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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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dienst statt, zu dem Ignaz Moscheles die ganze Musik lieferte. Ueber diese Feier berichtet die .Wiener Zeitung vom 21. Juni 1814 wie folgt: „Die hier wohnenden Israeliten haben anr 19. d. Mts. früh um 10 Uhr in ihrem Bethause „zum Dempfing er Hofe" die glorreiche Rückkehr unseres gnädigsten Kaisers auf eine ebenso erbauliche als musterhafte Weise gefeiert. Festlich gekleidet versammelten sie sich in ihrem herrlich verzierten und beleuchteten Tempel. Eine angemessene Symphonie eröffnete die Feierlichkeit. Hierauf wurden mehrere Psalmen abgesungen, und dann eine auf diesen Festtag von dem hebräischen Censor Harzfeld verfaßte Rede, welche durch den trefflichen Vortrag des Herrn Bernhard Pollak zum Herzen drang, abgehalten. — Die Thora wurde unter Musik und Chor, kompouirt von dem rühmlich bekannten israelitischen Tonkünstler Herrn Moscheles, von den Gemeinde - Aeltesten in Prozession herumgetragen Des Kaisers Segen wurde von dem ehrwürdigen Greise Michael, Oberrabbiner zu Eisenstadt, gesprochen. Ein Schlußgebet, ebenfalls von dem Verfasser der Rede, und das „Gott erhalte Franz den Kaiser" machten den Beschluß. Es waren mehrere hohe Herrschaften, geistliche Herren und Staatsbeamte, die diesem Gottesdienste beiwohnten und mit Rührung für das Wohl des Allerhöchsten Kaiserhauses ihr Gebet mit dem der Gemeinde vereinigten. — Der Weg zum Guten ist einer, redliche Herzen müssen da sich begegnen! —" Und Veit selber berichtet hierüber noch ausführlicher, daß der „Almemor" durch einen von vier Säulen getragenen, mit der Kaiserkrone bedeckten seidenen Baldachin verziert war, lind daß die Rede Harzfelds den Psalm 21 zum Ausgangspunkt nahm, und daß die Symphonie „von der Komposition und unter der Leitung des rühmlichst bekannten Tonkünstlers israelitischer f Religion, des t. k. Kompositenrs Herrn Ignaz Moscheles, vorausgegangen" sei. Nach den eigenen Aufzeichnungen von Moscheles handelte es sich aber um eine Cantate. In dem interessanten Werke „Aus Moscheles Leben", 1872, Band I, S. 16 wird nämlich erzählt: „Das große Ereigniß, die Befreiung Deutschlands, durchzitterte auch das sorglose Wiener Völkchen, und nicht nur seine Dichter, sondern auch die Musiker wetteifern in seinem Preise. Spohr schreibt sein „befreites Deutschland", — Hummel besingt die Rückkehr des Kaisers, — Moscheles schreibt den „Einzug in Paris", später eine Sonate: „Die Rückkunft des'Kaisers". Die jüdische Gemeinde, zu welcher er damals'noch gehörte, bestellt bei ihm für diese Gelegenheit eine Cantate, welche mit großem Pomp aufgeführt wird. Später, während des Wiener Kongresses, überarbeitete er dieses Werk für die Zöglinge des Guntz'schen Institutes, die es in Gegenwart des Hofes und der fremden Monarchen vortrefflich aufführten." (Schluß folgt.) . Hr. Aie Ehre in der Bibel. Von Dr. Josef Stier, Rabbiner in Berlin. UL Die kabod bei Lebenden, a) Bei Thieren. 1mn ^ie *n ^zug auf Lebendes ins Auge gefaßt wird, kann auch deren Beziehung zu den Thieren nicht übergangen werden. Im eigentlichen Silme kann von Ehre bei Thieren cbenso wenig gesprochen werden, wie bei Leblosem.. Es. fehlt, was zur Ehre notwendig das gehört, sittliche Bewußtsein. Es kann darum nicht Subjekt der Ehre sein. Objekt der Ehre kann es in derselben Weise wie das Leblose werden, wenn der Mensch die Begriffe, die-er mit der Ehre verbindet, auf das Thier überträgt. Es müßten da wieder Vergleiche angestellt werden zwischeil Thieren und anderen Wesen, oder zwischen Thieren verschiedener Art lind dabei das von 67 -- Natur Bevorzugte, mit