Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Orientale", in Auteuil (Lehrerbildungs-Anstalt) russische Zöglinge zu placiren. 4. Den in den Vereinigten Staaten als Farmer angesiedelten russischen Familien mit Hypothekar-Darlehen zu Hilfe zu kommen; die Beförderung in New-Jork etablirter russischer Familien nach verschiedenen Fabriks-Distrikten zu unterstützen; zur Vergrößerung der vom Baron Hirsch-Fonds in New-Iork begründeten Handwerkerschule beizntragen. Protokoll drr 8. Iaixresversaminlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen am 24. Dezember 1896 zn Posen. dem Gesänge des Bundesliedes und einem darauffolgenden Hoch auf den Kaiser wurde die Sitzung, zu der 38 Kollegen C<y%*)7 erschienen waren, eröffnet. Der Vorsitzende berichtet über einige eingegangene Werke, deren ausführliche Besprechung später stattfinden soll. Sodann wird auf seinen Vorschlag Punkt 8 der Tagesordnung zunächst erledigt. Cohn-Wreschen wünscht, daß für die Berathungen immer zwei Tage in Aussicht genommen werden. Die Versammlung beschließt jedoch, es bei einem Tage zu belassen, und einigt sich nach langer Debatte, die nächste Versammlung am dritten Weihnachtstage, und zwar wieder in Posen, abzuhalten. Der Vorfitzende theilte der Versammlung mit, daß ein Reisezuschuß von 80 Mark zur Vertheilung an die Anwesenden von der Verbandskasse überwiesen worden ist; er hoffe jedoch, für die nächste Versammlung eine größere Beihilfe zu erlangen. Nachdem zwei Begrüßungstelegramme von nicht erschienenen Kollegen verlesen worden sind, giebt der Vorsitzende eine Uebersicht über die Vereinsthätigkeit im verflossenen Jahre. Das abgelaufene Vereinsjahr sei unstreitig ein sehr wichtiges und ereignißreiches zu nennen. Die gesetzgebenden Körperschaften seien wiederholt mit einem Besoldungsgesetze beschäftigt. Durch den Zusammenschluß der jüdischen Lehrervereine im Reiche sei Wichtiges erreicht worden. Die jüdische Lehrerschaft dürfe sich beglückwünschen, daß sie in dem Vorsitzenden des Lehrerverbandes, Rektor Dr. Adler in Berlin, der mit aller Hingebung seine Kräfte für die gute Sache einsetze, eine so vorzügliche Kraft gewonnen hat. Von der Thätigkeit des Verbandsvorstandes hebt Herbst besonders die Einreichung einer Petition zum Lehrerbesoldungsgesetz hervor, in welcher die Anrechnung der Wirksamkeit auch der jüdischen Lehrer an privaten Schulen beantragt und erlangt würde. Die beiden Delegirten haben ihre Pflicht auf der konstituirenden Versammlung erfüllt, indem sie durch das Verbandsstatut einer Majorisirung des geprüften durch das ungeprüfte Element vorgebeugt haben. Endlich bedauert der Vorsitzende, daß er den Auftrag der vorjährigen Versammlung/eine einheitliche Gestaltung der Ferien betreffend, nicht habe ausführen können. Der Grund liege in der Schwierigkeit der Materie und der Verhältnisse. Alsdann theilt er noch zwei eingelaufene Schreiben der Herren Rektor Dr. Adler und Geheimrath Dr. Kristeller- Berlin mit. Das Wort erhält dann der Kassenwart. Laut dessen Rechnungslegung ist ein vorjähriger Bestand von 69,10 Mark vorhanden. Die Einnahmen pro 1893/96 betrugen in Summa 128 Mark, die Ausgaben 98,42 Mark. Es verbleibt also ein Bestand von 29,68 Mark. Die Versammlung schreitet hierauf zur Vorstandswahl. Es werden durch Zuruf wiedergewählt: Herbst-Lissa zum Vorsitzenden, Cohn- Rogasen zum Schriftführer und Auerbach - Tremessen zum Kaffenführer. Als Stellvertreter sollen auch ferner fungiren Becker-Wollstein und Spiewkowski-Wongrowitz. An Stelle des Letzteren, der durch widrige Umstände am Erscheinen behindert war, übernimmt Grünseld-Schwersenz die Prüfung der Kaffe. Zu Punkt 5, welcher 3 Vorträge enthält, giebt Becker seiner Freude über das reichhaltige Programm Ausdruck. Nach seiner Meinung würden aber durch den Vortrag des Kollegen Katz (5a) keine praktischen Resultate zu erzielen sein, weshalb er vorschlägt, daß man in erster Reihe 6b oder 6 c hören möge. Auch die Referate über die vorliegenden neu erschienenen Werke mögen von der Tagesordnung abgesetzt werden, da sie schließlich, nur Reklamezwecken dienen. Katz-Gnesen und Cohn- Wreschen treten für die Erledigung des Punktes 5 a ein. