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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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dort auch ab und zu. die Synagoge. S. setzte durch seinen Anwalt beim ' Regierungs-Präsidenten in Posen durchs daß er in die Beitragsliste nicht' ausgenommen werden dürfe. Dagegen verwahrte sich der Vorstand und" will die Angelegenheit weiter bis in die höchsten Instanzen verfolgen^" r. Leobschütz, 17. Dezember. Ein Mann, welcher durch seinen Lebenslauf den Beweis geliefert, daß man durch eifrige Thätigkeit und, eisernen Fleiß Großes , vermag, der königliche Kommerzienrath und Ehrenbürger unserer Stadt, Herr M. Teich mann, der Begründer ' der unter seiner Firma bestehenden Wollwaarenfabrik, ist heut Morgen' im 82. Lebensjahre verschieden. Kommerzienrath Teichmann wurde am 15. September 1815 zu Loslau geboren. Am 2. Mai 1855 erschien' bei ihm ein wandernder Webergeselle, Namens Rothkegel, aus Galizien, der im Geschäftslokal eine wollene Haube anfertigte. Teichmann erkannte sofort den Werth und die Wichtigkeit derselben als Handelsartikel und behielt Rothkegel bei sich. Sofort wurde in Leobschütz mit. der Fabrikation begonnen und so entstand die erste und damals einzige' Fabrik in Preußen, da nur noch ein Etablissement in Apolda ähnliche" Arbeiten herstellte. Diese Industrie erwies sich im Laufe der Zeit als ein großer Segen für die dortige Gegend, da hierdurch die ärmere. Bevölkerung einen lohnenden Erwerbszweig fand. Die Bedeutung, welche die Leobschützer Wollwaarenindustrie erlangt hat, ist bekannt. Nicht nur nach den europäischen Ländern, sondern nach allen Welttheilen werden die Leobschützer Fabrikate versandt. Mit der Geschichte der Leobschützer Wollwaarenindustrie wird der Name des Kommerzienraths .Teichmann als Begründer derselben für alle Zeiten verknüpft bleiben. In seltener Rüstigkeit und Frische des Geistes und des- Körpers feierte Kommerzienrath Teichmann im Jahre 1891 seine goldene Hochzeit, woran sich am 7. April 1893 die Feier seines 50jährigen Bürgerjubiläums und an seinem 80. Geburtstage, am 15. September v. I.- seine Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Leobschütz durch die städtischen Korporationen anschloß. Viele Jahre hindurch war der Verstorbene auch Vorsteher unserer Synagogengemeinde und Mitglied der Handelskammer. Die Stadt Leobschütz erleidet durch seinen Tod einen schmerzlichen Verlust. Herr Kommerzienrath Teichmann war einer der besten Bürger der Stadt. Möge ihm, der fast in jeder Beziehung um das kommunale Wohl so große Verdienste erworben und. der so viel Gutes gestiftet, die Erde leicht sein. K. Hannover, im Dezember. In unserer Nachbarstadt Linden ist Herr Leopold Fischer vom Magistrat und Bürgervorsteher-Kollegium, als lebenslänglicher Vertreter der Stadt in die Calenberg-Grubenhagen'sche Ritterschaft gewählt worden. Es ist das erste Mal, daß ein Jude in dieses Kollegium eintritt, und wenn diese Wahl einerseits eine Anerkennung der Thätigkeit des Gewählten in seinem Amte als Bürgervorsteher bekundet, so ist sie andererseits als ein Zeichen der Toleranz und Unparteilichkeit, die in unseren Tagen so selten gefunden werden, ganz besonders anzumerken. G—r. Cöthett, 27. Dezember. Anläßlich seines Scheidens von hier überreichte eine Deputation der Gemeinde, bestehend aus den Herren Kommerzienrath E. Meyer, G. Burghardt und S. Kronheim, ihrem Kantor N. Goldberg einen aus massivem Silber gearbeiteten Chanuka- Leuchter und eine ebenfalls silberne, überaus zierliche Beßomim-Büchse. Kantor N. Goldberg hat hier 6 Jahre zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinde segensreich gewirkt. Ihm verdanken wir die Einrichtung eines Synagogen-Chores und des Gemeindegesanges. Seine stimmliche, sowie musikalische Befähigung hat ihm Eingang in allen musikalischen Kreisen verschafft. G. war Mitglied der „Sächsischen Provinzial-Liedertafel" sowie auch des „Verein zur Pflege des Männergesanges". Beide Vereine verlieren in ihm eine tüchtige Kraft. G. folgt dem Rufe eines Ober-Kantors der Synagogengemeinde zu Ratibor. Möge es ihm auch dort vergönnt sein, sich dieselbe Liebe und Achtung zu erwerben. ö°o Zittau, im Dezember. Der Verweser des sächsischen Oberlandesrabbinats, Herr Dr. Winter, Dresden, hielt am 17. d. Mts. die Prüfung an der hiesigen Religionsschule ab. Außer den zahlreich erschienenen Eltern waren auch der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr M. Glaser, der Direktor der 1. städtischen Bürgerschule, Herr Schunack und Herr Schulrath Professor Michael bei der Prüfung anwesend Letzterer, der nach fast fünfzigjähriger amtlicher Thätigkeit, am Ende dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand tritt, hielt