Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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91 hom Schauplatz, seiner litterarische^ Thätigkeit allztl früh vom Tode, hinweggerafft wurde. ' - .Die Leiter der Buchdruckerei. der Oxforder .Universität sind eben dabei, die im vorigen Sommervon Neubauer und Schechter entdeckten. Bruchstücke eines Manuskriptes,, welches das Hebräische Original des verloren geglaubtem Buches Josua ben. Si.xachs ist, in. einer Separatausgabe, mit, einer gelehrten Einleitung,, einer englischen-Uebersetzung-und Anmerkungen: zu. veröffentlichen. Dieser litterarische Fund ist für Bibelforscher von äußerst großem Merthe) und Freunde -der hebräischen Sitterntur,; die nur einige wenige Sprüche Sirachs aus dem Talmud kennen, werden in der fraglichen Ausgabe eine größere Anzahl davon vorfinden, die, was Stil und Inhalt betrifft, höchst interefföiit sind. Beiläufig sei noch bemerkt, daß die/ einzigen Gelehrten, die das besagte hebräische N8. vor Augen hatten, Hieronymus und Saadiah Gaon waren. Gegen Ende des vorigen Monats hielt Dr. Adler vor einem zahlreichen. Londoner Auditorium, in seiner Eigenschaft als neu gewählter Präsident des englisch-jüdischen historischen Vereins, einen Vortrag, worin er aus die bisherige Thätigkeit des fraglichen Vereins hinwies und zugleich auch die künftige Wirksamkeit bezeichnete, worauf derselbe seine Aufmerksamkeit zu richten, haben werde. Im Laufe seiner Rede bemerkte der Vortragende, daß in früheren Jahrhunderten in England einzelne Juden gelebt haben, die auf dem Gebiete der allgemeinen hebräischen Litteratur als Grammatiker, Talmudisten und selbst als Dichter gar manches litterarische Produkt geschaffen haben, das für. die Mit- und Nachwelt von bleibendem Werthe ist. Unter Letzteren wäre besonders Rabbi Pom- Tob zu erwähnen, der die ergreifende,, schöne Hymne dichtete, welche mit den Worten beginnt und am Vorabend des Versöhnungstages in fast > allen Synagogen gesungen wird. Eine einleitende Strophe, die im „Machsor" fehlt, aber in einem vorhandenen N8. vorkommt, weist auf diese Thatsache hin, indem sie ein Akrostichon enthält, welches dm Namen des Verfassers angiebt. Dasselbe lautet: JWTP DV1 DT* ' '.ttod ns? tp „Denen, die täglich eine Burg in Dir finden. Laß', Allgütiger, Vergebung verkünden." Jbn Esra, der im Jahre 1158 London besucht und daselbst einige Zeit gelebt hat, scheint, manche Jünger der jüdischen Wissenschaft seiner Umgebung zum weiteren Studium und zur selbstständigeil Thätigkeit auf jüdisch-litteracischem Gebiete mit sichtbarem Erfolge angeregt zu haben. Das Januarheft der „Jewish Quarterly Review" ist vor wenigen Tagen erschienen und enthält unter allderen interessanten litterarischenBeiträgen auch solche, welche Neubauer, Bacher, Kaufmann. Büchler unb — last but not least — Dr. Steinschneider zu Verfassern haben. Die Arbeit des Letzteren hat zur Aufschrift: „An introduction to the Arabic Literature of the Jews“ („Eine Einleitung zur arabischen Litteratur der Juden"), wovon aber in der fraglichen Nummer vorläufig blos ein kleiner Theil abgedruckt ist. Vielleicht weise ich auf diese gelehrte Arbeit später in diesen Blättern ausführlicher hin. Der; Ehrenplatz in der besagten Nunnner der „Jewish Quarterly Review" wird einem sogenannten >,Symposium" über „Die - Mission des Judenthums" eingeräumt, welches ich in meinem