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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-29 · Heft 5 (29.1.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Möglichkeit liegt, unter sich decken. Diese Tendenz ist eine sehr löbliche, und schon um ihretwillen verdient der Verein die wärmste Anerkennung und Förderung seitens unserer wohlhabenden Glaubensgenossen, denn mit den Monatsbeiträgen von 50 Pfg. könnte dies Ziel, auch wenn der Verein Tausende von Mitgliedern zählt, nie erreicht werden. Das uns vorliegende Mitgliederverzeichniß zählt . 12 § chneidermeister, 4' Schuhmachermeister, 2 Schlächtermeister, 4 Klempner, dann verschiedene Glaser, Bürstenmacher, Buchdrucker, Schriftmaler, Uhrmacher, Tapezierer, Bäcker, Töpfer, Kürschner, Färber, Vergolder, Buchbinder, Schlosser, Cigarrenmacher, Tischler, Sattler, Barbiere, Malermeister. Der Vorstand des Vereins besteht aus den Herren: S. Joseph, 1. Vorsitzender, Grenadierstr. 17, H. Strauch, 2 Vorsitzender, A. Becker, 1. Kassirer, L. Feder, 2. Kassirer, N. Cohn, 1. Schriftführer,' M. Rehfeld, 2. Schriftführer. Einer besonderen Empfehlung bedarf dieser Verein nicht. Er empfiehlt sich durch seine Tendenz von selbst dem Wohlwollen aller derjenigen Kreise, denen die Förderung des Handwerks unter den Juden am Herzen liegt. : O Jnowrazlalv, 24. Januar. Für die jüdischen mittleren und besser situirten Bürger unserer Stadt waren die Auf- und Zudringlichkeit der Schnorrer eine wahre Landplage. An jedem Rosch Chodesch, an jedem Halb- und Ganzfeiertage erschienen in ganzen Schaaren Männer, Frauen und Kinder vor den Thüren und forderten ihre Zinsen ein. Diese mehr und mehr um fich fressende Krankheit mußte geheilt werden, und den Anfang dazu hat hier Herr I. Jacobsohn gemacht. Er organisirte einen Armenverein. Mit einem Schlage war die Hausbettelei der hiesigen Schnorrer verschwunden. Jedes Mitglied zahlt an den Verein je nach seinen Verhältnissen einen gewissen jährlichen Beitrag. Auch die durchziehenden armen Reisenden erhalten an der Kasse nach Anweisung des Vorstandes eine Unterstützung. So besteht der Verein zum Segen der Geber und Empfänger bereis 24 Jahre. Das größte Verdienst um das Armenwesen muß entschieden dem Vorsteher des Vereins, dem. Kaufmann Herrn S. Leszczynski und dem Rendanten Herrn Gustav Hirschberg zuerkannt werden.. Am 17. d. Mts. fand die Generalversammlung des Armenvereins im Hotel Weiß statt. Der Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Vereinsjahr hat folgende Gestalt: Einnahme: Kassenbestand am 1. Januar 1896 58,06 Mar!k, Mitgliederbeiträge 1141,50 Mark, Gelübde und Geschenke 1263,85 Mark, Beihilfe aus der Synagogenkasse 288,60 Mark, aus der Kreissparkasse 300 Mark; zusammen 3051,91 Mark. Ausgabe: Dem Vereinsboten pro anno 180 Mark, Drucksachen und Lokal zur Generalversammlung 21,05 Mark, Dienstleistung 50 Mark, Unterstützung an durchreisende Arme 585,50 Mark, an hiesige arbeitsunfähige Arme 1086 Mark, an hiesige verschämte Arme 821,40 Mark, an den Vorschußverein 200 Mark, Bestand am 1. Januar 1897 107,96 Mark; zusammen 3051,91 Mark. Außerdem beträgt der angelegte Reservefonds nebst Zinsen bis ultimo Dezember 1896: Bei