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte, die damit endet, daß Katz-Gnesen das Wort zu seinem Vortrage „Ueber die Nothwendigkeit der Erhaltung und Neugründung jüdischer Volksschulen" erhielt. Die Nothwendigkeit. daß jüdische Schüler in jüdischen Schulen unterrichtet werden sollen, meint der Redner, sei schon durch die Ueberfüllung der christlichen Schulen gegeben. Wegen des nun selbst in den Schulen sich breitmachenden Antisemitismus müsse auch das Berhältniß zwischen christlichen Lehrern und jüdischen Schülern leiden. Außerdem sei es ausgeschlossen, daß Kinder eine jüdische Erziehung anders als in jüdischen Schulen erlangen können. Der stundenweise in anderen Schulen empfangene Religionsunterricht wird nie und nimmermehr die Kinder - zu wahrhaft religiös gesinnten Menschen heranbilden können. Referent führt weiter an, daß jüdische Schüler an nichtjüdischen Schulen sehr oft in ihren Gefühlen verletzt werden. Zu wirklichen Patrioten könne jüdische Schüler nur die jüdische Schule heranbilden. Gerade die größten Gemeinden unserer Provinz,wie Posen, Bromberg, Rawitsch, Grätz u. a. m., entbehren der jüdischen Volksschule. Den Schluß bildete ein warmer Appell an die Judenschaft, die eingeschlagenen falschen Bahnen zu verlassen und für Unterbringung ihrer Kinder in jüdischen Schulen zu sorgen. Lebhaftes Bravo lohnte die Ausführungen des Referenten. In der Debatte beantragt Sander-Birnbaum, den Lehrerverband zu ersuchen, daß er bei einer Anzahl von wenigstens 25 schulpflichtigen Kindern für Gründung jüdischer Volksschulen Sorge trage. Dem entgegnet der Vorsitzende, daß ein diesen Gegenstand behandelndes Thema vom Verbandsvorstande bereits für das nächste Jahr zur Berathung vorgeschlagen sei. Becker glaubt, die Zeit sei noch nicht gekommen, nach dieser Richtung etwas unternehmen zu können. Im Gegensätze zum Referenten leidet nach Basch-Grätz die religiöse Erziehung jüdischer Kinder in den Simultanschulen nicht. Cohn-Wreschen und Witt-Berlin treten ebenfalls für die Simultanschule ein. Von Katz- Gnesen und Cohn-Wreschen werden je eine These formulirt, welche die Versammlung vereinigt und in folgendem Wortlaut einstimmig annimmt: „Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen erklärt es im Interesse der jüdischen schulpflichtigen Jugend für geboten, daß jüdische Volksschulen neu gegründet und an den bereits bestehenden paritätischen Simultan-Schulen der Verhältnißzahl der jüdischen Schüler entsprechend auch jüdische Lehrer angestellt werden. Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche wird ersucht, nach diesen Zielen mit allen gesetzlichen Mitteln zu streben." Der vorgeschrittenen Zeit wegen können die übrigen Vorlagen nicht mehr erledigt werden, und die Versammlung wird um 3 Uhr geschlossen. Ein gemeinschaftliches Mahl, bei welchem es nicht an Trinksprüchen fehlte, und das Kollege Sacher-Krotoschin noch durch einige sehr beifällig aufgenommene Gesangsvorträge verschönt, hält die Kollegen noch einige Stunden beisammen, worauf sie sich in einzelne Gruppen auslöfen und der freundschaftlichen Geselligkeit pflegen. Die nächstjährige Versammlung soll so eingerichtet werden, daß Berathungen und gemeinsames Mahl in ein- und demselben Lokal stattfinden. Die Schriftführer: Hopp-Kurnik. Behle-Lissa - -*$«- Frau; Schubert als Synagogen-Komponist. Ein G-denkblatt zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages Von Ed. Birnbaum in Königsberg. I. „. . . . der kann Alles; er komponirt Opern, Lieder, Quartette, Sinfonien und was man nur will!" Diese Worte des alten Saj lieri über seinen Schüler Franz Schubert, sie kennzeichnen nicht , allein die vielseitigen Fähigkeiten dieses unsterblichen Lieblings der! Musen von hierzu berufenster Seite, sie scheinen auch besonders