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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-26 · Heft 9 (26.2.1897) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 warenwie die GerManeü, und erst durch Vermischung mit den Ketten, einem brünetten Volksstamme, den dunkleren Typus annahmen. Man stützt diese Ansicht einerseits auf die Funde in alten Gräbern, andererseits hauptsächlich auf die Thatsache, daß die jetzigen Repräsentanten der Kelten vorwiegend einen brünetten Typus haben. Zu ihnen gehören unter Anderen die Bewohner Belgiens, des linken RheiNufers, der Westschweiz, und von Süd- und West- Deutschland ein nicht geringer Theil. Wie verschieden aber auch die Färbung der Menschen ist, das Mikroskop lehrt uns, daß in dieser wie in vielen anderen Beziehungen doch eine Einheit unter dem Menschengeschlecht besteht: die Ursache der Färbung und die Farbe selbst ist bei allen Menschen gleich. Die Haut des Menschen besteht wesentlich aus zwei Schichten, der Lederhaut und der Oberhaut. Erstere ist ein straffes Gewebe, das meist in kleinen Wärzchen endet, die z. B. an der Hohlhand mit bloßem Auge zu sehen sind. Letztere hat zu oberst, d. h. an der eigentlichen Körperoberfläche eine Lage von Hornschüppcheu, Hornhaut genannt; unter dieser befindet sich eine Schicht weicherer Zellen, Schleimschicht genannt. Bei allen Menschen nun liegt Farbstoff in dieser Schleimschicht, und dieser Farbstoff ist bei allen ein brauner. Je nachdem viel oder wenig von ihm in dieser Schicht angehäuft ist, erscheint die Haut weiß oder gelb bis schwarzbraun; ein prinzipieller Unterschied besteht nicht. Finden sich doch auch beim Weißen einzelne Stellen am Körper, welche viel dunkler sind als die übrige Haut, z. B. in den Achseln und noch mehr an den Brustwarzen. Sehr treffend sagt daher Virchow: „So verschieden die menschlichen Rassen nach ihrer Färbung sind, vor den Mitteln des Mikroskopikers hört das alles auf: da ist kein Blond, kein Blau, kein Schwarz, alles ist braun. Die blaue Regenbogenhaut des Auges, die wir unter das Mikroskop bringen, erweist sich als versehen mit braunem Pigmente (Farbstoff). Der Neger, dessen Haut wir untersuchen, zeigt uns braunes Pigment; selbst die Haut der zartesten Europäerin, die ganz weiß erscheint, läßt unter dem Mikroskope ein gewisses Quantum Braun erscheinen." So erklärt sich auch, warum blonde Haare weiße Haut und blaue Augen einerseits und braunes Haar, braune Augen und dunkle Haut zusammengehören. Die letzteren haben viel braunen Farbstoff in allen diesen Theilen, die ersteren nur spärlich. Die geringe Menge desselben läßt das Auge deswegen blau erscheinen, weil die schwarze innere Auskleidung des Auges durch die fast farblose Regenbogenhaut hindurchschimmert. Nur eine Färbung macht eine Ausnahme von dieser Regel, ihr liegt kein brauner, sondern ein rother Farbstoff zu Grunde, der wahrscheinlich auch nur eine Abart-des braunen ist. Merkwürdigerweise findet sich diese Färbung nur an den Haaren, während die Haut sogar meistens auffallend hell und zart ist, höchstens auffallend viel Sommersprossen den Teint verunstalten. Dabei findet sich das Roth in allen Nuancen, vom hellen bis zum dunkeln. Bei den Negern soll es keine Rothhaarigen geben, sonst aber finden sie sich unter allen Völkerschaften, und besonders häufig bei den Finnen und den Juden, obgleich diese mehr braunen, erstere mehr blonden Typus haben. Im llebttgen aber wird die verschiedene Hautfarbe, wie gesagt, nicht durch verschiedenartigen Farbstoff bedingt, sondern nur durch die Menge (Quantität) ein und desselben. Was verursacht aber, so wird man sich fragen