Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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anlassung des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur sollen in diesem Winter Fortbildungskurse für der Schule entwachsene junge Leute eingeführt werden. Dieselben finden wöchentlich in drei Stunden, und zwar am Montag, Mittwoch und Sonnabend von 872 bis 9*/a Uhr Abends, in dem Klassenzimmer der Religionsschule der jüdischen Gemeinde, Lindenstraße 48—50, statt. Die Lehrgegenstände sind folgende: Jüdische Geschichte und Litteratur, Einführung in die leitenden Ideen des Judenthums, hebräische Sprache und Bibellektüre. Der Unterricht, der unentgeltlich ist, wird von den Herren: Dr. Baneth, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, Dr. Wohlgemuth- Dozent am Rabbinerseminar, und Dr. Fiegel, städtischer Lehrer, ertheilt. Die Eröffnung der Lehrkurse erfolgt am nächsten Montag, den 11. Januar, Abends 8 Uhr. Anmeldungen nimmt entgegen Herr Dr. Baneth, Wallnertheaterstraße 21. — In Köln fand am 28. v. M. die Generalversammlung statt. Den Jahresbericht erstattete der Schriftführer Redakteur Hermann Moses. Es wurden im vergangenen Jahre im Vereine 19 Vorträge gehalten, darunter 4 öffentliche. Die Vortragsabende, sowohl die öffentlichen im großen Saale der Lesegesellschaft, als auch die Wochen-Versammlungen im Krystall-Palast, waren durchweg gut besucht. Der Besuch der Vereins-Bibliothek, die sich jetzt in einem Zimmer des Vereinslokals befindet, hat sich gehoben. Der Verein tritt jetzt in das sechste Jahr seines Bestehens. Dem Berichte schloß sich die Nechnungsablage des Kasfirers, Herrn Bruno Heidenheim, an, dem auf Antrag der Rechnungs-Revisoren Entlastung ertheilt wurde. Der Entwurf des Budgets für 1897 fand nach dem Voranschlag des Vorstandes mit 2400 Mark die Genehmigung der Versammlung. Die Wahl des Vorstandes für 1897 hatte folgendes Ergebniß:. Gewählt wurden die Herren Rabbiner Dr. Frank, Oberlehrer Herrmanns, Bruno Heidenheim, S. Wolfssohn, Hermann Moses, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer und Noa Kaufmann. — In Frankfurt a. M. sprach Rechtsanwalt Em. Frankel aus München über Klassizismus und Bibel, die Elemente moderner Bildung, in Bochum Rabbiner Dr. Samuel aus Essen über moderne Bestrebungen innerhalb der deutschen Judenheit, in Ratibor Landrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin über den Missionsgedanken im Judenthum, in Tr o pp au Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor über das Weib nach Bibel und Talmud, in Wongrowitz Lehrer Flanter aus Berlin über das Erziehungswesen in der biblischen Zeit, in Tilsit Rabbiner Dr. Ehrlich über den Thierschuy im Judenthum, in Memel Rabbiner Dr. Rülf über Zweck und Aufgaben des Litteraturvereins, Lehrer Arndt über die Makkabäer, L. Scheinhaus über die Renaissance der neuhebräischen Sprache und Poesie. <yg> Berlin, 3. Januar. Heute fand in dem dicht gefüllten Gotteshause der Reform gemeinde eine sehr würdige Trauerfeier für den verstorbenen W. Hagelberg, der stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes dieser Gemeinde gewesen, statt. Nach den üblichen Gesängen hielt Herr Dr. Klemperer die Gedenkrede, in der er auf das vortreffliche Beispiel hinwies, das der Verstorbene in seinem Leben und Schaffen gegeben, das alle Eltern veranlassen müsse, bei der Erziehung ihrer Kinder schon von Jugend auf die Selbständigkeit des Charakters vor allem im Auge zu behalten. — Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes der Neformgemeinde wurde einstimmig Herr Rudolf Masse gewählt. Berlin, 4. Januar. Heute vor hundert Jahren, am 4. Januar 1797, wurde hier in Berlin der Astronom Wilhelm Beer, ein Sohn von Herz und Amalie Beer, ein jüngerer Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer und älterer Bruder des Dichters des „Struensee" Michael Beer, geboren. Wilhelm Beer war Inhaber eines seinerzeit hochgeachteten Bankhauses, und seine glänzende Vermögenslage gestattete ihm, seiner Lieblingswissenschaft, der Astronomie, sich mit voller Hingabe zu widmen. Er besaß eine eigene Sternwarte und ein mit allen Erfindungen und Entdeckungen damaliger Zeit ausgerüstetes astrophyfikalisches Institut. Auf Grund seiner besonders eingehenden Untersuchungen des Mondes gab er mit dem berühmten Astronomen Johann Heinrich von Mädler im Jahre 1834 eine Mondkarte heraus und schrieb drei Jahre später einen Kommentar dazu. Wilhelm Beer starb am 27. März 1850 Hierselbst. