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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · p. Seite 64

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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Die Subvention zu den Jahresversammlungen soll jedem Vereine nur einmal im Jahre gewährt werden. Die Vereine sollen gleichzeitig mit ihrem Anträge auf Subvention die für ihre Versammlung festgesetzte Tagesordnung an den Verbands- Vorsitzenden übersenden, damit der Verbandsvorstand sich eventuell über die Nothwendigkeit der Entsendung eines Delegirten zur Versammlung schlüssig machen könne. Dieser Delegirte soll dann berechtigt sein, der Versammlung mit berathender Stimme beizuwohnen. Bei Erörterung des Modus, nach welchem künftig die Subventionen an die Einzelvereine bewilligt werden sollen, schlägt Goldschmidr vor, lediglich die Mitgliederzahl zu berücksichtigen, dagegen meint Herbst, daß außer der Mitgliederzahl doch auch zu berücksichtigen seien die Entfernungen zum Versammlungsorte und die Art der Verkehrsmittel, welche eine Reise bald theurer, bald billiger gestalten. Es wird hierauf beschlossen, für das Jahr 1897 noch die bisherige Vertheilungsweise beizubehalten und nur in besonders begründeten Fällen eine Abweichung eintreten zu lassen. Um aber dem Vorstande ein überstchtliches Bild über die Bedürfnißfrage zu verschaffen, sollen die Vereine ersucht werden, spätestens bis zum 27. Dezember 1897 dem Verbandsvorsitzenden nachzuweisen, wieviel Besucher ihre letzte Versammlung zählte, wie hoch die gesummten Reisekosten der auswärtigen Besucher waren, und welcher Prozentsatz ihnen als Reisekosten-Ersatz gegeben werden konnte. In Rücksicht auf den Stand der Kasse und den oben 3ub 8 erwähnten Beschluß, daß jedem Vereine nur einmal im Jahre die Subvention bewilligt werden solle, wird der Antrag des Vereins der jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen um eine zweite diesjährige Subvention abgelehnt. Bei dem Punkt der Tagesordnung, betreffend den Prozeß eines Kollegen in der Provinz Hannover gegen den Kreisausschuß wegen ungerechtfertigter Heranziehung zur Zahlung von Kommunalabgaben, beschließt der Vorstand, die Angelegenheit, da sie von wichtiger prinzipieller Bedeutung ist, bis zum Ober-Berwaltungsgericht zu verfolgen und die Kosten dafür ev. auf die Verbandskasse zu übernehmen. In Erwägung, daß es ebenso wenig für das Ansehen der Einzelvereine wie des Verbandes von Vortheil ist, wenn einzelne Mitglieder selbständig mit Petitionen und Anträgen an die Staatsregierung oder den Landtag herantreten, wie es im Laufe dieses Jahres geschehen ist, beschließt der Vorstand, die Vereinsvorstände zu ersuchen, bei ihren Mitgliedern dahin zu wirken, daß bei aller die Gesammtheit oder einen Theil derselben betreffenden Angelegenheiten die einzelnen Mitglieder nicht eher Vorgehen, bis sie sich mit ihrem resp. Vorstand ins Einvernehmen gesetzt haben. In besonders wichtigen Fällen, welche nicht einen Verein, sondern die Gesammtheit der Lehrer betreffen, soll der Vorstand des Einzelvereins gehalten sein, mit dem Berbandsvorstand in Verbindung zu treten. Zu Punkt 9 der Tagesordnung, betr. die Berathung der Anträge auf Gründung einer jüdischen Lehrerzeitung, eines Schematismus der jüdischen Lehrer, auf Herausgabe eines Berbandskalenders u. s. w., ist der Vorstand der Ansicht, daß die Ausführung dieser Pläne wohl wünschenswerth, gegenwärtig aber nicht erreichbar sei. Es wird beschlossen, an sämmtliche jüdischen Zeitungen die Anfrage zu richten, ob sie gewillt seien, die Veröffentlichungen des Verbandes in ihren Blättern unverkürzt und in kürzester Frist zu bewirken. Den Einzelvorständen soll baldigst mitgetheilt werden, welche Blätter sich hierzu bereit erklärt haben. Da die Geschäftsführung, über wichtige Beschlüsse mittelst 'Rundschreibens die Ansicht der Vorstandsmitglieder einzuholen, sich bewährt hat, soll sie beibehalten werden. Hierauf berichtet Bernhard -Tarnowitz über die Antworten auf 1 das Berbandsthema und über die Aufnahme einer Statistik über die Verhältnisse der jüdischen Lehrer.' Das vom Vorstande des Verbandes für das Jahr 1896 gestellte Verbandsthema: „Auf welche Weise läßt sich am besten und schnellsten die Forderung unserer Satzungen § 9o betr. die lebenslängliche Anstellung der jüdischen Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung der Hinterbliebenen auf gesetzlichem Wege erfüllen, resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderung nothwendig?" ist in den in dem Jahresbericht des Verbandes erwähnten Vereinen zur Berathung gelangt. Die Arbeiten sämmtlicher Referenten zeugen von einem tiefen Berständniß und von regem Interesse für die Bedürfnisse und die Lage unserer im nicht öffentlichen