Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
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93 Himmel sein Thron und. die Erde seiner Füße Schemel" (Jes. 66,1). Da die kabod von Gott unzertrennlich ist, hat .auch sie ihren Sitz im Himmel. Sogar „über dem Himmel ist seine kabod" (Ps. 113,4), meint der Psalmist. In dem Ausdrucke: „Der .Gott der kabod donnert", ist wohl der Gott der Höhe, des Himmels gemeint." (Ps. 29,;3.) - Hiermit ist der Anschauung von der Allgegenwart Gottes nicht entgegengetreten. Diese wird in manchen Fällen mit kabod bezeichnet. Wenn Jesaia spricht: „seine kabod füllet die Erde" (Jes. 6, 3), fo ist die Allgegenwart gemeint. Ebenso der Psalmist: „Auf der ganzen Erde Deine kabod." Erde und Himmel stehen, nach Hupfeld, als gangbare Umschreibung des Weltalls. (Ps. 57,6,12; 108, 6.) Eine begrenzte Allgegenwart ist ein Widersffruch in sich. Dennoch wird man es im Geiste der heiligen Schrift begreifen, wenn ausgesprochen wird, daß die kabod sich selbst beschränkt und ihr Zelt an heiligem Orte ausschlägt. Der Gedanke ist im Lempelweihgebete ausgesprochen: „Siehe, die Himmel und Himnielshimmel können Dich nicht fasten, wie sollte es dieses Haus?" Die kabod wohnt im Gotteshanse, und das ist sein Vorzug. (1. Köu. 8, 12.) Sehr häufig ist der Gebrauch der kabod als göttliche Erscheinung. Gott offenbart sich, er erscheint in seiner kabod. Sie ist die Erscheinungsform. Manchen ist sie nichts anderes, als dies. Gott läßt uns sehen seine kabod, sie umstrahlt dich; diese und ähnliche sind die sich stets wiederholenden Ausdrücke. Die kabod ist auch der Lichtglanz, der erscheint, wenn sich Gottes Kraft mächtig erwiesen hat. „Jedes Thal soll erhöht, Berge und Hügel erniedrigt werden . . . damit erscheine die kabod Gottes und alles Fleisch sie sehe." (Jes. 40, 5.) Sie ist das sichtbare Zeichen der Anwesenheit Gottes. Ihr Erscheinen dient verschiedenen Zwecken. Zu anderen im Pentateuch, zu anderen in den Büchern der Propheten. Im Pentateuch erscheint sie als Wolken- und Feuersäule zum Schutze Israels. (Exod.) Andererseits wieder bei Androhung einer Gefahr, als Abschreckung bei einer Empörung, bei Verkündigung eines Strafurtheils. (Numeri.) Sie tritt bei all diesen in ihrer Eigenschaft als Macht auf. Bei den Propheten dient die kabod als Erscheinung zumeist dem Zwecke einer Offenbarung, der Berufung znm heiligen Dienste, der Strafverkündigung uub -Vollziehung. Tritt uns die kabod in obigen Beispielen gleichsam als Hülle des göttlichen Wesens entgegen, so ist der weitere Schritt selbstverständlich, daß, wo sie auch immer angewendet wird, sie frei ist von jedem Makel. Der Begriff der kabod. schließt das Kleinliche, Niedrige, mit Fehlern Behaftete aus. Der Träger wahrer kabod muß jeder niedrigen Gesinnung fernstehend gedacht werden. Ist dies schon bei der menschlichen kabod der Fall, um wieviel mehr bei der göttlichen. Bei Gott erhebt sich die kabod über die Fläche des bei Menschen angenommenen Schicklichen, der Sitte Gemäßen, sie wird zur sittlichem Erhabenheit. Diese eignet Gott und ist so sehr mit seinem Wesen verbunden, daß sie der adäquateste Ausdruck dessen ist, womit wir Gott zu bezeichnen vermögen. Viele der schon angezogenen Stellen beweisen dies. Ich führe nur . einige Beispiele mit dem Bemerken an, daß bei den Psalmisten die kabod als Erhabenheit zu dem prägnantesten Ausdrucke