Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1897)
- Date
- 1897-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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erübrigt nunmehr noch die Abstimmung über den Antrag Tiktin, der mit allen gegen 6 Stimmen abgelehnt wird. Der Antrag des Ausschusses gelangt darauf mit 13 unter 19 Stimmen zur Annahme. — Bei Punkt 3 der Tagesordnung, betr. die Beiträge zum Pensions- und Unterstützungsfonds der Ko sch er fleisch-Verwaltung, wurde die Vertagung von der Kommission gewünscht und von der Versammlung auch ausgesprochen. — Punkt, 4 betr. Kassenordnung, Regulative und Instruktionen, gelangt ohne jede Diskussion nach einem Referate von Herrn Louis Sachs zur Annahme. Neu ist der Punkt, daß eine besondere Steuereinziehungsstelle geschaffen worden ist. — Der nächste Punkt betraf die Veranstaltung von Festgottesdiensten am 21. März. Hierzu wird ein Schreiben des Vorstandes zur Verlesung gebracht, in dem der Beschluß mitgetheilt wird, in den Synagogen Oranienburgerstraße und Lindenstraße den Festgottesdienst abzuhalten. Auf Wunsch des Herrn Leonhard Sachs, daß das Gleiche für alle vier Synagogen bestimmt werden möge, die doch sicher an diesem Tage sämmtlich überfüllt sein würden, giebt Herr Justizrath Meyer sofort sein Einverständniß zu erkennen, wenn der Wunsch des Herrn Sachs allgemein von der Versammlung getheilt werde. Dies war der Fall, und es wurde demgemäß beschlossen. Nachdem noch die Bewilligung eines Beitrages, und zwar in Höhe von 500 Mk., zur Errichtung eines Kaiserdenkmals in Weißen fee ausgesprochen, wurde zum Schluß durch Herrn Leonhard Sachs der Versammlung über die Vermiethung der Stände in den Synagogen im Jahre 1896 Bericht erstattet. Die genaueren Zahlen konnten wegen der schnellen und durch die Akustik des Saales undeutlichen Verlesung von der Tribüne aus leider wieder einmal nicht fixirt werden. Wann wird denn endlich die Akustik dieses Saales, für deren Verbesserung bereits 2000 Mk. bewilligt worden und von der schon so viel die Rede gewesen, wirklich verbessert werden? tv«i Berlin, 24. Februar. Den vierten der Montagsvorträge zum Besten der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt am 22. d. M. vor einem sehr zahlreichen Auditorium Herr Privatdozent Dr. Richard M. Meyer über die beiden Dramen von Lessing: „Die Juden" und „Nathan der Weise", die der Vortragende in sehr geistreicher Weise nach ihrer Anlage und Tendenz mit einander verglich. Er kam dabei zu dem Schluß, daß „die Juden" ein Drama der Toleranz sei, welches polemisch wirke, während „der Nathan" ein Werk der Polemik gewesen sei, das sich zu einer Predigt der Toleranz erhoben habe. Der Vortrag, der reich war an feinen und kritischen Bemerkungen, fand lebhaften Beifall. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur fand gestern der fünfte Diskussionsabend statt. Herr Dr. N. Samter hielt einen sehr interessanten Vortrag über Judenthum und Proselythismus, ein Gebiet, dem der Vortragende seine besondere Aufmerksamkeit bisher zugewandt hat, und das er bekanntlich wie kein Anderer vollständig beherrscht. — An der Debatte über den Vortrag, die manche werthvolle neue Gesichtspunkte eröffnete, betheiligten sich die Herren Dr. Adler, Klausner, Levy, Schäfer, Hausen. tya Berlin, 23. Februar. Infolge einer ihm von auswärts zugegangenen Anregung hat der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, wie mehrfach in früheren Jahren bei patriotischen Anlässen, für diejenigen Mittel- und Klein-Gemeinden, die eines Predigers entbehren, eine Ansprache nebst Festgebet für die Centenarfeier vom 18. März d. I. durch einen bewährten Fachmann ausarbeiten lassen. Die Ansprache, der ein vom hiesigen Lehrer Herrn Gustav Jacobsohn im Aufträge des Berbandsvorstandes der jüdischen Lehrervereine verfaßtes, für die Schulfeier geeignetes Festgedicht beigefügt sein wird, steht den Interessenten gratis und portofrei zur Verfügung, nur muß um rechtzeitige, möglichst umgehende Bestellung im Büreau des D. I. G.