Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
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32 sich.. in voller Schöne wieder erheben. „Fremdlinge werden deine Mauern,.bauen" . . . „deine Thore werden bei Tage offen stehen, bei .Nacht nicht geschlossen werden" . . . „die Kabod des Libanon wird,zn.dir kommen". (Jes. 60, 10 f.) ■ Am nieisten. muß die. Bedeutung, welche das Wort kabod bei Leblosem.einnimmt, berücksichtigt werden. Es bedeutet Größe, Fülle, Pracht, Reichthum.. Wohl sind viele derselben, besonders im Zusammenhang betrachtet, bereits abstrakter Natur, dennoch haben sie ihre . Verbindung mit der Materie noch nicht aufgegeben. Die Spuren, die auf das Materielle zurückführen, verlieren sich nur allmälig, sie sind auch da nicht ganz verwischt, wo es sich um menschliche Ehre handelt, und werden erst unsichtbar, wo kabod das göttliche Sein bezeichnet. Das Leblose ist der unbewußte Träger seiner kabod, der Mensch hingegen der bewußte. So erscheint er in der heiligen Schrift als das Subjekt der Ehre in dreifacher Gestalt: als der bewußte Träger der . eigenen Ehre; dann als jener, der der scheinbar leblosen Natur die Ehre zwar nicht giebt, aber den an sich gewonnenen Ehrbegriff auf sie überträgt; endlich als solcher, der die Ehre von Gott empfängt, aber die Ehre Gottes selbst in seinen Werken erkennt und, insofern kabod sein Wesen bezeichnet, in Ehrfurcht zu ihr ausblickt. Denn alle Ehre ist Gottes. Selbst die Menschenwürde, jenes scheinbare Ureigenthum des Menschen, ist sein Geschenk. „Was ist der Mensch," spricht der Psalmist, „daß Dn sein gedenkest, der Erdensohn, daß Du ihn achtest? ... Mit Ehre und Würde kröntest Du ihn." .Besondere Aufmerksamkeit verdient die mit Gott in Verbindung gebrachte kabod. . Die Wortbedeutung erhält hier eine ungeahnte Ausdehnung. Sie überschreitet weit die Grenzen dessen, was man sonst unter Ehre versteht. Sie beschränkt sich nicht auf den auch bei Menschen üblichen Sinn, begnügt sich auch nicht mit der Gott gebührenden Ehrerweisung, schlägt vielmehr mit Erfolg ganz neue Wege ein. Mehr noch als die Vieldeutigkeit, erregt die Tiefe des Gedankens unser Interesse. Folgendes sei hier schon vorweggenommen. Die kabod diente als Vermittlerin zweier entgegengesetzter Anschauungen. Alis der einen Seite gilt der Satz: Gott ist unsichtbar, auf der. anderen: Gott erscheint. Der Gedanke der Unsichtbarkeit Gottes wird ewig der Annahme einer Theophanie entgegenstehen. Mit der Auffassung der kabod als einer Form der göttlichen Erscheinung sollte der Gegensatz geschlichtet werden. Es heißt dann: nicht Gott, seine kabod wird sichtbar. Der richtige Ausdruck jeder Theophanie müßte sein: „Es erschien die kabod Gottes", was in der That häufig, aber nicht immer der Fall ist. Wo es nicht geschieht, muß kabod hinzugedacht werden, weil Gott selber unsichtbar bleibt. Aber auch hiergegen erhebt sich ein Widerspruch in den Sätzen: „Wenn meine kabod vorüberzieht, so stelle ich Dich in die Felsenkluft,. und ich decke meine Hand über Dich, bis ich vorüber bin. Und ich hebe meine Hand weg von Dir, und Du siehst meine Rückseite,, mein Gesicht.wird nicht gesehen." (Exod. 33, 22, 23). Hiermit wäre ausgedrückt, daß auch die kabod nicht gesehen werden kann. Um diesen Widerspruch zn lösen, müssen wir darauf Hinweisen, daß