Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Die Schulsteuer wäre — .zum mindesten 'in-den-einzelnen Bezirken- — eine-einheitliche. -. 2. Die großen Gemeinden, die die kleinem immer mehr absorbiren, würden auf solche Weisedie Kosten der kleineren Gemeinden trugen Helsen, *ol)iie daß sie cs eigentlich merkten., 3. Es müßte — wenn nur eine Steuer von etwa 50—60 Prozent der Einkommensteuer angenommen würde — meiner Meinung nach Geld genug zusammenfließen, um auch in jedem Bezirks wo es nöthig wäre, noch etliche Wanderlehrer für ganz kleine Gemeinden, deren cs nach den dankenswerthen Feststellnngen des D. I. G. B. in Deutschland bekanntlich'innner noch'800 giebt, anzustellen. 4. Eine derartige Kasse, die doch die Schulkassen eines-ganzen Bezirks repräseutirte, würde auch bei der Behörde eine wichtigere Stimme führen können, und um was sich die kleinen Gemeinden vergebens mühen, um einen Zuschuß zu den Unterhaltungskosten ' ihrer Schule, das würde man der Verbandskasse am Ende in Form eines Pauschalquantums doch gewähren. ' ' 5. Die Besoldung der Lehrer könnte auf einheitlicher Basis aufgerichtet werden, und zwar nach der Norm der Gehaltsverhältnisse der Volksschullehrer (d. h. der Lehrer an öffentlichen Schulen). Für ein noch zu führendes Kultusamt wäre der Lehrer des Weiteren aus der Kultnskasse der betreffenden Gemeinde zu senalürir, 6. Dadurch würde auch die Seßhaftigkeit des jüdischen Lehrers eine stabilere. Et würde auch in kleineren Genicinden eine angemessene Besoldung und pensionsberechtigte ÄnsteÜung haben lind deshalb nicht nöthig haben, so oft zum Wanderstab greifen zu müssen; die kleineren Gemeinden aber hätten^ noch den Vortheil, sich nicht mehr (wie jener bereits angezogene Leitartikler meint) mit dein schlechtesten Material begnügen zu müssen. ' Alles in allem würde dadurch eine Stabilität in jüdischen Schul- und Gemeindeangelegcnheiteu geschaffen tverdeu, die für die Zukunft des Judenthums von der eminentesten Bedeutung sein würde. Ich verhehle mir nun keineswegs die Schwierigkeiten, die die Durchführbarkeit eines solchen Projektes verursachen würde, das am besten auf legaler Grundlage aufgebaut werden müßte; allein ich halte es durchaus nicht für unausführbar auf diese oder eineandere Weise, und es dürfte sich der Mühe doch am Ende verlohnen, darüber eingehender uachzudeuken und cs zu besprechen. Salomsn Ouber. Bon ®. M Laser. ine wichtige Feier steht den jüdischere Gelehrten und allen Gönnern der jüdischen Litteratnr bevor: der berühmte Forscher und Bereicherer der Midrasch-Litteratur, Herr Salomon Bube r in Lemberg, der sich um die jüdische Wistenschaft große Verdienste erworben, begeht am 8. Januar 1897 sein siebzigjähriges Jubiläum. Ist derwürdige Gelehrte schon als solcher in der Wissen- - schaft gefeiert, um wieviel mehr dürste sein Werth steigen, wenn man die Verhältnisse seines Vaterlandes und die Umstände, unter welchen derselbe seine zahlreichen Arbeiten unternommen und vollsührt hat, in Betrachtzieht. v Galizien, dies für jüdische Litteratur und Gelehrsamkeit einst so fruchtbare Land, ist nunmehr, weit entfernt, das alte Kontingent an. Autoritäten für das gesammte Jltdenlhnmzu liefern,, von-fast, allen notb= und mitteleuropäischen Ländern überflügelt.' Nicht als ob die frommen galizischen Inden das ihnen, von /jeher als diegrößte: Tugend, gellende Thora-Studium bereits aufgegeben hätten-; das ist bei. Weitem nicht der Fall. .Es -ist-unglaublich, -wie viel -die überwiegend' orthodoxe und verarmte jüdische Bevölkerung hier zu Lande. ' au Geld und Mühe für. die geistige Erziehung ihrer Söhne, die .aus- ' schließlich in bcm Studium