-B., Berlin W., Sigismundstraße 5, ersucht werden. g/g Berlin, 19. Februar. Der in journalistischen Kreisen wohlbekannte Schriftsteller Ludwig Heimann, Redakteur der „Zeitschr. f. Versicherungsw.", ist am 16. d. M. hier im 63. Lebensjahre gestorben. Er war im Jahre 1835 in Hirschberg i. Schl, geboren und hat sich durch Arbeiten auf volkswirthschaftlichem Gebiete einen Namen gemacht. Am Freitag Nachmittag wurde derselbe unter großem Trauergefolge auf dem Friedhof in Weißensee beerdigt. Dr. Levin hielt am Sarge eine ergreifende Ansprache, worauf die einfache Feier mit einem ernsten Chor abschloß. Kränze mit besonderer Widmung spendeten u. a. die „Ztg. f. d. Versicherungswesen", der Versicherungsverein, ein Verein Bergbaustudirender und die „Verl. Börsen-Ztg." sowie die Verlags- Handlung von E. S. Mittler u. Sohn. Der Verein „Berliner Presse" sandte ebenfalls für sein langjähriges Mitglied einen Kranz, den Professor Kirchner, Louis Herrmann und Paul Hirschfeld in Begleitung anderer Angehöriger der litterarischen Welt überbrachten. Breslau, 19. Februar. Der Verband zurErziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder hielt am 28. v. Mts. im großen Saale des Cafä - Restaurants seine diesjährige ordentliche General- Versammlung ab. Der Vorsitzende, Professor Dr. Badt, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und erstattete alsdann den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr. Seit Bestehen des Verbandes sind 47 Kinder, 35 Knaben, 12 Mädchen, in Pflege und Erziehung genommen worden. Von diesen Kindern befinden sich gegenwärtig 32, 23 Knaben im Alter von 5 bis 16 Jahren und 9 Mädchen von 8 bis 14 Jahren, in der Obhut des Instituts. Von den entlassenen Zöglingen sind 6 den Angehörigen auf deren Wunsch, weil sie in bessere Verhältnisse gelangt sind, wiedergegeben worden. Die anderen sind dem Handwerkerbezw. kaufmännischen Berufe zugeführt worden. Neuaufnahmen fanden im Jahre 1896 7 statt, 4 Knaben und 3 Mädchen. Die Pfleglinge sind in 13 Familien untergebracht, die allmonatlich von den Mitgliedern des Central-Komitees inspizirt werden. Von Zeit zu Zeit werden die Kinder auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Wie alljährlich wurden die Pfleglinge auch im vergangenen Jahre von dem Chanuka-Komitee mit Kleidungsstücken bedacht. Den Unterricht erhalten die meisten Kinder in der hiesigen Volksschule, einige in der Industrieschule, Mittelschule, Realschule oder Münsterschen höheren Töchterschule. Zum Besten der Verbandskasse wurde ein Konzert veranstaltet, welches derselben einen erheblichen Gewinn einbrachte. Der Vorsitzende dankte im Namen des Vorstandes den Mitgliedern wie allen Gönnern des Verbandes für ihre Opferwilligkeit und richtete an dieselben den Appell, auch in diesem Jahre zum segensreichen Thun ihre Mitwirkung nicht zu versagen. Im Weiteren theilte Professor Badt mit, daß der Verband in der Erwartung stehe, bald die Rechte einer juristischen Person zu erlangen. Die königliche Regierung habe zugesagt, ein diesbezüglich eingereichtes Gesuch zu befürworten. Der Rechnungsabschluß gestaltet sich in folgender Weise: auf 15 221 Mk. beziffert sich die Jahreseinnahme, wobei 4228,80 Mk. als eingegangene Spenden und 1901,40 Mk. als Zuschuß zu den Pflegegeldern von Behörden und Privaten verzeichnet sind, und aus 14 975 Mk. belaufen sich die Ausgaben. Für die Pfleglinge sind 11229,94 Mk. verausgabt worden. Der Verband besitzt ein Vermögen von 26 000 Mk. Dem Vorstand wurde Entlastung ertheilt. In den Vorstand wurden mittelst Stimmzettels folgende Herren gewählt: Professor Dr. Badt, Bernhard Cohn, Isidor Freund, Rechtsanwalt Hirschberg, Theodor Oschinsky, Paul Altmann, Marcus Fuchs, Eugen Schiff, Joel Struck, Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz und Rabbiner Dr. Pleßner in Ostrowo. Zu Revisoren wurden die Herren Lippmann Bloch, Simon Scheye und Hugo Meidner gewählt. Die Aufgabe des Verbandes ist nicht, den Waisenhäusern Konkurrenz zu machen, sondern vielmehr sie zu ergänzen, dort helfend einzutreten, wo sich Lücken zeigen und jene sich als unzulänglich erweisen. Sieben Jahre erst besteht der Verband und nicht weniger als 47 Kinder hat er in dieser Zeit unter seine Obhut genommen. Die Blüthe des Verbandes ist wesentlich das Verdienst seines unermüdlichen Vorsitzenden, des Herrn Professor Dr. Badt. Möge das Interesse wohlhabender Glaubensgenossen diesem Verbände sich immer mehr zuwenden! L. Aus der Provinz Hannover, im Februar. Ueber die Stiftung zu Ehren des Herrn Samuel.Wolfes in Elze zur Erinnerung an den Tag, an welchem er vor 60 Jahren zum ersten Male die Funktion als Mohel ausübte, haben Sie bereits kurz berichtet. Das Komitee, bestehend aus den Landrabbinern Dr. Gronemann-Hannover, Dr. Lewinsky-Hildesheim und Dr. Rülf-Braunschweig sowie aus mehreren hochangesehenen Mitgliedern der Gemeinden zu, Hannover, Hildesheim u. a. O. Die von dem Komitee ausgehende Anregung, eine Sammlung von Geldbeiträgen zu veranstalten zur Gründung einer „Samuel Wolfes-Stiftung", deren Zinsen zur Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen Verwendung finden sollen, fand nicht nur innerhalb der Synagogen- Gemeinden hiesiger Provinz, sondern auch außerhalb derselben in den Nachbargebieten freudige Zustimmung. So konnte denn am Jubiläumstage der Landrabbiner Dr. Lewinsky unter herzlicher Ansprache, welche