der hiesigen Kreissparkasse 3872,51 Mark, beim hiesigen Vorschußverein 387,89 Mark; zusammen 4260.40 Mark. Dem Rendanten und Vorstande wurde die Decharge und der verdiente Dank für ihre Mühewaltung ertheilt. Die hierauf vorgenommenen Wahlen hatten zum Resultat, daß die aus dem Vorstande ausscheidenden Herren: der Vorsitzende Kaufmann S. Leszczynski, die Rentner L. Sandler und Auerbach- Kaufmann S. Salomon, Lehrer M. Elias und Kaufmann Benno Kaufmann wiedergewählt wurden. In die Rechnungsrevision wurden die Herren I. Peiser, Germer und Ph. Rosenberg gewählt. Dann wurde beschlossen, das 25 jährige Bestehen des Vereins im Oktober d.Jwürdig zu feiern. Zur Vorbereitung des Festes wurde ein Komitee von sieben Mitgliedern gewählt. — Bei der in Mogilno stattgehabten Wahl eines Abgeordneten zum Provinzial-Landtag für Posen für die Kreise Gnesen, Mogilno, Strelno, Znin und Jnowrazlaw wurde fast einstimmig/ der Stadtverordnetenvorsteher und Fabrikbesitzer Herr Julius Levy von hier gewählt. r. Aus Schlesien, 24. Januar. Der erste Assistent des Professors Dr. Röntgen in Würzburg ist ein junger oberschlesischer Arzt geworden, Dr. Hugo Weißenberg aus Tichau. Derselbe hat in Würzburg sein Staatsexamen gemacht und die Absicht gehabt, fich in Tichau als Arzt^ niederzulassen, als er von Professor Röntgen die Berufung als Assistent/ erhielt. — Jüngst brachen Nachts Diebe in die Synagoge zu Neustadt O.-S. ein. Die Diebe waren im ersten Stock eingestiegen, wo sie die Fenster demolirt hatten. Bei der Ausführung ihres sauberen werks scheinen die Einbrecher jedoch gestört worden zu sein, denn bis jetzt wurde nichts vermißt; nur der Altar wurde verunreinigt. Verschiedene Werkzeuge, welche die Diebe vergessen hatten, fand man. am Fenster. — Beider jüngsten Büreauwahl des Stadtverordnetenkbllegiums zu'Breslau wurde, nachdem der Alterspräsident besonders die Verdienste öes bisherigen Vorsitzenden, Geh. Justizrath Dr. Freund, der bereits zehnmal durch Vertrauen der Versammlung mit - dem Vorsitz betraut worden war, hervorgehoben, gewählt: Geh. Justizrath Freund'znm Vorsitzenden, zum unbesoldeten Stadtrath Stadtv. Rosenbaum mit je' 71 Stimmen (von 96 resp. 98) und ebenso zum. unbesoldeten Stadtrath Rechtsanwalt Marck mit 70 Stimmen. — In der Nacht zum 6. d. M. wurde in den neuen Tempel am Schweidnitzer Stadtgraben in Breslau ein Einbruch verübt, bei welchem jedoch der oder die Einbrecher wieder mit leeren Händen abzieh en mußten. Mittelst einer Bank, die man ans dem Vorgarten herangeschleppt hatte, war man an das'Gebäude bis zur Höhe der Bogenfenster gelangt, von einem dieser Fenster wurden einige Butzenscheiben eingedrückt, und durch die entstandene Oeffnung gelangte man in das Innere der Synagoge. Der Raum, in den die Diebe so gelangten, war aber nur der Borsaal zum eigentlichen Tempel, der durch schwere, verschlossene Thüren abgesperrt ist. So mußten denn die Diebe wieder mit leeren Händen abziehen. — In Namslau wurde zum ersten Vorsitzenden der Synagogengemeinde Herr Robert Abraham und zum Stellvertreter des Vorstandes Herr L. Tischler sen. einstimmig neugewählt. — Am 9. v. Mts. verschied in Breslau Herr Kaufmann Salomon Oelsner im Älter