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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Artikel festzustellen, die -er selbst geschrieben hatte. Er lieferte kompromittirendes „Material" aus der Vergangenheit des Justizministers iji: Schelling, um diesen den Antisemiten gefügiger zu machen, worauf Stöcker seine einschüchternden Angriffe gegen Herrn v. Schelling im preußischen Abgeordnetenhause richtete." In Amerika haben jüngst zwei große. Versammlungen stattgefuuden: der National-Konvent der jüdischen Frauen und die Hauptversammlung des amerikanisch-jüdischen Gemeind ebnndes. Wir erhalten darüber von unserem New-Aorker Korrespondenten folgenden Bericht: Die jüdische Frauen-Versammlung wurde vom 15. bis 19. November in New-Z)ork abgehalten und hat in großen Worten Alles überboten, was man von ihr zu erwarten berechtigt war. Frau Dr. Kohut, die als Tochter und Gattin eines berühmten Rabbiners besondere Autorität beanspruchen darf, bemitleidete zuerst die europäischen Schwestern, die in Massen zur Kirche übertreten, während in Amerika seit dem Auftreten des Frauenvereins „Israels Glorie zurückgekehrt" sei.. Hierauf fragte die Dame: „Woher sollen Diejenigen kommen, welche die Lampe des Judenthums vor dem Verlöschen bewahren, wenn nicht aus unseren Reihen?" „Wir müssen die Heilande unseres Volkes sein, da unsere Rabbiner gleich Jeremia nichts können als lamentiren." Die General-Versammlung hatte sich natürlich die nöthigen christlichen Damen zur Staffage besorgt, und diese waren natürlich nicht faul in Dithyramben auf die neuen Miriams und Deborahs. Dann hielten verschiedene Herren, Rabbiner und repräsentative Laien, Ansprachen. Rabbiner Morais von der Portugiesengemeinde in Philadelphia, warnte. die ,'Schwestern" vor der bösen Bibelkritik, von der Herr Morais, der kein Wort deutsch versteht, selbstverständlich nur eine sehr dunkle Vorstellung hat. Schließlich ging der Konvent an die „Arbeit". Es wurden Resolutionen angenommen, das Studium der hebräischen Sprache zu. fördern, das soziale Elend der großen Städte zu beheben, die Lage der Juden in Rußland zu verbessern und — wenn ich nicht irre — die armenische Frage zu lösen. Besonders lebhaft gestaltete sich die Diskussion, als eine Frau Miller aus Memphis, Tennessee, behauptete, die jüdischen Frauen hätten gar keine Religion und wären viel weniger mit der Bibel bekannt als ihre christlichen Mitmenschen. Da sie so ziemlich Recht hatte, wurde sie heftig angegriffen. Eine andere Kontroverse entspann sich über die Sab.bathbeobachtungsfrage. Frau Kohut hatte den Sabbath mit glühenden Worten vertheidigt. Frau de Sola, Gattin des Rabbiners von Montreal, wollte die Präsidentin Frau Solomon nicht wieder gewählt sehen, da dieselbe den Sabbath nicht heilige, worauf Frau Solomon erwiederte, daß sie in der glücklichen Lage sei, jeden Tag der Woche heilig zu halten. Auf diese Versicherung hin wurde Frau Solomon wiedergewählt. Von monumentaler Bedeutung waren die Beschlüsse, das Wort National in dem Namen des Vereins wegzulasfen, damit man zunächst das britische Kanada und dann die übrige Welt „erlösen" könne. Schließlich einigte man sich auch dahin, als Erkennungszeichen für die Mitglieder eine Brosche mit der Inschrift: „Glaube und Menschlichkeit" einzuführen. Eine Frau erklärte noch, daß unter Sabbath-Observanz nicht die Enthaltung von geschäftlicher Arbeit, sondern nur von Besorgung der Einkäufe durch die Frauen verstanden sei. Dann wählte man sich, beglückwünschte und bedankte sich gegenseitig, und das Judenthum war wieder einmal gerettet. Viel geschäftsmäßiger gestaltete sich die Generalversammlung des amerikanisch-jüdischen Gemeindebundes. Dieselbe wird alle zwei