Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 den ganzen Lehrplan einer Schule eingefügt werde, so daß jeder Schüler an. demselben theilnehmen müsse, nur solle man sich hüten, die Theilnahme durch den Strafrichter erzwingen zu wollen, denn nicht Zwangsunterricht, sondern Unterrichtszwang sei das erstrebenswerthe Ziel. In Betreff der auskömmlichen Besoldung der Lehrer wurde von allen Seiten anerkannt, daß die einzige Möglichkeit derselben in der Begründung von Bezirksverbänden beruhe, die, wie Herr Professor Dr Philippson zu berichten in der Lage war, bereits von größeren Gemeinden beschlossen sei, so daß man ihrer praktischen Verwirklichung schon einen Schritt näher gekommen sei. — Des Weiteren wurde von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht, daß man auf die vokationsmäßige Anstellung der Lehrer unbedingt dringen müsse.. -r Zum Schluß gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Die wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin hält es für dringend erforderlich, daß auf Anregung und unter Verwaltung des Verbandes der jüdischen Lehrervereine eine Centralkasse für diejenigen Lehrkräfte gegründet werde, welche nicht definitiv mit Anspruch auf Pension und Reliktenversorgung angestellt sind." Nachdem noch der Vorsitzende mitgetheilt, daß in der nächsten Sitzung Herr Kollege Auerbach über „die Idee der allgemeinen Volksschule, ihre geschichtliche Entwickelung und Beurtheilung" sprechen werde, wurde die Sitzung geschlossen. 22 Berlin, 12. Januar. Der Israelitische Mie the-Hilfsj- Verein feiert am 27. d. M. sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Zur Milderung eines schreienden Nothstaudes, des denkbar dringendsten Bedürfnisses ins Leben gerufen, darf der Verein mit gerechter Genugthuung darauf Hinweisen, daß er in ernstem Streben seiner schwierigen Aufgabe zu genügen allezeit bemüht gewesen, daß er Dank des opferwilligen Interesses seiner Freunde und Gönner einer großen Summe von Elend und Noth wirksam gesteuert hat. Vielen Tausenden der Aermsten .der Armen ist ihre Heimstätte, das Dach über dem Haupte, die Unterkunft für sich und die ihrigen erhalten worden. Der Verein bedarf aber ein'er sehr wesentlichen Steigerung seiner Einnahmen, soll er wirksamer als bisher seiner Aufgabe genügen können. Denn wohl war es ihm vergönnt, Hervorragendes zu leisten, aber der ganzen Summe von Elend stand er ohnmächtig gegenüber, ja, auch nur die allerdringendsten Anforderungen in ihrem vollen Umfange zu befriedigen, versagten die knapp zugemessenen Mittel Von dieser Ueberzeugung geleitet, hat der Vorstand beschlossen, den denkwürdigen Tag festlich zu begehen, an welchem der Verein das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens beschließt. Das fünfundzwanzigjährige Stiftungsfest findet am 27. d. in der „Philharmonie" durch ein großes Konzert und daran schließenden Ball statt. Das Programm ist ein sehr auserlesenes, der Preis (2 Mark) ein sehr billiger, und so darf im Interesse der Sache eine rege Betheiligung wohl mit Recht erwartet werden. A. Frankfurt a. £>«, 10. Januar. In feierlicher Weise wurde am vergangenen Freitag Abend Herr Rabbiner Dr. Hochfeld seitens des hiesigen Spnagogen-Vorstandes in sein Amt eingeführt. Das Gotteshaus war von Andächtigen ganz gefüllt. Die Feier begann mit einem Orgelpräludium, worauf Chor und Gemeinde unter Orge.lbegleitung ein Lied sang. Nunmehr hielt der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Adolf Lewin, an Herrn Dr. Hochfeld eine sehr herzliche Ansprache, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß es demselben gelingen möge, von der Kanzel herab unsere Gemeinde stets zu erbauen, unsere Jugend zu sittlichen und religiösen Menschen zu erziehen und die Traditionen unserer heiligen Religion mit dem zeitgemäßen Fortschritt stets in Einklang zu bringen. Herr Dr. Hochfeld dankte in kurzen, bewegten Worten und führte u. a» aus, daß „Liebe und Wahrheit" die beiden Leitsterne sein werden, die ihn während seiner Amtsthätigkeit stets begleiten, werden. Mit Gebet und Gesang schloß diese erhebende Feier. Am darauf folgenden Sabbath hielt Herr Dr. Hochfeld seine Antrittspredigt unter Zugrundelegung des Textes Maleachi 2, 6: Lehre der Wahrheit war in seinem Munde u. s w. In geistreicher und fesselnder Weise entwickelte er aus den Worten des Propheten die Ziele, welche er sich in seinem verantwortungsvollen Berufe für sein Wirken als Prediger, Lehrer und Seelsorger gestellt hat. — Schwerin i. M., 8. Januar. Am 30. v. Mts. verschied hier Herr Lazarus Sußmann, eine in ganz Mecklenburg