Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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um Richtigstellung an den Vorstand des Gemeindebundes, worauf uns aus dem Bureau folgende Antwort zuging: t „Zu meinem Bedauern erfahre ich, daß eine von mir auf dem siebenten Gemeindetag des D. I. G.-B. gethane Aeußerung auf das Deutsch-Israelitische Kinderheim zu Diez bezogen worden ist. Wie fern mir irgend welcher Vorwurf gegen das Deutsch-Israelitische Kinderheim gelegen hat, ergiebt folgende in meinem schriftlichen Bericht vom 6. November 1694 enthaltene Erklärung mit Bezug auf das Deutsch-Israelitische Kinderheim zu Diez: „„Ich stehe der Begründung eines Deutsch-Israelitischen Kinderheims für Knaben und Mädchen, d. h. also einer Erweiterung des bestehenden Kinderheims für Mädchen, sympathisch gegenüber und würde auch bereit sein, falls der D. I. G.-B. im Prinzip der Sache sein Interesse zuwenden wolle, diese Angelegenheit in mein Spezialdezernat zu übernehmen, auch Damen dafür zu interessiren. Ich bitte, die Angelegenheit auf die nächste Tagesordnung zu setzen."" , Ich wiederhole hiermit ausdrücklich, daß ich das Deutsch-Israelitische Kinderheim angelegentlichst aufs Beste empfehlen kann, und gestatte Ihnen die Veröffentlichung dieser Erklärung." Achtungsvoll Dr. Max Silberstein. Die Unterzeichnete Verwaltung nimmt hierbei zugleich Gelegenheit, diese milde Stiftung allen unseren Glaubensbrüdern zu empfehlen. Das schöne, am Waldessaum gelegene Heim beherbergt gegenwärtig 38 Zöglinge, die eine gediegene Erziehung und gute Pflege hier genießen. Sie öffnet auch jenen unglücklichen Kindern ihre Pforten, die, obwohl sie Eltern haben, doch mehr als verwaist sind, daß sie die Fehler der Eltern, denen sie ihr Entstehen verdanken, nicht büßen sollen und der Verwahrlosung anheimfallen. Ein ständiger Gottesdienst, der im Hause gehalten wird, hat die Verwaltung jetzt auch in die Lage versetzt, Verpflichtungen in Bezug auf Kaddischsagen zu übernehmen, und Manchem, dem der Kindersegen versagt geblieben, ist hier zur wohlthätigen Mithilfe an einem gottgefälligen Werke und zur Erhaltung seines Andenkens hienieden Gelegenheit gegeben. Die Verwaltung des Deutsch-Israelitischen Kinderheims zu Diez. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Äln dem interessanten Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Kohn in <3) Nummer 49 vorigen Jahrgangs, Seite 584 heißt es: „Vor zweitausend Jahren war es in Jerusalem Sitte, bevor man das Thier resp. das Opfer geschlachtet, dasselbe vor den Kopf zu schlagen; durch den Gehirnschlag wurde das Thier betäubt, und nachdem es betäubt war, machte man mit demselben, was man wollte." Dies ist meiner Ansicht nach nicht richtig. In Maaser scheni Perek V, Mischnah 16, wie in Sotah 47a ist das papU nicht in der angeführten Weise zu interpretiren. Die Gemara Sotah 48 a versteht darunter nach Samuel, man machte Einschnitte zwischen den Hörnern, daß Blut auf die Augen des Thieres fällt und es nicht sieht, um dem Schlachten Widerstand zu leisten. Oder nach der anderen talmudischen Erklärung, man schlug das Thier, damit es zur Erde sich streckt, um das Schlachten zu vollziehen. Johann Hyrkan steuerte dieser „Unsitte", damit es nicht den Schein hat, als bringe man fehlerhaftes Opfer dar. Nach der zweiten Erklärung der Gemara, vielleicht könnte beim Schlagen die Haut des Gehirnes durchlöchert werden. Von einem „Gehirnschlag" zur Betäubung, um mit dem Thiere zu machen was man wollte, ist nicht nach der Interpretation, der maßgebenden Kommentatoren in keiner Weise das „Naukphin" zu