Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
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in den Worten desMalmisten: „Wenn ich dem, der in Frieden mit mir lebte, Böses that ..... so möge der Feind mich verfolgen ... . . und lege meine Ehre in den Staub" (Ps. 7, 5,6. Aehnliches Ps. 62, 8). Die kabod bei Einzelnen. Bei der kabod, die dem Einzelnen zu Theil wird, wird die Fühlung mit dem Nebenmenschen hergestellt. Obgleich die Ehre ihrem Besitzer auch dann eignet, wenn sie von Anderen nicht gewährt oder erkannt wird, tritt sie uns in vielen Fällen doch als solche entgegen, die von dem Einen gegeben, von dem Anderen empfangen wird. Sie wird Objekt. Daher der Ausdruck: man giebt, man bietet Ehre. Von diesem Gesichtspunkte seien die Einzelnen, wie Gruppen betrachtet, denen kabod zugesprochen werden soll. Die niedrigste Stufe ist wohl jene, wo kabod Geld, Lohn bedeutet. Auch hier ist die hebräische Sprache höflich im Ausdruck. Wenn wir für einen Dienst Bezahlung nicht anbieten können, sprechen wir von Verbindlichkeit, Dankbarkeit. Der Hebräer sagt: „Ich werde dich ehren." Der König von Moab fordert Bileam auf, Israel zu fluchen. Er will diesen Dienst königlich lohnen. Er läßt dem Propheten sagen: „Ich werde Dich sehr ehren." Man wollte über das Unpassende einer materiellen Belohnung hinwegkommen und wählte den Ausdruck: kabod. Man wurde also honorirt, nicht, belohnt. (Num. 22, 17. Reichthum: Jes. 6i; 6.) Ihr folgt, jene kabod, die infolge der Vererbung, persönlicher Tüchtigkeit, aber noch nicht infolge des Seelenadels eiiitritt. Die Ehre ist zum TM noch in Verbindung mit dem Materiellen. Infolge ihrer Tüchtigkeit, wie durch die schöne Art, wie sie die reichen Mittel verwendet, steht die Kaufmannschaft in Ehren, sie wird auch in den Rath der Krone berufen, kurz, sie „ist geehrt im Lande". Diese Ehre bedeutet: Einfluß. (Jes. 23, 8-9.) Weil ferner Amt und Stellung nur durch Tüchtigkeit erworben werden sollen, werden auch sie mit kabod bezeichnet. Nur der Ehrenwerthe soll ein Amt erhalten. Jedes Amt ist ursprünglich ein Ehrenamt, obgleich Entgelt nicht ausgeschlossen ist. Wenn Josef, der Sohn des Stammvaters, spricht: „Erzählet dem Vater von meiner kabod" (Gen. 45, 13), so bedeutet das: Erzählet ihm von meinem Range. Von dieser noch immer äußerlichen Ehre, deren Wurzel mehr im geistigen Können als im sittlichen Verhalten liegt, kommen wir zu jener, bei der auch das Herz mitzureden beginnt. In diesen Anfängen der Herzensregungen, wenn dabei auch andere Motive Mitwirken, ist die kabod Anstand, Höflichkeit. Eine stürmische Szene spielt sich zwischen dem Könige Saul uud dein Propheten Samuel ab. Der Prophet spricht: „Gott hat Dich verworfen, daß Du nicht mehr König seiest über Israel." Der König bittet, die Höflichkeit zu wahren. „Erweise mir doch Ehre vor den Aeltesten des Volkes und vor Israel." (1. Sam. 15, 30.) Der Prophet, obgleich innerlich; empört, willigt ein, er erweist dem Könige die Ehre. Einer weiteren Steigerung der Ehre begegnen wir da, wo der Ehrende, von äußeren Rücksichten nicht geleitet, die Ehre als freie' Herzensgabe bietet. Die Ehre geht vom Sittlichen aus und auf den Sittlichen über. Ihr Merkmal, daß sie sich mit dem Geistig- Sittlichen verbindet, macht sich geltend. Die kabod tritt da in mannigfacher Weise in die Erscheinung: Nicht immer sagt uns die Schrift, warum Der oder Jener geehrt werden soll. Es wird so manches dem Verstände wie dem Gefühle überlasten. Andererseits verschwindet die Ursache, warum so Mancher zu den Geehrten gezählt wurde, im Dunkel der Zeiten. Wir können da vermuthen, aber nichts wisteu. Dem Könige gebührt selbstverständlich Ehre. Wir haben dies eben bei Samuel gesehen. Der unerschrockene