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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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besteht in der Menge der Angriffs- und Vertheidigungsmittel, in der Macht, die ein Volk entfalten kann. Der innere Ruhm besteht in den Bräuchen und Sitten, der Geistesbildung, dem Gerechtigkeitsgefühl/ im Handhaben der Gesetze n, s. w. Rur beide vereint bilden die kabod, den Ruhm einer Nation. Ruhm ohne Ehre ist unmöglich. Tritt er doch ein, so ist man berüchtigt, nicht berühmt. Ein Unterscheidendes zwischen beiden liegt ferner darin, daß man Ehre in sich tragen, im Vollbesitze und Bewußtsein derselben seinkann, ohne daß sie von Anderen gekannt oder anerkannt sein muß, der Ruhm besteht eben im Wiffeu und in der Anerkennung Anderer. Stämme und Völker haben die Pflicht, kabod — Ruhm — zu erwerben und zu erhalten. Wie der Einzelne nicht sagen darf: Ich verzichte auf meine Menschenwürde, so darf keine Nation sagen: Ich verzichte auf meine Ehre, auf Ruhm. Von ver Pflicht, auf die kabod zu achten, von der Schande, sie zu verlieren, spricht die heilige Schrift. Es sind die Propheten, die von der kabod der Völker sprechen. Sie haben auf die kabod der heidnischen Völker, besonders solcher, die mit Israel in Beziehung standen, ebenso ihre Aufmerksamkeit gerichtet, wie auf die Israels selber. Assnr tritt gegen Juda auf. Da spricht der Prophet: „Ich bringe über sie den König Assur mit seiner ganzen kabod." (Jes. 8, 7). Kabod ist hier äußerer Ruhm, Kriegsmacht. Sie besteht in der Menge der Vasallen, die er zum Zuge gegen Juda aufgefordert, ferner in der Menge der Soldaten und der Waffen. Kabod bedeutet, wie bei den Heiden, so auch bei Israel als Volk Macht, Ruhm. „Die kabod Ephraims verfliegt, gleich einem Vogel" (Hos. 9. 11, 12), sagt der Prophet. Nicht ist der äußere Feind an seinem Unglück schuld, Ephraim war innerlich krank, der Feind gab nur den Todesstoß. Die Macht eines Volkes muß nothwendig brechen, wenn die Erwachsenen vorzeitig sterben und der Nachwuchs fehlt, worauf der Prophet deutlich genug hinweist. Kabod, nationale Ehre, Ruhm ist auch in dem bereits angeführten Satze ausgesprochen, daß Israel sich einst laben wird an der Fülle der kabod Jerusalems. (Jes. 66, 11.) Wie tief muß das Gefühl für nationale Ehre, Rühm in der Volksseele Israels gewurzelt haben, wenn dieses den letzten Seufzer einer sterbenden Frau bildet. Es ist die Schwiegertochter Elis, des Priesters zu Silo, die sterbend ruft: „Dahin ist die kabod Israels, die Lade Gottes wurde genommen." Ja, noch mehr. Ist durch ein nationales Unglück der Ruhm eines Volkes verloren gegangen, so haftet jedem Manne, so lange die Ehre nicht wieder hergestellt ist, der Makel der Ehrlosigkeit an. Dieser Anschauung giebt dieselbe Priesterfrau Ausdruck, indem sie dem Knaben, den sie sterbend gebiert, den Namen Ikabod, d. h. der „Rühmlose", giebt. Sie spricht zu ihm: Du bleibst so lange ohne Ehre, mein Sohn, als du dich nicht bestrebt haben wirst, den Ruhm, die Ehre deines Volkes wieder herzustellen. (1. Sanr. 4, 21.) Aus dem Angeführten hat sich ergeben, daß die Bedeutung der kabod bei Menschen theils dieselbe geblieben, der wir bei Leblosen: begegneten, theils über dieselbe hinausgegangen ist. Die Bedeutung von Menge, Fülle rc. tritt auch hier auf. Die kabod als Macht kann auch bei Menschen der äußeren Mittel nicht entrathen, ihre Quelle aber bleibt der gesunde Geist, die Sittlichkeit. Daher ist bei Völkern Macht von Ruhm nicht zu trennen. Weil die kabod sittlich-geistige Unversehrtheit zur Grundlage hat, muß mit dem Verlorengehen dieser auch der Verlust der kabod eintreten. So lehren es durchgehends die Propheten. -ii—-ii ■-.