Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Vortrage berührte, noch ausführlichere Erörterungen, theils vom Redler selbst, theils von anderen Mitgliedern dds Vereins, in Aussicht gestellt., wurden. . .; •! F. Breslau, 6. Februar. Wie alljährlich, beging auch diesmal das Jüdisch-theologische Seminar am 27. v. Mts^in^ Verbindung mit der Feier des Geburtstages des Kaisers die Gedächtnisfeier für den Stifter der Anstalt, Kommerzienrath Jonas Frankel. Die Festrede hielt der Seminardozent Herr Dr. M. Brann. Anschließend daran fand die feierliche Entlassung des einen Kandidaten, Herrn Dr. Grunwald-Hamburg, durch den Seminarrabbiner Herrn Dr. I. Lewy statt, der mit einer Ansprache dem Kandidaten das Rabbinatsdiplöm überreichte, Hierauf ergriff Herr Dr. Grunwald das Wort, um in seinem und seines Kollegen, Herrn Dr. L. Wreschler, Namen, welcher der offiziellen Entlassungsfeier beizuwohnen verhindert war, von den Lehrern .und Kollegen in herzlicher Weise Abschied zu nehmen. Nach dem Jahresbericht zählte, das Seminar zu Beginn des' Sommersemesters 32, zu Beginn des Wintersemesters 29 Hörer. Berufen wurden von ehemaligen Hörern des Seminars im verflossenen Jahre die Herren: Dr. Berger zum Rabbiner in Krotoschin, Dr. Burstyn zum Rabbiner in Ungarisch Hradisch. Die Bibliothek der Anstalt erfuhr auch in diesem Jahre eine beträchtliche Vergrößerung. Der Verein Liwjath-Chen, dessen Aufgabe es ist, unbemittelte Hörer des Seminars in zartsinniger Weise zu unterstützen und vor dringender Noth zu schützen, hat auch in Diesem Jahre Theilnahme und Unterstützung gefundenleider jedoch nicht in dem Maße, daß es dem Verein möglich gewesen wäre, den an ihn heraytretenden Aufgaben in ausreichender Weife Genüge zu leisten. Der Vorstand richtet an edle Menschenfreunde einen warmen Appell, durch Unterstützungen und Zuwendungen das gemeinnützige Wirken des Vereins zu fördern. Dem Jahresbericht geht voran als wissenschaftliche Beilage: „Geschichte der Juden in Schlesien", II, 1335 bis 1400 von Dr. M. Brann. — Der Kantor der hiesigen Synagogengemeinde zum Storch, Herr M. Rosenthal, feierte vergangenen Sonntag das Doppeljubiläum seiner 25 jährigen Amtstätigkeit und Silberhochzeit. Unrer den zahlreichen Gratulanten befand sich auch eine Vertretung der hiesigen jüdischen Gemeinde, in deren Auftrag wie im eigenen Namen Herr Rabbiner Dr. Rosenthal an den Jubilar eine herzliche Ansprache richtete. Möge dem allgemein beliebten Beamten eine weitere glückliche Thätigkeitbeschieden seim Breslau, 15. Februar. Am 10. d. Mts. ist hier im 56. Lebensjahre Hermann Haber gestorben. Die tiefschmerzliche Kunde wird fast überall wie eine völlige Ueberraschung gewirkt habenobwohl man wenigstens in den Kreisen der näheren Bekannten des nunmehr Verschiedenen seit längerer Zeit wußte, daß seine Gesundheit keine gefestigte sei. Hermann Haber war am 18. November 1840 in Bernstadt in Schlesien geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit trat er in das Geschäft seines Vaters, des Inhabers der bekannten Wollfirma Julius Haber, ein, und nach dem 1877 erfolgten Tode desselben übernahm Hermann Haber erst gemeinschaftlich mit seinem Bruder und dann allein die Führung des umfangreichen Geschäftes, die alsdann in seinen Händen verblieben ist. Der Kreis seines engeren Berufes vermochte indeß einen Mann, wie Hermann Haber, nicht auszufüllen, und so stellte er seit einer sehr langen Reihe von Jahren alles, was er von Zeit und Kraft erübrigen konnte, bereitwilligst in. den Dienst der öffentlichen Interessen. Die Zahl der Ehrenämter, die man ihm übertragen hatte, war eine fast übergroße, und nur schwer entschloß er sich, in letzter Zeit dieses oder! jenes Amt mit Rücksicht auf ferne Gesundheit aufzugeben. So bekleidete Haber seit 1882 das Ehrenamt eines Handelsrichters, das er erst 1895 niederlegte, weil er sich vollkommen überbürdet fühlte. Dankbar wird man sich auch daran erinnern, daß er seiner Zeit einer der Mitbegründer, des hiesigen Humboldt-Vereins war. Von den zahlreichen Vereinen und Gesellschaften, denen Hermann Haber als Vorstandsmitglied angehörte, erwähnen wir nur die Gesellschaft der Freunde und das Handlungsdiener-Jnstitut. Ferner war Hermann Haber einer der drei Kuratoren der Fränckel'schen Stiftung. Sein mildthätiger Sinn, verbunden mit. einer geradezu erstaunlichen Personenkenntniß, ließ ihn für dieses Amt ganz besonders geeignet erscheinen, und seine Mitthätigkeit an der , Verwaltung dieser umfangreichen Stiftung erhöhte die Gewähr, daß dieselbe ganz im Sinne des edlen Stifters geleitet wurde. Im Jahre 1880 wurde Hermann Haber in die Stadtverordneten-Versammlung