Rücksicht auf Größe, Schönheit, Kraft, hervorgehoben werden. So viel wir sehen, wird in der heiligen Schrift die Ehre nur ein einziges Mal mit den Thieren in Verbindung gebracht, und da scheint es die Thai der schaffenden Phantasie zu sein. Der Prophet läßt das verbannte Israel zu neuer Blüthe erstehen. Es wird wieder in die alte Heimath zurückkehren, da soll ihm der Weg so angenehm als möglich gemacht werden. Vor allem soll es die Gefahren der Wüste nicht fürchten, „denn ich gebe Wasser in der Wüste. Ströme in den Einöden, damit trinke mein erwähltes Volk". Und das wird auch den Thieren zu gute kommeil, und „es wird niich ehren das Gethier des Feldes" (Jes. 43,20). Unter Ehre dürfte man auch hier, wie bei Leblosem, nichts anderes verstehen, als den-stummen Dank der Thiere gegen Gott. Man wird diese Ehre nicht höher, aber auch nicht geringer anschlagen, als etwa das von den Himmeln Ausgesagte, daß „sie die Ehre Gottes erzählen". Es liegt in diesen Sätzen der die heilige Schrift durchziehende Gedanke: Alles Geschaffelie gereicht Gott zur Ehre. Es xft der bewußte oder unbewußte Zeuge der Macht und Weisheit Gottes. 1») Die kabod bei Menschen. Im Allgemeinen. Es sei zunächst jener Ehre gedacht, die der Meilsch als unveräußerliches Gllt für sich in Anspruch nimmt. Es ist die mit seinem Selbst verbundene Ehre, sie umfaßt sein ganzes Bewußtsein, wie sie sein Wesen ausmacht. Die Ehre ist hier noch ganz selbstischer — nicht selbstsüchtiger — Natur, insofern, als sie sich noch nicht in Verbindung mit Allderen fühlt. Hierbei kann zweierlei unterschieden werden. /■ Erstens die Menschen ehre als solche. Ungefährdasselbe, was wir unter Mens che n w ü rde verstehen. Unwillkürlich scheidet sich der Mensch von anderen Wesen. Wenn er auch das Bewußtsein hat, daß er der ihn umgebenden Welt angehört, will er doch nicht mit Jedem und Allem in dieser Welt auf gleichem Niveau stehen. Des Menschen Standplwkt ist, sobald er zum Bewußtsein seines Selbst gekommen, ein erhöhter. Mag die von sich selbst gehegte Ansicht des Menschen auf Ueherschätzung beruhen, falsch oder wahr sein, daß die Ansicht besteht, ist Thatsache, ebenso, daß sie eine allgemeine ist. Ihr giebt der Psalmist in den angeführten Sätzen Ausdruck (Pf. 8, 6). „Du (Gott) kröntest den Menschen mit Ehre und Würde." So klagt Job in seinem Schmerze, daß Gott ihn durch fortgesetztes Leid seiner Menschenwürde entkleidet hat (Job. 19, 9), (das. 29, 20). Wie er dann, nach bestandener Prüfung, sich im Vollbesitze seiner Menschenwürde fühlt. „Die Ehre verjüngt sich in mir". — Vielleicht ist auch in der von dem Psalmisten angedeuteten Unsterblichkeit die Unvergänglichkeit der Menschenwürde ausgesprochen : „Es freut sich mein Herz es jubelt meine kabod, auch mein Fleisch wird sicher,ruhen." Zweitens jene Ehre, die noch nicht auf eine strikte Verbindung mit Anderen hinweist, sondern auf einem erhöhten Selbstgefühle rnt)t. Im Besitze dieser Ehre sollten sich nur Jene fühlen, die auf ein Leben ehrenvollen Ringens zurückblicken können. Diese kabod äußert sich in bescheidener Zurückhaltung, im stillen, aber vornehmen Handeln, zuweilen im berechtigten Stolze. Sie unterscheidet sich von Menschenwürde dadurch, daß diese Jeder beanspruchen kann, der Menschenantlitz trägt, jene nur, der das volle Bewußtsein eines ehrenhaften Lebens hat. Auf diese wohlverdiente Ehre verweist uns das Schriftthum in den Worten Jakobs, da er im Rathe derer nicht sitzen will, die „Geräthe der Gewalt" gebrauchen; ein in Ehren ergrautes Leben spricht: „Ihrer Gemeinschaft eint sich nicht meine kabod". Kabod ist ferner vornehmes Fühlen und darnach Handeln

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