Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Date
- 1887-12-29
- Page
- Seite 827 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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827 philosophischen Anschauungen über die betreffenden Gegenstände — Bonn, 13. Dec. (Literarische Notizen). In dem zu Wien erscheinenden, von der Protestantisch-theologischen Facultät herausgegebenen Jahrbuche für die Geschichte des Protestantismus in Oesterreich (1867, Heft IV) findet sich ein längerer Aufsatz von vr. G. Wolf, „Josephina", in welchem der eifrige Geschichtsforscher sehr interessante Mittheilungen über die Aufnahme macht, welche die Toleranzpatente des Kaiser Josefs II. fanden. Er spricht zunächst über das Toleranzpatent-ffür die Juden, nnd sagt: „Das Toleranzpatent für die Juden trat geräuschlos in's Leben. Nach außen hin, bei der Bevölkerung, in deren Mitte sie lebten, ging es, soweit uns bekannt ist und Quellen dafür vorhanden sind, spurlos vorüber. Da und dort hatte sich unter den Juden selbst gegen die eine oder die andere Maßnahme Opposition erhoben, die jedoch bald zu,n Schweigen gebracht wurde. So baten die Rabbiner von Brody rc. die Rabbinatsgerichte, welche in Civilstreitigkeiten zwischen Juden und Juden als erste Instanz, wenn sie angerufen wurden, entscheiden konnten, die sich jedoch damals bereits überlebt hatten und nur noch da und dort functionirten, und die der Kaiser 1783 aufgehoben hatte, wieder einzuführen. Im Ganzen und Großen jedoch ging die Angelegenheit ohne alle Störung vor sich. Anders war dieß in Betreff des Toleranzpatentes für die Protestanten. Da wurden die Massen aufgewühlt, da kam es gar oft zu argen Störungen u. s. w. Die Ursachen dieser Erscheinung sind leicht zu finden. Die Juden lebten so ziemlich abseits von dem Strome des Lebens. Mit Ausnahme etwa in Wien, wo der sociale Verkehr zwischen Juden und Christen ein freundlicher und freundschaftlicher schon zu den Zeiten 'Maria Theresia's war, so daß Cardinal Migazzi, der Erzbischof von Wien, Anträge stellte, diesen Verkehr zu unterbinden (vergl. unsere Geschichte der! Juden in Wien S. 76), worauf jedoch die Hofkanzlei nicht j eingehen wollte, lebten die Juden getrennt und geschieden j von der Gesellschaft. Die ausdrückliche Gewährung, sowohl die niederen wie die höheren Schulen zu besuchen, was! bis dahin übrigens noch nicht verboten war, sowie die Ge-! stattung, Handwerke betreiben zu dürfen, konnten um so gleichgiltiger lassen, da die Juden nicht sofort die Lehrsäle füllten. Sie hatten im Gegentheile anfänglich Vorurtheile gegen das allgemeine Studium, da befürchtet wurde, daß die , Jugend dadurch vom Glauben der Väter abwendig gemacht!! werden könnte» und ebensowenig widmeten sie sich sofort dem Handwerke. Und selbst wenn dieses der Fall gewesen wäre, / so hätte dieses auch weiter keine Folgen gehabt, da sich die Concurrenz nicht sofort hätte geltend machen können und es doch immer einige Jahre bedurfte, bis Juden als Aerzte oder Advocaten oder als Meister sich hätten etabliren können. I Und täuschen wir uns nicht, hier ist das punctum saliens, die Furcht vor der Concurrenz oder die Beseitigung der Concurrenz, diese hat die „Schmach des 19. Jahrhunderts", den Antisemitismus, wie ihn der Kronprinz des Deutschen Reiches bezeichnet, erzeugt, und sie erhält ihn'). Durch das Toleranzpatent, welches Kaiser Josef den Juden verlieh, wurde daher das Verhältniß zwischen Christen und Juden wenig oder nicht geändert und es war mehr eine interne Angelegenheit der Juden. Anders lagen die Verhältnisse bei den Protestanten. Schon das Moment, daß Biele, die bis dahin nur heimlich Protestanten waren, diesen Glauben auch nun öffentlich bekennen durften, daß es ihnen gestattet wurde, wenn hundert Familien in einem Orte oder Bezirke waren, eine Gemeinde zu bilden, eine Kirche zu haben und einen Geistlichen zu bestellen, veränderte die Dinge vom Grund aus u. s. w." — Zum Schluß stellt der Verf. die Behandlung dar, welche der Kaiser den sog. Deisten im Pardubitzer Kreise angedeihen ließ, und die er nicht dulden wollte. Sie hatten sich Anfangs für „Israeliten" ausgegeben, was ihnen jedoch nichts half, da ihr eingereichtes Religionsbekenntniß dem widersprach. — Jerusalem, 21. Kislev. (Literarische Notizen.) Wie werden von Herrn Luncz ersucht, folgende Anzeige zum Abdruck und zur Empfehlung zu bringen: „Jerusalem, Jahrbuch zur Förderung einer wissenschaftlich genauen Kenntniß des jetzigen und des alten Palästina. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännern im heiligen Lande und außerhalb desselben von A. M. Luncz. Zweiter Jahrgang. Preis 5 Mark." Dieses Jahrbuch, in der heiligen Stadt erscheinend, welches sich bereits einen Namen in der wissenschaftlichen Welt gemacht hat und von der Fachpresse als die beste Quelle über Vergangenheit und Gegenwart des heiligen Landes anerkannt wird, ist zu beziehen entweder direct vom Herausgeber: A. M. Luncz in Jerusalem oder von den Herren: Bezirksrabbiner vr. Adolph Salvendi, Dürkheim a. d. H. und L. Hamburger, Uhlandstr. 56, Frankfurt a. M. Für Rabbiner, Lehrer und Cultusbeamte wird der Preis auf besonderen Wunsch auf 3 Mark ermäßigt. Die rückständigen Herren Abonnenten werden höflichst ersucht, ihre Beträge an eine der oben angegebenen Adressen einzusenden, damit jede Störung in der Herausgabe des dritten Bandes vermieden werde. l) Als Beweis dessen mag dienen: Der Gesammtstatus der Advocalenkammer zu Linz zählte >886 84 Mitglieder und die Grazer Kammer 145 Mitglieder. In Oberösterreich giebt es Summa Summarum 2 und in Steiermark 8 jüdische Concipienten, und nichtsdestoweniger haben sich Advocaturs-Candidaten in Oberosterreich an die Linzer und Aovocaturs-Candidaten in Steiermark an die Grazer Advocatenkammer gewendet und gebeten „um Wahrung des Ansehens des Standes", damit er nicht verjudet werde. Ws. 52'