Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen mit dem der Religionsschulen in unterrichtlichen Zusammenhang gebracht werden?" 2. Antrag des Kollegen Steinhardt-Magdeburg: „Sollen die jüdischen Volksschulen erhalten bleiben, und ist die Errichtung neuer wünschenswerth?" beziehungsweise „Ist die Existenz der jüdischen Schulen berechtigt?" 3. Antrag des Vereins israelitischer Lehrer Oberschlesiens: „Was und inwiefern hat die jüdische Schule seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung der Kultur unter den Juden beigetragen?" Gold schm idt beantragt, letzteres Thema wie folgt zu fassen: „Was und inwiefern hat die jüdische Schule unserer (des betr. Vereins) Heimathprovinz seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung deutscher Kultur unter den Juden beigetragen?" Dr. Blaschke beantragt, dem Thema folgenden Wortlautzu geben: „Wie ist die jüdische Schule der betreffenden Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt, und was hat sie geleistet?" Herbst theilt hier eine Resolution mit, welche der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen am 24. d. Mts. in seiner Versammlung einstimmig gefaßt hat und welche lautet: „Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen erklärt es im Interesse der jüdischen schulpflichtigen Jugend für geboten, daß entweder jüdische Volksschulen neu gegründet oder an bereits bestehenden paritätischen Schulen (Simultanschulen) der Verhältnißzahl der jüdischen Schulkinder entsprechend jüdische Lehrer angestellt werden. Der Verband wird ersucht, nach diesen Zielen mit allen gesetzlichen Mitteln zu streben." Nach längerer Berathung wird beschlossen, als Verbandsthema keinen dieser Anträge zu empfehlen, sondern die Vereinsvorstände zu ersuchen, in den Vereins-Versammlungen des Jahres 1897 die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, ihrer Pensionirung und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen unter Zugrundelegung der Ausführung dieses Protokolls zur Diskussion zu stellen und von dem Ergebniß der Berathungen dem Verbandsvorsitzenden ungesäumt Mittheilung zu machen. Als Ort der nächsten Vorstandssitzung wird ^Kassel, eventl. Hannover, in Aussicht genommen, allwo die Berathungen am 27. Dezember 1897 beginnen sollen. Die Vorstände der Vereine sollen auf Grund des § 13 der Berbandssatzungen ersucht werden, die Beiträge pro 1897 spätestens im Monat April unter Beifügung eines Miglieder-Berzeichnisses an den Schatzmeister des Verbandes, Seminarlehrer E. Gutkind in Kassel, Gießbergstraße 39, einzusenden. Nach elfstündiger Berathung schließt der Vorsitzende am 29. Dezember, Nachmittags 1 Uhr, mit Worten der Anerkennung für die Ausdauer, die Aufmerksamkeit und die strenge Sachlichkeit, mit welcher die Anwesenden an dem Werke der Einigung der deutsch-israelitischen Lehrerschaft gearbeitet haben, die Versammlung. Herbst hatte schon am 28., kurz nach Beginn der Verhandlungen, Gelegenheit genommen, dem Vorsitzenden, Rektor Dr. Adler, die Anerkennung sämnrtlicher Mitglieder des Vorstandes auszusprechen für dessen im Laufe des Jahres bewiesene Arbeitsfreudigkeit und dessen hingebenden Eifer für die gute Sache. Jetzt, am Schluffe der Berathungen, ergriff Blumenfeld das Wort und drückte dem Vorsitzenden den herzlichen Dank aus auch für seine so sachgemäße Leitung der Verhandlungen, welcher allein es zuzuschreiben sei, daß die reiche und inhaltsvolle Tagesordnung zu allseitiger Zufriedenheit und sicher zum Nutzen der deutsch-israelitischen Lehrerschaft so prompt erledigt werden