Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-19 · Heft 8 (19.2.1897) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 8 (19.2.1897)
Date
1897-02-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228211--53501-3267427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

fliehet. Ein anderer Sohn, Louis v. Haber, hatte nach dem Tode seines Schwiegervaters eine Zuckerfabrik in Böhmen' übernommen. Er - war Begründer^ großer industrieller Institute in Oesterreich. In Anerkennung seiner Verdienste hat ihn der Kaiser von Oesterreich in den . erblichen Freiherrnstand erhoben und zum Mitglied des Herrenhauses berufen.; / Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 14. Februar. Bekanntlich hat der Landtag in seiner antisemitischen Majorität eine Subvention für israelitische Waisenkinder verweigert, nun giebt sich für diese armen verdrängten Waisen dys größte Interesse im Publikum kund, und die Spenden laufen zahlreich ein; so hat u. a. Nikolaus Dumba dem Vereine zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen , der Wiener israelitischen Kultusgemeinde 200 fl., gespendet. Ebenso Freiherr v. Chlumecky.. Freiherr Albert v. Nothschild hat dem Verein 2000 fl., Herr Sigmund Trebitsch 1000 fl. gespendet. Gleichfalls mit dem Ausdrucke tiefster Entrüstung über das Vorgehen der Antisemiten sandten Spenden Graf Dubsky. Frau Helene Sueß, Baron Leitenberger, Kommerzialrath Pacher u. v. A. — Daß . der Antisemitismus an den hohen Würdenträgern der Kirche keine Anhänger findet, dafür möge folgender Bericht aus dem erzkatholischen Salzburg als Beweis dienen: „Gestern stellte fich unser neugewählter' Rabbiner, Herr Moriz Bach, dem Kardinal Fürst-Erzbischof Dr. Halter vor. Während des Gespräches beklagte sich der Rabbiner über das stete Anwachsen des-Antisemitismus, worauf der Kardinal erwiederte: „Das ist ja nur eine Zeitströmung, das wird bald vergehen." — In Graz wurde die Berufung des ehemaligen ZeitungsHerausgebers Josef Feichtinger gegen seine Berurtheilung zu fünfzig Gulden Geldstrafe wegen Beleidigung der .Stadtrathskommissäre vom. Landesals Berufungsgerichte, unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Possek, als unbegründet verworfen. — Am 11. d. Mts, feierte Professor Dr. O ser das 26jährige Jubiläum als Primarius des Rothschild-Spitales. Eine Deputation 1>er Kultusgemeinde, der Poliklinik, des Vereins für israelitische Handwerker und zahlreiche andere humanitäre Anstalten überbrachten dem Jubilar Glückwünsche; in der Gesellschaft der Äerzte wurde ein Bankett zu Ehren des berühmten Arztes abgehalten. 8. Budapest,. 10. Februar. Die israelitisch-ungarische Litteraturgesellschaft hat endlich nach mehrmonatlicher Pause ihre Thätigkeit wieder ausgenommen. Die lange Reihe der die Ziele der Gesellschaft so sehr fördernden Vorlesungen eröffnten am letzten Sonnabend Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn und Dr. Adolf Agai (Porzö) mit Borträgen, die bei dem zahlreich erschienenen Publikum'großen Beifall erzielten. Die Borträge des Oberrabbiners Dr. M. Klein-Groß- Beeskerek und Emil Makai werden den nächsten Vortragsabend äussüllen. Das von der Gesellschaft herausgegebene, von Bacher sind Banoczy vorzüglich redigirte Jahrbuch ist soeben, erschienen und wird von der gesammten Presse wegen seines reichen Inhalts sehr günstig besprochen. In ihrem Verlage erschien auch gleichzeitig die preisgekrönte „Geschichte der Juden in Oedenburg" vom Rabbiner Dr. Max Pollak, der in diesem Werkes dem 75 bisher noch nicht edirte Dokumente beigefügt find, die Leidensgeschichte seiner Gemeinde von den ältesten Zeilen bis heute erzählt. Dieses Werk verdient die Aufmerksamkeit und die Beachtung nicht nur der Geschichtsforscher, sondern auch der für die Geschichte Ungarns sich interesstrenden gebildeten Welt. — Die Munizipalität des Szabolcser Komitates betraute den Advokaten Dr. Emil H offmann, für die Monographie des Komitates die Geschichte der jüdischen Gemeinden auf dem Gebiete desselben Komitates zu schreiben. — Die große Kommission für den israelitischen Landesfonds faßte den Beschluß, im Interesse dieses im Dienste nationaler und religiöser Zwecke stehenden Fonds eine umfassende Aktion einzuleiteü,r m welche die ganze ungarländische Judenheit, Korporationen und Einzelne, einbezogen werden sollen. Mit der Ausführung des Projektes wurde ein engeres Komitee betraut. — Die Szolnoker Kultusgemeinde wckhtte den Gerichtsrath Wilhelm Lippe zum Präsidenten, der sich zur Aufgabe machte, die Gemeinde