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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Kand. med- Back, der die Versammlung eröffnete, wies in begeisterten Worten darauf hin, daß der Judeüberhaupt und speziell der jüdische Student nur durch inniges Eingehen auf die Geschichte und Litteratur feines-Volkes-sich Selbstachtung und Selbstbewußtsein aneignen könne. Gerade mit der Kenntniß unserer großen Vergangenheit und der glänzenden Erzeugnisse unserer Geistesheroen begegne man am wirksamsten allen Anfeindungen von nicht jüdischer und — jüdischer Seite. Immer mehr müsse die Ueberzeugung Platz greifen, daß „Jude" ein Ehrentitel sei, immer mehr die gebieterische Pflicht anerkannt werden, jüdische Geschichte und Litteratur zu pflegen. Der von Herrn Kand. med.'Jeremias vorgelegte Statutenentwurf bestimmt, daß der Verein sowohl Studenten wie ältere Akademiker umfassen soll. Mindestens alle 14 Tage finden Zusammenkünfte statt, in denen, vorzugsweise von Mitgliedern selbst, Vorträge oder Referate gehalten werden sollen, an die sich eine Diskussion anschließen kann. Auch soll den Mitgliedern durch Anlegung einer Bibliothek zu selbständiger Belehrung und durch Abonnement auf jüdische Zeitungen zur Information über die Tagesereignisse Gelegenheit geboten weiden. Herr Buchhändler Jacobsohn hat sich liebenswürdigst bereit erklärt, dem Verein 30 Bände zur Verfügung zu stellen; hoffentlich werden andere Bibliotheken sich auch geneigt zeigen, entbehrliche Duplikate der zu gründenden Bibliothek zu überweisen. Ter Vorstand-setzt sich zusammen aus den Herren: Kand. med. Bäck, Kand. med. Jeremias, Kand. chem. Rosenzweig, Kand. phil. Bamberger und Kand. med. Rieger. Möge der Verein die hohen Ziele, die er sich gesteckt hat, in wackrem Streben erreichen. - K. Hannover, im Februar. Das Kuratorium der Erziehungs- Anstalt in Ahlem hat in der ersten, nach Erlangung der Korporationsrechte abgehaltenen Sitzung die statutenmäßig vorgeschriebene Wahl des Büreaus vorgenommen. Es wurden gewählt zum Vorsitzenden: Herr Justizrath Dr. Berend-Hannover, zum Schriftführer Herr Leopold Fischer-Hannover und zu Stellvertretern des Vorsitzenden die Herren Semmy H. Oppenheimer-Hannover und Eduard Cohen-Frankfurt a. M. Außer den Genannten gehören dem Kuratorium noch folgende Herren an : Eugen Rosenstiel, Dr^ Heinrich Meyer Cohn. Adolf Ginsberg in Berlin; Landrabbiner Dr. Gronemann - Hannover; Rabbiner Dr. Horovitz und Direktor "Herzberg in Frankfurt a. M.; Provinzial- Rabbiner Dr. Munk-Marburg; Alphons Jacobfon-Leipzig; Bezirks- Rabbiner Dr. Salvendi-Dürkheim; Ephraim Rothschild-Stadtoldendorf; Rechtsanwalt G. Heinemann I> B. Löwenstein, Berthold Molling und Jacob Salomon in Hannover. — Der Vorstand besteht aus acht Mitgliedern, dem Herrn. Konsul A. M. Simon, der als Stifter sowohl Mitglied des Kuratoriums als des Vorstandes ist, und den Herren: Rechtsanwalt Dr. Georg Benfey, Seminardirektor Dr. Knoller; Inspektor Dr. Kayserling, Handelsschul - Direktor Manfred Berliner, Gustav Cohen, Hermann Lichtenberg und S. Rheinhold. — Als erste und wichtigste Aufgabe hat das Kuratorium darauf Bedacht genommen, die auf weiter und fester Grundlage errichtete Anstalt durch Beschaffung der dringend erforderlichen Gelder gedeihlich weiter führen und aus- ' breiten zu können. Zu diesem Behufe wendet sich ein vom Vorstande und einer großen Zahl einflußreicher Männer aus allen Theilen Deutschlands Unterzeichneter Aufruf an Alle, die Herz und Verständniß für die Zukunft unserer Jugend haben; und ein Appell von dieser Wichtigkeit und Bedeutung, ausgegangen von solchen Männern, die alle mit Begeisterung und Wärme für die Anstalt eintreten, wird gehört werden, und die jüdische Wohlthätigkeit wird auch in diesem Falle, in dem es sich um das Heil der Kinder unseres' Landes handelt, und zugleich um thatsächliche Widerlegung der von gegnerischer Seite vorgebrachten Anschuldigungen, ihren alten Ruf bewahren. Die Anstalt will, wie es in dem Aufruf heißt, „Israelitische Jünglinge zu Gärtnein, Landwirthen und Handwerkern anlernen, arme und verwaiste Knaben durch Lehre und Beispiel zu nützlichen, ihrer Religion treuen Gliedern der Gesellschaft erziehen, durch frühe Gewöhung an Handfertigkeit- Feld- und Gartenarbeit Lust und Liebe zur Bodenkultur und zum Handwerk bei ihnen erwecken — durch einfache, kräftige Nahrung, wie durch Aufenthalt in freier Natur ein gesundes, starkes Geschlecht bilden. Drei und ein halbes Jahr arbeitet sie mit ihren noch sehr beschränkten Mitteln an der Erreichung dieser Ziele, und daß ihr' Mühen nicht vergebens gewesen, erweist der erste Bericht. Immer dringender jedoch tritt die Forderung