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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-22 · Heft 4 (22.1.1897) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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schuldet ihnen Dank. Die würdige' Stellung des jüdischen Lehrers . trägt gewiß auch znr Würde des Judenthums bei. Mit Worten und einen sehr übel angebrachten Opportunismus Hilst man heute dem Judenthumnicht; jetzt gilt es zu kämpfen oder als Besiegter die Flinte ins Korn zu werfen. Wir wollen kämpfen.. Und erringen wir nichts, so bereiten wir doch den Boden für die, welche nach uns kommen. Darum vorwärts auf der einmal beschrittenen Bahn, der Sieg wird nicht ausbleiben. Paedagogus. -MN- Mendelssohniana.') Von Dr. M. Grunwald in Hamburg. I. in Brief Mendelssohns an seine Hamburger Freundin Elise Reimarus, die Tochter des bekannten Verfassers der Wolfenbüttler Fragmente. (Das Siegel Mendelssohns zeigt über dem Monogramm ein [= s’iDjn nmi-) A Mademoiselle Reimarus, Hamburg. Verehrungswürdige Freundin! Herr Hennings gaben mir auf, ein Paar von den durch Joseph Gugenheim für die Gräfin von Schimmelmann bestellte Schuhe, Ihnen so bald als möglich zuzusenden. Es ist aber die ganze Bestellung schon vor einigen Tagen mit der Post abgegangen, und dürsten voritzt nicht weit von ihrer Bestimmung seyn. Können Ew, Wohlgebohren aber mir einen Probeschuh von der Frau Gräfin zukommen lassen; so will ich es über mich nehmen, für Rechnung besagten Gugenheims ein oder mehrere Paar verfertigen zu lassen, und Ihnen binnen 8 Tagen etwa mit der Post zu übersenden. Vergeben Sie mir übrigens diesen trocknen kaufmännischen Brief. Ich schreibe ihn nicht als Philosoph an Philosophin, sondern als seidener Waaren-Fabrikant, an eine Dame von Geschmacks und als ein solcher habe ich die Ehre meine seidene Waare gehorsamst zu empfehlen, und in Erwartung dero allzeit angenehmer Befehle zu seyn, Ew. Wohlgebohren gehorsamstergebenster Berlin, den 27. Aug. 1782. Moses Mendelssohn. II. Ein Entwurf zum Phädon, welchem ungefähr der Gedankengang in den beiden ersten Gesprächen dieses Werkes entspricht. P h äd OK. Erster Beweis für die Unsterblichkeit der Seele: 1. Alle natürlichen Dinge, sind einer immerwährenden Veränderung unterworfen. _ 2. In dieser Reihe von Veränderungen ist nirgend ein Stillstand anzutreffen, sonst müßten die Kräfte der Natur alle plötzlich unwirksam geworden seyn. 3. . . . wechseln die entgegengesetzten Zuständedie in einem Dinge möglich sind, beständig mit einander ab. 4. Und zwahr nicht plötzlich, nicht durch einen Sprung, sondern allmälig, durch einen zwischen den beyden entgegengesetzten Zuständen befindlichen Uebergang, der die Rückkehr von einem Zustand in den andern möglich macht. Dieser Uebergang hat öfters einen besonderen Namen, öfters auch nicht. Indessen ist er aber nichts desto weniger jederzeit vorhanden. 5. Der Tod und das Leben sind zwey entgegengesetzte Zustände eines Dinges. . . . 6. Der Uebergang vom Leben zum Tode ist die Abname der Kräfte, das Sterben. 7. Der Tod ist keine würkliche Zernichtung, denn alle Kräfte in der Natur reichen nicht zu, ein Ding zu zernichten, indem kein Uebergang 4) Die ersten 3 Nummern finden sich in der Eampeschen Autographensammlung der Hamburger Stadtbibliythek.. , , vom Seyn zum Nichtseyn möglich ist, und also ein wahrer Sprung , geschehen müßte. . 8. Die Seelen der Verstorbenen sind also noch vorhanden. 9. Also sind sie immer noch Veränderungen unterworfen (§ 2, 8). Wie der Tod ein einförmiger, unveränderlicher Zustand wäre, so müßte zuletzt die ganze Natur einförmig und unveränderlich werden. Denn alles Lebendige stirbt, und das Todte wird in dieser Voraussetzung niemals lebendig. 