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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61V 3«lfrgaiifl. Mr.fc ^XX ^^ß«lm, 8. Januar 1897. /Weilage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. Drutschland» 22 Berlin, 3. Januar. Die heutige erste Sitzung der Repräsentanten-Versammlung verlief recht friedlich. Hoffentlich ist dies von guter Vorbedeutung für die kommenden Sitzungen. Der erste Punkt der Tagesordnung, betraf die Neuwahl des Bureaus. Es wurden gewählt: zum Vorsitzenden: Herr Hermann Landsberger; zum ersten Stellvertreter: Justizrath Tiktin mit 14 von 16 abgegebenen Stimmen; zum zweiten Stellvertreter: Herr G. Löwenberg, mit 12 von 16 Stimmen, 4 Stimmen hatten sich zersplittert; zum ersten Schriftführer: Geheimrath Marcuse, mit 12 von 16 Stimmen; zum zweiten Schriftführer: Herr S. Leichtentritt, auf den sich alle 16 Stimmen vereinigten. Die Wahl wurde von allen Kandidaten angenommen. Der Vorsitzende gab hierauf der Versammlung Kenntniß von dem am 15. Dezember erfolgten Eingang eines Protestes. Letzterer, von den Herren M. A. Klausner und Julius Löwenstein unterzeichnet, richte sich gegen die in der letzten Sitzung vorgenommene Ergänzungswahl zum Vorstände, und zwar deshalb, weil sie eine geheime gewesen sei, in Widerspruch mit § 37 der Satzungen, der die Oeffentlichkeit nur bei Angelegenheiten ausschließt, deren Geheimhaltung im Interesse der Gemeinde liegt. Herr Justizrath Meyer theilt der Versammlung noch mit, daß derselbe Protest an das Polizeipräsidium gesandt worden sei. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die Zuwendung des Herrn Otto Adam an das Hospital im Betrage von 6000 Mark zum Zwecke einer Bettstiftung, an welche die Bedingung geknüpft wird, daß über dem Bette stehe: Otto und Jda Adam. Die Zuwendung wird angenommen. Die Satzungen der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten betreffend, wurde der Antrag des Referenten, diesen Punkt zu vertagen, angenommen. Punkt 4 war die Vorlage betreffend Bewilligung von Benefizien aus der Felix Blumenthal'schen Nachlaßmasse. Der Vorsitzende theilt mit, daß zwei Mädchen aus der Verwandtschaft des Erblassers sich um Unterstützung aus der Nachlaßmasse beworben haben. Der Vorstand habe beschlossen, ihnen bis zur Mündigkeit eine jährliche Unterstützung zu geben und nach erlangter Großjährigkeit je 3000 Mark zu zahlen. Herr Justizrath Meyer bemerkt noch, daß der Vormund dieser Unterstützung bedürfe, um die Erziehung zu Ende zu führen. Der Nachlaß betrage 3—400 000 Mark, und es lag im Interesse der Gemeinde, diese Unterstützung zu bewilligen. Herr Martin Simon fügt noch hinzu, daß der Nachlaß sich auf 380 000 Mark beziffere. Davon sind 200 000 Mark der Gemeinde zugeflossen, darunter 30 000 Mark für die Armenkommission, 20 000 Mark für die Altersversorgungsanstalt, 100 —110 000 Mark werden der Gemeinde ohne nähere Bestimmung verbleiben. Die Verwandtschaft der beiden Mädchen mit dem Erblasser ist eine sehr weitläufige, etwa im 3. bis 4. Grade. Doch halte er es gleichwohl für sehr berechtigt, daß man ihnen aus dem reichen Nachlaß eine Zuwendung mache. Es sei auch eine alte Frau von 75 Jahren als Verwandte aufgetaucht, der man auch wohl einen kleinen jährlichen Zuschuß geben müsse. Der Antrag des Vorstandes gelangt mit erheblicher Majorität zur Annahme. Hierauf kam nochmals die Vorlage betreffend die Verrechnung der Zinsen einer auf dem Grundstück Lützowstraße 16 hastenden Hypothek aufs Tapet. Nach kurzem Bericht des Referenten Herrn Martin Simon wurde beschlossen, Herrn Oppenheim einen Monat Zinsen zu vergüten. Die Vorlage betreffend Nachbewilligung von Kosten für Reparaturen des Daches der neuen Synagoge wurde ebenfalls angenommen. Die Herren Repräsentanten befanden sich eben in der Gebelaune. Dies zeigte sich erfreulicherweise auch bei der. Vorlage betreffend Bewilligung eines einmaligen Beitrages zum Bau eines Kurhvspitals zu Franzensbad und Erhöhung, des bisherigen Beitrages. Es handelte sich um Erhöhung des jährlichen Beitrages von 150 Mark auf .200 Mark an die Verwaltung des israelitischen