Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
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derselbe Prophet, „den Hungrigen sättigst, dem Armen dein Haus' öffnest. . . dann geht deine Zedakah vor dir her, die kaböcjj Gottes hinter dir," sie. schließt den Zug, d. h. du bist geborgen,, die Macht Gottes schützet dich. (Jes. 58, 8 ) ' Die kabod als Macht zeigt sich bei den Strafgerichten, die Gott vollzieht, an Israel wie an anderen Völkern. Er zeigt seine Macht in Aegypten, und da heißt es: ich werde Ehre Haben, „mich verherrlichen an Pharao, feinen Rossen und Reitern". (Exod. 14; 4;) Bei dem Untergange Gogs und Magogs bekundet sich die Macht Gottes, und da heißt es : „Es wird sein an dem Tage, an dem ich meine kabod kund thue, ist der Spruch des Ewigen." (Ex. 36, 13, 21.) ,)Feuer geht vor ihm her, seine Blitze erleuchten die Welt; Berge schmelzen wie Wachs vor dem Ewigen, dann sehen die Völker seine kabod/ (W- 97> 3 ff. 102, 16.) Wie aus diesen Sätzen schon hervorgeht, ist fcte. Anerkennung Gottes, zumal bei heidnischen Völkern, eine Folge von dessen Machtentfaltung. Bei der Machterweisung gegen Gog und Magog werden die Völker endgiltig Gott erkennen. „Meinen heiligen Namen mache 'ich kund meinem Volke Israel . . . und die Völker werden erkennen^ daß ich der Ewige bin, heilig in Israel." Diese Anerkennung soll bei Israel sein eine liebevolle Hingabe an das Wesen, das sich uns im Herzen offenbart, eine Anbetung Gottes, dessen Macht wir uns unterwerfen, und dessen Wesen wir zum Theil , erkannt zu haben glauben. Hat die kabod als Machtentfaltung Anerkennung zur Folge, so bedeutet sie-zuweilen-selber Anerkennung, wie es aus dem bereits erwähnten Satze in Josua hervorgeht. „Gebet-dem Ewigen, eurem; Gotte, kabod," spricht Jeremia, „bevor es finster wird und eure Füße sich an den dunklen Bergen stoßen." Erkennet Gott an, heißt das, bevor das Unglück eintritt -und ihr euch zur Anerkennung gezwungen sehet. (Jerem. 13, 16.) Von Israel wurde die volle Anerkennung, die Hingabe des Herzens wie des Geistes gefordert. Jesaia rügt es bekanntlich, „daß dieses Volk nur mit dem Munde sich naht, mit seinen Lippen mich ehrt" (29. 13). Der Psalmist spricht: „Nur wer Dank opfert, ehret mich." (Ps. 50, 23:) Bei den Heiden wird schon die äußere Anerkennung Ehre genannt. Als die heilige Lade bei den Philistern war und ihnen Unglück brachte, sprachen die heidnischen Priester : 7,Bringet das Ascham(-opfer), und gebet dem Gotte Israels Ehre. (I.Sam. 6, -5.) Dieses war eine äußere Anerkennung, weil weder die Philister, noch deren Priester daran dachten, Jhwe als ihren Gott anzuerkennen. Ihnen war Jhwe der Gott der Israeliten, denn sie kannten nur Nationalgötter, wie Dagon ihr Gott war... . - Der kabod Gottes von Seiten der Menschen steht jene kabod gegenüber, die dem Menschen von Gott zu Theil wird. Gott spricht: „Wer mich ehrt, den ehre ich." Diese von Gott erwiesene Ehre erweist sich als ein günstiges Gestalten menschlicher Verhältnisse. Sie ist nichts anderes als Vergeltung. Labod als „Vergeltung" begegnen wir erstens als einer positiven Ehrerweisung von Seiten Gottes, einmal, wo sie durch einen fortgesetzten frommen Lebenswandel verdient ist, darum ist es der Gerechte, „dessen Horn in Ehre erhöht wird" 1. Ehr. 17, 18), der redlich Wandelnde, dem der Herr kabod verleiht" (Ps. 84, 12); sodann wo der Mensch zur Ehre Gottes und für die Gesammtheit wirkt. David wird-der Eifer, Gott einen würdigen Tempel zu errichten, damit vergolten, daß ihm die Verheißung wird, daß Königs thum werde in seinem Hause erblich sein. David dankt: „Was könnte ich noch