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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-29 · Heft 5 (29.1.1897) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 Berichterstatter, Abgeordneter Seyffardt: Es ist die Zahl eine beschränkte; 19 Schüler im Gymnasium, 19 Schüler in der Vorschule. E? kommt aber auf die Frage eigentlich nicht an, die Herr Freiherr v. Erffä an mich gestellt hat; es handelt sich nur darum, ob die rechtliche Verpflichtung vorliegt oder nicht. Eine solche ist nicht anzuerkennen, einerlei, ob viele oder wenige Schüler vorhanden sind. Die Staatsregierung hat sich in allen Fällen bereit erklärt, mit beizutragen, wenn die Synagogengemeinde die Hälfte der Kosten übernimmt; dem Wunsche, auch den israelitischen Schülern Religionsunterricht ertheilt zu sehen, soll also thunlichst Rechnung getragen werden. Wenn das Hohe Haus nichts dagegen einzuwenden hat und anerkennen muß, daß die Regierung in der Sache richtig gehandelt hat nach den heute bestehenden Bestimmungen, dann kann es darüber hinweggehen, ob die Zahl der Schüler eine größere oder geringere ist. Würde die Zahl auch noch so groß sein, so wäre dennoch von einer . rechtlichen Verpflichtung nicht die Rede. Abgeordneter Dr. Glattfelter (Centrum): Ich antworte dem Herrn v. Erffa auf seine Anfrage, daß uns eine bestimmte Zahl von jüdischen Schülern in der Unterrichtskommission angegeben wurde. Die genaue Zahl weiß ich nicht, aber ich erinnere mich sicher, daß ein Theil der Schüler in der Vorbereitungsklasse ist, also nicht in Rechnung zu bringen wäre, und daß die Zahl .der Schüler, die in Rechnung zu bringen sind,'nicht bis 20 steigt, welche Zahl sonst angenommen wird, um einen besonderen konfessionellen Religionsunterricht einzurichten. Das Haus geht über den Antrag zur, Tagesordnung über. / ■ * In der hiesigen Rechtsanwaltschaft cirkulirt eine an den Vorstand der Anwaltskammer gerichtete Schrift, in welcher an diese die Frage gerichtet wird, ob ihr bekannt geworden sei, daß das preußische Justizministerium bei der Eriheilung der Notariate nach christlicher und jüdischer Religion unterscheide, und ob bereits Schritte gegen diese Unterscheidung gerichtet seien, oder was der Vorstand zu thun gedenke, um sie zu beseitigen, da sie mit § 50 der Rechtsauwaltsordnung unvereinbar sei, worauf bei einer etwaigen Vorstellung beim Justizminister Bezug genommen werden könne. Daß eine solche Unterscheidung thatsächlich gemacht werde, sei, so melden verschiedene Provinzblätter aus Berlin, auf private Vorstellung von den betreffenden Dezernenten im. Justizministerium bereits bestätigt worden.' Man darf auf die fernere Entwickelung dieser Angelegenheit, die bereits seit langer Zeit offenes Geheimniß war, wohl gespannt sein. <$> Zur Aufklärung für Diejenigen, die auf dem Gebiete konfessionsloser Stiftungen einer solchen noch immer bedürfen, diene die folgende Mittheilung Wiener Blätter aus den Verhandlungen des niederösterreichischen Landtages: Dort erzählte der Abgeordnete Kick, Rektor der technischen Hochschule, daß das Professorenkollegium der technischen Hochschule jüngst wegen Besetzung eines Königswarter'schen Stipendiums einen Vorschlag machte, der dem Sliftungsbrief gemäß an den Bürgermeister geleitet wurde, da diesem das Verleihungsrecht dieser Stiftung zustehe. Unter den sieben Bewerbern war ein Jude, der der beste Student, gleichzeitig aber auch ein ganz armer Teufel war. Das Professorenkollegium habe ihn daher in erste Linie gestellt. Es sei jedoch der in einer Terne ganz allein. vorgeschlagene Student vom Bürgermeister vollständig übergangen worden, und dies geschah bei einem Stipendium, das ein Jude gestiftet hatdessen Toleranz dadurch zum Ausdrucke kam, daß er es für jede Konfession stiftete. Man könne daraus ersehen, wie das Haupt her derzeitigen Gemeindevertretung