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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Fahrgang. Nr. 6. Weikage ßerlht, 5. Februar 1897. zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 3t. Januar. Heute Mittag fand die Trauerfeier für den am 27. d. nach längerem Leiden verstorbenen Herrn Siegfried Leichtentritt statt. Schon lange vor der festgesetzten Stunde waren die Räumlichkeiten im Trauerhause überfüllt, und noch zahllos war die Reihe Derjenigen, denen aus diesem Grunde kein Einlaß mehr gewährt werden konnte. Das Zimmer, in dem die Aufbahrung stattgefunden, war in einen Blumenhain verwandelt worden, und groß war die Anzahl der herrlichsten Kränze und ganzer Blumenarrangements, die zu Füßen des Sarges niedergelegt wurden. Die Gedächtnißrede hielt Rabbiner Dr. Weisse. Von dem biblischen-Worr ausgehend: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, um dich zu behü'en, um dich zu bringen an den Ort, den ich dir bereitet habe", schilderte er den Lebensgang des Verblichenen. Er entstammte, so führte der Redner etwa aus, einem höher gestimmten Elternhaus, einer Familie, die zu ihren Ahnen fromme und gelehrte Führer Israels zählte. Nach Verlassen seines Elternhauses erwarb er sich durch seinen Ernst, seine Pflichttreue und Wahrhaftigkeit, seine herzgewinnende Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit das Vertrauen aller Derjenigen, mit denen er in Beziehung trat, und das eigene Haus, das er in Gemeinschaft mit den treuen Freunden gegründet hatte, erwarb sich bald die allgemeinste Achtung und Werthschätzung im Kreise der Berufsgenossen. Aber so treu und fest er in seinem Berufe stand, so ging er doch nicht in demselben ganz auf. Er gehörte nicht zu Denen, die ihre Lebensarbeit nur als Mittel ansehen, um für sich und die Ihrigen volle Behaglichkeit und Unbeschränktheit des Lebensgenusses zu verschaffen; für Andere das Glück zu bereiten und thatkräftig zu sein, wenn es sich um das Glück Anderer handelte, war sein stetes Bemühen. Seine Fürsorge suchte höhere Ziele. Nachdem er sich von den Geschäften zurückgezogen (er war 31 Jahre hindurch Mitinhaber der Firma Lehmann u. Leichtentritt), stellte er sich nunmehr ganz in den Dienst guter und frommer Werke. Er gehörte seit sieben Jahren dem Repräsentantenkollegium unserer Gemeinde an und bekleidete das Amt eines Spnagogenvorstehers unserer altehrwürdigen Heidereuter-Synagoge, eines Mitgliedes der Veranlagungskommisston und der Kommission für bauliche Angelegenheiten der Gemeinde in treuer Hingebung und mit seltenem Eifer; er gehörte der Verwaltung vieler wohlthätiger Vereine und frommer Stiftungen an. . Eine seiner letzten Bestrebungen hat ihm besondere. Herzensbefriedigung gewährt : der Verein für Arbeitsnachweis, den er begründet hatte. — Der Verstorbene ist 63 Jahre alt geworden, er wurde in Posen im Jahre 1835 geboren.. Im Repräsentanten- Kollegium gehörte er der sogenannten konservativen Richtung an, doch sein mildes, ausgleichendes und versöhnendes Wesen machte ihn bei allen Richtungen beliebt, und war er es gerade, der bei den in letzter Zeit so schroff auftretenden Gegensätzen und Meinungsverschiedenheiten vermittelnd wirkte. Die Beisetzung fand in Weißensee statt, wo verschiedene Ansprachen seitens des Herrn Hermann Landsberger für das Repräsentantenkollegium der Gemeinde, des Herrn Eugen Rosenstiel im Namen des Vereins für Arbeitsnachweis der Berliner Logen und des Herrn Conrad Schay^r für die Arrnen-Kommission der Gemeinde die Thätigkeit des Heimgegangenen feierten. Mit Gebet und Chorgesang fand die würdige Feier ihren Abschluß. Ehre dem Andenken des Mannes L2 Berlin, 1. Februar. Unvermuthet und seinen vielen Freunden viel zu früh ist am 39. vor. Mts. hier Dr. Eduard Jacobson im 64. Lebensjahre gestorben. Obwohl der allen Berlinern wohlbekannte Bühnendichter kränkelte, hoffte man doch, daß er einen Influenza-Anfall, der ihm viel Leiden bereitete, siegreich bestehen würde. Es ist anders gekommen, und nun ist er sanft hinübergeschlummert in das Land, „von dess' Gefild kein Wanderer wiederkehrt". Jacobson war am 10. November 1833 in Groß-Strehlitz (Oberschlesien) als Sohn des bekannten