Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Pesikta sutarta oder Lekacli tob, nach drei Manuskripten mit vielen Anmerkungen und einer großen Einleitung. 5. Ueberreste vom Midrasch-Abkir. 6. Midrasch Tanchuma, nach neun Manuskripten mit Anmerkungen und einer großen Einleitung. 7. Ueberreste von einem Midrasch Lieh ha-deharim suta. ' 8. Schaare Äon, verfaßt von Jsak Lates, nebst Anmerkungen! 9. Der vollständige Schihole ha Leket, nach zwei Manuskripten nebst Einleitung. 10. Sifre d’Agadeta über das Estherbuch; enthält mehrere alte Midraschim nebst Anmerkungen und einer Einleitung. 11. Pescher Dabor, Auslegung von 90 einzelnen Wörtern der Bibel durch Vergleich mit ähnlichen Wörtern im Talmud, von Saadja Gaon, nebst Anmerkungen. 12. Agur über den Aruch, von Samuel Natan, nebst Anmerkungen. 13. Meen Ganim über das Buch Hiob, von Samuei ben Nissim, nebst Anmerkungen. 14. Midrasch Tehillim, nach acht verschiedenen Manuskripten nebst Anmerkungen und einer umfangreichen Einleitung.' 15. Ein Kommentar auf Midrasch Lehiiiim von Jedaja Pninü nebst einer Einleitung. 16. Midrasch Scliemuel nebst Anmerkungen. 17. Midrasoh Mischte nebst Anmerkungen. .18. Midrasch Hagada, über den Pentateuch nebst Anmerkungen. 19. Ansclie Schern, enthält Biographien sämmtlicher Rabbiner Lembergs von der frühesten Zeit bis heute und Inschriften von Grabsteinen u.d. G. 20. Midrasch Sata, über das Hohelied, Ruth, Kohelet und das Klagelied. 21. Jerioth Schelome, ü&er das Buch Raw Peolim. 22. Hagadath Ester, entdeckt in Jemen, nebst Anmerkungen. Demnächst werden erscheinen: Midrasch Echa, nach einem Manuskript aus Rom, liebst einer Einleitung; Jalkut ha-Meiri auf die Psalmen nebst Anmerkungen; die Rabbiner von Zolkiev und) ihre Biographie; Nimuke ha-Chumesch, über den Pentateuch, von einem uralten Autor,, nebst Anmerkungen; Midrasch sechel-tob über den Pentateuch, von Menachem ben Salomo, nebst einer Einleitung; Midrasch Lekech tob über die fünf Megillot. Außer diesen werthvollen Werken befinden sich in fast sämmtlichen hebräischen Zeitschriften Hunderte von größeren und kleinerem Artikeln, die zusammengenommen mehrere große Werke bilden könnten/ Aber nicht blos als Gelehrter und Schriftsteller that sich Herr Salomon Buber hervor, sondern auch als edler Wohlthäter und Träger verschiedener Ehrenämter. Der würdige Gelehrte wirkt seit Jahren zum Wohle seiner Glaubensgenossen und seiner Gemeinde und erwarb sich auch hierdurch die Sympathie seiner Verehrer. Als eine Zierde der österreichischen Judenschaft, sollte sich sein siebenzigjähriges Jubiläum zu einer imposanten Feier für alle seine österreichischen Glaubensgenossen gestalten, hätte nicht ein entsetzliches Unglück sein Haus heimgesucht und vor einigen Monaten'seinen ältesten Sohn hinweggerafft. Der edle Greis ist nun verhindert, sein Jubiläum öffentlich zu feiern; dasselbe wird sich daher auf seine engeren Bekannten und Verehrer beschränken. Möge ihn der Allmächtige trösten und noch recht ange in Frieden und behaglicher Ruhe erhalten, zum Wohle der jüdischen Litteratur und zur Freude Aller, die derselben ein warmes Jntereffe entgegenbringen. Aas Hohelied. Von Georg Brandes. II. fie räthselvolle Schrift, die das Hohelied genannt wird, d. h. das Lied aller Lieder, scheint mir, wie schon angedeutet, als eine Art elementares, erotisches Singspiel mit Tanz aufgefaßt werden zu müssen. Es ist ein Sprößling der ältesten Lyrik. Soweit nämlich die erotische Vorstellung durch Gesang und Tanz Ausdruck gewinnt, setzt sie einen Chor voraus, der von einem Vorsänger oder einer Sängerin, Vortänzer oder Tänzerin geführt wird, und damit sind die ersten dramatischen Elemente gegeben. Im Beginn der Dichtung spricht ein Chor oder, richtiger, vom Chor bald Einer, bald Mehrere. Viele Frauen richten die Rede an einen Mann; es liegt eine morgenländische Haremstimmung über dem Chore. Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes! Süßer, denn Wein, sind deine Liebkosungen, Dein wohlriechendes Oel verbreitet einen süßen Duft, Selbst dein Name verbreitet Wohlgeruch. Darum lieben die Jungfrauen dich. Nimm mich mit dir, laß uns von dannen ziehen! Führt der König mich in seine Kammer, Werden wir jubeln und uns deiner freun. Wir werden deine Liebe mehr denn Wein preisen. Man liebt dich so aufrichtig. Jetzt tritt die weibliche Hauptperson auf und spricht allein: Ich bin schwärzlich. Aber doch schön, ihr Töchter Jerusalems! Wie die Zelte Kedar, Wie die Teppiche Salomos. Seht nicht darauf, daß meine Haut so schwärzlich. Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne, die mich nicht lieben. Sandten mich, ihren Weinberg zu bewachen. Ach, meinen eigenen Weinberg Hab ich schlecht gehütet. Der Dialog beginnt. Sie fragt: Sag mir, du, den mein Herz liebt. Wo treibst du deine Schafe zur Weide, Wo läßt du sie zu Mittag gehen. Daß ich nicht umhereile, wie eine Verirrte, Zwischen den Heerden deiner Gefährten! Die Antwort lautet: Wenn du es selbst nicht weißt, Du schönste unter den Weibern. So folge nur der Schafe Spur. Und laß deine Ziegen weiden. Nahe den Hirtenhütten! Die Antwort erscheint schelmisch, sie deutet scherzend an, daß sie wohl weiß, wo sie ihn finden wird; sie hat ja selbst Ausdrücke gebraucht, die errathen lassen, daß sie keine Heimlichkeiten vor einander haben. Das Hohelied ist ein Hirtengedicht im uralten Stile, aber handelt kaum mehr von wirklichen Hirten, als die Idyllen des Theokrit. Nun folgt ein erotischer Wechselgesang, der wie ein fernes und frisches Vorbild für jene Art der Alterthumsdichtung wirkt, von welcher das Larmen amoebaeum von Horaz ein Beispiel ist. Man stoße, sich nicht an den ersten Worten. Die Araber haben weit später schöne Weiber mit schönen Pferden verglichen. Der weibliche Halsschmuck kann an den Brustschmuck des Pferdes erinnern.