Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Herr Schönlank, betonte, daß die Thätigkeit des Herrn Rabbiner nicht minder der Gesammtgemeinde zugute gekommen sei, während der Vorsitzende des Repräsentanten-Kollegiums, Herr Kommerzienrath Herz, die Friedensliebe und das wohlwollende Wesen des Gefeierten hervorhob. Der Vorsitzende der Rohrschen Stiftungen sprach im Namen dieser wohlthätigen Institute, der Vorstand der Waisenknaben-Anstalt, dessen Vorsitzender der Jubilar seit 24 Jahren ist, dankte für die hingebende Leitung der Anstalt durch den Jubilar und bat denselben, auch fernerhin seine werthvolle Kraft der Anstalt zu widmen. Die Zöglinge der Anstalt hatten eine Deputation entsandt, ebenso die Mädchen aus der Ritsche-Flatauschen Mädchenwaisen-Anstalt, in deren Namen ein Mädchen mit volltönender Stimme ein passendes Gedicht vortrug. Wir erwähnen nur noch eine Abordnung des „Neuen Kranken- und Beerdigungs- Vereins", in dessen Namen Herr Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Hirschberg das Wort führte. Allen diesen Herren verstand der Gefeierte schlagfertig und mit origineller Wendung zu danken. Zahllos waren die Telegramme und brieflichen Glückwünsche, die aus allen Theilen Deutschlands, zum Theil auch aus dem Auslande, eintrafen, darunter besonders anerkennende Glückwünsche des Kolberger Kurhospital- Kuratoriums, dem Herr Dr. Bloch angehört, sowie verschiedener Litteraturvereine der Provinz. Von den Geschenken erwähnen wir eine künstlerisch ausgeführte Adresse ehemaliger Zöglinge der Knabenwaisen- Anstalt, die, sämmtlich unter Herrn Dr. Blochs Leitung erzogen, sich nun in angesehener Lebensstellung in Berlin befinden, sowie eine kleine handschriftliche Sammlung geistlicher Lieder, durch ihre schöne Form und Innigkeit zur Einführung in den modernen Gottesdienst wohlgeeignet. Bei dem am Abend stattfindenden Festessen, an dem die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde theilnahmen, herrschte eine ebenso vornehme wie animirte Stimmung. Von den verschiedenen geistvollen Ovationen und Toasten, welche dem Jubilar und seiner Familie dargebracht wurden, heben wir die Worte des als sympathischen und eindrucksvollen Redner bekannten Herrn Stadtrath Adolf Kantorowicz hervor. Derselbe wies im Anschluß an einen Artikel in der „Allg. Z. d. I." auf die wissenschaftliche Bedeutung des Jubilars hin, und auf die Worte des Vorredners, Herrn Sanitätsrath Dr. Pauly, eingehend, der sich für Einführung des Religionsunterrichts aussprach, befürwortete er den Wunsch des Jubilars, einen jüdisch-litterarischen Verein wieder erstehen zu lassen, rühmte die segensreiche Wirksamkeit des Gefeierten für die Stadt und brachte mit Beziehung hierauf dem Vorstand und der Repräsentanz der Gesammtgemeinde, welche dieses Wirken anerkannt, ein Hoch. Interessant waren die Reden des Jubilars, der unter anderem nachwies, daß das Judenthum in Preußen unter dem Szepter der Hohenzollern einen geistigen und wissenschaftlichen Aufschwung genommen wie in keinem anderen Lande. Möge es Herrn Rabbiner Dr. Bloch vergönnt sein, noch viele Jahre im Dienste seiner Gemeinde, im Dienste der Religion und der Wissenschaft zu wirken. l. Liegnitz, 4. Januar. In dem Bericht von hier in der letzten Nr. 52 d. Z. d. I. über den hochverehrten Herrn Stadrath Prager übergeht der Referent einen wichtigen Umstand, der für die Leser dieser Zeitung doch wohl auch von Interesse sein dürfte. Es ist für eine jüdische Zeitschrift wohl erwähnenswerth, daß Herr Stadtrath Prager außer den in dem Referat angegebenen Vorzügen auch die großen Verdienste, die er sich um die hiesige Synagogen-Gemeinde erworben hat, besitzt! Herr Prager war 22 Jahre Vorsitzender des Vorstandes der früheren jüdischen, dann der Synagogen-Gemeinde und hat als solcher ebenso segensreich gewirkt, wie als Stadtrath in der städtischen Verwaltung. Unter seiner umsichtigen, energischen und friedlichen Leitung gelangten die hiesigen Gemeinde-Institutionen zur' ruhigen, gedeihlichen Entwickelung. Als er im Jahre 1872 zum allgemeinen Bedauern sich veranlaßt sah, aus dem Vorstande zu scheiden, wurde zum Zeichen der großen Verehrung seine Photographie im Sitzungssaal der Repräsentanten angebracht. Dies zur Ergänzung des qu. Berichts. — Am 5. d. M. vollendete Herr Rentner Stahl sein achtzigstes Lebensjahr. Im Jahre 1857 wurde er, nachdem er bereits vier Jahre Gemeinderath war, so nannte man damals die jetzigen Repräsentanten, zum Vorsteher hiesiger Gemeinde gewählt und eingesührt, erst jetzt nach vierzig Jahren hat er sein Amt, das er wahrhaft segensreich und zur allgemeinen Zufriedenheit verwaltete, Alters wegen niedergelegt. 