Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 schnellsten die Forderung auf lebenslängliche Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen auf gesetzlichem Wege erfüllen, resp. welche Grundlagen find zur Herbeiführung dieser Forderung nothrvendig." Der Aufforderung des Vorstandes haben die meisten Vereine bereitwillig Folge gegeben; im Laufe des Jahres sind theils die von den Versammlungen angenommenen Thesen, zum Theil auch ausführliche Berichte über die Referate und über den Verlauf der Diskussion an den Berbandsvorstand gelangt. Die recht werthvollen Vorschläge und Winke der Herren Kollegen Amram-Borken, Bernhard-Tarnowitz, Feiner-Hamburg, Gottschalk- Esens, Heidenfeld-Friedeberg N./M., Nathan-Woldenberg, Steinhardt- Magdeburg, Sturmann-Osterode i. P., Wertheim-Hann. Münden hat der Berbandsvorstand gern entgegengenommen und spricht den Herren Kollegen Dank und Anerkennung für die sorgfältige und verständnißvolle Behandlung des vorgeschlagenen Themas aus. In der bevorstehenden Zusammenkunft des Verbandsvorstandes werden die eingesandten Vorschläge, die zum Theil noch recht weit auseinandergehen, auf die Durchführbarkeit hin zu prüfen sein; es wird ferner der Weg vorgezeichnet werden müssen, der die Gewähr eines sicheren Gelingens unserer Bemühungen bietet. Wie bei dieser Angelegenheit, so erfreute der Berbandsvorstand sich auch bei seinen sonstigen Arbeiten des Entgegenkommens aller dem Verband zugehörigen Vereine; mit inniger Freude können wir das herzliche Verhältniß feststellen, das aus dem regen Verkehr zwischen den einzelnen Mitgliedern des Vorstandes und den Vertretern der Vereine entsprossen ist; das gemeinsame Streben nach einem Ziele hat ein festes Band um die einzelnen Glieder geschlungen, das unter Gottes Beistand einen glücklichen Fortgang unserer Bemühungen in Aussicht stellt. Ein weniger erfreuliches Bild gewähren die Verhältnisse in manchen Vereinen sowie die Beziehungen der einzelnen Vereine zu einander; die Zerfahrenheit und wirre Verschiedenheit der Verhältnisse unseres Standes innerhalb des deutschen Vaterlandes ist leider nicht ohne Einwirkung auf die Lehrer selbst geblieben, es hat bisweilen ernster Mahnungen des Vorstandes bedurft, um die Mitglieder der einzelnen Vereine angesichts der bevorstehenden wichtigen Aufgaben auf die erste Pflicht, einig zu sein, hinzuweisen, wie es auch unausgesetzte, zeitraubende Thätigkeit erfordert hat, die oft recht unerfreulichen Beziehungen einiger Vereine zu einander zu bessern. Der Berbandsvorstand möchte auf die diesbezüglichen Verhandlungen nicht näher eingehen, will aber die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, yhne nochmals die dringende Mahnung an alle Kollegen zu richten, eigene Forderungen und Wünsche hinter die gemeinsamen zurückzustellen, in voller Einigkeit und herzlicher Verträglichkeit dem Ziele, das uns allen vorschwebt, zuzustreben. Zufriedenstellender gestaltete sich die Thätigkeit des Verbandes, wenn es galt, einem Mitglieds eines Vereins, das des Rechtsschutzes bedurfte, hilfreich zur Seite zu stehen. In den wenigen Fällen, die bisher an den Vorstand herantraten, hatte sich derselbe der Unterstützung eines der hervorragendsten Juristen Berlins, des Herrn Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs, zu erfreuen; es ist dem Berbandsvorstand aufrichtiges Bedürfniß, auch an dieser Stelle Herrn Dr. Fuchs den schuldigen Dank für seine sachverständige, selbstlose Hingebung auszusprechen; insbesondere hoffen wir, daß es seinem energischen Eingreifen gelingen wird, die gegen die bisherige Praxis erfolgte Veranlagung eines Lehrers der Provinz Hannover zu den Kommunallasten in der entscheidenden Instanz wieder rückgängig zu machen. Die Einnahmen des Verbandes bestanden in diesem Jahre lediglich in der Summe von 1500 Mark, die der Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes nach § 15 der Satzungen dem Verbände alljährlich zumeist. Als Gegenleistung hat der Verband dafür die Subventionirung der Jahresversammlungen der einzelnen Vereine übernommen; für