vorgehe. Ein angesehener jüdischer Schriftsteller,,Dr. Wilhelm Herzberg, feiert m 30. d. Mts. seinen 70. Geburtstag in stiller Zurückgezogenheit in Brüssel. Der Lebenslauf und die Wirksamkeit dieses .Mannes sind so interessant, daß sie einer eingehenden Schilderung werth wären. Ursprünglich Philologe und für den Beruf des Gymnasiallehrers herangebildet, verließ er in reifeben Jahren diesen Beruf, um sich ganz dem Judenthum zu widmen. Schon im Jahre 1873 gab er unter einem . Pseudonym die merkwürdige Schrift : „Jüdische Familienpapiere" (Hamburg, Otto Meißner) heraus, die das Schicksal hatte, jahrelang unbeachtet zu bleiben. Erst als Professor David Kaufmann auf die Bedeutung dieses eigenartigen Buches aufmerksam machte, wurde es bekannt und erlebte eine neue Auflage. In der That verdient dieses Werk von jedem Juden gelesen und beherzigt zu werden. Es ist eines der geistreichsten Bücher, die in neuerer Zeit über Juden und Judenthum geschrieben worden sind. Von inniger Begeisterung getrieben, ging Herzberg wenige Jahre später als Direktor der israelitischen Ackerbauschule nach Jaffa und dann als Leiter des 'Waisenhauses nach Jerusalem, wo er eine wahrhaft gedeihliche Thätigkeit entwickelte. Aber müde und enttäuscht kehrte er nach einigen Jahren heißer, fruchtloser Arbeit aus dem heiligen Lande heim. . ... Seither lebt er in Brüssel, . früher als Leiter eines Pensionats, jetzt ganz seinen schriftstellerischen Arbeiten, von denen noch die Novellen: „Der freie Wille" und „DieOsternacht" das Gebiet des Judenthums berühren, das Herzberg kennt und liebt wie wenig Andere. Auch unser Blatt hat wiederholt interessante novellistische Beiträge aus seiner vortrefflichen Feder gebracht.- Wir senden dem verehrten Manne zu seinem siebzigsten Geburtstage unsere herzlichsten Glückwünsche! Möge ihm nach einem arbeitsreichen Leben ein sorgenfreies und glückliches Alter beschieden sein, und uns möge es gegönnt sein, ihn noch recht oft als rüstigen Mitarbeiter.in der modernen jüdischen Litteratur begrüßen zu können. . * ‘ Graf Murawjew, der neue russische Minister des Auswärtigen, soll nach der Ir. Ztg. von Juden abstammest. Wir legen zwar auf derartige Stammbäume sehr wenig Werth, da erfahrungsgemäß gerade solche Männer den Juden am Wenigsten nützen können oder wollen.- Aber interessant ist die Sache doch, weil sie gerade in Rußland spielt. Die Mutter des Grafen Murawjew, die seit Jahren in Wiesbaden lebt, ist die Töchter des früheren russischen Staatssekretärs v. Posen, eines getauften Juden. Merkwürdig ist aber auch, daß der Großvater des Grafen, der einst so gefürstete Generalgouverneur von Wilna, der Katholiken und Polen mit solcher Strenge behandelte, gerade die Juden auch während seiner Schreckensherrschaft mit Wohlwollen behandelte und ihnen die Thore der russischen Schulen angelweit öffnete. Vielleicht war in ihm so - viel Galle für alles Polnisch - Katholische, daß er, eine Ausnahme unter den Verfolgern, den beliebtesten Prügelknaben des Despotismus und. und des Pöbelthums, den Juden, ungeschoren, ließ. Freilich so.ganz traute er auch den Juden nicht. Er hatte sie im Verdachte, daß sie insgeheim an der polnischen Bewegung Antheil nähmen und dieselbe, sogar mit Geld unterstützten. 4r . Der Verwaltungsrath der „Iewish Kolonisation Assoziation" hat am 17. ds. M. in Paris eine Sitzung abgehalten und in derselben folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die zur Einführung der Viehzucht bei den Kolonisten von Mosesville (Argentinien) erforderlichen Summen zu bewilligen. 2. Den Kolonisten von Katra (Palästina) die zur Herstellung eines Wasserwerkes nöthigen Kosten zu gewähren. 3. In den Landwirthschastlichen Schulen in Palästina und in Tunis, ferner in. der Handwerkerschule zu Jerusalem, ebenso , in der ,-Ecole

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