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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Meist bruchstückweise ober durch Jrrthum ausgenommen, da diese Sammlung nur zwecks der religiösen Unterweisung gebildet wurde. Nur die Bücher, die geeignet scheinen, das religiöse Gefühl zu stärken, i schrieb mail immer wieder ab. Was hierzu nicht geeignet schien, ging zu Grunde. Um so interessanter ist es nun für uns, die Beweise, die uns von der weltlichen Dichtung der Hebräer überliefert sind, aufzusuchen und zu untersuchen. Schon in der ältesten Zeit spielte man auf einfachen Musikinstrumenten und sang dazu. Jeder That wurde durch einen Gesang gedacht, dessen Verse immer wieder bei den jährlichen Festen gesungen und dadurch allbekannt wurden. Zum wenigsten blieb der Schlußreim in der Erinnerung haften und wurde zuweilen in späteren Zeiten nicht mehr verstanden, sondern falsch ausgelegt. So klang der Schlußreim einer alten Jubelweise: Saul schlug Tausende, David aber Zehntausende. Dies gab Anlaß zu der Darstellung im 1. Buche Sam. (18, ö), wonach die Frauen aus allen Städten Israels unter Gesang und Tanz mit Handpauken, Fackelgesängeu - und Geigen König Saul entgegenzogen, und wie nun Mißgunst an des Königs Herz nagte — eine Darstellung, die nothwendigerweise schon aus dem Grunde unwahrscheinlich ist, weil nicht David selbst, sondern ein untergeordneter Krieger, Elhanan, den gefürchteten Goliath aus Gath (2. Sam. 21, 19) getödtet hat. So lautet auch der Schlußreim, eines alten Gesanges von Josuas Sieg über die Amoriter mit der. Anrufung: Sonne, steh still in Gibeon, Stehe Mond in Ajalons Thal! ein Gesang, der in dem nun verlorenen Buche Jachar enthalten war, und der später zu der bekannten mirakulösen Legende Anlaß gab. Wie wild diese uralten Kriegsgesänge sein konnten, zeigt solch eine Dichtung wie der kurze Triumphgesang über Moab (4. Mos. 21, 27), als Israel Hesbon, die Stadt des Amoriterkönigs, eingenommen hatte. Sion hatte zuvor Moab geschlagen. Der Schluß des Gesanges lautet: Wehe dir, Moab! du bist verloren. O Volk des Kamos! Kamos hat seine Söhne fliehen lassen, Hat seine Töchter gefangen gegeben Schon, dem Könige der Amoriter. Vernichtet ist sein Glanz von Hesbon bis gen Dibon, Wir sengten bis gen Napha, Wir brannten bis gen Medba. Eigenthüinlich wirkt hier die Auffassung, daß nicht geradezu der Gott Israels gesiegt hat, sondern daß Moab sein Volk im Stiche gelassen hat, und lehrreich wirkt die Freude über das Sengen und Brennen, die man Jahrtausende später gerade so frisch bei den nordischen Wikingern, ja noch in dem bekannten Liede aus Schillers Räubern wiederfindet. Zu welcher Schönheit der Kunstform sich diese alten Triumphschreie erheben konnten, zeigt jedoch am besten die älteste Dichtung aus dem alten Palästina, die uns in der Gesammtheit als der sogenannte „Sang der Debora" (Nicht. 5) erhalten ist. Sie besingt Israels Sieg über das Heer des Sisera. Der König von Kanaan, Hazor, hatte seinen Feldherrn mit 900 Eisenstreitwagen gegen Israel gesandt. Auf die Aufforderung oder den Befehl der Prophetin Debora vereinte ein gewisser Barek die Männer von Naphtali und die Stämme von Sebulon, führte sie zum Berge Tabor und ließ sie dort eine feste Stellung einnehmen. Er selbst führte die Männer von Ephraim, Benjamin und Manasse. Die Stärke wird auf 10 000 Mann angegeben. Sisera wurde vollständig geschlagen und bekanntlich auf der Flucht voll einem kenitischen Weibe, Jael, erschlagen. Der lins überlieferte Gesang hat im Laufe. der Zeiten sehr gelitten und ist außerdem wahrscheinlich durch fromme Zusätze entstellt. Aber seine schönsten Theile geben uns eine Vdrstellung. was patriotische Dichtung und Vaterlandsgesang in jener fernen hebräischen Vorzeit war. Hier einige Bruchstücke: Es gebrach an Häuptlingen, sie fehlten in Israel, - Bis ich mich erhob, Debora, Mich erhob, wie eine Mutter für Israel. Es war kein Schild, war keine Lanze Unter den Vierzigtausend Israels. Die ihr auf weißen Eselinnen reitet. Die ihr auf Teppichen sitzet. Die ihr auf Wegen wandert. Stimmt dem Gesänge bei! Die Könige kamen, sie kämpften. Sie kämpften, Kanaans Könige, Zu Tharnack, am Wasser Megiddos. Das Silber, das sie erbeuteten, ist nicht schwer. Vom Himmel kämpften die Sterne mit. Aus ihren Bahnen kämpften sie gegen Sisera, Vorwärts, meine Seele! geh muthig vor! Da stampfte der Pferde Huf den Boden, Im Galopp, im Galopp der Tapfern. — Der Strom Kison riß sie fort. Der alte Strom, der Kisonstrom. Jael wird nun ungefähr verherrlicht, wie Jahrtausende später Niels Ebbesen oder Anna Colbjörusen in Dänemark: Gesegnet sei unter den Weibern,-Jael, Das Weib Hebers, des Keniters, Unter den Zeltenweibern sei sie gesegnet! Er bittet sie. um Wasser, Sie giebt ihm Milch, In der Ehrenschale bietet sie ihm Sahne. Sie streckt die Hand nach dem Zeltnagel aus. Die Rechte greift den Schmiedehammer, Und sie schlägt Sisera, sie zerschmettert sein Haupt, Sie trifft, sie durchbohrt seine Schläfe. Zu ihren Füßen sinkt er nieder. Er fällt, er legt sich, Zu ihren Füßen sinkt er und fällt. Liegt, wo er umfiel, erschlagen. Nun folgt eine Szene, in welcher gleichsam der Rolle des Atoffa in den Persern des Aeschylos vorgegriffeu wird: Man sieht durchs Fenster, man ruft .... Sisera's Mutter ist's hinter dem Gitter. Warum säumt sein Wagen zu kommen? Warum ist sein Viergespann gesunken? Die klügsten ihrer Frauen antworten, Ja, sie selbst giebt sich diese Antwort: Sie haben gesiegt, sie theilen die Beute, Eine Sklavin, zwei Skavinnen für jeden Mann. Buntgefärbte Stoffe für Sisera, Gefärbte Stoffe, gestickte Kleider, Prächtige Stoffe, .ein Gewand, das doppelt gestickt. Für seiner Frauen Hals. . . So sterben alle deine Feinde, Jehova! Und möge sie, die du liebst, wie die Sonne sein, - Wenn sie in ihrer Kraft aufsteigt!

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