von 68 Jahren. Der Verstorbene war Mitglied der „Gesellschaft der Freunde", seit 1872 der „Zweiten Brüdergesellschaft" angehörig und langjähriger Vorsteher und Vorsitzender der „Dritten Brüdergesellschaft", die seinen reichen Herzens- und Geistesgaben sowie seiner hingebenden und verständnißvollen Leitung einen wesentlichen Theil ihres Aufschwunges während der letzten Jahre verdankt. Auch dem kaufmännischen Wohlthätigkeitsverein hat der Heimgegangene seine Theilnahme gewidmet und lange Zeit der kleinen, aber alten „Alt- Glogauer Synagoge" als Vorsteher vorgeständen. Sein Andenken wird dauernd ein ehrenvolles sein. r. Kattowitz, 7. Januar. Ein schönes Fest beging gestern die hiesige Synagogengemeinde, das 2 5 j ö h r ig e A m ts j u b i lä u m ihres Rabbiners Dr- Jacob Cohn, und der Verlauf der Feier ehrte nicht nur den Jubilar, sondern noch mehr seine Gemeinde. Unter den Ersten gratulirte das Lehrerkollegium des Gymnasiums unter Führung des Professors Dr. HoffmäNN) dann überbrachte der Vorstand des Vereins der Jugendfreunde dem Jubilar das Diplom als Ehrenmitglied, ebenso der vollzählig erschienene Vorstand des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, zugleich eine Adresse überreichend. Am Nachmittag spendete der jüdische Fräuenverein kostbare Geschenke, wie auch die Schüler des Gymnasiums eine Salonlampe und der höheren Töchterschule einen Tafelaufsatz, ehemalige Schüler einen. Silberkasten, der israelitische Jungfrauenverein eine Krystallkrone, der oberschlesische Rabbinerverband einen prachtvollen Pokal. Ferner erschienen noch zur Beglückwünschung Deputationen des Krieger- und Landwehrvereins, des Thierschutzvereins, dessen Vorstand der Jubilar seit Langem angehört, und die Vertreter der Geistlichkeit der andersgläubigen Konfessionen. Den Schluß bildeten an diesem Tage die Stadtverordneten, deren Büreau gleichfalls mündlich gratulirte. Am eigentlichen Jubiläumstage erschienen zur Gratulation Deputationen vom Oberschlestschen Gemeindebund, dem Rabbinerverband, der Gemeinde Königshütte, in der der Jubilar gleichfalls früher seine Thätigkeit entfaltet hatte. Alsdann erschienen noch Schüler und Schülerinnen der Gemeindeschulen resp. der vom Jubilar in uneigennütziger Weise geleiteten Hebräischen Unterrichtsanstalt unter Führung des Lehrers Willner. und brachten Wünsche und Geschenke. Um 11 Uhr begann die Festfeier in der Synagoge, zu der der Jugendfreund des Jubilars, der ihn vor 25 Jahren als Rabbiner von Beuthen in sein hiesiges Amt eingeführt hatte, Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau, auf eine Einladung der Gemeinde die Festrede übernommen hatte. Das Gotteshaus war festlich geschmückt und bis auf den letzten Platz gefüllt. Anwesend waren auch Vertreter der Gemeinden Königshütte, Beuthen, Gleiwitz, Zabrze, Sohrau u. a. m. Nachdem der eigens zu dieser Feier gebildete Chor ein Lied gesungen, verlas und überreichte der Vorsitzende 'des Gemeindevorstandes, Herr Stadträth Wiener, . Namens des Vorstandes und der Repräsentanten eine Adresse. Alsdann hielt Rabbiner Dr/ Rosenthal, anknüpfend an die Worte: „Heil dem Manne, der Kraft

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