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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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r—fA^ . ' ^>7 /- ' - ' «tötofc li t;. ' gebcoffme Dahl blicken, denn/man waüeinstimnsjg der^Anficht/daß. Herr Hurwitz.bei seiner schönen,, sympathischen Tenorstimme, diewenn er!! dieselbewie dies sein Vorgänger gethan, auszubilden' sucht, sich erst zur vollen Höhe und größerer Vollkommenheit entfalten wird, der Gemeinde -vollen Ersatz für demnach Ratibor berufenen Kantor Goldberg bieten wird. ä Freiburg i. B , 3 Januar- Ein' schönes Fest vereinigte am 'Abend des 27. v. M. eine größere Anzahl Glaubensgenossen im Gasthofe „zum Lamm" dahier, um das lOsährige Bestehen des Handwerkervereins in geeigneter Weise zu begehen. Der Verein, der seine Thätig- - seit von Offenburg bis nach Konstanz erstreckthat schon eine beträchtliche Zahl junger Leute als Handwerker und Techniker ausbilden lassen und geht, dank der Opfersreudigkeit edelgesinnter Glaubensgenossen, einer gesicherten Zukunft entgegem Der derzeitige I. Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. D. Maper, warf in launiger Rede einen Rückblick auf das Entstehen des Vereins und auf seine segensreiche Thätigkeit, die er bis heute entfaltet hat. Hierauf überreichte er Namens des Vorstandes dem Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Herrn Universitätsprofessor Dr. H. Nosin, der sich große Verdienste um denselben erworben hat, das Diplom der Ehrenmitgliedschaft. Der nengewählte Prorektor der hiesigen Universität dankte in längerer Rede für die ihm zu Theil gewordene Ehrung und versicherte u. a.- daß er auch^ weiterhin wie bisher bereit sein werde, seine Kraft in den Dienst des Judenthums. zu stellen. Außerdem hob er die Verdienste des Herrn Vorstehers Dukas . um den Verein hervor. Dieser sprach über die Zukunft des Vereins und das projektirte Lehrlingsheim. Hauptlehr, r Heidingsfeld, der II. Vorsitzende des Vereins, dankte Namens der Anwesenden dem derzeitigen Rechner, Herrn Üniversitätsprofeffor Dr. S. Neckendorf, für seine mühevolle Thätigkeit. Einige junge Herren der Gesellschaft hatten den gesanglichen und musikalischen Theil der Unterhaltung übernommen, und 'es wechselten Lieder, die ihrem Verfasser, Herrn Dr. D. Maper, alle Ehre machten, mit Klavier- und Ouartettvorträgen. In gehobener Stimmung trennte man sich erst gegen Mitternacht. Orstrrrrich-Ungarn. Wien,4. Januar. Im niederösterreichischen Landtage kam. es gleich zu Beginn der Session zu widrigen Szenen. Abgeordneterl Schneider beschimpfte den Abgeordneten Dr. Benedikt,'worauf ihm! dieser eine Ohrfeige androhte. Darüber entspann sich eine heftige Debatte! im Landtage, bei welcher Fürst Auersperg einige wahrhaft bemerken^?! werthe Worte sagte: „Ich für meine Person," heißt es in der Rede des! Fürsten, „begreife es aber vollständig, wenn einem Manne, wie Doktor- Benedikt, die Sache zu viel wird, und wenn er sich zu einer solchen Aeußerung Hinreißen läßt. Man kann'Niemandem zuinuthen, beständig, wegen eines Glaubensbekenntnisses oder Standes angegriffen zu werden, - ohne daß man endlich zum Aeußersten kommt. Das Prinzip, daß wir uns hier von jeder Thätlichkeit und Gewaltthat freihalten müssen, weil , nur so der Parlamentarismus bestehen kann, zwingt mich, die Mißbilligung auszusprechen. Aber wer sich in der Lage befindet, beständig angegriffen und beleidigt zu werden, wie es heute einem gewissen Stande geschieht, und nicht die Geduld verliert, der erhebe den ersten Stein. — . .Die-.Nachricht, daß Baurath Stiaßnp an Stelle des resignirendeu .Mlwsessor Fürst bei den nächsten Reichslagswahlen in der Leopoldstadtkcmdidiren wolle, ist hiermit großer Befriedigung ausgenommen worden.; EndlicheinZeichen selbständiger Gesinnung und erwachenden Mannesmnthes.; — Brüdern Neujahrs-Avancement in der Armee wurden viele jüdische Militärs zu höheren Chargen befördert. — Der Kellner Eduard Huf! hatte sich während der jüngsten Landtagswahlen der autilibercrlen Partei! als Agitator verdingt. Am 6. November erschien er m der fünften Sektion des zweiten Wahlbezirkes und wollte auf Üfcfr Namen des Kleidermachers Vinzenz Ondra eine Stimme abgeben, würde aber von einem Mitglieds der Wahlkommission erkannt und zur Ausweisleistung verhalten. Der Stimmzettel lautete auf die Namen Dr. Lueger und! Lorenz Müller, und die weiteren Erhebungen ergaben, daß Herr Ondra auf Grund eines Duplikats der Wahllegitimation, die er verloren, sein Wahlrecht bereits ausgeübt hatte. Eduard Huf wurde pon einem Erkenntniß-Senate zu vierzehn Tagen strengen Arrests verurtheilt. — Dr. Ä. Neumann, der verdienstvolle Präsident des Vereins für Förderung des Ackerbaues und Handwerkes unter den Israeliten Ungarns, wurde von der Stadt Bereizk zum Ehrenbürger gewählt. 