am Schlüsse der Prüfung eine herzliche Ansprache au die Anwesenden,: worauf Herr Dr. Winter in tiefempfundenen Worten dem Herrn Schul-- rath den Dank aussprach für das rege Interesse, welches derselbe der Religionsschule seit ihrem Bestehen allzeit gewidmet hat. Herr Glaser hob in seiner Ansprache mit beredten Worten hervor, daß der Herr Schulrath es gewesen, der zur Gründung der Religionsfchule seinerzeit die Jnitative ergriffen und ihm in ihrer gemeinschaftlichen siebzehnjährigen Thätigkeit immer ein treuer Berather und eifriger Helfer gewesen sei. Mit einem Gebete, in welchem der Lehrer die Hoffnung anssprach, den Herrn Schulräth noch viele Jahre als Ehrengast bei den Prüfungen begrüßen zu können, schloß die Prüfung. Am selben Abend war die Chewra-Kadischa zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens vereint. Der 1. Vorsteher derselben, Herr N. Goldstein, eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Rückblicke auf die Geschichte des Vereins, zu welchem, wie nebenbei bemerkt sei, Herr G. die erste Anregung gegeben, worauf Herr Dr. Winter eine Ansprache hielt, in welcher er die Bedeutung der Chewra-Kadischa in so gediegener als gemeinverständlicher Weise auseinander setzte. Bei der darauf folgenden Tafel brachte Herr Glaser einen Trinkspruch aus auf die zeitigen Vorsteher sowohl als auf diejenigen, die durch Wegzug ihr Amt niedergelegt hatten. Heitere Vorträge vereinten die Gesellschaft bis spät nach Mitternacht. - st- München, 26. Dezember. In der alten Gemeinde Fürth hat heute einer ihrer besten Söhne fein Leben beschlossen, der k. Hofrath Dr. Samuel Berlin, ein Mann, ausgezeichnet durch seine Abkunft, hervorragend durch seine persönliche Thätigkeit. Er entstammte der Familie des bekannten Löb Berlin, einstmaligen hochfürstlich bambergischen und ritterschaftlichen Oberlandesrabbiners zu Bamberg und späteren Landrabbiners in Kassel. Bis zum Jahre 1848 war er als geprüfter Rechtspraktikant und Doktor der Rechte, da der König Ludwig I. keinen Juden als Advokaten anstellen wollte und damals andere Zweige des Staatsdienstes selbstverständlich einem Juden verschlossen waren. Kassier des israelitischen Religionsvereins in Fürth, welchen Namen, wenn ich mich nicht täusche, damals die Kultusgemeinde Fürth amtlich führte; neben ihm war der Sohn des Amtsnachfolgers seines Ahnen Löb Berlin, der Dr. Carl Feust, rechtskundiger Sekretär der Gemeinde. 1848 war Samuel Berlin der Erste, der als Jude zum Advokaten in Baiern ernannt wurde; sein erster Amtssitz war Gerolzhofen, wo er püt einem jungen Rechtspraktikanten, einem Schullehrersohne, Freundschaft schloß, dessen glänzende Zukunft er voraussagte: es war niemand Anderes als der spätere baierische Ministerpräsident Dr. von Lutz. Später wurde er nach Ansbach versetzt, wo ihn das Vertrauen seiner Mitbürger zum Vorstande des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten wählte, in welcher Eigenschaft er durch Verleihung des Ritterkreuzes des Verdienstordens vom heiligen Michael T. Klasse ausgezeichnet wurde, während seine Standesgenossen ihn zum Vorstandsmitgliede des damaligen baierischen Anwaltsvereins wählten. Welche Stellung er als Anwalt einnahm, beweist, daß er der Sachwalter der Familie des jetzigen baierischen Justizministers war. 1876 gab er die Rechtsanwaltschaft auf, um sich in Fürth, seiner Heimath, von einer gesegneten und erfolgreichen Berufsthätigkeit auszuruhen,- die Ernennung zum königlichen Hofrathe begleitete ihn in den Ruhestand, während dessen er einer der fleißigsten wissenschaftlichen Hilfsarbeiter seines bekannten Schwiegersohnes, des Justizrathes Josephthal in Nürnberg, war und sich mit Eifer noch in hohen Jahren den Pflichten des Amtes eines Kollaturmitgliedes der Gabriel Riesser'schen Stipendienstiftüng in Fürth widmete; es war für Denjenigen, der das Glück hatte, es mit anzusehen, ein erhebender Anblick, den in hohen Achtzigern stehenden Mann mit Scharfsinn und der Gewandtheit eines Jugendlichen seine Referate vortragen zu hören. Im 90. Lebensjahre abberufen und mit einem reich gesegneten Leben gesättigt, nachdem er schon vor Jahren seine goldene Hochzeit zu feiern das Glück gehabt hatte, ist er meines Wissens der dritte Jude gewesen, der in Baiern Advokat geworden war. Die Nachkommen des Löb Berlin sind es übrigens, welche auch den ersten baierischen Berufsrichter israelitischer Religion stellten, den Oberlandesgerichtsrath Max Berlin in Nürnberg. Vielleicht interessirt es heute, wo der neben dem Reichsgerichtspräsidenten Simson vielleicht älteste lebende deutsche Jurist jüdischer Abkunft ins Grab gesunken ist, den Lebenden zu wiederholen, wie in Baiern unter Max Joseph I. der erste

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