Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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emeth, ssone beza, damit andeutend, daß nicht die. intellektuellen Gaben, Gelehrsamkeit, Verstandesklarheit, Urtheilsfchärfe,-so unumgänglich ihrer auch Der bedarf, der dem „Rechte zu seinem Rechte" verhelfen soll, sondern die Unantastbarkeit und Unbeirrbarkeit seines Wahrheits- und Rechtssinnes den Richter zum ^MoKim^zu dem machen, der im Namen Gottes das Göttlichste und Heiligste, die Gerechtigkeit, auf Erden schirmen und schützen soll — wie wir Juden solch' einem Anwälte doppelten Dank schulden, weil Ehre und Ansehen, die ihm zu Theil, werden, auf uns. zurückfallen, uns zu gute kommen, zerstreuend das dichte Gewölk von Borurtheilen, mit dem wir, wie leider auf so vielen anderen Gebieten, auch auf dem, darin der Frühoollendete sich so erfolgreich bewegte, noch immer zu kämpfen haben. - «2 Berlin, 2. Februar. Den ersten der Montagsvorträge zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt gestern vor einem zahlreichen und auserlesenen Auditorium Herr Professor Dr. Martin Philippson über das Thema: „Wanderungen durch Spanien". Noch immer hat das-schöne Land des Weins und der . Gesänge einen eigentümlichen Zauber für uns, und so lauschten wir denn mit hohem Interesse den lebenswarmen, fesselnden und höchst charakteristischen Schilderungen des verehrten Vortragenden, der nach den Eindrücken wiederholter Reisen in' Spanien über Volk und Land, Charakter, Bildung, Religion, soziale Lage, gesellschaftliches Leben, Litteratur und Kunst sehr interessant zu erzählen wußte. Besonders interessant war aber, was Professor Philippson über die Juden in Spaüien, über alte Synagogen in Toledo und über die „Leute von der Gasse", die sogenannten Lbuotas in Palma zu berichten wußte. Reicher Beifall bewies dem Redner, wie sehr seine Ausführungen gefallen hatten.. 2/D Berlin, 2. Februar. Aus den Litteraturvereinen. Den nächsten öffentlichen Vortrag im hiesigen Verein für jüdische Geschichk und Litteratur hält am II. d. M. der Professor der Musikgeschichte an der Berliner Universität, Herr Dr. O. Fl eischer, über-das Thema: „Was ist alte jüdische Musik?" Dieser V-rtrag des gelehrten Musikhistorikers wird sicher allgemeines Interesse erregen. — In Glogau faradj Rabbiner Dr. Rippner über Herders Stellung zur Bibel und zuck Judenthum, in Schivelbein Rabbiner Dr. Bogelstein über Napoleon I. und die Juden, in Ostromo Rabbiner Dr. Plessner über Jsaac Abravanel und seine Schriften, in Mannheim Rabbiner Dr. Rosenthal über die Unsterblichkeitslehre des Judenthums, ,ixt Tilsit Dr. Fabian über die Geschichte jüdischer Aerzte in,Italien» — Der Verein in Erlangen hat sich bereits konstituirt. Der Vorstand besteht aus den Herren I. Karpf, C. Marschütz, Schriftführer, und I. Gutmeyer, Kassirer. Den ersten Vortrag hielt Kand. theol. Herzog über die Würdigung des Weibes in Bibel, Talmud und Midrasch. R. Berlin, 1. Februar. Am Sonnabend den 6. Februar hält d i e wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner -zu. Berlin eine wissenschaftliche Sitzung ab. In derselben wird der Lehrer Herr Auerbach einen Vortrag über: „Die Ideen der allgemeinen Volksschule, ihre geschichtliche Entwickelung und Beurtheilung" holten. Vas Vereinslokal befindet sich im Münchener Hof, Spandauerstraße 11/13. Gäste sind herzlich willkommen.— Der Vortrag des Herrn Dr. rned. Th. Wechsler-Argentinien über „das nationale Prinzip in der jüdischen Religion", der im Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur am 2. d. M. gehalten werden sollte, findet erst Dienstag den 9. Februar, Abends 9 Uhr im Vereinslokal, Linienstraße 96, statt. L2 Berlin, 2. Februar. Der Militär- und Sanitäts-Verein „Deutsches Vaterland" beging am 27. v. Mts. die Feier des Geburtstages des Kaisers in würdiger Weise in seinem Bereinslokale, Sophienstraße 13 , unter großer Betheiligung seiner Mitglieder und Gäste. Bor dem mit prächtigen Pflanzen geschmückten Hintergrund des Saales hob sich die Büste des hohen Geburtstagskindes wirkungsvoll ab. Nachdem die Kapelle des Vereins einige'Konzertstücke vorgetragen, begann der offizielle Festakt mit einem von Frl. Elsa Kroner musterhaft vorgetragenen Prolog. Nachdem der Preußenmarsch verklungen war, hielt der Vorsitzende, Rechtsanwalt Davidsohn, die Festrede, welche in ein begeistert aufgenommenes Hurrah auf den obersten Kriegsherrn ausklang. Stehend sang, die ganze Versammlung sodann die Volkshymne, der sich ein vom Kameraden Kunz kommandirter, auf h: das exakteste ausgeführter Salamander anschloß. Nachdem Kamerad