrn Wolfes infolge seiner den religiösen Angelegenheiten des Judenthums bisher gewidmeten Thätigkeit gezollt wird. Zur gefälligen Kenntnißnahme diene auch den zahlreichen Freunden und Verehrern des Jubilars die Nachricht, daß die Sammlung von Beiträgen zur „Samuel Wolfes- Stiftung" noch nicht abgeschlossen ist, und daß, wie bisher, Herr Bankier August Dux in Hildesheim zur Entgegennahme von Spenden bereit ist. 8. Stuttgart, 14. Februar. Schon lange war es das Bestreben der kgl. Jsr. Ob.-K.-Behörde, für gediegen ausgebildete Kantoren zu sorgen. Am 21. April 1895 hat dieselbe den 1. liturgischen Fortbildungskurs für befähigte jüngere Kantoren eröffnet, der heute durch eine Schlußprüfung beendigt wurde. Stoff von Fest- und Feiertagen, Sabbathen und Fasttagen, Vorlesen aus Thora und Megillah wurden behandelt; Uebungen aus dem Gebiete der Technik sorgten für gehörige Schulung der Stimme. Die Leitung des Kurses lag in den bewährten Händen des Lehrers und Meisters Herrn Kantor Tannenbaum. Der Referent der hohen Behörde, der der Schlußprüfung auwohnte, sprach sich über die Leistungen sehr befriedigt aus, und in seiner Schlußrede betonte derselbe (Herr Kirchenrath Dr. Kroner), daß die kgl. Behörde die pekuniären Opfer gern gebracht habe, da es sich doch um eine Hebung und Läuterung unseres Gottesdienstes handle. Folgende Zöglinge haben die Prüfung mit gutem Erfolge absolvirt: M. Meyer- Stuttgart, F. Wolff-Ulm, E. Adler» Stuttgart, F. Heß-Nordstetten-Horb, M. Marx-Rexingen. Inniger Dank gebührt der kgl. Jsr. Ob.- K.-Behörde für dieses schöne Werk der Fortbildung, und auch den Gemeinden darf man zu ihren gut geschulten Kantoren gratuliren. L. Metz, 21. Februar Einen unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden des Herrn Jsaac Mayer, der lange Jahre Präsident des israelitischen Konsistoriums war, in voriger Woche erlitten. Der Verstorbene war einer der tüchtigsten und angesehensten Männer unserer Stadt; er war Präsident der Handelskammer, Begründer und Chef des Bankhauses Mayer und Co., Mitglied der Metzer Akademie und wurde vor zwei Jahren mit dem Rothen Adlerorden 4. Klasse dekorirt. Die am 14. d. Mts. stattgehabte Beerdigung gestaltete sich zu einem Trauerzuge., wie ihn Metz seit dem Tode des Bischofs Du-Pontdes-Loges nicht mehr gesehen hatte. Die Feier nahm um halb 11 Uhr im Sterbehause, Römerstraße 17, ihren Anfang. Hier verrichtete Herr Oberrabbiner Ury die üblichen Gebete. Dann wurde der Sarg nach der Stätte des langjährigen Wirkens des Tobten, dessen Büreau, und durch die Geschäftsräume der Bank, wo sich zahlreiche Leidtragende befanden, auf den Leichenwagen verbracht. Nunmehr setzte sich der Zug in Bewegung, so gut es eben bei der mehr als Tausend zählenden Menschenmenge möglich war. Den Leichenzug eröffneten die Zöglinge der israelitischen Knaben- und Mädchenschulen mit ihren Lehrern resp. Lehrerinnen. Es folgten Herr Oberrabbiner Ury von hier und der Rabbiner von Pfalzburg, denen sich die Schwiegersöhne des Herrn Mayer mit den übrigen Verwandten und das etwa 30 Mann starke Personal des Hauses anschlossen. In dem schier unabsehbaren Zuge bemerkten wir die Vertreter aller Staats-und städt. Behörden, so die Herren Oberregierungsrath Pöhlmann, in Vertretung des in Berlin weilenden Bezirkspräfidenten, Geheimen Regierungsraths Becker und Regierungsrath Albrecht, Bürgermeister v. Kramer an der Spitze des Gemeinderaths, Landgerichtspräsident Lellbach mit mehreren Räthen, Ehrendomherr Nigetiet. Konsistorialpräsident Pfarrer Braun in Begleitung des Pfarrers Dietsch, Oberpostdirektor Knauf nebst mehreren Beamten des Post- und Telegraphenwesens, Polizeipräsident o. Liebenstein, Mitglieder der Akademie Vertreter einer großen Anzahl hiesiger Vereine, Anstalten rc. Ferner waren erschienen zahlreiche Finanz-, Industrie- und Handelsgrößen Lothringens und der Nachbarstaaten, eine große Anzahl Mitglieder des lothringischen Adels und viele Bürger aus allen Ständen unseres Landes. Auf dem israelitischen Friedhofe wurde der Sarg, nach dem unter den rituellen Gebeten erfolgten dreimaligen Niedersetzen, in die Gruft hinabgelassen. Nach Absingen der Psalmen und Gebete in hebräischer und französischer Sprache richtete Oberrabbiner Ury eine kurze Ansprache an die Anwesenden. Anknüpsend an den testamentarisch ausgedrückten