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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-19 · Heft 8 (19.2.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 8 (19.2.1897)
Date
1897-02-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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an Antheil an der mit der Armenkommission der Synagogen-Gemeinde gemeinschaftlich vorgenommenen Naturalien - Vertheilung 219,85 Mark, Vertheilung von Geld und Mazzes und Speisung am Passahfeste 216,37 Mark, insgesammt inklusive von Gehalt, Remunerationen, Drucksachen u. s. w. die Summe von 8669,67 Mark gegenüberstehen. Unsere. Gemeinde weiß ihren Ruf der Wohlthätigkeit sich zu erhalten, trotzdem ein großer Theil der Armenlast zur Zeit und schon seit vielen Jahren nicht von der Gesammtheit getragen wird, da von den 657 beitragenden Gemeindemitgliedern nur 354 diesem Vereine angehöcen. — Aus unserer Nachbarstadt Hildesheim wird berichtet, daß infolge des Arbeitszwanges mit Naturalverpflegungsstation, welche die Stadtverwaltung aus ihre Kosten eingerichtet hatte, die Zahl der die Verpflegung in Anspruch nehmenden Durchreisenden von 10 658 im Jahre 1895 auf 6095 im Jahre 1896 zurückgegangen ist, unter ihnen waren nur 10 jüdische Durchreisende. Unter den Mitgliedern des Vorstandes befinden sich'auch jüdische Mitbürger. — Der Provinziallandtag bewilligte die alljährlich im Etat aufgestellten 16 500 Mark für das jüdische Gemeinde- und Schulwesen der Provinz Hannover. — Ein erfreuliches Zugeständniß war es, daß in der Hauptversammlung der Schuhmacher- und Lohgerber-Innung der Vorsitzende bei der Mittheilung, daß unter den fünf verstorbenen Jnnungsmeistern auch der Meister Wertheimer ein Jude sei, und besonders betonte, daß er ein braver Handwerker gewesen. Möchten doch "alle unsere Handwerker, deren es weit mehr giebt, als die Antisemiten zugestehen, danach streben, sich die Achtung ihrer Handwerksgenossen zu erringen. M Magdeburg, im Februar. Der vom Rabbiner Dr. Rahmer im Jahre 1872 ins Leben gerufene Israelitische Wittwen-und Wäisen-Unterstützungsverein hielt Ende Januar die statutenmäßige Jahresversammlung im Gemeinde-Konferenzzimmer ab. Dem Verwaltungsbericht über das abgelaufene Jahr 1896 entnehmen wir Folgendes: Die Einnahmen bestanden in den regelmäßigen Jahresbeiträgen der 204 Bereinsmitglieder ---- 1467,50 Mark, ferner in außerordentlichen, einmaligen Spenden im Betrage von 290,30 Mark, darunter ein Geschenk des Herrn Selmar Kauffmann von 200 Mark, endlich in den sich auf 2337,60 Mark belaufenden Jahreszinsen des Stiftüngskapitals. Gegenüber dieser Gesammteinnahme von 4095,35 M. betrugen die Ausgaben an Unterstützungsgeldern für Wittwen und Waisen 3343,60 Mark, ferner an Verwaltungskosten 163,95 Mark, insgesammt 3507,55 Mark. Die Vermehrung des Gesammtvermögens, das durchweg in sicheren, zinstragenden Papieren angelegt worden, ist im Laufe des verflossenen Jahres um 524,56 Mark gestiegen, und hat dasselbe am 31. Dezember 1896 die Höhe von 68 094,23 Mark erreicht. In der Generalversammlung am 30. Januar gab der Vorsitzende, Herr Oberstabsarzt ä. D. Dr. Rosenthal, einen allgemeinen Ueberblick über die Leistungen des Wohlthätigkeitsvereins in der abgelaufenen Zeitperiode. Die bei Stiftung des Vereins - vorwaltende Absicht, unter alleiniger Inanspruchnahme der Jahresbeiträge- und der außerordentlichen Spenden zu den laufenden Ausgaben möglichst die ganzen Zinsen des Stiftüngskapitals zu ersparen und so lange diesem zuzuschlagen, bis eine zur Gründung eines hiesigen israelitischen Waisenhauses genügende Geldsumme bereit liege,'habe gegenüber der Nothwendigkeit, vorhandenen dringenden Nothständen durch die verfügbaren Mittel abzuhelfen, niemals verwirklicht werden können. Ueberdies sei der Mangel eines eigenen Waisenhauses bis jetzt noch nie dringend hervorgetreten, indem Waisenkinder der Gemeinde im Bedarfsfalls in auswärtigen israelitischen Anstalten sowohl, wie auch im hiesigen Reichswaisenhause immer gern und unter günstigen Bedingungen Aufnahme gefunden hätten. Herr Rabbiner Dr. Rahmer macht darauf aufmerksam, daß im Oktober dieses Jahres der Verein 25 Jahre bestehe, und regte eine Jubiläumsfeier des Vereins - an. Der Vereinsvorstand wird der Ausführung einer solchen zur Zeit näher treten. — Die von den Revisoren beantragte Decharge wird hierauf dem Vorstände ertheilt. Schließlich erfolgte die Wiederwahl des statutenmäßig aus dem Vorstande äüsscheidenden Herrn Victor Simon I auf die Dauer von zwei Jahren als Vereinskassirer. — Aus dem Kassenbericht des Israelitischen Frauenvereins, welchem 270 Frauen augehören, sei mitgetheilt, daß -die Einnahmen im abgelaufenen Jahr 3020 Mark, die Ausgaben- 2585 