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee. n. Berlin, 5. Januar. Die seit längerer Zeit von den beiderseitigen Vorständen geplante und vorbereitete Vereinigung der Synagogengemeinden Schochare hatob und B'nebrith wurde am 27. vor. Mts. in feierlichster Weise vollzogen. Die Gemtzinde Schochare hatob versammelte in dem bisher von ihr benutzten Bersaal ihre Mitglieder und Freunde, welche, den Raum bis auf den letzten Platz füllend, in andächtiger Weise hier das Mincha beteten. Bor dem Olenu- Gebet hielt Herr Rabbiner Dr. Baneth eine alle Hörer aufs Tiefste erbauende Predigt. Hierauf wurden die Thorarollen in feierlichem Aufzuge zum letzten Male an alter Stätte von den Vorstehern der Gemeinde Schochare hatob herum getragen, und dann erfolgte die Uebersiedelung nach dem neuen Heim, der nunmehr gemeinsamen Synagoge (Grüner Weg 19) der vereinigten Gemeinden SchocharehatobundB'nebrith. Auch hier wurde in erhebender Weise der Einzug durch Predigt und Gebet gefeiert, wobei wir nicht verfehlen wollen, neben der ergreifenden Rede des Herrn Dr. Baneth auch die schönen Gesangsvorträge des Herrn Kantors Masur zu erwähnen. Mögen die Hoffnungen, welche sich an die Vereinigung beider Gemeinden knüpfen, in Erfüllung gehen. Berlin, 5. Januar. Der Militär- und Sanitäts- Verein „Deutsches Vaterland" feierte am 2. Januar in Kellers Festsälen sein, zweites Stiftungsfest. Dasselbe wurde mit dem Bundeslied von Mozart eingeleitet; alsdann sprach Frl. Hedwig Kroner einen Prolog, welcher durch seine schlichten Worte und durch den guten Vortrag allgemein sympathisch berührte. Herr Rechtsanwalt Davidsohn, Vorsitzender des Vereins, hielt die Festrede. In kurzen Umrissen gab er einen Bericht, und in kernigen, echt militärischen Worten brachte derselbe ein Hoch auf den Kaiser aus, welches begeisterten Widerhall fand; hierauf wurde von allen Anwesenden die Nationalhymne gesungen. In der Kaffeepause begrüßte Kamerad Kroner die Damen und Gäste, dankte in zu Herzen gehenden Worte für ihr Interesse und bat, dieses auch ferner bewahren zu wollen. Frl. Rosa Albu erfreute die Versammlung durch einen Gesangsvortrag und Frl. Hedwig Michaelsohn durch einen deklamatorischen Vortrag. Außerdem fanden noch Vorträge vom Kameraden Kunzmann und Frl. Hedwig Kroner statt, die rauschenden Beifall fanden. Kamerad Dr. Freund toaste noch auf die Damen; hierauf wurde ein Tafellied gesungen, dessen Inhalt zündend wirkte. Sodann führte Kamerad Kroner die Anwesenden in humoristischen Gedanken den Rhein entlang. Bei dieser Gelegenheit wurde den Theilnehmern, nachdem der erste Vers der Loreley gesungen, die Loreley in 3 Bildern vorgeführt, als Schlußbild waren die Büsten der drei Kaiser sichtbar; sämmtliche Anwesenden stimmten nun das „Heil Dir im Siegerkranz" an. Die Festversammlung blieb bis gegen Tagesanbruch in heiterster Stimmung beisammen. W. Posen, 27. Dezember. Vergangenen Sonnabend feierte die hiesige israelitische Bruder-Gemeinde das 25jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Herrn Dr. Philipp Bloch. Schon am Freitag Nachmittag erschien eine Deputation des Vorstandes unter Führung des Herrn Kommerzienrath Milch in der Wohnung des Jubilars und überreichte demselben unter Worten hoher Anerkennung als Ausdruck der dankbaren Liebe seiner Gemeinde eine Ehrengabe. Mit tiefer Rührung sprach der Jubilar seinen Dank aus und bestimmte die ihm dargereichte Ehrenspende zur Stiftung eines Freiplatzes in der Rohrschen Siechen- Anstalt. Die Deputation geleitete alsdann den Herrn Rabbiner zur Synagoge, die in vollem Blumenschmuck prangte. Am Abend erschienen Schüler und Schülerinnen der Religionsschule, von ihren Lehrern geführt, bei dem Jubilar, gaben ihren Glückwünschen in Gedichten und Ansprachen herzlichen Ausdruck, gleichfalls sinnige Gaben, unter anderem einen Chanukaleuchter, darbringend. Am Morgen des 19. Dezember holte eine Vorstandsdeputation Herrn Dr. Bloch abermals aus seiner Wohnung ab und führte ihn in die Synagoge, welche bis zum letzten Platz gefüllt war. An der Thür der Synagoge erwartete der Tempelvorstand den Jubilar, begleitete ihn feierlich zu seinem Sitz, während sich die ganze Gemeinde erhob. Nach der Verlesung aus der heiligen Schrift fand die Festfeier statt, bei welcher der 23. Psalm, eigens vom Organisten Herrn Barthel zu diesem Zwecke komponirt, vom Synagogenchor vorzetragen wurde. Alsdann bestieg Herr Dr. Bloch die festlich geschmückte Kanzel und sprach im Anschluß an Gen. 48, 16 über das Band, das den Rabbiner mit der Gemeinde, die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Nach dem Gottesdienst brachte zuerst der Gesammtvecftand der Brüder - Gemeinde seinen Glückwunsch dar. Hernach gratulirte der Vorstand der Synagogengemeindewobei der Vorsitzende,