Rabbiners Dr. I. H. Jacobson geboren und studirte in Berlin Medizin. Als Student schrieb er 1856 eine einaktige parodistische Posse „Faust und Gretchen", die sehr gefiel. Dieser Erfolg war entscheidend für sein Schicksal. Die Medizin wurde nach der Doktorpromotion an den Nagel gehängt, und der junge Medikus beschränkte sich fortab darauf, die Menschheit nur noch durch Lachen zu heilen. Ueber hundert Possen schuf Eduard Jacobson in den vierzig Jahren seiner bühnenschriftstellerischen Thätigkeit, zum Theil in Gemeinschaft mit anderen, und die meisten seiner heiteren Werke hatten sich großer Erfolge zu erfreuen. Zu seinen erfolgreichsten Stücken gehörten „Singvögelchen", „500 000 Teufel", „Der Postillon von Müncheberg", „Die Galoschen des Glücks", „Das Mädel ohne Geld", „Die Lachtaube", „Der jüngste Lieutenant", „Der Mann im Monde" u. a. Jacobson hinterläßt eine Frau, die um seinetwillen zum Judenthum übergetreten ist, und eine Tochter, die ihm erst nach achtzehnjähriger Ehe beschieden wurde. Die Beerdigung fand am Montag in Weißensee statt. In der Begräbnißhalle versammelte sich um die Wittwe und die jugendliche Tochter des Entschlafenen eine stattliche Trauerversammlung, in welcher die Litteratur und die Bühnenkunst würdig vertreten waren. Die Feier selbst nahm einen erhebenden Verlauf. Die Trauerkapelle war reich mit Blumen geschmückt, und von hohen Kandelabern fiel das Kerzenlicht auf den über und über mit Kränzen und Palmenzweigen bedeckten Sarg. Gesang eröffnete die Feier. Dann nahm Prediger Dr. Lev in das Wort zu einer gedankenreichen und ergreifenden Trauerrede, in der er ein Lebensbild des Verblichenen entwarf, über welches man die Worte setzen könne: „Licht strahlt den Gerechten, Freude den geraden Herzen!" Redlichkeit war stets der Leitstern Eduard Jacobson's, und deshalb war sein Lebensweg von Licht erfüllt. Wäre er dem medizinischen Beruf, den er erst erwählte, treu geblieben, so würde er "auch ein Seelen-Arzt gewesen sein. Jahrzehnte hindurch hat er den schönen Beruf geübt, durch sein heiteres Schaffen uns die Falten der Werkeltags-Sorgen von der Stirn zu streichen. Ein Weiser sagte einst einem Fremdling, der ihm erzählte: „Mein Beruf ist es, den Leuten mit Scherzen die Zeit und den Gram zu vertreiben." — „So bist Du ein Kind des Himmels!" Ein so Begnadeter war der Heimgegangene; und wie er ein gerades Herz, ein warmes Gemüth hatte, so fehlte seinem Spott jeder Stachel, jede Bitterkeit. Den Ansporn aber zu seinem unermüdlichen Schaffen fand er in einer glücklichen, gesegneten Häuslichkeit. Ein liebenswürdiger Charakter, ein wackerer Bürger, ein guter Mensch ist mit Eduard Jacobson dahingegangen. Der ergreifende Gesang des Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rath" beendete die Feier. Dann bewegte sich der Kondukt hinaus auf das weithin in leuchtenden Schnee gehüllte Gräberfeld, und während der Wind die glitzernden Flocken von den Bäumen und den Sträuchern herabwirbeln ließ, senkte man den Nestor der Berliner Posse in die kühle Erde hinab. Berlin, 31. Januar. Der im besten Mannesalter vom Tode dahingeraffte Rechtsanwalt und Notar Arnold Busse wurde am letzten Freitag von einem zahlreichen Trauergefolge, dessen Hauptköntingent seine Berufsgenossen bildeten, zur ewigen Ruhe geleitet. Was dem Verewigten diese Hochachtung und Werthschätzung aller seiner Kollegen, was ihm das Vertrauen seiner vielen Mandanten, was ihm die innige Liebe und Freundschaft seiner vielen Verehrer gewonnen, das führte der mit der Abhaltung der Leichenrede betraute langjährige Freund der Familie, Herr Dr. Klemperer, der sichtlich tief ergriffenen Versammlung in einem Lebensbilde des Dahingegangenen vor Augen, dessen Wahrheit und Treue Jeder bestätigen mußte, der dem edlen, vortrefflichen Mann jemals näher getreten. Ganz besonders wohlthuend wirkte d.er Satz, den Dr. Klemperer warm hervorhob, wie wir, die Bekenner des Judenthums, einen „Wächter des Rechts" wie den Verklärten, der die ethischen Postulats erfüllt, welche die heilige Schrift für den Richterstand allein und ausschließlich aufstellt — arische chajel, jireh elohim, ansche

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