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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-22 · Heft 4 (22.1.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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>22 Berlin, 20. Januar. In dem Schweslernheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Auguststraße 17 belegen, ist nun 'auch die dritte Etage eingerichtet worden, welche in. erster Reihe den älteren fertig ausgehildeten Schwestern zur Wohnung angewiesen werden soll, während die Schülerinnen und jüngeren Schwestern die zweite Etage bewohnen. Das erste Stockwerk wird durch die Wirthschafts-, Büreau- und Schulräume, sowie durch die Wohnung der Oberin völlig in Anspruch genommen. So/ bietet das' Haus schon heut für 50 Schwestern reichlich Unterkunft und kann durch Räumung noch. z. Z. vermieteter Wohnungen erheblich ausgedehnt werden. Als ein erfreuliches Zeichen der guten Ausbildung und Leistungen der Schwestern wird es sicherlich angesehen werden müssen, daß die heut zur Verfügung stehenden 18 Schwestern stch stets auf Pflegestellen befinden und leider allzuoft Nachfragen unerledigt bleiben müssen, daß hervorragende Aerzte und Kliniker unserer Stadt sich sehr gern der Schwestern zur Pflege der ihnen anvertrauten Kranken bedienen und daß auch in nicht jüdischen Familien wiederholt Pflegen durch unsere jüdischen Schwestern zur. vollsten Zufriedenheit ausgeführt worden sind. Wir wollen auch nicht unterlassen, zu erwähnen, daß einige Schwestern ausschließlich für die Armenpflege verwendet werden, welche in noch ausgedehnterem Maße zu betreiben, sich der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zur Aufgabe gestellt hat. Auch außerhalb unserer Stadt sind oftmals in schweren Fällen unsere jüdischen Schwestern thätig gewesen, und ersehen wir. aus dem diesjährigen Jahresbericht des jüdischen Kurhospitals in Kolberg, daß auch dort eine Schwester während der Badesaison eine segensreiche Thätigkeit ausgeübt hat. Hierüber äußert sich der Vorstand wörtlich folgendermaßen: „Die Schwester, Marie wurde uns vom Vorstande des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin aufs liberalste und zuvorkommendste aus unsere Bitte zur Verfügung gestellt und hat sich im Verein mit unserer ständigen Pflegerin, mit der sie stch in die Pflege theilte, ihrer schwierigen Aufgabe und namentlich der Beaufsichtigung der Kinder mit Treue, großem Eifer und unermüdlicher Hingebung unterzogen. Wir sind daher dem Vorstande des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin für die Entsendung der Schwester Marie in unsere Anstalt zu ganz besonderem Danke verpflichtet.". Die Gründung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen war nach alle dem nicht nur vom praktischen, vielmehr vom jüdisch-ethischen Standpunkte aus eine Nothwendigkeit und muß Jeden mit größter Befriedigung erfüllen, welcher sich ein Herz für das Judenthum bewahrt hat. J. Berlin, 17. Januar. Am 11. d. M. fand eine Komitee-Sitzung des „Kinder-Sparvereins" statt. Dem Bericht des Schriftführers entnehmen wir folgende Daten: Im vergangenen Jahre sind 46 Gesuche um Unterstützungen beim Vorstand eingegangen. Von diesen Gesuchen mußten 8 abgelehnt werden, weil uns unsere Statuten die Unterstützungen verboten. Die 38 unterstützten Parteien bekamen Summen im Beträge von 20 bis 200 M., und zwar theils einmalig, theils monatlich. Für dieses Jahr bis zum 1. Juli wurden wiederum 2500 M. für Unterstützungen bewilligt. Die nächste Entleerung der Sparkästchen soll in der Zeit vom 8. bis. 16. April er. erfolgen. Ein Bericht über die Thätigkeit des Vereins soll bei dem nächsten Ansuchen zur Entleerung der Kästchen an sämmtliche Familien, in denen stch solche befinden, übersandt werden. In den Ausschuß wurden für das laufende Jahr wiederum dieselben Personen wie im vorigen Jahre gewählt, und wurde dem Schatzmeister auf Bericht der Revisoren Decharge ertheilt- Das Vermögen des Vereins besteht z. Z. aus 3301,40 M. B. Berlin, 19. Januar. Der 2l. Jahrgang des statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin ist erschienen und bringt eine ganze.Anzahl interessanter Ziffern über die Juden aus Berlin im Jahre 1894, die wir^hier auszugsweise wiedergeben wollen. Was zunächst die Bevölkerungsbewegung anbetrifft, so wurden Ehen geschlossen: Juden mit Jüdinnen 525, Mischehen 150, und zwar 91 jüdische Männer mit christlichen Frauen und 59 jüdische Frauen mit christlichen Männern. Dagegen fanden Scheidungen statt: 33 von rein jüdischen Ehen und ^ehn von Mischehen, bei denen ein Thei.l