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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-29 · Heft 5 (29.1.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Jahrgang. Nr. 5. (Berlin, 29.3owmc 1897. /Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. va Berlin, 27. Januar. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt am 26. d. Mts. Herr Rabb. Dr. Ludwig Rosenthal aus Mannheim einen sehr interessanten und geistvollen Bortrag über Don Isaak Abravanel. Der Redner schilderte das bewegte Leben und die reiche litterarische Thätigkeit Abravanels in seinem, in Form und Inhalt gleich fesselnden Vortrag sehr eingehend und gab so ein anschauliches, sehr charakteristisches Bild von diesem Gcisteshelden der spanischen Blütheperiode. Der Vortrag fand Seitens des sehr zahlreich versammelten Publikums allgemeinen, lebhaften Beifall. — Die Fortbildungskurse des Vereins wurden am 11. dieses Monats in Gegenwart eines größeren Auditoriums durch eine Ansprache des Vorsitzenden eröffnet. Schon zu der ersten Unterrichtsstunde im Hebräischen haben sich 25 Teilnehmer gemeldet. Weitere Anmeldungen nimmt entgegen: Herr Dr. E. Baneth, 0. Wallnertheaterstraße 21. — In Hamburg sprach Herr Dr. Leimdörfer über Ludwig August Frankl und gab dort die erste Anregung zur Errichtung eines Denkmals für den Dichter, in Breslau sprach Dr. H. Hildesheimer über eine Wanderung durch Palästina, in Brandenburg a. H. Rabbiner Dr. Ackermann über die Höhepunkte der jüdischen Geschichte, in Krotoschin Dr. med. Mendelsohn aus Glogau über jüdische Aerzte im Alterthum und Mittelalter, in Lübau Rabb. Dr. Rosenthal über Judenthum und Patriotismus, in Schwetz Rabb. Dr. Rosenberg-Thorn über Kohelet und Faust, in Tilsit Rabbiner Dr. Ehrlich über Rom und Judäa, in Gelnhausen Provinzialrabbiner Dr. Koref über Nathan den Weisen, S. Geis über die Genesis der Litteraturvereine, Lehrer Strauß über Hillel und über die Makkabäer, in Köln Dr. Wallach über die Juden in Jerusalem, in Worms Rabbiner Dr. Stein über das Thema: Aus der Vergangenheit für die Gegenwart. Der Verein in Ratibor versendet seinen zweiten Jahresbericht, aus dem zu ersehen ist, daß derselbe sich in fortdauernder gedeihlicher Entwickelung befindet. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 148. Es wurden im Laufe des Vereinsjahres fünf öffentliche Vorträge und fünf Referate gehalten. Der Verein in Würzburg wurde mit mehr als 60 Mitgliedern ins Leben gerufen. Den ersten Vortrag hielt der Vorsitzende Dr. G. Tachauer über die Ethik des Maimonides. A. L. Berlin, 27. Januar. Das Komitee für Chanukah- Bescheerung stattet allen Spendern, welche ihm wiederum die Mittel gewährten, zu Chanukah mehr als tausend armen Kommunalschülern nothwendigste Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheeren, seinen wärmsten Dank ab und giebt zugleich Bericht über seine Thätigkeit. Es gingen ein: 15 978,95 Mark. Dazu der Bestand vom 31. Dezember 1895, 977,86 Mark, außerdem eine Menge werthvoller Textilstoffe, Kleidungsstücke, Bücher, Spielzeug und andere Gegenstände. — Das Komitee verausgabte 14 715,46 Mark und soll der Rest für Instandsetzung der Schuhe und Stiefel im Laufe des Jahres verwendet werden. Die Herren Wolfs Lewin und Moritz Manheimer unterzogen sich freundlichst der Mühe, obige Rechnung an der Hand der Beläge zu prüfen. Nicht weniger als 525 Familien mit 1026 Kindern erbaten Unterstützung. Davon durften trotz strengster Nachforschung nur 6 Familien mit 10 Kindern abgewiesen werden. Für die übrigen 1016 Kinder wurde also durchschnittlich je 14,48 Mark verwendet. Die Opferfreudigkeit unserer Glaubensgenossen hat sich also auch in diesem Jahre wiederum bewährt. Die Sammlung ist wie jedesmal in verschwiegenster Weise vor sich gegangen. In keiner einzigen Tageszeitung war derselben Erwähnung gethan — nur die hier erscheinenden jüdischen Wochenschriften hatten den Aufruf gebracht — die Namen der Spender werden nicht veröffentlicht — und dennoch dieses schöne Resultat! Wenn also den mildherzigen Spendern, welche ihr Scherflein in echt jüdischer Weise, ohne Erwartung von Anerkennung und Belobigung beigetragen haben, in erster Reihe Dank gebührt, so nicht minder den verehrten Damen des Komitees und vor Allem der Vorsitzenden Frau Julie Neumann. Die Arbeitslast, welche die Damen auf sich genommen hatten, war keine geringe. Es mußte in allen 525 Familien recherchirt und wohl geprüft werden. Vor Allem haben die Damen in keinem Falle den Umstand außer Acht gelassen, daß ihre Thätigkeit mehr der erziehlichen Wirkung auf die Kinder und in vielen Fällen durch die Kinder auch auf die Eltern gelten sollte, als dem Zwecke der Unterstützung. Bedenkt man ferner, daß fast jedes der bescheerten Kinder von Kopf bis Fuß neu eingekleidet wurde, daß Kleidungsstücke, Stiesel und Schuhe für jedes Kind sorgfältig genau nach Maß und aus bestem Stoffe angefertigt wurden, so muß man erstaunen, wie mit einer verhältnißmüßig so geringfügigen Summe von 14,48 Mark pro Kopf dieses erreicht werden konnte, zumal in dieser Summe noch die Ausgaben für Schulbücher und sonstige Lehrmittel enthalten sind. Die Lösung des Räthsels dürfte jedoch darin gefunden werden, daß neben den Geldspenden, die verausgabt wurden, dem Komitee noch viele gute Textilstoffe zugegangen sind, während die übrigen nöthigen Rohstoffe im Großen zu billigsten Fabrikpreisen eingekauft wurden. B. Berlin, 25. Januar. Die jüdische Bevölkerung unserer Residenzstadt vertheilt sich auf folgende Altersgruppen. Es waren geboren 1891/6: 6990, 1886/90: 6922, 1881/5: 6919, 1876/80: 8273, 1871/5: 8888, 1866/70: 8739, 1861/5: 7752, 1856/60: 7244, 1851/5: 5807, 1846/50: 4999, 1841/5: 4113, 1836/40: 3239, 1831/5: 2243, 1826/30: 1723, bis 1825: 2268, nicht ermittelt 33. Während die jüngsten Altersgruppen unter dem Durchschnitt der Berliner Bevölkerung bleiben, sind die anderen von 1880 abwärts stärker vertreten und ganz besonders die hohen Altersklassen bei den Juden viel zahlreicher als bei den Nichtjuden, z. B. über 70 Jahr sind von den Letzteren 29 617, von den Juden aber 2266, während es nur 1600 sein sollten. Dies spricht für die längere Lebensdauer der Juden, während andererseits die geringere Zahl der Kinder darauf beruht, daß unter den Berliner Israeliten ein unverhältnißmäßig großer Bruchtheil unverheiratheter junger Leute ist. — Auf den Berliner Schulen waren 1894 jüdische Kinder in folgender Zahl: Knaben: Gymnasien ...... 1822 Realgymnasien und Oberrealschulen .923 Realschulen.358 Vorschulen.906 Gemeindeschulen.1640 Sonstige öffentliche Schulen. 9 Vereinsschulen ..... 4 jüdische Schulen.611 höhere Knaben-Privatschulen 455 mittlere „ „ 20 6748 1893 dagegen . . . 6665 mehr . 63 Ein kleiner Rückgang ist im Besuch der Gymnasien, ein kleiner Zuwachs bei allen anderen Rubriken zu vermerken. Bei den Mädchenschulen weisen alle Positionen eine kleine Zunahme auf. LL Berlin, 26. Januar. Seit 1V4 Jahren besteht hier ein Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, der bereits über 160 Mitglieder zählt und eine wahrhaft gedeihliche Thätigkeit entwickelt. In erster Linie verfolgt der Verein den Zweck, das Handwerk unter den Juden zu fördern. Wichtiger aber noch ist die Tendenz desselben, daß die Mitglieder sich gegenseitig unterstützen, und zwar dadurch, daß dieselben ihre Bedürfnisse, soweit es in ihrer M a o ch e n: höhere Mädchenschulen . . 1865 Gemeindeschulen.1829 Sonstige öffentliche Schulen. 4 Vereinsschulen. 1 jüdische Schule.408 höhere Mädchen - Privatschulen .1702 mittlere Mädchen - Privatschulen . 180 5989 1893 dagegen . . . 5900 mehr . 89

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