hinzufügen, wenn Du, Gott, Deinen Knecht so ehrst." j! (1. Ehr. 17,18.) Dem Könige Salomo wird kabod, Vergeltung, zu' > Theil, weil er sich in den Dienst des Volkes stellen will und zu diesem Zwecke Weisheit und Einsicht erfleht. (1. Kön. 3,-13.) Endlich wird Israel Gutes vergolten infolge des Verdienstes der Väter, zuweilen auch, weil Gott es einmal lieb hat: „Israel zur Ehre-" spricht der Prophet, „hat mich Gott geschickt." Ich soll den Völkern sagen: „Wer euch antastet, tastet seinen (Gottes) Augapfel an." (Sach. 2, 12.) „Weil du werth bist in meinen Angen, geehrt und ich dich liebe, gebe ich Menschen hin für dich und Nationen für dein Leben. (Jes. 43, 4.) Worin die dem Menschen erwiesene Ehre als Vergeltung besteht, wird nicht immer angegeben. Zuweilen besteht sie im Reichthum, Behaglichkeit des Daseins, Langlebigkeit. (Ps. 91, 15,16.) Mangel an Ehre ist Kurzlebigkeit. Dem Priester Eli wird die Ehre entzogen, Zur Zeit ist er selber schon alt, aber es trifft seine Familie:- „Es wird Keiner alt werden in deinem Hause." (1. Sam. 2, 31, 32;) Zweitens besteht die Vergeltung im Entziehen der Macht und Stellung oder im Vorenthalten des erhofften Gutes, das mit kabod bezeichnet wird. Bileam wird die erstrebte Ehre vorenthalten, weil sein Verhalten Gott mißfällt. „Gott weigert dir die Ehre," spricht Balak zu ihm. (Nun! 24, 11.) König Usia will opfern' Der Priester wehrt es mit den Worten : „Nicht dir ist die Ehre geworden von dem ewigen Götte." (2. Ehr. 26, 18.) Drittens im Eintreten der Schande. Labod bedeutet niemals Schande, sie wird ihr vielmehr entgegengesetzt. Diese tritt ein, wo sowohl der Gottesglaube wie die Sittlichkeit zum Spotte geworden. „Ihre Ehre tausche ich in Schande um," spricht Gott. (Hos. 4, 7.) Habakuk, der das Ende jenes Eroberers verkündet, der, im Verfolg seiner Absicht, „viele Völker zu vertilgen", sich über göttliches und menschliches Gebot hinwegsetzt, ruH ihm zu: „Du bist satt an Schande, nicht an Ehre." (Hab. 2, 16.) Die Vergeltung zeigt sich darin, daß die kabod, die hier wieder Macht, Stellung, Stolz bedeutet, verloren geht und dieser Verlust von dem stolzen Eroberer als Schande empfunden wird. Die von Gott ausgehende oder von ihm vorenthaltene kabod als Vergeltung kann demgemäß sein : a) Behaglichkeit des Daseins; äußere, auch von Menschen gewährte Ehrung; b) Langlebigkeit (Ps. 91, 15, 16); c) die Hoffnung, daß das begonnene Werk nach dem Tode fortlebt (1. Chron. 17, 18); d) Macht, Unabhängigkeit, Nationalstolz. * Mit der oben besprochenen Anerkennung Gottes ist die Anschauung verbunden, daß Gott allein ist. Er ist der Seiende, die Götter der Völker sind nicht-seiend. Adonai anerkennen bedeutet, alle Götter der Völker für nichtig erklären. Hierin liegt der große Unterschied zwischen jüdischer nnd heidnischer Anschauung. Der Heide erklärt Jhwe, wenn er nur ein Wifseit Don ihm hat. nichts für nichtig. Dies sehen wir bei den Philistern, die die Bundeslade neben - Dagon stellen. Die jüdische Anschauung geht bekanntlich dahin, Gott allein ist Gott. Die Götter der Völker sind Holz unb Stein. Das hinter vem Holz oder Stein etwa gedachte Wesen existirt nicht. Dieses Sein Gottes gegenüber dem Nichtsein der Götzen wird zuweilen mit kabod ausgedrückt. So in der Rüge Jeremias : „Hat je ein Volk seinen Gott umgetauscht und jene sind nicht Götter, und mein Volk hat, nmgetauscht seine kabod gegen einen, der nicht nützt." (Jerem. 2, 11.) ■"> Obgleich man Gott überall seiend dachte, war es doch dem I menschlichen Vorstellungsvermögen angemessen, Gott einen erhabenen I Sitz anzuweisen. Er ist darum der Hochthronende, darum „ist der