hochgeachtete Persönlichkeit. Durch eigene Kraft hat er seine Firma begründet und sie. gu einer der angesehensten des Landes gemacht. Der Verstorbene war 40 Jahre lang der Vorsteher der hiesigen Chewrah Kadischah und hat als solcher sich hohe Verdienste um die Gemeinde erworben. Ihm war es vergönnt, sowohl seine goldene Hochzeit als auch sein 50 jähriges Bürgerjubiläum zu feiern; bei beiden Festlichkeiten wurde ihm gezeigt, welche Hochachtung und Liebe er in hiesiger Stadt genoß. Sein Leichenbegängniß fand unter großer Betheiligung aus allen Kreisen statt. Herr Rabbinatskandidat Galliner aus Berlin hielt, da der hiesige Landesrabbiner verhindert war, die Grabrede, in der er ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf, den Trauernden zum Tröste, Allen zur Nacheiferung. £ Magdeburg, 10. Dezember. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat an die Vorstände der jüdischen Gemeinden..der..Provinz Sachsen folgende Zuschrift gesandt: „In Ausführung eines Beschlusses des letzten deutsch-israelitischen Gemeindetagcs vom 2l. Juni 1896 hat der Ausschuß des D. I. G.-B. an den Unterzeichneten Vorstand das Ersuchen gerichtet, die Bildung eines Bezirks-Gemeinde-Verbandes in die Hand zu nehmen. Welch edlen und scgenbringenden Zwecken diese Bezirks-Gemeinde-Verbände dienen sollen,, wird dem wohllöblichen Vorstände aus den Verhandlungen des Gemeindetages bekannt geworden sein. Die „Leitsätze", welche ans diesem Gemeindetage für die Begründung von Bezirks-Gemeinde-Berbänden beschlossen worden sind, und von denen wir ein Exemplar beifügen, haben die zu verfolgenden Ziele klar und bestimmt gezeichnet. Daß diese Leitsätze nur als Muster dienen sollen und den konkreten Verhältnissen der verschiedenen Verbände angepaßt werden müssen, wollen wir schon hier hervorheben. In der Provinz Sachsen sind die Verhältnisse der Synagogen-Gemeinden, wie wir von vornherein uns gestehen müssen, der Bildung solcher^Provinzial- Berbände allerdings nicht besonders günstig. Vor allem ist es die geographische Lage der Gemeinden, welche eine Centralisation wesentlich erschwert. Gleichwohl halten wir es für unsere Pflicht, wenigstens den Versuch zur Bildung eines derartigen Verbandes zu machen und bei den Gemeinden der Provinz Umfrage zu halten. Wir ersuchen deshalb den wohllöblichen Vorstand freundlichste uns bis 15. Februar 1897 mitzutheilen, ob die dortige Gemeinde einen solchen Verband mit zu schaffen bereit ist. Nach Eingang der von sämmtlichen Gemeinden der Provinz erbetenen Auskünfte gedenken wir eine Delegirten-Versammlung einzuberufen und in gemeinsamer Besprechung die etwaigen weiteren Schritte zu berathen. Wir bitten deshalb, uns gleichzeitig mitzutheilen, ob die dortige Gemeinde eine solche Delegirten-Versammlung zu beschicken geneigt ist." Dem Magdeburger Vorstand gebührt Dank, daß er ans Werk geht. Bezirksgemeindeverbände, die in unserer Zeit ganz besonders noth thun, ins Leben zu rufen. Solche Verbände tragen zur Erstarkung des Judenthums nach innen und außen, bei. Möchten nur die einzelnen Gemeinden reges Interesse der Angelegenheit entgegenbringen. P. Deffan,8. Januar. Der Todestag Moses Mendelssohns (5. Schebat) wird in seiner Vaterstadt seit einer Reihe von Jahren in üblicher Weise gefeiert. Auf Anregung des Herrn Hofzahnarztes Hirschfeld, Vorsteher der Gesellschaft der barmherzigen Brüder, stifteten die Nachkommen Mendelssohns ein größeres Legat, dessenZinsen jährlich am Sterbetage an Bedürftige vertheilt werden. Heute hatte die „Jahrzeit" eine erhebendere Gestalt, als damit beim Gottesdienste von Herrn Landesrabbiner Dr. Freudenthal, ein Vortrag über die Bedeutung des dritten Moses für seine Glaubensbrüder verbunden wurden, der die anwesende Gemeinde sichtlich erbaute. =4= Lippftadt, 2. Januar. Am 25. Dezember v. I. vollzog sich in unserer Stadt in aller Stille eine seltene, würdige und erhebende Feier, nämlich die Einweihung des Betsaales der „Neuen Israelitischen Gemeinde in Lippstadt". Bon den Einladungen, welche der Vorstand ergehen ließ, war fast allseitig Gebrauch gemacht, so daß der Saal von der Menge Andächtiger gefüllt war. Zur Seite des Altars waren für hervorragende Persönlichkeiten Plätze reservirt: die Herren Landrath Geh. Negierungsrath Freiherrn von- Werthern nebst Frau Gemahlin, Bürgermeister Haumann, den Stadtverordnetenvorsteher Kommerzienrath Kisker u. a. Der Festgottesdienst wurde eingeleitet durch ein Präludium und den von der Gemeinde unter Harmoniumbegleitung gesungenen Chor : „Wie schön sind deine Zelte". Unter Assistenz des Vorbeters der Gemeinde vollzog nun Herr