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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-22 · Heft 4 (22.1.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Herr Ko mmerzienrath Jsaac nahm die Wahl nach vielen Bitten mit der Erklärung an, so lange wenigstens dem Verein vorstehen zu wollen, bis sich definitiv entschieden habe, ob derselbe die zu seiner Existenz nothwendige Mitgliederzahl erreichen könne oder aus Mangel an Interesse seitens der zahlungsfähigen Elemente unserer Gemeinde eingehen müsse. Den Kassenbericht hatte Herr Benas Levy erstattet, derselbe wies in der Einnahme inkl. jener großen Spende von 500 Mark 3059 Mark, in den Ausgaben einen Gesammtbetrag von 2732 Mark auf. Herr Benas Levy wurde per Akklamation wiedergewählt, durch gleichen Modus die Herren Dr. Schäfer und Kand. med. Zlocisti zu Schriftführern, die Herren Dr. Hildesheimer, Dr. Stier, Maximilian Heymann, Spiewkowsky und Heinrich Frankel zu Beisitzern ernannt. In das Agitationskomitee wurden die Herren Dr. Hildesheimer Benas Levy, Spiewkowsky und W. Bambus berufen und diesen Herren Kooptationsrecht verliehen. Nachdem noch die Herren Dr. Stier und Dr. Thon einige Vorschläge zur Agitation gemacht hatten, wurde die Versammlung geschlossen. An unseren wohlhabenden Glaubensbrüdern in Berlin wird es nun sein, durch Bewilligung der kleinen Beiträge zu zeigen, daß sie ein Werk zu fördern gewillt' sind, welches Hunderten strebsamer Leute, besonders junger Leute, die erwünschte Gelegenheit bietet, ihre Kenntnisse fortzubilden. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Appell seine Wirkung thun wird. Lp. Aus der Provinz Posen, im Januar. Der Verein für jüdische Krankenpflege und Beerdigungswesen in Wollstein feierte Anfangs d. Mts. das Fest seines 155 jährigen Bestehens. Der Vorsitzende, Buchdruckereibesitzer Wolfsohn, sprach hierbei über die doppelte Bedeutung des Festabends, Lehrer Becker über die Ziele des Vereins, welchem gegenwärtig 42 Mitglieder angehören. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß der Verein einen Baarbestand von 1197,63 Mark aufzuweisen hat. Im letzten Jahre brauchte der Verein nur in zwei Fällen in Thätigkeit zu treten. — Unter Vorsitz des Herrn Rentiers Sina Holzman in Ostrowo fand , daselbst jüngst eine Generalversammlung des seit 13 Jahren dort bestehenden israelitischen Mildthätigkeitsvereins, welcher den Zweck hat, an bedürftige Gewerbetreibende zinslose Darlehen gegen Bürgschaft oder Pfand auf ratenweise Rückzahlung zu leihen, statt. Aus geringen Mitteln bei der Gründung hat der Verein es jetzt bereits zum Vermögen von nahezu 5000 Mark gebracht, nachdem im Jahre 1896 durch Mitgliederbeiträge von 264 Mark und durch freiwillige Spenden verschiedener Art von 65 Herren in einer Gesammthöhe von 197 Mark das vorjährige Vereinsvermögen einen Zuwachs von 461 Mark erhalten hat. Der Verein zählt jetzt 93 Mitglieder, In den Vorstand gehören jetzt die Herren Rentier S. Holzman und die Kaufleute Salomon Unger, Alexander Schloß, Salo Josephi und Isidor Hermann. Den Aufsichtsrath über den Verein bilden die Herrcn .Hauptlehrer I. Haym, Kaufmann Max Friedländer und Fabrikbesitzer Jsaac Fraenkel. — Der israelitische Krankenverein in Wreschen, der es sich zur Aufgabe gemacht, bei schwerkranken Vereinsmitgliedern Nachtwachen zu halten, die Kranken zu pflegen und im Hause von Leidtragenden Andacht abzuhalten, besteht seit 1882 und zählt gegenwärtig 56 Mitglieder, die einen Monatsbeitrag von je 25 Pfennig zahlen. Im verflossenen Jahre stellte der Verein 14 Nachtwachen und bestattete 3 Mitglieder. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt gegen 600 Mark.' In einer jüngst abgehaltenen Versammlung wurden die Herren Kaufleute Hermann Ziegel, Siegmund Pollak, Abraham Kantorowicz, Louis Zlotnitzki und Bernhard Engelmann in den Vorstand gewählt. — Die Kosten für den Neubau einer kleinen Synagoge in der Gemeinde Mixstadt sind auf 10 000 Mark veranschlagt worden. 