Amte stehenden jüdischen Kollegen; doch nur wenige haben den Versuch gewagt, mit positiven Vorschlägen der Lösung dieser Frage näher zu treten. In dem einen Punkte stimmen alle Referate überein, daß für die Sicherstellung der in nicht öffentlichem Amte befindlichen jüdischen Lehrer sowie der jüdischen Religionslehrer der Charakter des jüdischen Religionsunterrichts als ein^s obligatorischen Unterrichtsgegenstandes ein unbedingtes Erforderniß sei. Ebenso nothwendig sei es auch, daß der jüdische Religionsunterricht nur von solchen Lehrern ertheilt werde, welche eine staatliche Lehrberechtigung und den Nachweis der Befähigung auch für den Religionsunterricht erlangt haben, daß also die Gemeinden gehalten sein sollen, fernerhin nur solche Lehrer anzustellen. Die Erhaltung der bestehenden jüdischen Volksschulen und die Umwandlung der jüdischen Privatschulen in öffentliche Anstalten sei zu erstreben, da in diesen auch dem Religionsunterrichte eine sehr bedeutende Unterstützung zutheil werde. Die Verbindung des Lehramtes mit dem Kantorat sei da, wo es die Umstände erfordern, zuzugeben; das Nebenamt als Schochet sei jedoch für den Lehrer nicht zulässig. Eine weitere Uebereinstimmung in den Anschauungen der Referenten bietet die Forderung, daß nach einem längeren oder kürzeren Provisorium die definitive Anstellung der jüdischen Lehrer durch die Gemeinden zu erfolgen habe, um das drückende Abhängigkeitsverhältniß der Lehrer von den Gemeinden und deren Vertretungen zu beseitigen und der weiteren Ansammlung solcher Lehrer, welche aus ihren Stellungen durch meist willkürliche Kündigung entlassen worden sind, vorzubeugen. Es habe sich, wie die Erfahrung lehrt, auf diese Weise ein Beamtenproletariat gebildet, welches in bitterer Armuth lebt und den verschiedenen Unterstützungskassen zur Last fällt. Da solche Kündigungen oft durch die geringe Leistungsfähigkeit der kleinen Gemeinden herbeigeführt werden, so sei der Zusammenschluß kleinerer Gemeinden eines Bezirkes zu einem Gemeindeverbande dringend zu empfehlen und die Mithilfe des Dentsch- Jsr. Gemeindebundes nachzusuchen, der gern für die Zwecke des Religionsunterrichts den kleinen Gemeinden Unterstützung, gewährt. Diese Gemeindeverbände seien auch für die Gründung und Unterhaltung von Pensions- und Reliktenkassen für die jüdischen Lehrer und deren Angehörige die geeignete Stelle. Die Erhebung einer statistischen Nachweisung über die gegenwärtigen Anstellungs-, Besoldungs-, Pensionsrc. Verhältnisse sei demnach die nächste und wichtigste Aufgabe des Verbandes; unter Zugrundelegung des dadurch. gewonnenen Materials seien die vorbereitenden Schritte zur Herbeiführung geordneter Verhältnisse in die richtigen Wege zu leiten." Ueber diese aus den vorliegenden Referaten gewonnenen Vorschläge trat der Vorstand in weitere Berathung. Der Vorsitzende, Dr. Adler, wies zunächst auf das geographische Moment hin, das durchaus zu berücksichtigen sei. Wir hätten verschiedene Centren, in denen sich eine Ansammlung der aus den kleinen Gemeinden fortziehenden Juden vollziehe, wie Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M. re. Es würde sich daher der Uebelstand ergeben, daß die einzelnen zu gründenden Provinzialkaffen nicht gleichmäßig dotirt seien; dieser Fehler fiele fort, wenn eine Centralkaffe gegründet würde, die ihre Thätigkeit über das ganze Gebiet der zu dem Verbände zählenden Vereine auszuüben hätte. Goldschmidt will hervorragende finanzielle und geistige Kräfte für eine solche Kasse interessirt sehen, um die nöthige Grundlage zu schaffend auf der ein sicherer Bau auszuführen wäre. Auch die übrigen Mitglieder des Vorstandes betheiligten sich eingehend an der Debatte, und als Ergebniß derselben wird der Beschluß gefaßt, zunächst auf privatem Wege bis zur nächsten Zusammenkunft des Vorstandes die Bildung eines Fonds herbeizuführen, ferner die genaue Ausführung der statistischen Erhebungen als wichtigstes Erforderniß sofort in Angriff zu nehmen, wozu die Mithilfe des Gemeindebundes, der einzelnen Gemeinden und sämmtlicher Kollegen nachzusuchen sei. Die Berathung der Fragebogen für die geplante statistische Erhebung wird einer besonderen Kommission, bestehend aus den Kollegen Dr. Adler, Bernhard, Dr. Blaschke und Blumenfeld übertragen. Der Referent, Bernhard-Tarnowitz, wird sodann beauftragt, unter Benutzung der statistischen Erhebung in einer Denkschrift die gegenwärtige Lage der jüdischen Lehrer resp. Religionslehrer zu beleuchten; der erste Entwurf der Denkschrift soll bei den Mitgliedern des Verbandsvorstandes cirkuliren. Zur Aufstellung eines Berbändsthemas für das Jahr 1897 liegen drei Anträge vor: 1. Antrag des Kollegen Dr. Blaschke-Berlin: „Kann und soll der

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