10. Der Tod ist also ein Uebergang in einen andern Zustand. 11. Und wie die Natur ihre Wege nicht verleugnet, ein Uebergang zum Leben. — 12. Die Veränderungen in der Natur geschehen mehr nach einer krummen, als nach einer geraden Linie, vid. i. 17. Zweiter Beweis: Die Seele verhält sich niemals blos leidend, sondern ist eine immer rege Kraft. Sie hat eine Menge dunkeler Begriffe, deren sie sich nicht bewußt ist. Denn 1. man kan durch Fragen von einem jeden Menschen, der nur einen Begriff von der Ausdehnung hat, die ganze Mathematik herauslocken, es muß also der Begriff der Ausdehnung alle Lehrsätze der Mathesis in sich begreifen. Die Seele aber wird bei Gelegenheit der Fragen, die ihr gethan werden, bald aus diese, bald auf. jene Vorstellung aufmerksam gemacht. 2. Die Phantasmata zeigen, daß öfters gewisse Begriffe in der Seele gleichsam schlafen, die bey Gelegenheit anderer Vorstellungen, mit welchen sie einige Aehnlichkeit haben, wieder rege gemacht werden. Es ist also höchst wahrscheinlich, daß die äußeren Vorstellungen niemals einen Begriff einwürken, sondern nichts als die Gelegenheiten sind, bey welchen der Seele gewisse Vorstellungen lebhafter werden, dergestalt daß das Lernen von dem Erinnern nur durch das Bewußtseyn, diese Vorstellung zu einer andern Zeit wirklich gehabt zu haben, unterschieden ist, welches nehmlich bey dem Erlernen fehlt. Die Seele verhält sich bey dem Erlernen nicht blos leidend, ebenso wenig beym Abstrahiren, und folglich auch beym Erinnern nicht. Denn zu den Begriffen der Aehnlichkeit gehören'abstracte Begriffe und allgemeinontologische Grundsätze, wie sie deutlich seyn soll. Sie hat also eine immer wirksame Kraft, die also schon würksam gewesen, ehe sie noch mit diesem Leib verknüpft worden. Daß die Seele kein zusammengesetztes Ding sey, erhellt unter andern aus dem Vermögen sich die Realitäten ohne ihre Schranken vorzustellen. Denn dieses vermag kein zusammengesetztes Ding, da Veränderungen blos in der Bewegung bestehen. 111. Ein Brief Basedows au Mendelssohn. Hochedelgebohrner, Höchzuehrender Herr! Ich schreibe an den großen Verfasser des besten Phädons, derselbe wird mich lesen, und vor der Lesung meine Absichten nicht zu meinem Schaden beurtheilen. Ich würde beredter bey Ihnen seyn, wenigstens wortreicher, wenn ich eine mäßigere Hochachtung für Ihren Geist und Ihr Herz hätte. Schreiben Sie mir so aufrichtig, als einem Copenhagenschen Wessely?) Denn ich bin, wenn Sie mir biefc Ehre gönnen, eben so sehr Ihr Freund. Ich sende 2 Exemplarien, (weil das hinten beygedruckte' Schreiben nicht im Laden ist) und vier vielleicht bey einigen Ihrer Nation brauchbahren Reverse, wenn es so viele oder noch mehrere in Berlin giebt, die durch ihr äußerliches Glück nicht ganz abgehalten sind, von dem Beyspiele Ihres Mendelsons so viel zu profitiren, als ihre Natur leidet. Es ist etwa nur eine einzige dem Hauptplane nicht wesentliche Periode in dem Buche, welche Israeliten oder Noachiden misfallen könnte, was doch nicht mißfallen muß, 1. weil sie das Elementarbuch nicht angeht, und 2. weil die Schulbibliothek lauter abgesonderte Bändchen haben wird, deren nur einziges, das sie vermeiden können, dem Gewissen der Juden widerspricht. Ich habe eine ganz besondere Absicht dahin, vernünftige Schulen und Schulbücher allen Nationen, welche Gott durch Tugend verehren, ohne ' oer schon eingenommenen Gewissen gemein, und also mich um I . Nation verdient zu machen. Ich muß aus Achtung für dieselbe wünschen, daß Auch von W. findet sich in derselben Sammlung ein Brief an Schröder vom 7^. Febr. 1788, doch rein privaten Charakters. —

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