konnte. Die übrigen Anwesenden gaben ihrer Zustimmung durch Erheben von ihren Plätzen Ausdruck. Die Schriftführer: Herbst. Gvldschmidt. Nachtrag. I. Berlin, den 28. Dezember 1896- Hochverehrter Herr! Die Mitglieder des Vorstandes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, welche sich heute zu einer Sitzung hier versammelt haben, fühlen das Herzensbedürfniß, Sie auf das wärmste zu begrüßen. Mit unserer Hochachtung wollen wir zugleich nochmals unsere Anerkennung und unseren herzlichen Dank zum Ausdruck bringen, daß Sie sich bereit gefunden haben, die Leitung der Delegirtenversammlung, welche die Begründung unseres Verbandes herbeiführte, zu übernehmen und zu einem gedeihlichen Ende zu führen. In vorzüglichster Hochachtung Der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Dr. Adler. Blumenfeld. Bernhard. Dr. Blaschke. Goldschmidt. Gutkind. Herbst. Levi. An Herrn Syndikus Dr. G. Minden hier. II. Berlin, den 31. Dezember 1896. Hochverehrte Herren! Für das freundliche Schreiben, welches Sie aus Ihrer diesjährigen Vorstandssitzung an mich gerichtet haben, sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank. Ich glaube, daß schon das erste Jahr Ihres Wirkens weiteren Kreisen den Beweis geführt haben wird, wie nützlich und nöthig die in den letzten Tagen des Jahres 1895 erfolgte Begründung Ihres Verbandes war. Ich glaube auch, daß wir dem Verbände gleich von seiner Geburt an ein ideales Angebinde in die Wiege gelegt haben, das wichtiger ist als jedes andere: Die Ueberzeugung nämlich, daß die Ziele und Zwecke des jüdischen Lehrerstandes mit den Zielen und Zwecken des Lehrerstandes überhaupt auf das Beste harmoniren, ebenso wie zwischen Judenthum und allgemeiner Humanität niemals ein feindlicher Gegensatz bestanden hat oder bestehen kann, obgleich Viele, zum Theil aus bösem Willen, zum überwiegenden Theil wohl aus Unwissenheit und Jrrthum, dies behauptet haben. Große Arbeit steht Ihnen noch bevor, aber es wird Ihnen an schönen Resultaten nicht fehlen! In vorzüglichster Hochachtung verbleibe ich - Ihr ganz ergebener Georg Minden. An den Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschen Reiche, hier. jfranj Schubert als Synagogen-Komponist. Ein Gedenkblatt zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages. Von Ed. Birnbaum in Königsberg. II. Ein edles Genie ist wie ein Stern im Dunkeln. Licht strahlt nur Licht ab, eine Sonne nur Sonne. Herder. fie Komposition des 92. Psalms von Schubert ist so angelegt, daß sie trotz der Anmerkung von Sulzer, daß sie bei besonders feierlichen Gelegenheiten zu singen sei, sich in der Synagoge nicht einbürgern konnte. Es liegt das daran, daß der Psalm zu wenig liturgisch und zu viel konzertand angelegt ist. Begimlend mit Vers 2 im Solo-Quartett, Vers 1 ist, wie üblich, als Überschrift gar nicht komponirt, wird derselbe sofort vom Chore wiederholt, ebenso sind die Verse 3 und 4 gehalten. Erst im Vers 5 setzt nach drei Chortakten das Bariton-Solo ein, welches, immer wachsend, seine dominirende Stellung bis zum Ende des 8. Verses behält, zum Theil Wort und Satz dem begleitenden Chore präcentorisch vorsprechend, zum Theil mit ihni vereint sich kräftig wiederholend, wie bei den Worten W das fünfmal wiederholt wird. Der Vers 9 — wie bereits hervorgehoben, der letzte der Komposition — ist so gehalten, daß das Solo-Quartett in der Anfangsmelodie des 2. Verses einsetzt, welche vom Chore wiederholt wird, und-um diese Melodie trotz der Kürze des Textes etwas typisch zu gestalten, wird dieser Vcrs sechsmal wiederholt, bis er