kommt. Bei. den Propheten ist sie Voraussetzung und soll dazu dienen, um ein anderes, das als Ziel gesetzt wird , , zu erreichen oder den Grund eines bestehenden Zustandes anzugeben. Jesaia (3, 8) schildert den Zustand Jerusalems als einen traurigen: „Sie (Jerusalem und Juda) trotzen dem Äuge seiner kabod." Das bedeutet: Die sittliche Erhabenheit Gottes wandte sich empört ab von der Gesunkenheit> die damals in Jerusalem herrschte. Es ist damit der Gegensatz des Satzes ausgedrückt: „das Auge Gottes ruht auf Denen, die ihn , fürchten" (Ps. 33,18), d. h. die sittliche Erhabenheit wendet sich dem Lauteren zu, vom Unlauteren ab. „Erhebet," spricht der Psalmist, ^,Thore, eure Häupter, erhebet euch, Pforten der Ewigkeit, daß Umziehe der König der kabod; Wer ist der König der kabod? Gott Zebaoth ist der König der kabod." Wohl ist hier die Bedeutung, Gott als den Seienden und Mächtigen anzuerkennen, eingeschlossen, dennoch will uns diese sich geltend machende Tiefe der Empfindung wie die Gehobenheit des Ausdrucks auf die Erhabenheit Gottes verweisen. (Ps. 24, 7 ff.) Wir kommen nun zur höchsten Bedeutung der kabod, zu jener, in der Gott selbst als kabod verstanden wird. Wohl ist dies auch schon bisher hervorgetreten. Wenn es z. B. hieß: „Die kabod des Ewigen erschien in der Wolke" (Exod. 16, 7), so war es selbstverständlich, daß Gott gemeint war. Hier sei aber betont, daß kabod auch ohne nähere Bestimmung für Gott gesetzt ist oder, mit anderen Worten, kabod Gott bezeichnet. Der - Grund hierfür liegt nahe genüg. Die Ehre ist so sehr mit seinem Wesen verbunden,- man dachte sich sein Denken und Thun so sehr von Ehre erfüllt, daß man die kabod einfach an dessen Stelle gesetzt hat. Das Thun Gottes muß auf dem Grunde der Ehre ruhen, es ist der Ausfluß seines Seins, wie es für ihn Zeugniß ablegt. Dieser Gedanke zieht sich derart durch das ganze heilige Schriftthum, daß man ihm überall begegnet, wo kabod mit El, Ihwe (auch schein und kisse) verbunden erscheint. „Gelobt sei der Name seiner kabod" (Ps. 72, 19) bedeutet doch nichts anderes,- als^ „Gelobt sei der Name Gottes" oder „Gelobt sei Gott", wie „der Thron der kabod, erhaben von jeher", nichts anderes als. der Thron Gottes Ist. „Dahin (in das Stiftszelt) werde ich mich'verfügen, zu den Kindern Israels, es wird geheiligt durch meine kabod (Exodus 29, 43). 1 Es ist unzweifelhaft, daß kabod hier Gott ist. Durch das Verweilen Gottes daselbst erhält das Stiftszelt seine Heiligkeit. Ebenso bezeichnet der Psalmist Gott mit kabod, wenn er klagt (106, 20): „Sie machten sich ein Kalb am Horeb, bückten sich "dem gegoffenen Bilde und vertauschten ihre kabod mit der Form eines Ochsen, der Gras frißt. 'Im bekannten Gebete des Mose: „Lasse mich, Gott, Deine kabod sehen" (Exod. 33, 18), ist unter kabod weder die Erscheinung Gottes, noch Gott selbst gemeint. Die Erscheinung glicht, da, nach der Darstellung, Mose im Gespräch mit Gott begriffen ist; daß es Gott selbst sein sollte, ist noch weniger anzunehmen, weil es eine für Mose zu kindliche Voraussetzung wäre, da doch eben die Lehre gegeben werden soll: „mich sieht kein Mensch undlebt^. Mose will, wie bekannt, das Walten Gottes in Natur, und Geschichte begreifen. Dagegen bedeutet in der Antwort, die Mose zu Theil wird: -„Es wird sein, wenn meine kabod vorüberzieht", kabod Gott * selbst. Es könnte da heißen: „wenn ich, Gott vorüberziehe".