Mark betrugen. Das Gesammtvermögen beläuft sich jetzt auf 11927. Mark. Der Vorsitzende des Vereins ist der-Rabbiner Dr.' Rahmer, der allmonatlich die festgesetzten Spenden an die unterstützungsbedürftigen Frauen (Wittwen und Waisen) selbst vertheilt. Rendant ist seit bald 25 Jahren Herr Jsaac Simon. Zwölf Damen bilden den Vorstand. , U. Coethen, 13. Februar. Der israelitische Humanitäts- Verein beging heute die glänzende Feier seines 70jährigen Bestehens. Nur Wenige waren es, die vor 70 Jahren zusammentraten, um diesen .Liebesverein zu begründen; heute verfügt er sowohl über eine stattliche Anzahl von Mitgliedern, als auch über ein. beträchtliches Vermögen. Die Feier, welche in einem Festessen bestand, verlief glänzend. Nachdem Herr Bankier Sonnenthal den Toast auf den Landesfürsten, den Herzog von Anhalt, ausgebracht hätte, hielt Herr Rabbiner Dr. Seligkowitz die Festrede, in welcher er hervorhob, daß Pietät gegen vergangene Geschlechter und echter Wohlthätigkeitssinn von jeher die charakteristischen Merkmale des Judenthums waren, und so lange noch diese zwei Lichtsäulen innerhalb des, Judenthums vorhanden sind, wird sich unser Volk stets mit seinem Gotte versöhnen können. Die, Festrede war von ergreifender Wirkung auf die Anwesenden. Nach Beendigung der Tafel begann der. unterhaltende Theil des Abends. a: Barmen, 11. Februar. Ueber die Einweihung uns er erneuen Synagoge haben Sie schon, kurz berichtet. An derselben nahmen Theil die städtischen Behörden, der Bürgermeister (in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters), Beigeordnete, Stadtverordnete, die Direktoren der hiesigen höheren. Schulen, Vertreter der hiesigen katholischen Gemeinden, der Kreisschulinspektor, Vertreter der Barmer Presse. Der Chor sang zuerst „Ma tobu“, alsdann vollzog Rabbiner Dr Koch die Weihe, dann wurde ^Halle!« gesungen. Darauf hielt unser Herr Rabbiner die Festpredigt, welche einen tiefen Eindruck, hervorbrachte. Die christlichen Theilnehmer waren von der. Feier entzückt, was sie auch den Gemeindebehörden gegenüber zum Ausdruck brachten. Nach der Predigt sang der Chor „Odcho ki anissoni“, worauf Hr. Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld die Grüße und Glückwünsche der Elberfelder Gemeinde, dessen Vorstand und Repräsentanz korporativ the.i.lnahmen, überbrachte. Darauf sang der Chor: „Hebe Deine Augen auf" und „'Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht". Abends fanden Aufführungen statt, vor allem waren glänzend gelungen fünf lebende Bilder aus jüdischer Geschichte und Leben. Das 1. Bild: „Auffindung Moses", 2. „David vor Saul", 3. „An den Strömen Babels saßen wir und weinten, 4. „Freitag Abends im jüdischen Hause", 5. „Nathan vor Saladin (Nathan der Weise). Sonntag fand ein Festessen zu 400'Couverts statt, darauf kamen Aufführungen und Ball, an denen sich ca. 800 Personen betheiligten. Die Synagoge ist -von Professor Levy-Karlsruhe in maurischem Stile erbaut und bildeteine' Zierde unserer Stadt. Sie ist vollständig elektrisch beleuchtet. . o. Karlsruhe, 5. Februar. Eine sehr interessante Frau, die-letzte ihres Stammes, ist hier im hohen Alter gestorben, nämlich die Baronin Julie v. Haber. Sie war, wie gesagt, die letzte, dieses adeligen Namens, welche auf dem israelitischen Friedhofe beerdigt wurde. Die zahlreichen Theilnehmer bei dem Leichenbegängnisse waren, mit Ausnahme des Herrn Stadtrabbiners Dr. Appel und einiger anderen Funktionäre, fast alle Christen, meist Adelige. Die Verstorbene war allein dem Judenthum treu geblieben. Sie hatte testamentarisch angeordnet, daß nach ihrem Ableben. 2000 M. an jüdische Arme vertheilt werden sollen.- In ihrem Hause fand man hebräische Gebetbücher mit deutscher Uebersetzung, die von einem öfteren Gebrauche zeugten. Sicher Ist es nur ihrem Einflüsse zu verdanken, daß ihr im Tod Vorangegangener Gemahl Max v. Haber und ihr einziger Sohn, derals Offizier den Krieg von 1870/71 mitgemacht hatte und einige Jahre später ebenfalls verstorben ist, dem Judenthum treu geblieben sind- Der Schwiegervater -der Verstorbenen, Salomon o. Haber, im Jahre 1760 in Breslaw geboren^ war der Sohn armer Eltern; er hatte sich durch fernen Unternehsnmgsgeifk ein großes Vermögen erworben und ließ sich Ende des Jahrhunderts in -Karlsruhe ^häuslich nieder. Habers Unternehmungsgeist verdankt Baden seine bedeutendsten Fabriken. Großherzog Karl ernannte ihn zum Hofbankier, und Großherzog Ludwig verlieh ihm . 1829 den erblichen Adel. Er starb im Jahre 1840. Als ein Sohn desselben,.Moritz v. Haber, sich mit einem Offizier, Freiherrn v. Göler, duellirte und dieser fiel, erregte dies in Karlsruhe großen Unwillen, und Haber mußte

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