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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-19 · Heft 8 (19.2.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 8 (19.2.1897)
Date
1897-02-19
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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6l. Ächrgang. tlr. 8. Berlin. 19. Februar 1897. Weitage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 16. Februar. Zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums fand gestern der dritte der Montagsvorträge statt. An Stelle des erkrankten Herrn Dr. M. Schreiner verlas einer seiner Schüler, Herr Dr. Walter, den angekündigten Bortrag: „Was ist uns die Wissenschaft des Judenthums?" In anschaulicher Weise wurden darin die Wandlungen und Entwickelungsphasen der Lehre des Judenthums wiedergegeben und die geistigen Führer der verschiedenen Epochen, von der spanisch-arabischen Zeit an bis auf die unmittelbare Gegenwart, in ihrem Einfluß und ihrer Bedeutung-für die Ergründung und Erforschung der Wissenschaft und der Lehre des Judenthums charakterisirt. In dieser Lehre allein liege unser Heil und unser Hort, und daher muß es unsere Aufgabe bleiben, uns nicht mit dem bisher Errungenen zu bescheiden, sondern die Forschungen auf diesem Gebiete fortzusetzen. Das zahlreich erschienene Publikum folgte mit gespannter Aufmerksamkeit dem sehr interessanten Vortrag und gab seinen Dank durch lebhaften Beifall kund. £2 Berlin, 14. Februar. Den fünften der öffentlichen Vorträge des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur hielt am 11. d. Mts. Universitätsprofessor Dr. Fleischer über das Thema: „Was ist alte jüdische Musik?" Der Vortragende besprach zunächst die in der Bibel erwähnten Instrumente, welche zur Zeit des ersten Tempels in Anwendung kamen. Diese Tempelmusik, von der aber keine Spur mehr vorhanden, werde in der nachbiblischen Zeit ausschließlich durch Recitation ersetzt, die wir uns durch Vergleiche mit der gleichzeitigen Entwickelung der altchristlichen und griechischen Musik zum Theil wohl noch rekonstruiren können und müssen, weil sie die einzige originale Musik sei. Die höchst interessanten Ausführungen des Redners, die wir leider auch nicht einmal im Auszuge wiedergeben können, weil uns dafür jede fachmännische Bildung abgeht, erweckten allgemeines Interesse und fanden bei dem zahlreich versammelten Auditorium, in dem namentlich unsere musikalischen Kreise vertreten waren, lebhaften Beifall. — Im akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur sprach am 9. d. Mts. Dr. Wechsler aus Argentinien über das „nationale Prinzip im Judenthum". — Aus Würzburg meldet man uns: Dem hiesigen.„Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sind schon 80 Mitglieder beigetreten. Erster Vorstand ist Dr. Dachauer, zweiter: Hauptlehrer Weißbart, Kassirer: E. Goldschmidt, Beisitzer: Dr. Guttenberg und Dr. Bacharach. Den ersten Vortrag hielt Distrikts-Rabbiner Bomber ger: „Ueber jüdische Eigennamen". — In München sprach Landtagsabgeordneter Professor Dr. Günther über „Die Bedeutung des mittelalterlichen Judenthums für exakte Wissenschaften und Naturforschung", in Mannheim Prof. Dr. Lefmann über die Ethik des Talmud, in Hamburg Oberlehrer Dr. Feil che nfeld über die ersten Ansiedelungen der Juden in Hamburg, in Kassel Prof. Dr. M. Philippson über den großen Kurfürsten und die Juden, in Tilsit Rechtsanwalt Dr^ Grumäch über die jüdische Geschichte von der ersten bis zur zweiten Tempelzerstörung, in Memel Herr Benjamin über jüdische Erziehung einst und jetzt, in Lissa Rabbiner Dr. Bäck über einen frommen Gesetzeslehrer als Schüler eines'Apostaten, Herr Rechtsanwalt Nürnberg in dem Zweigverein Gostyn über Leopold Zunz, in^Troppau Direktor Dr. M. Eißler über die Vertheidiger der Juden im Atterthum. — Die Generalversammlung des Litteraturvereins in Leipzig hat für das laufende Jahr folgenden Vorstand ^gewählt: Rabbiner Dr. N. Porges, Vorsitzender; S. Nelke, stellvertr. Vorsitzender; Alphons Jacobson, Schatzmeister; Max Weg und Jacob Blumenfeld, Schriftführer. — Aus Fri ed ber g i. H. wird berichtet: Der Vorstand des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Alterthümer hat sich neu konstituirt und