gewählt. der er seit jener Zeit unausgesetzt als eines der thätigsteu und einflußreichsten, Mitglieder angehört - hat. Nicht minder schwer als in der Stadtverordneten -Versammlung wird man Hermann Haber in dem politischen Leben unserer Provinz vermissen. War er doch der Führer der freisinnigen Volkspartei in Schlesien, und sein Örganisations- und Rednertalent, sowie sein unvergleichliches Personengedächtniß und vor allem die Hochachtung, die ihm Jedermann entgegen bringen mußte, machten ihn dazu ganz besonders geeignet. Eine Betheiligung, wie sie in 'solchem Umfange in Breslau zu den wirklich seltenen. Erscheinungen gehört, entfaltete sich hei der Beerdigung Hermann Habers. Ein kleiner Raum war für die nächsten Angehörigen' und die Mitglieder des mit dem Oberbürgermeister Bender an der Spitze fast vollzählig erschienenen Magistrates sowie die Stadtverordneten, die zahlreich vertreten und deren Bureau, vom Vorsteher Geheimen Justizrath Freund geführt, vollzählig anwesend war, freigehalten worden. Mit dem Glockenschlagr zwölf Uhr setzte der Sängerchor -der großen Synagoge mit den weihevollen Tönen der Todtenklage ein, und dann trug Kantor Cerini mit der gaüzen Fülle seiner Stimme dasergreifende Todtengebet vor. — „In der Fülle seiner Kraft," begann Rabbiner Dr. Guttmann seine kurze Rede, „ist einer der Besten uns hinweggenommen worden; ein Mann,. dessen Charakter lauter und klar war, dessen Leben in strahlender Untadelhaftigkeit vor uns liegt, der alle seine Kräfte für das Gemeinwohl eingesetzt hat und der eine unaussüllbare Lücke.. hinterläßt. Trostlos stehen seine Hinterbliebenen am. Sarge des so unvermutet Heimgegangenen, der als letzten Wunsch aussprach, er wünsche ,seine Rede an seinem Sarge. So schwer es uns fällt, der Wille des Verstorbenen muß von uns geehrt werden." Nach dem Segensspruch' nahmen die Träger den Sarg auf, dem der endlose Zug im letzten Geleit folgte. Am Grabe erklang noch ein kurzer Weihegesang, dem der Friedensspruch sich anschloß: „Vom Staube bist du genommen, zum Staube sollst du werden", dann sank der'Sarg in die Tiefe, in welche die trauernde Familie und die trauernden Theilnehmer ihm den letzten Liebesgruß nachsandten, und der. Hügel wölbte sich über Hermann Habers kühler Ruhestätte.. . K. Hannöver, im Februar. Der Landrath v. Oden in Duderstadt, veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Die Gemeindeoorstände veranlasse ich, mir bis spätestens zum 21. d. Mts. ein Verzeichniß der in der Gemeinde wohnenden Juden mit folgenden Angaben einzureichen: 1. Laufende Nummer, 2. Name, Stand bezw. Beruf, 3. Stellung zum Haushaltungsoorstande (ob Ehefrau, Sohn, Tochter und dergleichen), 4. Geburtsdatum, 5. bei Kindern im schulpflichtigen Alter, ob, wo und durch wen dieselben jüdischen Unterricht erhalten. Falls Juden in einer Gemeinde nicht wohnen, können Vakatanzeigen unterbleiben." Die ganze Enquete, gilt wohl nur der Nummer 5? Aber es märe interessant zu erfahren, ob auch anderswo solche Anfragen ergangen sind. — Ein seltenes Jubiläum hat am 3. Februar Herr Samuel Wolfes in Elze gefeiert, an. diesem Tage hat er vor 60 Jahren die Funktion als „Mohel" zum ersten Male ausgeübt. Um dem Jubilar auch ein äußeres Zeichen: tief empfundener Freude über, seine Wirksamkeit, im Dienste der Religion zu geben, hatten eine Anzahl seiner Freunde beschlossen, eine Sammlung von Geldbeiträgen zur Gründung einer „Samuel Wolfes. Stiftung", deren Zinsen zur Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen Verwendung finden sollen, zu veranstalten. Das Kapital ist dem Jubilar, an seinem Jubiläumstage im Namen der Spender überreicht worden. — Die Söhne des verstorbenen Königlichen Geheimen Kommerzienrath Louis E. Meyer Haben auch in diesem Jahre an seinem Todestage, 27. Sch'wat, die.Zinsen der von ihnen zu seinem Andenken errichteten Stiftung durch reiche Zuwendung an Vereine und Armenkassen zur Vertheilung gebracht und im Sinne und Geiste des Hingeschiedenen mancher Noth und manchem Leid, in jüdischen wie in christlichen Kreisen, abgeholsen. — Die .Einnahmen des „Vereins zur Unterstützung israelitischer Armen und Beseitigung der Hausbettelei in der Synagogen - Gemeinde zu Hannover" ergeben, nach dem Rechenschaftsbericht für das sechzehnte Jahr seines Bestehens, vom 1. April 1895 bis 31.. März 1896, 9860;78 Mark, denen an Ausgaben für Unterstützungen an hiesige Arme in monatlichen und vierteljährlichen Raten 2626 Mark; an einmaligen .Unterstützungen an hiesige Arme 319 Mark; an Darlehen und Vorschüssen 30 Mark; an Unterstützungen an durchreisende Arme baar 3511,60 Mark, für Speisung an Sabbat und Festtagen 489,60 Mark;