Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 - Jaffa 17 713 Einwohner,davon sind 2970Juden (1760 Aschkenasim. 12 LU Sephardim). CH ewron 14 295 Einwohner, davon sind 1429 Juden, (619 Aschkenasim, 810 Sephardim). Gaza 17 675 Einwohner, davon sind 75 Juden, die sich vor ungefähr elf Jahren hier niedergelassen haben. Bethlehem 6647 Einwohner, unter denen sich nur 20 Moslemin und 3 Juden, ein Arzt und zwei Handwerker, befinden; diese halten sich nur an den Werktagen dort auf und kehren für die Sabbathe und Festtage nach Jerusalem zurück. Rimla 9611 .Einwohner, davon sind 166 Juden. Lud 7669 Einwohner, davon sind 14 Juden. Es hatte sich hier vor vier Jahren eine kleine Gemeinde gebildet, die jedoch nach Kurzem wieder verfiel, die drei Familien in Lud gehören zu der Gemeinde in dem nahen Rimla. In Jericho wohnen ungefähr 80 moslemische und einige christliche Familien, vor drei Jahren haben sich dort sechs Juden, ohne ihre Familien niedergelassen. Acco 10 565 Einwohner, von denen 215 sephardische Juden sind. Chipa 78OO Einwohner, von denen 810 Juden sind (650 Sephardim und 160 Aschkenasim). Sidon 12 270 Einwohner, von denen 780 Juden sind. Liberias 6050 Einwohner, von denen 3200 Juden sind (1620 Sephardim, 1580 Aschkenasim). Safat 12 82O Einwohner, von denen 6620 Juden sind (2120 Sephardim, 4500 Aschkenasim). Nazareth 9500 Einwohner (3000 Moslemin und 6500 Christen). Auf Veranlassung des Vereins „L'maan Zijon" hatte sich vor drei Jahren ein jüdischer Schneider dort niedergelassen, dem andere Juden folgen sollten. Die Einwohner nahmen ihn freundlich auf, leider starb der Mann nach kurzer Zeit, und die geplante Gründung einer Gemeinde wurde aufgegeben. In Baschar wohnen 13 sephardische Juden, die zu der Gemeinde von Safat gehören, in Schis - Amar mit einer christlichen und islamitischen Bevölkerung von 2470 Einwohnern leben seit alten Zeiten 13 jüdische Familien, welche Handel und Ackerbau treiben, ebenso wie in dem ganz islamitischen Dorfe Pakain seit uralter Zeit 20 jüdische Ackerbauer wohnen. ' In Sichem-Nablus wohnen unter 21 HO islamitischen Einwohnern 120 Juden, 110 Samaritaner und 670 Christen. In den Städten jenseits des Jordans wohnen nur vorübergehend wenige Juden, meistens ohne ihre Familien; in den Kolonien ungefähr 2590 (in Rischon L'zion 380, Pethach Tikwa 648, Sichron Jaakob 570, Rosch Pina 315, Rchowoth 135. Die Zahl 50 000 (47107 nach obigen Angaben) für die in ganz Palästina wohnenden Inden dürste demnach noch nicht erreicht sein, und 70000 für Jerusalem allein anzunehmen, ist, wie gesagt, eine maßlose Uebertreibung. Das neue Hospital. Berlin, 8. Januar. iele Uebel bevölkern die Erde. Die allerschlimntsten davon sind Armuth und Krankheit. Wo sie beide znsammennisten, da giebt es wahrlich kein behagliches Nest. Aber diese „Unbehaglichkeit" gestattet bedeutende Gradunterschiede. Wir haben es mit einer leichteren Spielart zu thun, wenn Armuth und Krankheit nur zeitweilig Hand in Hand gehen und dann sich trennen. d. h. die Krankheit ihrer Wege geht. In diesem Falle kann noch alles gut werden, und immerhin ist die Armuth erträglicher geworden. Doch wie, wenn die Krankheit unheilbar ist, niemals eine Aussicht winkt, Hände und Kopf zit gebrauchen, um sich den Lebensunterhalt auch nur in dürftigstem; geschweige denn in auskömmlichem Maße zit verschaffen? Was soll aus so doppelt und dreifach imglücklicheu Menschen werden? Es ist dies einer jener