jüdisch war. Geboren wurden 1572 Kinder, deren beide Eltern jüdisch waren, und 219 Kinder aus Mischehen; außerdem 78 uneheliche Kinder jüdischer Mütter. Gestorben sind im Jahre 1894: 726 erwachsene Israeliten und 385 Kinder unter 15 Jahren. Außerdem verlor das Judenthum in diesem Jahre durch Uebertritt zum Christenthum 146 Personen, während nur 8 Christen sich dem Judenthum anschlossen. — Sehr interessant ist die Zählung der Arbeitslosen. Wir finden unter 20552 Arbeitslosen -überhaupt 664 Juden, und zwar 515 Männer und 149 Frauen. Nach der Dauer der Arbeitslosigkeit zerfallen diese 664 Personen in folgende Rubriken: Es waren arbeitslos seit Tagen: 1- bis 14 . , . .149 85 bis 98 . . 44 267 bis 365 . 48 15 28 . . . 64 99 „ 112 . . 10 bis 2 Jahr . 20 29 42 . , . . 79 113 „ 126 . . 17 über 2 Jahr . - 5 43 56 . . . 43 127 „ 140 . . 7 nicht angegeben . 16 57 70 . . . 49 141 164 . / 26 überhaupt . . .664 71 64 . . . 33 165 „ 256 . . 54 Man sieht, daß die Arbeitslosigkeit auch bei den Juden recht erhebliche Opfer gefordert hat — Ebenso interessant sind die Ziffern aus einigen Kranken Häusern, welche konfessionell geschieden sind. Unter 1130 Geistes-- kranken in Dalldorf waren 47 Juden, in Herzberge von 872 gleichen Kranken 39 Juden, in'Wuhlgarten von 382 Epileptikern 9 Juden, also immer stets unter dem Durchschnitt, was sich wohl durch die größere Privatpflege solcher Kranken bei den Juden erklärt, denn an sich kommen Geisteskrankheiten häufiger bei unseren Glaubensgenossen als bei den Nichtjuden vor. Dem städtischen Arbeitshause wurden überwiesen: 1803 Männer und 219 Weiber, darunter nur. eine Weibsperson und ein Mann unseres Glaubens. Auch dies ist ein ehrendes Zeugniß für unsere Juden in Berlin. Auf einige Ziffern bei der Schulstatistik kommen wir noch zurück. — Ueber die Judentaufen in unserer Hauptstadt belehren folgende Ziffern: Es wurden Juden getauft: 1880 . . . . . 43 1886 . . . . 88 1892 . . . . 103 1881 . . . . . 43 1887 .... 103 1893 . . . . 184 1882. . . . . 51 1888 . . . . 145 1894 . ... . . 140 1863 . . . . . 54 '1889 . 162 1895 . . . . 99 1864 . . . . . 59 1890 .... 146 1865 . . . . . 67 1891 . . . 116 Es traten zum Judenthum Christen über: 1880 . . . . 4 1886 .... . 4 1892 . . 1881 . . . . . 4 1887 .... . 6 1893 . . . . .2 1862 . . . . . 13 1888 . . '. . .' . 3 1894 . . . . . 4 1863 . . . . . 5 1889 .... . 8 1895 . . . . . — 1884 . . . . . 6 1890 .... . 8 1885 . . . . . 1 1891 .... . 4 Es. scheint demnach, als sei die Hochfluth der Taufen wieder einmal vorbei; immerhin ist der Verlust für die Juden beträchtlich genug. B. Berlin, 17. Januar. Am 12. d. Mts. fand die dritte ordentliche Generalversammlung des Vereins. „Jüdische Lesehalle" im Lokale des Vereins statt. Der derzeitige Vorsitzende, Herr Kommerzienrath Julius Jsaac, erstattete einen ausführlichen und sehr übersichtlichen Bericht über die Bereinsthätigkeit im verflossenen Jahre. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der Besuch der Lesehalle ein über alle Erwartungen bedeutender sei, hätten doch im letzten Quartal durchschnittlich täglich 60 bis 70 Personen die Lesehalle besucht, und auch die Bibliothek erfreue sich einer eifrigen Benutzung seitens mehr als hundert Leser. Nicht nur aus Berlin rekrutiren sich die Besucher, auch von auswärts sind viele Herren in die Lesehalle gekommen, um die Einrichtungen derselben sich anzusehen, häufig auch, um sich bei dem Bibliothekar Rath und Auskunft zu holen. Die in einem Gastbuch verzeichneten auswärtigen Herren stammen aus allen Ländern; Oesterreich Rußland, Frankreich, England; sogar Amerika und die Türkei sind ebenso gut vertreten, wie die Provinzen Deutschlands. Die Lesehalle und der Verein waren, als der gegenwärtige Vorsitzende die Leitung übernahm, noch in der Periode der Kinderkrankheiten, während jetzt alles geordnet sei, und dev Besuch der Lesehalle und die ausgiebige Benutzung der Bibliothek den besten Beweis dafür erbrachten, daß der Verein ein wirkliches Bedürfniß gewesen sei. Weniger erfreulich klang dagegen der andere Theil des Berichtes, denn es mußte konstatirt werden, daß unsere Glaubensgenossen, besonders die wohlhabenderen, sich so gleichgiltig dem Verein gegenüber zeigten, daß es nicht möglich gewesen sei, die Mitgliederzahl wesentlich über 100 zu steigern. Da auch ein Theil der Vereine seine Beiträge verringert oder zurückgezogen hat, so ist die Einnahme erheblich unter der Summe der 'Ausgaben geblieben und eine weitere Existenz des Vereins nur dadurch ermöglicht worden,

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