letzten in diesen Blättern veröffentlichten Briefe schon im Voraus angekundigt habe. Auf Mr. Oswald Simons Vorschlag, daß befähigte.Juden in England jeden Sonntag in. gewiffen Lokalen Gottesdienst in englischer Sprache abhalten unb in ihren Predigten auf den hohen Werth und Gehalt des-Judenthums Hinweisen sollen, um'dadurch unter freisinnigen Christen und-Juden für dasselbe Propaganda zu machen^ sind einundzwanzig Antworten eingelaufen. Die Schreiber derselben, Geistliche und Laien (unter Letzteren auch einige Damen), gehören der jüdischen und christlichen Konfession an und sind in weiten Kreisen wohlbekannt. Doch sprechen sich die meisten gegen die Ausführung des. besagten Vorschlages aus. Und dies, glaube ich, mit. Recht. Denn selbst hier im freien England würde eine von Inden veranstaltete Mission viel Gerede und Mißgunst verursachen, und. außerdem ist der erwartete Erfolg höchst zweifelhaft.. Die Moral,. welche die bekannte Erzählung der drei Ringe in „Nathan der Weise" predigt, hat heutzutage dieselbe Geltung noch, wie sie sie zur Zeit Lessings gehabt hat, nämlich: „Es strebe von Euch jeder um die Wette, Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmuth, ' Mit herrlicher Verträglichkeit, mit Wohlthun, Mit innigster Ergebenheit in Gott Zu Hülst!" Dies sind goldene Worte, die Jude und Christ im. täglichen Leben und im gegenseitigen Verkehr wohl zu beherzigen und zu bethätigen haben, und das Weitere wollen wir ruhig der Vorsehung überlassen. Die Ehre in der Bibel... Von Dr. Joses Stier, Rabbiner in Berlin. Q Die Anwendung der kabod bei Gott. ls Uebergangsstufe zwischen Mensch lind Gott werden die Engel angesehen. Sie sind in der heiligen Schrift mit der kabod nur spärlich bedacht. Die Seraphim, die das „dreimal heilig" sprechen (Jes. 6, 3), künden auch die Ehre Gottes, „die die Erde füllt". Kabod bedeutet die Allgegenwart Gottes, wie im Himmel, so auf Erden. Der Gedanke der Dankbarkeit, dem wir bereits begegneten, ist bis zu einem gewissen Grade mit der Ehre verbunden, er ist zuweilen ein wichtiger Faktor derselben, die Propheten klagen zumeist über Mangel an gebührender Ehre, also über Undankbarkeit Gott gegenüber. „Gehet," klagt Chaggai 1, 8, „bauet ein. Haus ... in dem ich verehrt werde." Es soll ein Gott würdiges Haus sein. „Ihr wohnet in getäfelten Häusern, das Haus Gottes ist eine Ruine." Die Worte Maleachis: „Wenn ich euer Vater bin, wo ist meine Ehre?" (1, 5) sind ebenfalls ein Vorwurf der Undankbarkeit. Wenn ich euch so viel Gutes erweise, wie ein Vater, solltet.ihr dankbarer sein. Wieder ist es der Begriff der Macht, dem wir unter kabod auch hier begegnen. Kabod wird als Bezeichnung für Macht und Ruhm auch bei Gott gewühlt, weil durch Thaten, die gerechte Strafe dem Einen, Hilfe dem Anderen bringen, sich das Walten-Gottes in herrlicher Weise kund thut. Macht bedeutet kabod in folgenden Sätzen:-„Ich. . . komme und sammle alle Völker mld alle Zungen, und sie kommen und sehen meine kabod." (Jes. 66, 18.19.) Die Macht Gottes erweist sich besonders als kabod, wenn das schwache Israel wieder erhoben wird, wieder zu Ansehen gelangt: „Wenn Gott Zion aufbaut, zeigt er sich in seiner kabod." (Pf.. 102, 17.) „Du hast gemehrt dieses Volk, hast es gemehrt, Du hast Dich verherrlicht." (Ps. 26, 15.) Die Macht Gottes, wenn sie hilft und schlitzt, wird mit kabod bezeichnet. „Wenn du," meint