Jahre einmal, und zwar immer in einer anderen Stadt abgehalten. Der diesjährige Konvent tagte vom 1. bis 3. Dezember in Louisville. Wie gewöhnlich gestaltete sich die Versammlung als eine friedliche Entgegennahme des Berichtes des Kuratoriums des- Hebrew Union College. Die Ausgaben beliefen sich auf 27000, die Einnahmen auf 32 000 Dollars. Der hauptsächlichste Theil des Aufwandes, 20 000 Dollars, entfällt auf das Hebrew Union College. Ein Antrag, das Rabbinerseminar durch Sammlung eines Fonds von 500 000 Dollars zu unterstützen, und eine Offerte des Herrn Rabbiners Leucht in New-Orleans, 100 000 Dollars durch Sammlung aufzubringen, fanden sehr begeisterte Aufnahme. Es steht zwar im! Neuen Testament, gilt aber auch für einen Rabbiner: Der Geist ist willig, aber , das Fleisch ist schwach. Der Rath zum Schutze der bürgerlichen Rechte der Juden, welcher ein Komitee des Gemeindebundes. ist, hatte nichts Besonderes zu berichten und begnügte sich mit einem Proteste gegen die Danksagungsproklamation des Präsidenten Cleveland. Außerdem wurde beschlossen, das Religionsparlament, welches mit der im Jahre 1888 zu Nashville, Tennessee, abzuhaltenden Ausstellung verbunden werden soll, zu beschicken. Der nächste Konvent wird im Jahre 1898 in Richm.ond, Virginia, abgehalten werden. In jedem Falle zeigen beide Versammlungen, daß in Amerika ein reges jüdisches Leben herrscht, und daß auch die Frauen an demselben in hervorragender Weise sich betheiligen, ist gewiß kein Fehler. Barrrn;wah-KalLnder für 1897. Von Dr. Max Simon. f er hier im vorigen Jahr zum ersten Mate veröffentlichte „Barmizwah-Kalender" war folgendermaßen eingeleitet: Wenngleich die gewöhnlichen Geburtstage in unserer Zeit, auch in jüdischen Familien, meist nach dem bürgerlichen Datum gefeiert werden, so pflegt man doch beim dreizehnten Geburtstage der Knaben gern eine Ausnahme zu machen und die Barmizwah- Feier nach dem jüdischen Kalender zu bestimmen. Dazu ist aber nöthig, daß das jüdische Geburtsdatum bekannt sei. Wie selten dies heutzutage zutrifft, weiß Jeder; daher die Verlegenheit in solchem Falle bei Eltern und Lehrern, denen kein Nachschlagebuch zur Vergleichung der beiden Kalender zur Verfügung steht. Da der Verfasser selbst häufig darum angegangen wird, die gewünschte Auskunft zu erth eilen, so schien es nicht unangebracht und gewiß vielen Lesern dieses Blattes erwünscht, wenn hier eine kleine Tabelle vorgeführt wird, die Jedermann in den Stand setzt, auch wenn er sonst von den Einrichtungen der beiden Kalender keinerlei Kenntnisse besitzt, die einschlägige Frage, zunächst für das gegenwärtige Jahr, mit Sicherheit und Leichtigkeit zu beantworten. Ueber den Gebrauch der Tabelle ist nur wenig zu sagen nöthig. Sie enthält die nothwendigen Angaben über den Kalender des Jahres 1897, sowie über den 13 Jahre zurückliegenden des Jahres 1884. Ueberall findet sich neben dem Ersten jedes bürgerlichen Monats das entsprechende jüdische Datum und neben dem Ersten jedes jüdischen Monats das entsprechende bürgerliche Datum, und aus diesen Angaben bestimmen sich alle übrigen zusammengehörigen Daten fast von selbst. Ein Beispiel mag das Verfahren veranschaulichen: Gesetzt, der Knabe wäre am 15. Februar 1884 geboren. Auf welches jüdische Datum fiel damals der 15. Februar? Aus der Kalender-Tabelle für 1884 ersieht man, daß der 1. Februar — 5. Sch'bat war, folglich war „ 15. „ --- 19. „ Der Geburtstag nach jüdischer Zeitrechnung war also am 19. Sch'bat. Dies ist denn auch der Barmizwah-Tag in diesem Jahre. Auf welches bürgerliche Datum der 19. Sch'bat im Jahre 1897 fällt, ist aus dem diesjährigen Lu ach leicht zu ersehen. Da aber

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