besteht nun aus den Herren '■■7 . ■ ■ Rechtsanwalt Dr. Stahl als Präsident, Lehrer M. Krämer als Schriftführer, ferner Hofjuwelier Georg Hanau, Dr. med. Em. Hirsch, Bad Wmheim, und Lehrer H. Ehrmann, Friedberg. Bis jetzt hielten Vorträge: Lehrer Strauß-Marburg über althebräische Sprachdenkmäler und Lehrer Steinhardt-Magdeburg über Feindesliebe im Judenthum. — Aus Magdeburg schreibt man uns: Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sind in diesem Winter bis jetzt vier öffentliche Borträge von den Herren Rabbiner Dr. Rahm er, Lehrer Steinhardt und Dr. Ad. Ko Hut gehalten worden, es sollen noch zwei folgen. Auch fanden' drei Diskussionsabende statt. In der Generalversammlung, in welcher die Zahl der Vorstandsmitglieder von 7 auf 5 reduzirt wurden (Dr. Rahmer, Oberstabsarzt Dr. Rosenthal, Max- Singer, B. Basch und F. Rosenheim) wurde eine größere Vermehrung der Bücher der Vereinsbibliothek und die Drucklegung des Katalogs beschlossen. F. Berlin, 16. Februar. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 6. d. Mts. ihre Februarsitzung ab. Nachdem die Vorschläge der Darlehns- und Vevgnügungskommission die Billigung der Versammlung gefunden hatten, hielt Herr Lehrer Auerbach einen Vortrag über „die Idee der allgemeinen Polksschule, ihre Entwickelung und Beurtheilung". Bon dem Begriff „Schule" ausgehend, desinirt er zunächst den Begriff der Volksschule, dann denjenigen der allgemeinen Volksschule und kommt zu der Ansicht, daß die allgemeine Volksschule eine solche ist, in welcher, entsprechend den Bestrebungen der Neuzeit auf Begründung der Einheitsschule, Alle, ohne Unterschied, die ersten Elemente der Bildung sich aneignen, um je nach ihrer Befähigung in vorgerückterem Alter das Gelernte zu vertiefen, um zur rechten Durchdringung des Stoffes zu gelangen Er geht von der Forderung des JesuS ben Jamba aus, daß die Eltern verpflichtet werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weist auf die Bestrebungen Karls des Großen, Luthers, Comenius', Pestalozzis n. s. w. hin und kommt zu dem Resultat, daß auf Bildungszwang und Unentgeltlichkeit des Unterrichts Werth gelegt werden müsse. Falsch sei die Meinung Mancher, daß Comenius die allgemeine, konfessionslose Schule verlangt habe; er sowohl wie alle früheren Pädagogen hätten die „Erziehung auf Christum" als den Angelpunkt bezeichnet, um den sich das Erziehungsgeschäft zu bewegen habe. Redner ist der Meinung, daß unter Aufhebung aller Schulen, die in irgend einer Weise als Standesschulen zu betrachten seien, alle Kinder an dem Elementarunterricht in der Volksschule theilnehmen müßten, um je nach ihrer Befähigung, nicht aber nach den materiellen Mitteln, in die höheren Schulen bis zur Universität hinauf aufzusteigen. Die höheren Schulen müßten sich lückenlos auf den niederen Schulen aufbauen und mit diesen in eine organische Verbindung gebracht werden. Dabei komme die Frage in Betracht, ob die allgemeine Volksschule konfessionell oder nicht sein solle. Redner hält dafür, daß auch eine konfessionelle Schule, wenn sie nur im Uebrigen den sonstigen Bedingungen entspreche, eine allgemeine ^Volksschule sei, und zieht die konfessionepe Schule vor, weil nur in ihr die Möglichkeit gegeben sei, die Kinder zu wahrer Religiosität zu erziehen. Darum möchte er mit Treitschke die Simultanschule als einen Mißgriff bezeichnen und möchte sie nur als Nothbehelf bestehen lassen, bis durch ein Gesetz eine streng sachliche Regulirung des Schulwesens herbeigeführt sei. Auch wenn die Schulen nach Konfessionen geschieden seien, blieben sie doch allgemeine Schulen, wofern sie nur die Bedingung erfüllen^ daß sie den Schülern den Bildungsinhalt ihrer Zeit vermittelten. Die allgemeine Volksschule sei aber erst noch im Werden begriffen, die ^ihrer Ausbildung in der Zukunft noch harre. Redner schließt daher mit den Worten Dittes': „Der Charakter des Instituts ist noch nicht genügend festgestellt." Reicher Beifall folgte den eingehenden Ausführungen des Redners. Bei der vorgerückten Zeit mußte von einer umfassenden Diskussion Abstand genommen werden, und dies konnte um so leichter geschehen, als über die einzelnen Punkte, die Redner in seinem

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