rechtfertigen. Die Worte des Talmuds daselbst: „wie es beim Götzendienste zu geschehen pflegt", zeigen zur Genüge, daß „dies" selbst nicht Brauch und Sitte in Israel war, sondern während der syrischen Verfolgungen wahrscheinlich die „Unsitte" einzudringen vermochte. Die Tosifta Sotah scheint meine Ansicht zu unterstützen, da ich aber die kritische Ausgabe derselben von Zuckermandel nicht besitze, so führe ich dieselbe nicht wörtlich an. Beim „Gehirnschlag" ist zweifelsohne die Haut des Gehirnes durchlöchert und das Thier ist trefoh. Vergl. Cholin 42 a. Demnach kann von einer Betäubung durch „Gehirnschlag" von vor zweitausend Jahren als „Sitte" in Jerusalem gar keine Rede sein. Um Mißdeutungen zu verhindern und falschen Folgerungen Raum zu geben, sehe ich mich zu dieser Bemerkung veranlaßt. Hochachtungsvoll Dresden, 9. Januar. M. Auerbach. -st ' Geehrter Herr Redakteur! (Mch wundere mich, daß von den vielen Freunden Ihres Blattes, die sicherlich das Buch bereits gelesen. Sie noch Niemand auf die Stelle in „David Strauß' Briefen, herausgegeben von Zeller, S. 473" aufmerksam gemacht hat, die ich wörtlich folgen lasse, damit Sie sie in der „Allgem. Ztg. d. Judenthums" bald berichtigen: „Also seit 6 Wochen in Berlin (der Brief datirt vom 5. Januar 1865). Allmählich angewöhnt. Auerbach hat mir viele Dienste geleistet, manche Bekanntschaften vermittelt.von jüngeren Männern war mir der interessanteste der Schreiber der Volkszeitung (Bernstein), mit dem ich neben Politik auch von Theologie sprechen kann; er ist ein getaufter Jude und großer Kenner der rabbinischen Theologie." — Wie kam Strauß darauf? Und obenein sein naher Verkehr mit Auerbach, bei dem er doch sich Raths erholen konnte. — Und endlich der greise Zeller selbst, der allerdings erst 1872 nach Berlin kam, doch dann lange genug hier lebte, um diese Angabe als Herausgeber rektifi,taten zu können. Ihr ergebener Berlin, 25. Januar. Dr. W. Klemperer. * ie bürgerlichen Daten auf dem Grabstein der Frommet Mendelssohn — auf dem Altonaer Friedhof — (vergl. Nr. 4, S. 44) stimmen nicht zu den jüdischen Daten. Das Geburtsdatum, 2. Oktober 5498 entspricht nicht dem ’HtPn tf"’’ 'K DT/ sondern dem 'T öT “Httfri '7 uud das Sterbedatum, 15. März 5572 nicht dem pij 'j '2 qv, sondern dem 2"ypi) |DT 'D 8 DT* Die Annahme, daß vielleicht 'X DT/ Sonntag Abend, welcher schon zu Montag '2 DT gehört, gemeint sein könne, ist hier wohl ausgeschlossen, da die Beerdigung erst am 'n DT stattfand und man zu jener Zeit die Leichen nicht bis zum 5. Tage nach dem Hinscheiden unbeerdigt ließ. Rees a. Rh., 24. Januar. L. Cohen, Lehrer. * Geehrter Herr Redakteur! enn von antisemitischer Seite die Behauptung aufgestellt wird, daß wir Juden keine Deutschen seien, so müssen wir es leider dulden; wenn aber von Glaubensgenossen, resp. von befreundeter Seite dieser Glauben genährt wird, so ist das doppelt schmerzlich, um mich milde auszudrücken. In dem gratis vertheilten Kalender von 1897 eines hervorragenden industriellen Unternehmens, dessen Chef Jude ist und dessen Parteistandpunkt bekanntermaßen freisinnig ist, befindet sich unter der Rubrik: „Nationalitäten Europas" die Notiz: Deutsche 63,205 Mille re. rc. Türken 4760 Mille, Israeliten 6500 Mille, Zigeuner 440 Mille. Wie beurtheilt die geehrte Redaktion diese Klassisizirung? Auf Wunsch erhalten Sie ein Exemplar des Kalenders. Hochachtend M. Berichtigung: In dem Artikel: „Westfalen-Rheinprovinz", No. 3. dieser Zeitung, Zeile 8, muß es statt: „die Auszahlung der Personen" heißen: „die Auszahlung der Pensionen". Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.