Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Außer dem Bestände von 497,51 M. besitzt der Verein noch ein Vermögen von 2206 M., das in Werthpapieren angelegt ist. X Bvomderg, 5. Februar. In Wongrowitz feierte Herr Rentier Casper Rothmann, der sich allerseits großer Achtung und Vertrauens erfreut, am 2. Januar sein 25 jähriges Jubiläum als Magistratsmitglied in stiller Zurückgezogenheit. Seitens der Stadtvertretung wurde dem Jubilar eine Adresse in prachtvoller Ausstattung gewidmet, in welcher die Verdienste des Jubilars um das Gedeihen der städtischen Einrichtungen und sein stets versöhnliches Wirken gebührend hervorgehoben wurde. Herr Bürgermeister Weinert überreichte die Adresse im Beisein der übrigen Magistratsmitglieder und des Stadtverordnetenvorstehers, Herrn Gymnasialdirektor Dr. Zenzes in feierlicher Weise. — In Bromberg hat Herr Stadtrath Aronsohn dem städtischen Krankenhause 1000 Mark zur Beschaffung von Geräthen und Maschinen zur Krankenbehandlung mittelst Elektrizität (Galvanokaustik, Beleuchtung durch Röntgenstrahlen) zur Verfügung gestellt. Sämmtliche dazu erforderlichen Apparate sind bereits bestellt. — In der Nacht zu Sonnabend brachen in Mratschen Diebe in die Synagoge ein und raubten den ganzen Inhalt der Almosenbüchse; es waren annähernd 20 Mark darin. Es ist noch nicht gelungen, der Thäter habhaft zu werden. — Ueber einen eigenthümlichen Pfand gegenständ wurde vor kurzem von hier berichtet. Die Asche eines in Gotha verbrannten Todten, des in Berlin verstorbenen Bromberger Bankiers Arons, war von einem Gerichtsvollzieher gepfändet und dann in öffentlicher Auktion an einen Pfandleiher L. für 15 Mark veräußert worden. Die später von anderer Seite ausgegangenen Bemühungen, die Urne zurückzuerlangen, scheiterten an den hohen Forderungen des jetzigen Besitzers. Im Aufträge der Staatsanwaltschaft holte gestern ein Polizeibeamter die Urne von dem Ersteher ab und übergab sie der jüdischen Gemeinde zur Beisetzung. B. Lobferis, 3. Februar. Im Dezember vorigen Jahres wurde Hierselbst ein Verein unter dem Namen „Chebratli Achim“ gegründet. Derselbe verfolgt einen sehr religiösen Zweck, indem er sich verpflichtet hat, den Gottesdienst an den Wochentagen regelmäßig abzuhalten und pünktlich zu erscheinen. Der Verein, der aus 20 Mitgliedern besteht, hat ein vollständiges Statut entworfen, und haben sich sämmtliche Mitglieder durch Unterschriften verpflichtet, bei Uebertretung obiger Bedingungen eine Geldstrafe an die Vereinskasse zu zahlen. Außerdem . bestrebt sich der Verein, neben den religiösen Zwecken auch Geselligkeit zu pflegen. So hielt derselbe am 24. d. M. im Vereinslokale seine erste Sitzung, verbunden mit gemüthlichem Beisammensein, ab, wozu sämmtliche Mitglieder mit ihren Familien und noch andere geladene Gäste vollzählig erschienen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Wilhelm Alexander, dem eigentlich die Gründung des Vereins zu verdanken ist, begrüßte zunächst die Erschienenen und hielt eine schwungvolle Ansprache an dieselben. Hierauf hielt Herr Lehrer Bernstein einen mit Beifall aufgenommenen litterarischen Vortrag. Nun wurden Gesangsvorträge ernsten und heiteren Inhalts abwechselnd von verschiedenen Damen und Herren unter Leitung des Herrn Kantor Baumstein in wirklich gelungener und vortrefflicher Weise vorgetragen. Die allgemeine Stimmung bekundete dem Verein eine gute Zukunft. s. Weistenfels, 7. Februar. Nach der endgültigen Feststellung der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 wohnen in der Provinz Sachsen unter 2 698 549 Einwohnern 7850 Juden, und zwar im Regierungsbezirk Magdeburg 4066, Merseburg 1808 und Erfurt 1976. Für die größeren Städte über 2O OO0 Einwohner stellt sich die Zahl der Juden folgendermaßen: Magdeburg unter 215 OOO Einwohner — 2006 Juden, Halle 116 OOO Einwohner — 1046 Juden, Erfurt 80 000 Einwohner — 768 Juden, Halberstadt 42 000 Einwohner — 780 Juden, Mühlhausen 30 OOO Einwohner — 220 Juden, Nordhausen 27 5OO Einwohner — 489 Juden, Weißensels 26 OOO Einwohner — 90 Juden, Zeitz 25 OOO Einwohner — 44 Juden, Aschersleben 24 OOO Einwohner — 157 Juden, Eisleben 23 OOO Einwohner — 130 Juden, Quedlinburg 22 OOO Einwohner — 89 Juden, Naumburg 21 OOO Einwohner — 16 Juden, Stendal 21 OOO Einwohner — 1OO Juden. — Der medizinische Verein in Jena hatte am schwarzen Brett seine Statuten angeschlagen, in denen der Passus enthalten war: „Wir nehmen nicht auf Angehörige der mosaischen Religion." Der derzeitige Prorektor, Professor Dr. Linck, ließ den Anschlag abnehmen. Nunmehr schlug der medizinische Verein an: „Wir nehmen