Kroner im Namen der Anwesenden das Gelübde der Treue für Kaiser und Reich ausgesprochen hatte-fand der offizielle Theil mit dem Gesang des Liedes „Deutschland Überfalles" seinen Abschluß. Es folgte ein Ball, welcher erst in später Morgenstunde zu Ende ging. A Memel, 1. Februar. Eine mehr als eigenthümliche Entführungsgeschichte hat sich vor kurzer Zeit in dem russischen Grenzstädtchen Ritawen abgespielt. Vor etwa 14 Tagen wurde zur Nachtzeit die minderjährige, 17 Jahre alte Tochter „Sieche" des israelitischen Landwirths Malamit in Ritawen von Dienern des Fürsten Oginski- Ritawen aus ihrem elterlichen Hause entführt. Wie sich jetzt, herausgestellt hat, befindet sich das junge, bildhübsche Mädchen seitjener Zeit auf dem IV2 Meilen von Ritawen entfernten Schlosse des Fürsten. Alle Bemühungen der Eltern, ihre Tochter zurückzubekommen, sind bis jetzt erfolglos gewesen; der Fürst hat ihnen nicht einmal gestattet, ihr Kind zu sehen und zw sprechen. Als Grund der Entführung giebt Fürst Oginski an, er beabsichtige, das Mädchen — römisch-katholisch Laufen zu lassen . Eine Anzeige der Eltern bei der Polizei ist ohne Ergebniß geblieben. Wie das genannte Blatt nachträglich meldet, soll die Entführung thatsächlich nur auf religiöse Motive zurückzuführen sein, wodurch freilich die Thatsache auch nicht entschuldbar wird. H. Rakel, 26. Januar. Der jüdische Krauken-Unterstützungsverein (LiLkür Cholim) feierte am 17. d. M. sein SOjähriges Bestehen. Die Betheiligung war eine große. Schon vorher fand, bei Gelegenheit des sabbathlichen Hauptgottesdienstes in der wohlgelungenen Rede des Rabbiners Dr. Perlitz ein Hinweis auf die Festfeier statt. Der Redner hob das Wesen, die Bedeutung und das segensreiche Wirken des Vereins, welches eine Pflanzstätte Gottes sei, hervor, gedachte der verstorbeaen und verdienstvollen Begründer und Mitglieder des Vereins und schloß mit einer Fürbitte für das Wohlergehen und weitere Blühen und Gedeihen desselben sowie aller Wohlthätigkeitsoereine ohne Unterschied der Konfession. Die Feier selbst begann mit der Vertheilung einer sehr hübschen Festschrift. Aus dieser ergiebt sich, daß der Verein im Jahre 1846 von 47 Mitgliedern ins Leben gerufen worden ist, von denen nur noch ein einziges, in Rakel wohnhaftes Mitglied vorhanden, und zwar der Kaufmann Nathan Cohn. Demselben wurde bei der gestrigen Tafel ein Ehrenplatz eingeräumt, ebenso den erschienenen Ehrenmitgliedern des Vereins, den Herren Dr.. Perlitz und Sanitätsrath Dr. Lande, sowie den Herren Rentiers S. Jastrow und M. B. Zippert aus Berlin. Der Verein hat während seines Bestehens 29 291,07 Mark vereinnahmt, hat gegenwärtig ein Vermögen von 6671,80. Mark und hat demnach während seines Bestehens 22.619,27 Mark, wovon auf Ariterstützungen 8148 Mark entfallen, verausgabt. ..Die materiellen Unterstützungen' durch Geld bilden nur einen Nebenzweig der Veremsthätigkeit. Der Hauptzweck ist die persönliche und unentgeltliche Ausübung der Krankenpflege ohne Ansehen der Person. Darin aber liegt das Humane und Nachahmungswerthe, was der Vereinsthäti'gkeit an haftet. Diesen Gesichtspunkten gab auch der Vorsitzende des Vereins. Herr Kaufmann Lesser Baer wald, er in seiner Rede bei der Tafel Ausdruck. Die Festrede bei ' der Tafel hielt Herr Rabbiner Dr. Perlitz, in der er hervorhob, wie die Israeliten sich stets als treue Staatsbürger bewährt und treu zu Kaiser und Reich gestanden haben. Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in welches die Festgenossen begeistert ernstimmten. Hierauf folgte Herr Uhrmacher Lewin, der die segensreiche Thätigkeit des Vereins und das friedliche Verhältniß, welches unter den verschiedenen Konfessionen herrscht, hervorhob. Ferner sprachen die Herren S. Jastrow M. B. Zippert-Berlin und Lehrer Stillmann hier. Der Letztere in poetischer Form. Herr Rabbiner Dr. Perlitz hatte ein Tafellied gestiftet, welches sehr beifällig ausgenommen wurde. Dem Kassirer Herrn Kaufmann S. Salomon, der 33 Jahre bereits das wichtige Amt bekleidet hat, würde eine Ehrung zu Theil. Hervorzuheben ist noch, daß der Vorstand den Herrn Nathan Cohn, mit Zustimmung der Versammlung, zum Ehrenmitglieds proklamirte. Nach Beendigung der Tafel begann der unterhaltende Theil des Abends, welcher reiche Abwechslungen-bot. j. JBreSIait, 29. Januar. Am 16. d. M. versammelte sich eine Anzahl jüdischer Studenten aller Fakultäten zur Gründung einer „Akademischen Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur", nachdem Vorbesprechungen ergeben hatten, daß in hiesigen akademischen Kreisen die Stimmung dafür durchaus günstig ist. Herr