Kurhospitals und. um eine einmalige Unterstützung von 3V0 Mark. Der Vorstand in Franzensbad hat die Mittheilung gemacht, daß er d:e schwierige Aufgabe gelöst habe, in Franzensbad ein Gotteshaus zu errichten, daß sie es aber nicht aus eigenen Mitteln erhalten könnten. Sie haben ferner ein Hospital mit 25 Betten errichtet und dafür große Summen aufgewendet. Das Defizit beträgt etwa 12 000 Gulden. Es wird noch betont, daß ganz speziell Berlin in diesem Kurhospital zu allen Zeiten berücksichtigt worden sei. Die Vorlage wurde bewilligt. Zum guten Ende wurde auch noch ein Beitrag für die freiwillige Feuerwehr in Weißensee bewilligt. 22 Berlin, 6. Januar. Auf eine Einladung, welche von dem Herrn Rabbiner Dr. S. Maybaum ausgegangen war, tagte am 28. und 29. Dezember v. I. eine Rabbiner-Versammlung, welche aus fast allen Gauen des deutschen Vaterlandes beschickt war. Die Vertreter aller Richtungen und Schattirungen, denen der eine Boden wahrhafter Begeisterung für unsere heilige Religion gemeinsam ist, hatten sich zu-- sammengefun'oen, um unter Wahrung ihrer individuellen Ueberzeugung die Grenzen des allen gemeinsamen Arbeitsgebietes zu umschreiben. Die Berathungen hatten das erfreuliche Resultat, daß der seit 1884 bestehende Rabbinerverband in seiner nunmehrigen Reorganisation voraussichtlich alle Rabbiner Deutschlands zu seinen Mitgliedern zählen wird. Die beste Garantie für das Prosperiren des erweiterten Rabbinerverbandes liegt schon darin, daß fürderhin auch die Diskussion religiöser Fragen gestattet ist. Um diesen Erfolg herbeizuführen, bedurfte es selbstverständlich reiflicher Erwägungen und eingehender.Debatten, die im Mittelpunkte der Berathung standen und derselben das Gepräge gaben. Die Berathung selbst fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, und es ist auch hier nicht der Ort, einzelne Momente aus der Debatte besonders herauszugreifen; nur eines mag erwähnt werden, daß ein Paragraph einstimmig Annahme fand, welcher auch in' Zukunft diejenigen religiösen Fragen von der Debatte ausschließt, die durch die religionsgesetzlichen Bestimmungen maßgebender- Autoritäten bereits entschieden sind. Im Uebrigen fand das von Dr. Maybaum vorgelegte Statut fast in allen Punkten einstimmige Annahme, und Berlin wurde wie bisher zum Sitze des Verbandes bestimmt. Der Verband wird von einem Central-Ausschusse geleitet werden, der die Ausführung seiner Beschlüsse einem aus seiner Mitte gewählten aus fünf Mitgliedern bestehenden Vorstand überträgt. Generalversammlungen sollen in der Regel alle drei Jahre stattfinden. In ehrenvoller Weise wurde des bisherigen Leiters des Verbandes, des Herrn Rabbiners Dr. Ungerleider, gedacht; ebenso wurde beschlossen, der Wittwe des seligen Kollegen Herrn Dr. Bamberger-Königsberg in Hinblick auf seine unermüdliche Hingebung für die Verbands-Interessen von der Reorganisirung des Rabbinerverbandes offiziell Mittheilung zu machen. Es zog wie ein Hauch von Frühlingsahnung und jugendlicher Begeisterung durch die Versammlung; mögen die Früchte ihrer Thätigkeit der Verherrlichung unserer Religion, dem Wohle unserer Gemeinden, der Hebung unseres Standes zu dienen geeignet sein. 22 Berlin, 1. Januar. Ter Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt am 29. v. M. die ordentliche Generalversammlung ab. Vorher ging ein sehr interessanter und mit lebhaftem Beifall aufgenommener Vortrag des Herrn Lehrers A. Levy, den wir wohl in extenso werden zum Abdruck bringen können. Nach kurzer Diskussion erstattete der Vorsitzende den üblichen Bericht über das Vereinsjahrin welchem 14 Vorträge gehalten wurden. Sodann folgte der Bericht der Revisionskommission durch Herrn Justizrath Basch und schließlich der Bericht des Agitationskomitees durch Herrn Benas Levy. Hierauf wurden die Statuten nach den Vorschlägen des Vorstandes und einer ad hoc eingesetzten Kommission in einzelnen Punkten revidirt. Bei der folgenden Wahl wurde der bisherige Vorstand durch Akklamation wiedergewählt. Der Verein zählt jetzt über 500 Mitglieder. Auf Ver-

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