kabod. auch mehr als Erscheinungsform ist. Sie ist, als Ehre im höchsten Sinne, mit dein Wesen Gottes verbunden, ihm inhärirend, und bedeutet, neben der äußeren Erscheinungsform, das Wesen Gottes. Von ,diesem ist in jenen Sätzen die Rede, dieses bleibt dem menschlichen Auge unsichtbar, nur das Schaffen Gottes, die nachträgliche Wirkung, wird dem Menschen offenbar. Wir sehen schon, welche mannigfache und tiefe Begriffe die heilige Schrift mit dem Worte verbunden hat. Mit Recht schreibt H. Schultz, der kabod bald als das Wesen, bald als die Erscheinung Gottes auffaßt: „In dem Begriffe der göttlichen Herrlichkeit ruht das gesammte alttestamentliche Bild des göttlichen Wesens wie in einer Lichterglorie." Die Religion Israels hat mit dem Worte Kabod „die wirkliche Lichtgegenwart .Gottes, seine Offenbarungs- Herrlichkeit bezeichnet". Hingegen bleibt bei Baudissin kabod blos äußere Erscheinungsform. Er unterscheidet zwischen kabod und kedusebab: Ehre und Heiligkeit. Jene ist ihm die sichtbare Gotteserscheinung der Theophanien, die Herrlichkeit Gottes als das Offenbaren; die kedusebab hingegen die Erhabenheit als-des Verborgenen. „Gottes kabod ist daher in Schöpfung und. Geschichte aller Welt offenbar." Aus dem Gesagten hat sich uns ergeben, daß die kabod ihren materiellen Ursprung nur selten verleugnet, daß sich vielmehr noch, wenn auch lückenhaft, eine Stufenleiter in der Entwickelung des Wortes aufzeigen ließe. Wenn wir nun auf-das Einzelne übergehen, ist die E'ntheilung gegeben. Es muß gesprochen werden von der kabod: a) Bei Leblosem, b) bei Lebendem, Thier und Mensch, c) bei Engeln und Gott. Es liegt in der Natur der Sache, daß einzelne Gesichtspunkte in den drei Abtheilungen regelmäßig wiederkehren müssen; die kabod der untersten Abtheilung darf der über ihr stehenden nicht fehlen, aber nicht umgekehrt. Es müssen theilweise Wiederholungen stattfinden. weil so manche Anschauung, wenn sie auch von demselben Gesichtspunkte ausgeht, sich bei Lebendem anders als bei Leblosem gestaltet. Nicht jeder das Wort kabod enthaltende Satz ist angeführt und behandelt. Dennoch wird man einen jeden unter einem der. aufgestellten Gesichtspunkte subsunnniren können. 1 I--1 ||---1 il—I I——' | FEUILLETON | * 1 i lüg — 1---- 1 1 1=— Bas Gwig-Menschliche. Eine Erzählung von Elise Orszeszko. (Fortsetzung). ^er Jllde erwachte zuerst aus dem Sin,len und fragte: „Und welchem Umstand verdanke ich die große Gnade des lieben Gottes, daß er mir einen so alten Bekannten brachte?" Der Graf zog aus der Tasche eine alterthümliche Uhr und zeigte sie dem Juden. „Herr," meinte der Jude und schüttelte sorgenvoll den Kopf, wie ein Arzt über einen Kranken. „Was ist schlimm, sie ist krank man muß sie auseinandernehmen und heilen." Des Grafen Augen leuchteten hinter der Brille auf, er wurde unruhig und zugleich erfreut. „Kannst Du das gleich machen?" „Warunl nicht? Ich werde mich herzlich freuen, wenn der gnädige Herr sich ein wenig bei mir setzen und zusehen will, daß ich diesem Patienten nichts Böses thun werde, blos, daß ich mir eine größere Lampe anstecken werde, denn für eine solche Arbeit bei einer kleinen Lampe sind meine Augen zu schwach. . ." Der Graf, immer in besserer Laune, rief aus: „Du bist gnt dran, daß Du Dir eine größere Lampe anstecken kannst, ich dagegen