auf, -die Anstalt nach Innen und nach Außen weiter auszubauen, um einer größeren Zahl von bedürftigen Kindern die Wohlthat einer guten Erziehung zu theil werden zu lassen und sie nicht ferner wie bisher aus Mangel an Platz und an Mitteln zurückweisen zu müssen. Durch Allerhöchsten Erlaß des Kaisers sind der Anstalt unter dem 2. Oktober 1866 die Rechte einer juristischen Person verliehen und ihre Statuten bestätigt worden; damit ist seitens unserer Staatsregierung ausgesprochen, daß der ' Gedanke, der ihrer Errichtung zu Grunde liegt, des Schuhes und der Förderung der Staatsgewalt werth ist;,um so zuversichtlicher dürfen wir darauf vertrauen, das Unternehmen werde nunmehr in erhöhtem Maaße die Unterstützung auch unserer Glaubensgenossen finden." Größere einmalige Spenden und Stiftungen zur Verbesserung und Vergrößerung des Grundbesitzes der Anstalt und zur Beschaffung weiterer ' Unterkunfts- und Unterrichtsgebäude, wie auch jährliche Beiträge für den Unterhalt, die Erziehung und Anlernung fließen hoffentlich so reichlich, daß die Erziehungsanstalt alle an sieherantretenden Wünsche befriedigen kann. Düsseldorf, 1 Februar. Der hiesige „General-Anzeiger" schreibt: „In den Kreisen Mörs, Geldern und Cleve wird seit mehreren Tagen das Gerücht verbreitet, daß einer der Geschworenen im Prozeß Buschhofs ein Ausländer gewesen sei, weshalb ihm die Berechtigung zu diesem Ehrenamt gefehlt habe. Natürlich werden daran allerhand Muthmaßungen um Wiederaufnahme des Prozesses geknüpft. Es Handelb sich um einen Herrn in Mörs, der als kleiner Knabe mit seinem Vater sein deutsches Vaterland verlassen halte, dann aber wieder nach Deutschland zurückkehrte und seiner Dienstpflicht genügte. Er ließ sich in Mörs nieder und wurde dort Stadtverordneter. Als er vor einigen Jahren als Geschworener in dem Prozeß Buschhoff nach Cleve berufen wurde, ließ er aus Vorsicht seine Nationalität als Deutscher durch die Mörser Behörde und den Landgerichtspräsidenten in Cleve untersuchen und feststellen. An der durch das Gesetz vorgeschriebenen Zugehörigkeit des betreffenden Herrn zum preußischen Staat ist nicht zu zweifeln; die an eine Wiederaufnahme des Prozesses Buschhoff geknüpften Muthmaßungen sind also schon aus diesem Grunde vollkommen haltlos." (D Burgpreppach, 2. Februar. Der einundzwauzigste Rechenschafts-Bericht über die israelitische Präparanden - Schule „Talmud-Thora" für das Jahr 1896/96 konstatirt mit Befriedigung die Fortschritte der Anstalt im 21. Jahre ihres Bestehens durch Erweiterung des Schulhauses und Ertheilung des Musikunterrichts in einem besonderen Saale. Am Schluß des Wintersemesters verließen drei Schüler des Oberkursus die Anstalt und traten in die Seminarien zu Kassel (2) und Hannover (1) ein; von den übrigen 5 Schülern des Kursus gingen 4 in die israelitische Lehrerbildungsanstalt und einer in das königliche Schullehrerseminar zu Würzburg über. Die Schülerzahl ist im Berichtsjahre wiederum gestiegen (sie beläuft sich auf 59), und auch für das neue Schuljahr sind zahlxeiche Anmeldungen erfolgt. Die materielle Aufgabe der Schule war in diesem Jahre durch die größere Anzahl und die größere Dringlichkeit der Unterstützungsgesuche, insbesondere aber durch die außerordentlichen Bauausgaben eine ungleich größere als sonst. Trotzdem die durch Verwaltungsbeschluß vom 3. April mit der Vergebung der Arbeiten betrauten hiesigen Verwaltungsmitglieder bei aller Fürsorge für die Zweckmäßigkeit und Gediegenheit des Erweiterungsbaues sich möglichster Sparsamkeit befleißigen, beläuft sich das Baukonto bis jetzt auf nahezu Mk. 7000, und ist in diesem Betrag nur annähernd die ganze , Summe der Baukosten enthalten. Dieser ungewöhnlichen Mehrausgabe stehen allerdings größere Einnahmen und insbesondere Legat-Zuwendungen gegenüber, ebenso die auch in diesem Jahre seitens des Staats Ministeriums gewährte Subvention. Die Verwaltung des Talmud-Thora-Vereins besteht aus den Herren Dr. S. Bamberger, Vorsitzender, M. G. Ullmann- Burgpreppach, M. Reumann-Burgpreppach, I. Lippstädter-Aidhausen, 'M. Reus-Lendershausen; das Lehrpersonal aus den Herren Distrikts- Rabbiner Dr. S. Bamberger, Vorstand, W. Neumann, M. Plaut, Js. Bamberger, Präparandenlehrer, St. Deißenberger, A. Morshäuser, Musiklehrer. Orftrrrrrch-Angarn. □ Wien, 1. Februar. Ein für die gegenwärtigen Verhältnisse nn Wien höchst charakteristisches Gerücht hat sich hier verbreitet. Vor einiger Zeit hieß es, die Antisemiten, die bekanntlich jetzt im Rathhause >bte Herrschafd besitzen,- wollten zum Ball der Stadt Wien keine Juden einladen. Nun sei ihnen aber von sehr hoher Seite bedeutet

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