— - -ii -H— miülBli WljMMM SIS SS iimirnniini MWW i & WULM 1 FEUILLETON I K maanrnw imm «1 I m -II—II - —II—II- Andere Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der jüngsten Vergangenheit, von Gotthard Deutsch. Dreiundzwanzigstes Kapitel. Unverhoffte Bundesgenossen. f ie Agitation für das geplante Unternehmen, obwohl eifrig betrieben, hatte nur langsame Erfolge aufzuweisen. Es fehlte an mächtigen Kapitalisten, die sich für die Fabrik interessirt hätten. Awrom reiste allwöchentlich nach der Hauptstadt, um Verhandlungen anzuknüpfen. Von vielen Seiten wurden ihn: freundliche Zusagen zu Theil, aber Jedermann wollte die Sache noch gründlich in Erwägung ziehen. Da kam mit einem Male Hilfe von einer Seite, auf die Awrom am wenigsten gerechnet hatte. Dr. Max Kohn war Kreisphysikus in der Hauptstadt und als Arzt sehr gesucht, aber er war ein Sonderling geworden, wie es sich für einen alten Junggesellen gebührt. Sein Haushalt wurde von der alten Gutrud geführt, die er nach des Vaters Tode zu sich genommen hatte. Im Uebrigen lebte er nur seinem Berufe und war von einer wahrhaft klassischen Bedürfnißlosigkeit. Auf diese Weise hatte er zu dem väterlichen Erbe noch ein beträchtliches Vermögen gesammelt, welches sich stets vermehrte. Awrom sah ihn hier und da im Kaffeehause, wo der Doktor täglich seine Zeitungen las, ohne sonst mit Jemandem ein Mort zu wechseln. Mit Awrom machte er eine Ausnahme, theils der Freundschaft der Väter wegen, theils, weil er die Energie des Mannes bewunderte, der sich aus so kleinlichen Verhältnissen empocgearbeitet hatte. „Wie geht's, Landsmann?" rief Max, als Awrom in der Zeit der Agitation für die Zuckerfabrik zu ihm ins Kaffeehaus trat. „Denkst Du nicht daran, die Sonnenstrahlen zu verdichten und sie in Kohlen zu verwandeln? Müßte ein sehr profitables Geschäft sein und vom wissenschaftlichen Standpunkt vollständig ausführbar! Ein Theil dieser Kohlen dann in Diamanten verwandelt,- würde alle Schatzgräberei zu einem ganz und gar unlohnenden Geschäfte machen." „So weit geht's nicht,", war die Antwort, „aber Schätze graben wollen wir in der That, wenn mein gegenwärtiges Projekt glückt." „Ei," meinte der Doktor, „am Ende in der alten Klosterruine." „Getroffen!" war die Antwort. „Nun, meint Ihr wirklich, daß Euch die Schweden in dieser Beziehung etwas zu thun übrig gelaffen haben?" „Warum denn nicht?" sagte Awrom trocken. „Die Herren haben ihr Geschäft ganz anders aufgefaßt als wir; sie thaten alles zu rasch und stürmisch. Wir lassen uns Zeit und hoffen bessere Resultate zu erzielen." „Du, hör' einmal, Abraham," sagte der Doktor, seinen Freund verwundert ansehend, „ich habe Dich bisher für einen vernünftigen Menschen gehalten, aber es scheint, man täuscht sich mitunter in der Diagnose, in der psychischen wie in der medizinischen. Es wäre denn, daß Du einen Witz machst." „Nun, ganz ernst gesprochen," erwiederte Awrom, „ich habe mit der gräflichen Gntsverwaltung einen Vertrag abgeschlossen, wonach

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