der alten jüdischen Litteratur besteht, der-;, wendet. -Väter, opfern buchstäblich ihre.armen Kinder, auf dem.Altar dieser: Wissenschaft.; Denn anstatt ihren hoffnungsvollen, : meist - begabten, über alles geliebten Söhnchen eine beiden furchtbar schlimmen ökonomischen Verhältnissen um so nöthigere realistische: .Erziehung und allgemeine Bildung angedeihen zu losten^ widmen die 'Meisten ihre nichts ahnenden Knaben bis zu ihrem reifen Alter dem Thorauiib Talmud-Studünn, als wären, sie einer Lebeusfristung durch Manna sicher. Aber-nichtsdestoweniger, ja eben gerade deshalb ist die jüdische Wissenschaft bei der sogenannten Intelligenz und bei der jüngeren Generation überhaupt,>znmal im den größeren,Städten, : nachdem sie erfahren hatten, daß ihre Eltern eine unheilbriugeiche Handlungmit der einseitigen. Erziehung gegen sie begangen, wie ein Schreckensbild verlaßen imb verachtet. > Hub noch etwas trägt, zur Verschmähuug der jüdischen Litteratnr : bei. Aus dem erwähnten Grunde sind fast alle reichen Juden in Galizien aus der alleruiedrigstem aber.arbeitsamen Klasse herstammend, entweder ganz unerzogen oder in den Schulen der die- Juden und das Judenthum zu ignoriren.suchenden Negierung: ausgebildet, und von hier ans bringen sie den Jndifferentismus der Studenten geg n. alles-Jüdische in die jüdische Gesellschaft, an deren Spitze, sie zu stehen bestimmt sind, mit.. Da nun die Volksmassen in der Regel dem Beispiele ihrer Führer und der wenigen beneideten, fast als höhere Wesen betrachteten Neichen folgen, suchen dieselben stets es - ihren unwissenden Mustern gleich zu-thun. und.diejüdische Wisseuschast. welche deren Eltern mit Aufwand großer Summen in ihre ■ Seele eiliz.nwnrzeln bestrebt waren, zu nuterdmcken und zil verdrängen. Kein Wtinder daher, wenn jetzt unter der. zahlrcichen jüdischeu:Bevösterting die jüdische Wissenschaft:so vernachlüssigt ist. und.von -den unzähligen Jünglingen, welche die jüdische Litteratur .und die hebräische Sprache studirt haben, Niemand über das .Niveau: der Mittel- . Mäßigkeit hinausragt. Und. wenn Herr Salomon Buber, der, was nebenbei zu bemerken ist, der wohlhabenden K.laffe der galizischen ,. Inden, die> unserer.Wistenschaft am meisten fern stehen, angehört, dennoch diese Wissenschaft zu seinem Lebensziel gemacht hat, so zeigt dies nur einen originellen und entschlossenen- Charakter, der, vor- - urtheilssrei unter allen Stürmen des Lebens und unter Kaufenden r von Attdersgesinnten seiner Umgebung lebend, seine Lebensbestimmuug nicht vergessen hat. , . Herr Salomon Buber isPein seit vierzig Jahren auf dem. Gebiete unserer Litteratur mit Erfolg beschäftigter und mit Ruhm, ge- . krönter Forscher. Seine zahlreichen Werke haben die Anerkennung sämmtlicher jüdischen.Gelehrten hervorgerufen. Er hat nicht nur. viele vergessene, meist mehr.- als 1000 Jahre alte Werke unserer - Vorfahren aus allen Bibliotheken der Wett ans. Licht, gebracht und . durch Vergleichung, mehrerer'Manuskripte das Original festgestellt, sondern auch jeglichem /dieser alten Werke eine bedeutende wissen-, schastliche Einleitung, welche erst recht den -Werth desselben . hebt, beigegeben. Ucber den großen Werth, .welchen diese Forschungen für die jüdische Wissenschaft haben, kann, ich mich an dieser Stelle, nicht - . tveiter anslassen;. ich muß mich hier begltügett mit der Attfzühlung seiner Werke (einige, sind ins Deutsche übersetzt)'- /die bis heute erschienen sind : 1. Die Biographie des Lexikographen. Elijahu Bachur. 2. Nachträge zu den Responsen. der Gaonim. / 3. Pesikta de Rab Kahana, nach vier Maimskripten mit vielen .Anmerkungen und einer großen Einleitmlg.