1872 wurde ihm der Vorsitz im Vorstande übertragen, den er aber 1679 wieder aufgab, jedoch im Vorstande blieb. Er hatte fünfzehn Jahre lang mit Herrn Stadtrath Prager im Vorstande zusammen gewirkt und daher genügend Gelegenheit, seinen Charakter und seine Verdienste zu würdigen. Möge beiden Männern noch eine lange Mußezeit nach reichlich vollbrachter Lebensarbeit beschieden sein. s. Düsseldorf, 1. Januar. Der amI2. Dezeinber hier verstorbene Bankier D. Fleck, alleiniger Inhaber der alten Firma Fleck und Scheuer, hat neben einer Stiftung von 500 000 Mark an die Stadt Düsseldorf für gemeinnützige Zwecke aller Art und ohne daß der Unterschied der Glaubensbekenntnisse in Betracht kommen darf, zur Unterstützung von Wittwen, Waisen und anderen Hilfsbedürftigen sowie zur Beihilfe an begabte Personen, welche sich der Wissenschaft, Technik oder Kunst widmen, ein Legal von 300 000 Mark der jüdischen Gemeinde mit der Bestimmung ausgesetzt, dieses Kapital zum Bau eines israelitischen Krankenhauses in Düsseldorf zu verwenden, und zwar im Stile des Asyles in Köln. Der Erblasser bestimmte ausdrücklich, daß in dieses Krankenhaus auch Andersgläubige ausgenommen werden sollen. Außerdem erhielten die Düsseldorfer jüdische Gemeinde zehntausend Mark, der Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden fünftausend Mark. Einen gleichen Betrag erhielt das erwähnte „Asyl" in Köln. Je 6000 Mark sind der jüdischen Gemeinde in Grevenbro (dem Geburtsort des Testators), dem evangelischen und katholischen Krankenhause zu Düsseldorf zugewiesen worden. K. M. Aus Rheinhessen, im Januar. Wie alljährlich am Jahresschluß, wurde auch dieses Jahr die Bertheilung der Pensionen an die Berechtigten des Vereins „Achawa" vorgenommen. Ohne den Mittheilungen, die durch den Jahresbericht genau gegeben werden, vorgreisen zu wollen, möchten wir doch kurz bemerken, daß über 14 000 M. zur Bertheilung kamen. Da es ungefähr 100 Theile sind, so wird auf ein Theil 140—144 M. entfallen. Aus dem Reservefonds wurden im Laufe des vergangenen Jahres 2500 M. verausgabt. Der Verein zählt jetzt 363 aktive und 935 Ehrenmitglieder. Bedenkt man, daß der jährliche Beitrag nur 6 M. beträgt, so sollte man es kaum für möglich halten, daß noch so viele Lehrer, die weder vom Staat noch von der Gemeinde Pension zu erhalten Aussicht haben, einem solchen Verein fern bleiben konnten. Wie vieles dienstunfähige Lehrer, Wittwen und Waisen diesem Verein zu verdanken haben, ist bekannt, und läßt sich diese Hilfe erst recht schätzen, wenn man die hilflose Lage betrachtet, in denen sich gar häufig die Pensionäre befinden. Und wie Vielen wurde durch Unterstützungen aus. dem Reservefonds es ermöglicht, ihre Gesundheit durch Badekuren rc. wieder herzustellen. Es wäre darum aber auch ebenso große Pflicht der Gemeinden und ihrer begüterten Mitglieder, dem Verein beizutreten, denn nur dadurch ist derselbe auch in Zukunft im Stande, den stets sich steigernden Ansprüchen gerecht zu werden, und die Gemeinden, die ihren Lehrern keine Pension gewähren können, würden mithelfen, diese vor Roth im Alter zu schützen. Rühmend anerkennen müssen wir bei dieser Gelegenheit die unermüdliche Thätigkeit der Frankfurter Herren Vorstandsmitglieder; sie ist um so erfreulicher und wohlthuender, als dieselben in ihrer großen Mehrzahl nicht dem Lehrerstand angehören. Sie besorgen nicht allein die Geschäfte des Vereins aufs pünktlichste und gewissenhafteste, sondern suchen auch stets den Vereinsfonds zu stärken durch Heranziehen von Ehrenmitgliedern, Zuwenden von Geschenken rc. (An letzteren gingen im Laufe des vergangenen Jahres 4300 M. ein.) Um aber noch den Beweis zu erbringen, mit welcher Achtung, Anerkennung und Werthschätzung sie dem Lehrerstande entgegen kommen, möge folgende Mittheilung dienen: Ein pensionirter Lehrer in Baiern, Mitglied der Achawa, beging kürzlich seinen 90. Geburtstag. Der Vorstand konnte es sich nicht versagen, dem verdienstvollen Manne einen äußerst herzlichen Glückwunsch nebst einer Ehrengabe von 100 M. zu übersenden. Die Freude des Greises hierüber läßt sich in Worten nicht wiedergeben. Wo mit solcher Liebe und Thätigkeit in einem Verein gearbeitet wird, da kann der Segen nicht fern bleiben. Um so größer ist darum aber auch die Pflicht Derjenigen, die bis jetzt dem Verein fern gestanden, heranzutreten und mitzuhelfen an dem schönen Werk der Liebe und Wohlthätigkeit. r. Cötherr i. 9U, 5. Januar. Am Freitag Abend fand hier die feierliche Einführung des neugewählten Kantors Herrn A. Hurwitz aus Sensburg bei vollbesetzter Synagoge statt. Hatte Herr Hurwitz schon die Zufriedenheit der Gemeindemitglieder bei seinem Probevortrag erhalten, so konnte der Vorstand am Freitag mit Genugthuung auf die