müssen, die ungleiche Anhäufung des Farbstoffes? Die Nächstliegende Antwort scheint die zu sein, daß das Klima, daran schuld sei. Sehen wir doch, daß die Europäer dunkler werden, wenn sie nach heißen Zonen kommen, und umgekehrt die Farbigen etwas heller, wenn sie in nördlicheren Gegenden sich aufhalten. Jndeß bei näherer Untersuchung erweist sich schon die Voraussetzung, daß die Menschen um so hellere Hautfarbe haben, je weiter sie vom Aeguator entfernt wohnen, als unwahr. Denn nördlich von den blonden Finnen wohnen z. B. die bräunlichen Lappländer, und die Bewohner der Sandwichs-Juseln sind andererseits dunkler als die mancher unter dem Aequator belegenen Inseln. Im Gegentheil hat die Sonne im Wesentlichen einen bleichenden Einfluß; denn die von Kleidern bedeckten Körpertheile Pflegen bei den Bewohnern aller Zonen dunkler zu sein als die unverhüllten. Man weiß noch wenig darüber, warum die Menschen eine so verschiedene Hautfarbe haben. Nur das Eine ist gewiß, daß sie von den Eltern auf die Kinder übertragen wird, und sich so forterbt. Es wohnen z. B. seit langer Zeit vier verschieden gefärbte Völker in Amerika zusammen, die Indianer, Chinesen, Neger und Europäer, aber ihre Hautfarbe hat sich durch alle Generationen erhalten. Das ist natürlich nur der Fall, so weit sie sich nicht durch Heirathen direkt mit einander vermischt haben. In solchen Fällen freilich ändert sich die Hautfarbe .und nimmt bisweilen ein ganz charakteristisches Aussehen an. Beachtenswerth ist dabei, daß bei einer Vermischung von Negern und Europäern das Negerblut sich stärker erweist als das der letzteren; die folgenden Generationen behalten lange die dunkle Färbung. Die Kinder kommen jedoch nicht mit der Farbe ihrer Eltern auf die Welt; die Neugeborenen aller Völker haben ein ähnliches Hantkolorit. das infolge der starken Füllung der Gefäße strotzend roth ist. Bei den farbigen Völkern ist allerdings dem Roth am Rumpf etwas Braun beigemischt, aber nicht bei allen, und das äußert sich eigentlich auch nur darin, daß das Roth weniger lebhaft erscheint als bei dem der jungen Weltbürger Europas. Je südlicher das Land ist, desto schneller pflegt die Hautfarbe des Neugeborenen in die seiner Eltern überzugehen. Gewöhnlich vollzieht sich der Uebergang innerhalb des ersten Lebensjahres, während dessen die Hallt bei manchen Kindern eine Zeit lang schiefergrau aussieht; in gemäßigteren Zollen vergehen drei Jahre und darüber, ehe die Kinder die Farbe ihrer Eltern vollständig angenommen haben. Namentlich bleiben die Kinder der Japailer ziemlich lange hell in der Farbe und machen mit ihren Rosenwangen und ihrem kleinen, kirschrothen Munde einen allerliebsten Eindruck. (Fortsetzung folgt.) --II - H- --ii - H -——j M rflllAJirh;1. m I 1 FEUILLETON 1 * l i ES'IWIlilWi ü -II—II ■ - —■ ■■ -. ——II—II- Andere Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der jüngsten Vergangenheit, von Gotthard Deutsch. Füufundzwanzigstes Kapitel. Krone und Kreuz. fie Festhalle, ein für diesen Zweck im Hofe des Fabrikgebäudes errichteter Holzbau, war mit Fahnell in den Reichs- und Landesfarben geschmückt; über dem Eingang prangte das Stadtwappen und gegenüber an der Spitze der Tafel das Familienwappen des Statthalters, kunstvoll aus Reisig zusammengesetzt. Die Damen wurden vorgestellt, und der Statthalter reichte der Frau Bürgermeisterin ben Arm, um sie zu Tische zu führen. Awrom bat um die Ehre, die Frau Rittmeister von Burgheim zu Tische zu führen, um es ihr zu ermöglichen, an der Seite des Ehrengastes zu sitzen. Sie lehnte es mit einem verbindlichen Lächeln ab.

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