Prophet Elia läuft vor dem Wagen des verhaßten Königs Ahab (1. Kön. 18, 46). Furcht vor ihm kann es nicht gewesen sein, uud sich zu bücken und Gunst erbetteln war Elia nicht gewohnt. Der König ist eben der von Gott Gesalbte. Der Satz: „Kabod will ich Dir, König, geben", gilt jedem Könige gegenüber. So wird es als selbstverständlich angesehen, daß der König seine Familiengruft hat. In dem Spottliede über den König von Babel spricht der Prophet: „Die anderen Könige liegen in Ehren, jeder in seinem Hause, du aber bist fern von deinem Grabe hingeworfen (Jes. 14, 18). Weil sie als selbstverständlich gilt, wird von der Ehre des Königs wenig gesprochen. Wir begegnen ihr bei Salomo (2. Ehr. 1,12). Josaphat (das. 17, 5). Chiskia (das. 32. 27). Sie ist bei deren Leben freie Huldigung, nach dem Ableben Pietät. So bei David (1. Ehr. 29, 28; 2 Ehr. 32, 33) und bei Chiskia. Rückhaltlos soll Ehre Jenen zutheil werden, deren Verdienste wir kennen. Sie soll der Preis, die freie Anerkennung der Tugend sein. Da sind es die Chachamim, die Weisen, denen Ehre gebührt. Es sind die von Natur begabten Männer, die mit der geistigen Bildung ihrer Zeit die höchste Tugend verbinden (Spr. 3, 35). Diesen gesellen sich die Frommen (Ps. 112, 9; 149, 5), die Gerechten (Spr. 21, 21), die Friedfertigen (das. 20. 3), die Bescheidenen und Demüthigen zu (das. 15, 32; 18, 21; 22,4; 29, 23), zu welch letzteren auch die Anmuth der Frauen (das. 11, 16) gerechnet wird. In der Bescheidenheit liegt Anmuth. Die Schrift hat damit die ästhetische Seite der Frauen in den Dienst der Sittlichkeit gestellt. Es sei noch der Tugend gedacht, die man uns so gern abspricht, die in den Urzeiten vielleicht stärker als jetzt hervortrat, aber auch jetzt gewiß noch vorhanden ist: der Tapferkeit. Auch sie stand in Ehren. Der Bibelkenner weiß, was die Ausdrücke bedeuten: „Unter den Dreißig da stand er in Ehren, an die Drei reichte.er nicht" (2. Sam. 23,19,23; 1. Ehr. 11, 21, 25). Ein Vorenthalten der Ehre, dem sie gebührt, ward gemißbilligt, und als ein Zeichen sittlichen Verfalls betrachtetes der Prophet, wenn „sich der Geringe über den Geehrten erhebt" (Jes. 3,5). Dagegen hüte man sich wohl, dem Unwürdigen Ehre zu spenden. Für diesen hat die Schrift eine eigene Bezeichnung. Er ist der Thor. Wie man in dem Chacham alle Weisheit und Güte vereinigt dachte, so in dem Thoren alle Unbildung und Bosheit. Die späteren Philosophen,'namentlich Maimuni, welche die böse Handlung, die Schlechtigkeit überhaupt auf Unverstand, Unwissenheit, auf Zurückgebliebenheit des Geistes zurückführen, mögen die Quelle ihrer Anschauung hier suchen. „Wie Schnee im. Sommer, Regen in der Ernte, so ungehörig ist Ehre für den Thoren. Dem Thoren Ehre erweisen, ist, wie wenn man einen Stein an die Schleuder bände" (Spr. 26, 1, 8). Zu der als freie Huldigung bezeichneten kabod gehört die Elternehre. In ihr vereinigen sich Dank, Liebe, Werthschätzung, Pietät. Das natürliche Gefühl macht sich in gleicher Weise geltend wie der sinnende Verstand. In dem kurzen Satze: „Ehre Vater und Mutter" erhält dies alles seinen prägnanten Ausdruck. Ihm schließt sich an, wenn es auch nicht mehr auf derselben Höhe steht, das Verhältniß zwischen Herrn und Diener. Ein Inneres, Sittliches soll es sein. Nicht Interesse, gegenseitiges Vertrauen soll Beide verbinden. Darum stellt der Prophet Sohn und Diener in Parallele. „Der Sohn soll den Vater ehren, der Diener den Herrn." Ist die Ehrerweisung bei dem Kinde hingebende Liebe, soll sie bei dem. Diener liebende Ergebenheit sein (Mal. 1, 6). Die kabod bei Stämmen, Völkern, Nationen. Es ist bereits hervorgehoben, daß kabod bei Nationen Ruhm bedeutet. Dieser ist theils ein äußerer, theils ein innerer. Jener