8. Liegnitz, 11. Januar. In der vorigen Nummer war wohl berichtet, daß Herr Rentner I. Stahl am 5. d. Mts. sein 80. Lebensjahr vollendet hat. Es dürfte jedoch interessiren, über die Feier Näheres zu erfahren. Herrn Stahl wurden bei diesem Anlässe Sympathiebeweise mannigfacher Art dargebracht. Der Dank für die Verdienste, die derselbe in den 40 Jahren seiner Wirksamkeit als Vorsteher der Synagogen-Gemei.nde sich erworben, wurde durch Deputationen aus der Gemeindeverwaltung in Form von Ansprachen zum-Ausdrucke gebracht. Im Namen des Vorstandes würdigte der Vorsitzende, Herr Heinrich Cohn, unter Ueberreichung einer kunstvoll ausgeführten Adresse die Verdienste desselben um das Gemeindewesen und wünschte ihm noch viele Lebensjahre bei gleicher Gesundheit und Frische, damit die Gemeinde noch lange des Glückes genieße, ihn in ihrem Verwaltungskörper zu besitzen.. Auch ein Delegirter der Repräsentanten und der Vorsitzende, der Chewrah Kadischah, in welch letzterer der Jubilar längere Zeit den Vorsitz geführt hatte, feierten denselben in einer Ansprache. Alle an ihn gerichteten Reden erwiederte Herr Stahl mit dem ihn auszeichnenden Redeflüsse und Humor. Die Beamten der Gemeinde brachten gleichfalls mit freudigem Herzen dem Manne, der ihnen jederzeit eintreuer Berater und vermöge feines umfassenden und tiefen Wissens ein anregender Lehrer ist, ihre aufrichtigen Wünsche dar. Diesen Gratulanten folgten viele Freunde und Bekannte, uni dem Gefeierten ihre Verehrung kund zu thun. Zahlreiche Blumenspenden und Telegramme aus der Ferne zeugten gleichfalls von der Achtung und Liebe, deren der würdige Greis auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus sich erfreut. — Am darauf folgenden Sabbath gedachte Herr Rabbiner Dr. Peritz am Schlüsse seiner Predigt nochmals des Festtages, würdigte in längerer Rede die Verdienste des Jubilars um das Gemeindewesen und flehte auf sein theures Haupt den Segen Gottes herab. Herr Kantor Sommerfeldt trug zu Mussaf eine Keduschah vor, die er Herrn Stahl anläßlich dieser Feier gewidmet hat. — Möge dem Gefeierten noch ein langer freundlicher Lebensabend beschieden sein. o. Hildesheim, 16. Januar. Der Bericht über die Thätigkeit des Vereins zur Förderung von Handwerken und sonstigen bürgerlichen Berufsarten unter den Juden der Synagogengemeinde und des' Landrabbinatsbezirks Hildesheim für das Jahr 1895 gewährt ein erfreuliches Bild. Es ist gelungen, weitere Kreise innerhalb des hiesigen Landrabbinatsbezirks für die Vereinsinteressen zu gewinnen. Die Bestrebungen des Vereins wurden nicht nur seitens der im vorjährigen Berichte genannten Synagogen-Gemeinden resp. einzelner Mitglieder derselben, sondern auch durch Heranziehung von neuen Mitgliedern in den Gemeinden Bodenselde, Clausthal-Zellerfeld, Dransfeld, Duderstadt, Northeim und Uslar gefördert. Die Einnahmen betrugen 818,06 Mark, die Ausgaben betrugen 677,86 Mark, Kassenbestand am 31. Dezember 1895 240,21 Mark. Das Kapitalsvermögen des Vereins inkl. Kassenbestandes betrug am 31. Dezember 1895 8590,21 Mark. Es erhielten Beihilfen im Betrage von 60 bis 100 Mark : 1 Tabakspinnerlehrling, 1 Bildhauerlehrling, 1 Maschinenfabrik-Schlosserlehrling aus Hannoversch- Münden; 1 Mechanikerlehrling, 1 Hörer am Technikum zu Einbeck aus Götlingen; 1 Zögling der israelitischen Erziehungsanstalt für Bodenkultur in Ahlem, 1 Hörer an der polytechnischen Hochschule zu Hannover, 1 Zögling der Lehrerbildungs-Anstalt zu Hannover aus. Hildesheim. Außerdem wurden zwei Prämien aus den Zinsen des von dem weil. H. Meyersfeld in Braunschweig testamentarisch vermachten Kapitals den beiden besten Lehrlingen gewährt. Die Direktion besteht aus den Herren: Landrabbiyer Dr. Lewinsky, Gustav Sabel, M. Friedheim, Rechtsanwalt Oppenheimer, D. Goldberg, Rechnungsführer. L, Burgkundstadt, 17. Januar. Am 9. Januar hielt der neu gewählte Distrikts - Rabbiner, Herr Dr. E. Goitein, bisher Rabbiner in Marienbad, seine Antrittspredigt. Durch den I. Vorstand der Gemeinde, Herrn Sigm. Kupfer, und von einer Schülerin herzlichst begrüßt, bestieg Herr Dr. Goitein die Kanzel, dankte gerührt für die freundlichen Begrüßungsworte und erörterte sodann in einer geistreichen Rede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, die Aufgabe des Seelsorgers in Israel. Die Gemeinde hat alle Ursache, sich über diese Acquisition zu freuen, denn Herr Dr. Goitein hat sich wiederholt als einen gewandten und tüchtigen Kanzelredner gezeigt, der es besonders versteht, seine Zuhörer zu ergreifen und für die erhabenen Ideen des Judenthums zu erwärmen und zu begeistern. - . v Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 18. Januar.. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Gustav Simon, ist im Alter von 79 Jahren am 13. d. Mts. gestorben. Die israelitische Kultusgemeinde betrauert tief den Verlust

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