ans christliche Studenten deutscher Nation." Auch dieser Anschlag wurde entfernt. Auf eingelegte Beschwerde des medizinischen Vereins an das Staatsministerium wurde er von diesem an den akademischen Senat verwiesen. Dieser erklärte sich für unzuständig, im übrigen aber mit den Maßnahmen des Prorektors einverstanden.' Der medizinische Verein will sich jetzt beschwerend an das Staatsministerium wenden. I(. Görlitz, 5. Februar. Bor kurzem feierte der als unermüdlicher Seelsorger und hervorragender Kanzelredner bekannte Rabbiner der hiesigen Gemeinde Herr Dr. S a l o m o n Freund das seltene Fest seines 40 jährigen Orts- und Amtsjubiläums. Zahlreiche Ovationen seitens der Gemeinde, der Behörde und der wissenschaftlichen Gesellschaften, sowie mehrerer hiesiger Bereinigungen bekundeten dem greisen, geistig frischen Jubilar die Liebe seiner dankbaren, unter seiner Führerschaft emporgeblühten Gemeinde und die ihm auch von weiteren Kreisen entgegengebrachten Sympathien. Leider ist Herr Dr. Freund infolge eines auf einer Amtsreise erlittenen Unfalls genöthigt gewesen, seine Amtsthätigkeit seit Mitte Oktober zu unterbrechen. Seitdem vertritt ihn (voraussichtlich bis zum Schluß des Schuljahres) im Predigtamt und Religionsunterricht an der Gemeindeschule und den drei höheren städtischen Lehranstalten mit Eifer und Pflichttreue Herr Dr. phil. Joel Zolinsky aus dem jüdischen theologischen Seminar in Breslau, ein sehr befähigter junger Prediger und Pädagoge. 8. Detmold, 3. Februar. Am 24. v. M. feierten oer Lehrer und Prediger der hiesigen Gemeinde, A. Plaut, und seine Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Es war dem Jubelpaare vergönnt, den festlichen Tag in vollkommener geistiger und körperlicher Frische im Kreise blühender Söhne und Töchter zu begehen. Der wahrhaft herzliche Verlauf des Festes zeigte so recht, welcher Beliebheit sich das würdige Paar allseitig erfreut. Des Morgens erschien der Vorstand und überreichte den Jubilaren mit einer passenden, die Verdienste der Gefeierten rühmenden Ansprache ein werthvolles Geschenk, aus zwei prachtvollen Sesseln und einer werthvollen goldenen Taschenuhr bestehend. Dann aber erschien die ganze Gemeinde im Laufe des Tages mit Glückwünschen und Geschenken. Aus der Ferne liefen zahlreiche Briefe und Telegramme ein; denn auch die ehemaligen Schüler und deren Familien wollten ihre Theilnahme bezeigen. Auch die lippische jüdische Lehrerschaft blieb nicht zurück. Eine Abordnung derselben überreichte dem Jubelpaare fünf Oppenheimersche Bilder aus dem jüdischen Familienleben. Der Sprecher der Deputation, Herr Rektor Saphra aus Lemgo, betonte die Verdienste des Herrn Plaut als Gatte und Vater, als Lehrer und Prediger und als Schulrevisor und schloß mit dem dreifachen Wunsche, daß der Jubilar noch lange seiner Familie, seiner Gemeinde und den Kollegen erhalten bleiben möge. Stuttgart, 5. Februar. Der Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs veröffentlicht seinen Rechenschaftsbericht über das Rechnungsjahr 1895/96. Auch im letztverflossenen Jahre wieder haben sich die Ansprüche an die Unterstützungskasse nicht unerheblich gesteigert und sind auf die ansehnliche Summe von 2630 Mark (gegen 2490 Mk. im Vorjahre) angewachsen. Es theilten sich darin elf Lehrerswittwen mit ihren Waisen, nur ein verhältnißniäßig kleinerer Betrag entfiel auf die statutengemäße Beihilfe an einige ordentliche Vereinsmitglieder und den Allgemeinen Schullehrerunterstützungsverein Württembergs. Dabei bewegt sich der Unterstützungsaufwand für die nächste Zeit in noch weiter aufsteigender Richtung, so daß die Bitte erklärlich ist, die Freunde und Gönner des Vereins möchten den Interessen desselben auch fernerhin in warmer Fürsorge zugethan bleiben. Mit ehrfurchtsvollstem Dank verzeichnet der Bericht vor allem die wohlwollende Theilnahme des Königs und der Königin. Die Mehrzahl der israelitischen Gemeinden des Landes förderte die Bestrebungen durch Spenden und Opfer, an der Spitze die Gemeinden Stuttgart, Heilbronn, Rottweil und Laupheim, von welchen die erstere auch eine stattliche Anzahl außerordentlicher Mitglieder stellt. Eine Reihe anderer Gemeinden des Landes hat die Fürsorge für den Verein zur budgetmäßigen Aufgabe sich gemacht und setzt einen angemessenen Beitrag in ihren Jahresetat ein. Der Deutsch-israelitische Gemeindebund in Berlin gewährte wie seit Jahren seine Unterstützung. Was den Mitgliederstand betrifft, so erhält sich derselbe ziemlich stetig auf gleicher Höhe; doch sind auch in diesem Jahre wieder drei schmerzliche Lücken unter den ordentlichen Mitgliedern