3> Jerusalem - im Dezember. Am II'. v. Mts. besuchte eine Kommission des Stadlraths in Begleitung des städtischen Baumeisters den Sp i talbau, um durch persönliche Inspektion festzustellen; daß beim Bau die ar'ondirte Grenze des Bau -Areals eingehalten wurde.:■ Die Kommission war sichtlich erstaunt über die Solidität des Baues und über seincn bisherigen rüstigen Fortgang. An der Fertigstellung der Um-' faffungsmauer wird eifrig gearbeitet, die Cisternen sind bereits fertiggestellt. Der Regen, welcher sie füllen sollte, wurde lange vergeblich erwartet- und mußte man eine Zeit, lang das zum Bauen noth wendige' Wasser für vieles Geld kaufen. Glücklicherweise hat inzwischen die.Bitte um Pegen ihre Erhorung gefunden, so daß nun das in den Eisternen sich ansammelnde Wasser für den Weiterbau benutzt werden kann. Non Nah und Fern. . — Dr. Paul Ehrlich, außerordentlicher Professor an der.Universität Berlin' und Direktor der staatlichen Kontrolstation für Diphtherie- , Heilserum zu Steglitz, ist zum Geheimen Medizinalrath ernannt worden. Er hat-sich um die genauere Kenntniß des Blutes und um den Ausbau und die Festigung der Jmmunitätslehre und der Serumtherapie verdient gemacht? — Der Oberlehrer Dr.' A. Mannheimer an der-israelitischen Realschule in Frankfurt a. M. hat den Professortitelverhalten. — Das antisemitische „Deutsche Wochenblatt" in N ord Hausen ist mit Nr 39 des I. Jahrgangs selig entschlafen. — Ein jüdischer Viehhändler, Namens Davidsohn, begegnete dem antisemitischen Redakteur Reuth er in Karlsruhe auf der Straße und griff, gereizt durch den Anblick des bekannten Wühlers, ihn thätlich an. Hierfür wurde Davidsohn vom Schöffengericht in Karlsruhe unter Zubilligung mildernder Umstände zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt Dem Gerichtshof' erschienen „mildernde Umstände" gegenüber der fortgesetzten antisemitischen Hetzerei des Herrn Reut her am Platz. — Frau Elise Fischer in Arad hat ihr ganzes Vermögen im Betrage von einer Million Gulden der jüdischen Gemeinde zur Gründung eines Mädchen-Waisenhauses letztwillig hinterlassen. Die Zöglinge bleiben bis zu ihrer Verheiratung im Waisenhause, wo. sie eine strengreligiöse Erziehung erhalten müssen. Jedem Mädchen wird eine Mitgift von 1000 fl. ffichergestellt. — Der Kaiser von Rußland hat dem Vorstand der laryngologischen Klinik an der Wiener Universität, Professor Dr. Karl Störk, das Kommandenrkreuz des Stanislaus-Ordens verliehen. — Frau Baronin Hirsch sandte, wie aus Paris telegraphirt wird, zwei Millionen Francs an das Institut Pasteur als Neujahrsgabe. Den WohtthLtigkeitsanstalten in Konstantinopel spendete sie l00 000 Francs und der Vorsteherin des jüdischen Altersheims in Neuilly 60 000 Francs. — Zum Offizier der Ehrenlegion wurde der Stabsarzt 1. Kl. Dr. A. Strauß in Paris ernannt. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden die Artilleriehauptleute 1. Kl. Alfred Latz und Rene Elias Kahn, sowie der Hauptmann im Geniekorps Charles Henri Schweitzer und SalomoN Re in ach, der Assistent am Museum von St. Germain, ernannt. — Der König von Italien hat dem Rabbiner Dr. Margulies in Florenz den Mauritiusorden verliehen. Der Sultan hat dem Vorsteher der sephardischen Gemeinde in Galata, Moise Paisch, den Medschidje- Orden in Anerkennung seiner Verdienste um diese Gemeinde verliehen. — In Biserta in Tunis wurde am Montag der Rabbiner . Israel Ayman, von einer zahlreichen Menge unter Absingung der heitersten Weisen, die man ausfinden konnte, zu Grabe getragen. So hatte er es in - seinem Testament den Erben zur Pflicht gemacht. Er war 100 Jahre alt . geworden und seit 80 Jahren ohne Unterbrechung im Amt. — In New - Jork starb im Alter von 47 Jahren der Senator Joseph C. Wolfs. Er machte den Shenandoah-Feldzug mit. Nachdem der Krieg zu Ende wür, studirte er Jus und wurde 1874 Advokat. 1892 wurde er mit großer Majorität gegen den Republikaner Jacob Nasstnger in die gesetzgebende Versammlung, 1893 zum Senator gewählt. Er war ein. thätiges Mitglied aller bedeutenden Vereine und interessirte sich besonders für-das Schulwesen.. - Der Verstorbene war ein Mann von ausgezeichneten Eigenschaften, liebenswürdigem Wesen und von dem Drange, erfüllt, Jedem, der der Hilfe bedurfte, zu helfen. .! . Druck und Verlag von Ruvvlf Mosse in Berlin. ' " Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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