Wunsch des Entschlafenen, ohne Kränze und Blumen, noch Leichenrede beerdigt zu werden, mußte er sich darauf beschränken, seinem Freunde und Konsistorialpräsidenten einige kurze, warm empfundene Abschiedsworte zuzurusen; dies that dann noch der Herr Rabbiner von Pfalzburg Namens des Rabbinats-Bezirks von Pfalzburg. Friede dem Andenken des edlen Tobten! Oesterreich -Ungarn. □ Wien, 22. Februar. Mit den' gewohnten Lärmszenen ist der niederösterreichische Landtag auseinander gegangen, um sich — im kommenden Reichstage wieder zu finden, und jetzt wird drauf los agitirt, damit sie, die Antisemiten, auch dort die Herrschaft behaupten, wie dies im verflossenen Landtag der Fall gewesen. Den Herren Geßmann und Vergani ist eine solche Agitationsfahrt übel bekommen, sie konnten sich nur mit der größten Mühe den thätlichen Insulten und drohenden Fäusten der Schönerianer entziehen, in deren Gebiet sie eine kühne (?) Argonautenfahrt unternommen; angespückt und unter Steinwürfen flüchteten sie aus Holtenburg, über welche Niederlage sogar die antisemitischen Blätter berichten. — An den Präsidenten des „Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien", Herrn David Ritter v. Gutmann, ist von Herrn Professor Nothnagel eine Spende von 100 fl. mit einem Schreiben gelangt, worin es unter Anderem heißt: „Wie ich über diese namenlose Schmach des Antisemitismus, welche bis zu einem solchen — ich kann es nicht anders bezeichnen — verthierten Empfinden führt, urtheile, brauche ich Ihnen wohl nicht ausdrücklich auszusprechen. Ich denke wohl, daß hier mein Name ein Programm ist." — Gegenüber den Meldungen antisemitischer Blätter, der Kaiser habe Lueger beim Ball der Stadt mit den Worten: „mein lieber Doktor Lueger" angesprochen, hört der Wiener Korrespondent der „Köln. Ztg.", der Kaiser habe bei der letzten Hoftafel Gelegenheit genommen, diese Meldung als unrichtig zu bezeichnen. — Wie alljährlich, sollte auch anfangs dieses Monats eine allgemeine Technikerversammlung zur Besprechung der Standesfragen abgehalten werden; jetzt hat der Rektor seine Einwilligung hierzu nicht ertheilt, weil die Tagesordnung der Versammlung, welche dem Rektor vorgelegt werden muß, einen Antrag enthielt, welchen der Rektor nicht billigen konnte. Der Antrag ging im Wesentlichen dahin, den Technikern jüdischer Konfession möge bei Erledigung der „Titelfrage" der Doktortitel nicht ertheilt werden, da sie desselben unwürdig seien. — Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Amannunsis an der Universitäts-Bibliothek in Wien, Dr. Salomon Frankfurter, zum Skriptor an der Universitäts-Bibliothek ernannt. — Die Prager israelitische Beerdigungsbruderschaft hat dem Landtage eine Petition unterbreitet, der alte jüdische Friedhof in Prag, von welchem ein Theil der Assanirung zum Opfer fallen soll, möge vollständig erhalten bleiben. In der gestrigen Sitzung der Landtagskommission zur Abänderung der Bauordnung wurde nun beschlossen, dem Landtage zu beantragen, der Landesausschuß werde beauftragt, die Petition dem Prager Stadtrathe mit dem Beifügen abzutreten, daß bei der Durchführung der Assanirung auf die in der Petition enthaltene Bitte möglichst Rücksicht genommen werde. Auch die israelitische Kultusgemeinde in Prag hat sich an den Landtag mit der Petition uni die Erhaltung des bezeichneten Friedhofes im Ganzen gewendet. — Merkwürdige Blüthen treibt der polnische Antisemitismus. Ein größtentheils von polnischen Geistlichen besuchter antisemitischer Parteitag in Tarnow beschloß auf Antrag des Paters Czencz, dahin zu wirken, daß Katholiken bei Juden nicht mehr kaufen, nicht leihen, nicht dienen und nicht arbeiten sollen. Auf Antrag des Paters Szczeklik wurde eine Resolution angenommen, wonach im Reichsrathe darauf gedrungen werden soll, daß Katholiken vor jüdischen Richtern keinen Eid abzulegen haben, daß Juden die Eheschließung vor dem vierundzwanzigsten Lebensjahre nicht gestattet werde, daß die jüdischen Kultusgemeinden streng beaufsichtigt und zu politischen Zwecken nicht mißbraucht werden. Dem Anträge des Paters Flis gemäß wurde eine Aufforderung an die neu zu wählenden Reichsraths-Abgeordneten beschlossen, dieselben mögen sich dafür einsetzen, daß bei Lieferungen für die Armee und öffentlichen

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