zu einer Mustergemeinde zu machen. — Pros. °Dr. Moriz Staub wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Unterrichtswesens der Titel eines königlichen.Rathes verliehen, r ^s wurden ferner ausgezeichnet!durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens Max Grünb autn, Vorsteher der Pester israelitischen Religionsgemeinde- und Michael Fischh off, Präsident des Ungärvereins in Breslau; durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone: Oberrabbiner Lasar Löw in UngvLr und Dr. Karl Weiß in Breslau; durch Erhebung in den ungarischen Adelsstand der königliche Rath Dr. Josef Hüvos; durch Verleihung des Franz Josef-Ordens mit dem Stern Baron Armin Popp er, der opferwillige Mäcenas der oberungarischen Synagogen und Schulen; durch Verleihung des Eisernen Kronenordens 3. Klasse Peter Herzog de Csete. , Von Nah und Fern. — Kommerzienrath Albert Arons, königl. niederländischer Hofbankier und Inhaber der alten,-'im Jahre 1806 gegründeten Bankfirma Gebrüder Arons, ist nach kurzem Leiden im 71. Lebensjahre gestorben. — Herr Martin Zachart, hier. Neue Königstraße 8, geborener Berliner und Besitzer der ältesten hiesigen Grabdenkmal-Fabrik, feierte am 15. d. Mts. sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum. — Der Ahlwardt ist wieder da! Aus Bremerhaven kommt gute Kunde: Der Lloyddampfer „Oldenburg" hat ein kostbares Kleinod der deutschen Erde wiedergegeben, denn seiner Kajüte entstieg der „Rektor aller Deutschen". Was den Herrn Reichstagsabgeordneten für Friedeberg- Arnswalde aus dem Dollarlande in die Heimath zurückgetrieben hat, wird er hoffentlich demnächst persönlich seinen lauschenden Zuhörern erzählen. — Der Redakteur der antisemitischen „Charlottenburger Nachrichten", Oswald Knorr, ist wegen Beleidigung des Amtsrichters Dr. Hirsch, den er beschuldigt hatte, „gegen seine bessere Ueberzeugung geurtheilt zu haben", zu 6 Monaten Gefüngniß verurtheilt worden. — Dr. Philipp Goldberger vom jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau, Erzieher am israelitischen Wäisenhause daselbst, ist zum Rabbiner in Marienbad gewählt worden. — In Frankfurt.«. M. fand eine Versammlung des deutsch-nationalen (antisemitischen) Handelsgehilfenverbandes statt. Esr-max die Gründung eines antisemitischen Verbandes beabsichtigt.; Nach stürmischen erregten Debatten wurde eine Resolution angenommen, welche den Antisemitismus als wirthschastlich reaktionär erklärt, von seinem Hineintragen in die Handelsgehilfenbewegung eine Zersplitterung befürchtet und zur Bekämpfung des deutsch-nationalen Verbandes auffordert. — Zum Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde ^Floridsdorf wurde Dr. Rosenmann aus Bisenz einstimmig gewählt, — Nach langem schweren Leiden ist der Großgrundbesitzer DavidPischitz v. Heves in Budapest im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Verblichene, der ursprünglich auf kommerziellem Gebiete thätig war^ nahm an der Humanitären Thätigkeit seiner Gattin hervorragenden Antheil und erfreute sich in allen Kreisen lebhafter Sympathien. - Vor anderthalb Jahren verlieh ihm der Kaiser in Anerkennung - seiner gemeinnützigen Thätigkeit den ungarischen Adel mit dem Prädikate „Hevesi". — Baronin Hirsch hat. zur Gründung eines jüdischen Hospitals in Warschau. 100000 Rubel gespendet — Zu Rittern der Ehrenlegion sind ernannt .nrorchen.: .Prof. Hartwig Der enb o urg, Architekt Erich Ulmann, Isidore Bloch, Mitglied des Oberraths von Algier, Georges Hement, Schriftsteller in Paris und Louis Levy, Büreauchef der Central-Adminislration im Mimsterium der öffentlichen Arbeiten, M. Wolfs, Eskadronchefund Artilleriedirektor in Tunis. Das Offizierkreuz der Ehrenlegion hat der russische BUdhauer Leopold Bernstamm erhalten., — Societedes Etuides-Juiyes hat in ihrer jüngsten Generalversammlung Mauriee Vernes, einen Christen, zu ihrem ersten Präsidenten erwählt. 777- -In Italien bekleiden folgende Juden die höchsten Chargen^ in;jb£^iÄmeer General O tto - le nghi, Kommandant von - Turin,- -der:.-M-'.MMrische Erziehung des Kronprinzen geleitet hat, die Obersten S egre,, deBe n e d i t ti, Direktor der Artillerie, Lattes, Sanguineitr;iM^Kriegsministerium, die .Oberstlieutenants Jona, Donat.o und Ärtom, Flügeladjutant des Königs. — In Rotterdam ist E. L.Jacobson, eines der angesehensten dortigen Gemeindemitglieder, Mitglied der Handelskammer, und Rttter des Löwenordens, gestorben. . 7 : . Druck und.Verlag von' Rudölf Äl0i?e in Berlin, .! .: Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.