diese Zwecke ist in diesem Jahre an 14 Vereine (die Vereine Berlin und Hamburg kommen nicht in Betracht) die Summe von 1230 Mark verwendet worden. Für sämmtliche übrigen Ausgaben, verblieb somit nur der Rest von 270 Mark, der natürlich unzureichend war; die Art der Deckung des Defizits wird in der bevorstehenden Sitzung des Verbandsvorstandes zur Erörterung resp. Beschlußfassung gelangen. Das rühmlichst bekannte Wohlwollen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes allen Bestrebungen der Lehrer gegenüber hat auch der Verband bei jeder sich darbietenden Gelegenheit erfahren. Das Mitglied des Ausschusses des D. I. G.-B., Herr Syndikus Dr. Minden, dessen sich alle Theilnehmer, an der Delegirtenversammlung als geschickten und taktvollen Vorsitzenden dankbar erinnern, übernahm mit einem anderen Mitglieds, Herrn Rechtsanwalt Dr. H. Stern, bereitwilligst die Prüfung der Satzungen nach der juristischen Seite; gern spricht der Verbandsvorstand beiden Herren für ihre Mühewaltung herzlichen Dank aus. Der Ausschuß selbst überwies im Laufe des Jahres eine Anzahl Exemplare der Schriften der Herren Rabbiner Dr. Maybaum (Methodik des jüdischen Religionsunterrichts) und Dr. Goldschmidt (Urbild und Ebenbild) dem Berbandsvorstand zur Verkeilung an die einzelnen Vereine. Gestützt auf die Sympathie dieser hervorragendsten Vertretung' der deutschen Glaubensgemeinschaft, getragen von dem Wohlwollen der einzelnen Vereine wird der Berbandsvorstand, so lange er nach der ihm ertheilten Ermächtigung seines Amtes waltet, sich getreulich bemühen, auch fernerhin alle diejenigen Pflichten zu erfüllen, die ihm nach den Verbandssatzungen obliegen; möge seinem Bemühen Gottes Segen allezeit beschieden sein, möge das Ziel, das wir uns gesetzt haben, recht bald erreicht werden! Der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Dr. Adler - Berlin. Blumenfeld - Adelebsen. Dr. Blaschke - Berlin. Bernhardt - Tarnowitz. Goldschmidt-Köln. Gutkind-Kassel. Herbst-Lissa (Bezirk Posen). Levi-Neuß. Briefe aus England. Von Rev. Dr. Chotzner in Belfast. ie iroriischen Worte des Psalmisten: „Sie haben Augen und sehen nicht", welche er mit Hinsicht auf die Götzen des Alterthums äußerte, könnte man recht paffend auch auf die modernen gelehrten unb halbgelehrten Judenfeinde anwenden, die namentlich auf dem Kontinente durch Wort und Schrift von ihrer imliebsamen Existenz häufig plausible Beweise geben. Wohl haben diese Herren Augen, womit sie, wenn sie nur wollten, gewisse geschichtliche Fakta sehen könnten, woraus klar und deutlich hervorgeht, daß es zu allen Zeiten in der Geschichte der Menschheit Juden gegeben hat, die auf jedem Gebiete menschlicher Thätigkeit, menschlichen Sinnens und Fuhlens gar manches Schöne und Nutzreiche geschaffen haben, was für die Mit- und Nachwelt von einigem Vortheil war und ist. Leider fehlt ihnen aber der Mille, dies ein' zusehen und zu beherzigen, und — hine illae lacrimae, jene stillen, bitteren Thränen, welche ihr antisemitischer Haß während des letzten Dezenniums in verschiedenen jüdischen Gemeinden auf dem Kontinent direkt und indirekt verursacht hat. Hier in England sind wir — Gott sei Dank — diel besser daran, denn bei uns kommt es nicht selten vor, daß namhafte Autoren hier und da in ihren literarischen Erzeugnissen auf die verschiedenen Verdienste Hinweisen, welche Juden und Judenthum sich mehr oder weniger um die gesammte Menschheit erworben haben. Als Beispiel will ich hier, der Kürze wegen, blos einen einzigen Punkt erwähnen, der für die Leser dieser Blätter von einigem Interesse sein dürfte. Was auch unsere kontinentalen Widersacher gegen die Juden zu sagen haben mögen, so können sie keineswegs in Abrede stellen, daß das jüdische Volk es gewesen, welches der Welt das Buch der Bücher, die Bibel, gegeben und bis auf die Gegenwart herab rein und unverfälscht aufbewahrt hat. Nun sind in jüngster Zeit hier zu Lande verschiedene Schriften erschienen, worin deren Autoren nachzuweisen suchen, daß der Dichterkönig Shakespeare den Inhalt, den Stil, die Redewendungen