Fälle, für die der Besitz die Pflicht zu helfen auferlegt, — eine Pflicht, die leider relativ selten erfüllt wird, und deren Erfüllung gerade deshalb so wahrhaft erhebenv wirkt. Ist es ja mit eine der wohlthätigsten Folgen der wahren Wohlthat, daß sie uns den wankenden Glauben an menschliche Güte Und Hingebung immer wieder befestigt. j Solch' eine wahre Wohlthat, aus der ^materielles Heil für die Enterbten des Glückes und moralische Verjüngung für alle Anderen sprießen, ist das kürzlich neu eingeweihte Hospital der jüdischen Gemeinde in der Qranienburgerstraße. — Die Menschen, die diese Wohlthat übten, Herr Moritz Manheimer und seine Gattin Bertha, haben die ihnen vom Besitze auferlegte Pflicht nicht blos redlich, sie haben sie in großem Stile erfüllt. Mit dem großen Stile soll nicht auch gleichzeitig die Architektur des Anstaltsbaues beurtheilt sein. Diese hat nicht den Zug des Großen, und es wäre verfehlt, wenn sie ihn Hütte. Meister Höniger hat das Richtige getroffen, indem er nur für eine stille, einfache Wirkung der Fassade sorgte. Gerade dadurch bildet das neue Hospital eine wirknngs- und stimmungsvolle Ergänzung zu dem anstoßenden prächtigen Synagogenpalast. Treten wir in das Haus ein, so erzählt uns eine im Flur angebrachte Gedenktafel ein Stück Geschichte des Hospitals, indem sieuns verkündet: „Zn ehrendem Andenken an die edlen Männer Kaufmann Bendix und Adolf Reichenheim, die ersten Begründer des Siechenhauses. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde." Im Jahre 1873 wurde nämlich von den in der Inschrift genannten Herren durch Schenkung von zusammen 180 OOO Mark das Siechenhaus in der August-Straße gegründet. Dieses zu erweitern und in dem neuen Prachtgebäude unterzubringen, dazu haben nun Moritz und Bertha Manheimer im Jahre 1893 die Summe von 320 OOO Mark gespendet. Bei solcher Opferwilligkeit mußte das Ergebniß ein so glänzendes sein, wie es eben ist. Die Wohlfahrtseinrichtungen des Hauses tragen nach außen den Charakter des Grandiosen an sich, nach innen bilden sie eine unerschöpfliche Quelle milder Bequemlichkeit für die Kranken. Es ist das Möglichste aufgeboten, um diesen Unglücklichsten der Unglücklichen ihre letzte Lebenszeit zu verschönern. Fünfzig Männer und Frauen sind es bisher, die diese irdische Ruhestatt bezogen haben, welche ihnen den traurigen Weg zur letzten Ruhestätte erleichtern und erhellen soll. Im Ganzen hat das Hospital für achtzig Insassen Platz. Drei Wärterinnen, ein Wärter und ein Oberwärter sind da, um die Kranken zu betreuen. Die den Patienten gebotene Nahrung entspricht den höchstgespannten Anforderungen. Jeder erhält Speise und Trank nach ärztlicher Verordnung. Schon der Raum, in dem die Speisen zubereitet werden, die im Erdgeschosse liegende Küche, ist eine Sehenswürdigkeit. Alles ist nach modernstem Zuschnitte. Dies zeigt z. B. auch die Einrichtung, daß die Speisen mittelst elektrischen Aufzuges aus der Küche in die höher gelegenen Stockwerke zu den Kranken befördert werden. Die Qualität der — nebenbei erwähnt, streng rituellen — Kost ist eine vorzügliche. Die Ehren-Damen, — von welchen wir beispielsweise Frau Bertha Manheimer sowie Frau Consul Friedemann, Frau Kommerzienrath Friedländer, Frau Sanitätsrath Mühsam, Frau Dr. Frankl, Frau N. Böhm, Frau Weiß nennen — lassen es sich auch nicht nehmen, um die Mittagsstunde die Anstalt zu inspizieren und dafür Sorge zu tragen, daß den armen Siechen nichts abgehe.