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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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Ich suchte ihn, < ' Ich fand ihn nicht. Ich traf die WDz^ Mlf ihrem Rundgang: . Habt ihr ihn gesehen. ä>en mein Herz liebt? Kaum war ich vorüber. So fand ich Uhn, den mein Herz liebt. Ich faßte-Mn, Ich mW ihn nicht mehr fahren lassen. Ehe ich ihn gebracht habe In meiner Mutter Haus, . In ihre Schlafkammer, wo sie mir das Leben gab. wirb au§ Siebe ofstun&ckjtig.)- JchMWlpöre euch,, ihr- Töchter Jerusalems,. . Bei des Feldes Gazellen und Hindinnen, - Wecket nicht meine Geliebte, Weckt MhM auf, ehe es ihr gefällt. Die letzte StrMx ist augenscheinlich von der Männerstimme recitirt und an deriWrauenchor gerichtet. Nunfolgt ohne Uebergang die Prachtvolle' Schilderung eines Brautzuges, der Einzug einer jungen Braut in Jerusalem in König .Salomos Sänfte: ■ vf;. ■"/’ Wer ist sie, die aus der Steppe kommt, . Wie eine Rauchfäule, Die nach Myrrhen und Weihrauch duftet, Nach aller Kaufleute wohlriechenden Salben? Seht, es ist Salomos Sänfte, Sechzig Krieger umgeben sie. Darunter Israels Helden, Alle mit Schwertern bewaffnet, Im Kriege geübt. Jeder trägt ein Schwert an der Lende, Zum Schutz gegen nächtlichen Ueberfalls Schrecken! König Salomo ließ sich machen. Ein Bett vom Baume des Libanon, Seine Säulen sind von Silber, Sein Rücken ist von Gold, Der Sitz ist von Purpur, . Das Innere ist liebreich geschmückt Von den Töchtern Jerusalems. Kommt und seht, ihr Töchter von Zion, Seht König Salomo, Mit der Krone, womit seine Mutter ihn krönte Bei seiner Hochzeit und am Freudentage seines Herzens! Dieser Theil, den man sich vom Chor gesprochen denken muß, steht im Tone in gewissem Widerspruche zu den früheren. Aber er gehört zu denen, diedurch die Erwähnung des Namens Salomo stark darauf hindeuten, daß ein Zusammenhang zwischen den Theilen bestanden hat. deren Art wir jetzt schwer zu bestimmen vermögen. Bei der Aufführung hat hier wahrscheinlich die Brautkrone figurirt. Der Abschnitt, der nun folgt, gehört zu den schönsten der Dichtung. Er klingt wie Nachtigallengesang. Er istreich au naiven undkühnen Gleichnissen, die, wie die-homerischen, weit über die Gleichheitspnnkte ausgeführt sind: Wie bist du lieblich, meine Freundin, Wie bist du schön! Deine Augen sind wie Taubenaugen; Hinter deinem Schleier Dein Haar, eine Heerde schwarzer Ziegen, Die sich am Berge Gilead gelagert. Deine Zähne eine Heerde . Geschorner Schafe, die dem Bade entstiegen. Alle sind sie Zwillinge. Keinem fehlt die Schwester. Deine Lippen, eine Scharlachschnur, . I Dein Mund, so reizend, Deine Wange, ein Granatapfelschnitt Hinter deinem Schleier. Dein Hals, wie ein Thurm, Bon David gebaut für seine Waffen, Tausend Schilde hängen darauf, Aller Helden Wehr. Deine Brüste zwei Zicklein, Zwillingskinder der Gazelle, > Die zwischen Lilien weiden. Wenn der Tag sich abkühlt Und die Schalten lang werden. Dann will ich zu meinem Myrrhenberg gehen, Zu Wohlgeruchshöhe. Tu bist so schön, meine Freundin, An deinem Körper ist kein Fleck. Eigentlich werden die Zähne mit'schneeweißen Schafen verglichen, die alle Zwillinge tragen, und wovon keines unsriichtbar ist. Der Sinn ist, daß sie im Ober- und Unterkiefer gleich und vollzählig sind. Daß die Wange unter dem Schleier mit einem angeschnittenen Granatapfel verglichen wird, ist durch die eigenthümliche Beschaffenheit des Schleiers erklärlich. Er bestand aus zwei Stücken;-das eine verbarg den unteren Theil des Gesichtes und fiel auf die Brust herab, das andere bedeckte die Stirn und fiel auf den Hinterkops zurück. So blieben nur die Augen und der obere Theil der Wangen sichtbar, und der konnte in jugendlicher Rothwangigkeit dem Schnitte eines Granatapfels gleichen. Daß der Myrrhenberg und der Weihrauchhügel Ausdrücke für die Geliebte sind, braucht kaum erwähnt | zu werden. Eine etwas dunkel beginnende Einleitung: „Komm zu mir vom Libanon, meine Braut, komm zu mir vom Libanon", enthält nur eine Bitte an sie, von den Bergen aus nach ihm zu sehen, wo die Löwen wohnen und die Panther Höhlen haben, und scheint die Qual der Entbehrung während der Trennung ausdrücken zu sotten. Es werden die sentimentalsten Saiten angeschlagen. Und nun beginnt er seine Freude an ihr in Form einer doppelten Vergleichung auszndrücken. Sie wird bald mit einem Garten verglichen — des Wohlgeruchs halber, der ihr entströmt -- bald mit einer Quelle'oder einem verschlossenen Brunnen, was in dem ' trockenen und heißen Palästina das Kostbarste war, die beste Zier eines Gartens. Immer wieder werden in dem alten Testamente (Kohelet, der Prediger Salomo) die jungen Weiber mit der Zisterne verglichen. Der Besitzer verschloß sie zuweilen, wenn die Nachbarn sie benutzen wollten. Die Geliebte ist der verschlossene Brunnen, weil sie alle Anderen ' abweist: Meine Schwester, meine Braut Ist ein verschlossener Garten, Eine verschlossene Quelle, Ein versiegelter Springbrunn. Ein Garten mit Granatäpfeln, Mit auserwählten Früchten, Mo zusammen sprossen Jasmin und Narde, Narde und Safran, - Zimnrt und Kalmus Und alle Büsche, Äie Wohlgeruch geben, Myrrhen und Aloe, s . Alle die besten " •.^ Wohlgeruchskränter, -■

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