Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Date
- 1887-12-29
- Page
- Seite 826 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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826 verhältnißmäßig gering, so daß die Einnahmen weit hinter den Erwartungen blieben. Dazu kamen nun die Unterschleife, welche der an der Spitze stehende fanatische Antisemit Butculesco sich zu Schulden kommen ließ, der dabei jedes Verlangen, Rechnung abzulegen, hartnäckig abwies. Die Untersuchung wurde eröffnet, wahrscheinlich aber wird die Sache vertuscht, da der Ministerpräsident Bratiano selbst hierherkam und man die Schmach dieser Vorgänge vor dem Auslände verbergen will. Jedenfalls hat sich hier abermals ein krasser Antisemit alles Vertrauens unwürdig gezeigt. Um das Deficit zu decken, hat man eine Lotterie von Gegenständen der Ausstellung veranstaltet; aber kaum ein Drittel der Loose wurde abgesetzt. Die Juden haben hierbei rühmliche Festigkeit des Charakters erwiesen. Kein Jude hat die Ausstellung besucht, kein Jude hat ein Loos genommen. Von den Vorwürfen, die man ihnen deßhalb lächerlicher Weise gemacht, ließen sie sich nicht beirren. Jedenfalls haben die Rumänen die Lehre erbalten, daß sie dieser „Fremden" nicht entbehren können. Wären sie einer vernünftigen Erwägung fähig, so müßten sie sich sagen: Nehmen wir dieses eingeborene, also uns zugehörige, unentbehrliche Element in uns auf, so wird uns und ihm geholfen sein! Rußland. Lodz, den 19. December. (Privatmitth.) Mit der Ausweisung der in Rußland und Polen wohnhaften ausländischen Juden, scheint es in letzter Zeit sehr streng genommen zu werden. Tag auf Tag erfolgen neue Ausweisungen, es scheint fast als hätte man es, um die Lage der Ausgewiesenen noch trauriger zu machen, darauf abgesehen, daß die Ausweisung gerade in der kalten Jahreszeit beginnen sollte . . . Zahlreiche Ausweisungen jedoch sind auch den hier ansässigen ausländischen Juden zugegangen, in welchen ihnen, um ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, die Aufenthaltserlaubniß bis Februar n. I. verlängert wird. Einige von ihnen, welche noch vor einigen Monaten ihre Bittschrift an das Ministerium eingereicht, und sich mit der Hoffnung, daß ihre Gesuche genehmigt werden würden, geschmeichelt hatten, haben bereits vor kurzer Zeit den ministeriellen Bescheid zugleich mit der Ausweisung erhalten. Was aber interessant an dieser modernen Völkerwanderung ist, ist, daß Rußland es nur auf Juden abgesehen hat, während man Ausländern christlichen Glaubens ben liebertritt in den russischen Staatsverband gestattet; ein neuer Ukas bezüglich der Unterscheidung zwischen Christen und Juden lautet wie folgt: Im Sinne des März Ukas sowie seiner Ergänzungen, welche die Rechte der Ausländer beschränken, werden Gesuche um Aufnahme in den russischen Unterthanenbund von Personen „mosaischen Glaubens," welche ausländische Unterthanen sind, nicht angenommen; zufolge dessen wird von allen Ausländern verlangt, daß sie zur Vermeidung jeglichen Mißverständnisses bei der Einreichung von Gesuchen, Taufscheine niederlegen sollen, um ihr christliches Glaubensbekenntniß zu bestätigen. So weit der Ukas. Was wohl die Ursache sein mag. daß die russische Politik es für gut befand, nicht der Bisrnarck'schen Ausweisungsmethode zu folgen, sondern einen neuen Weg einzuschlagen? Doch nicht was geschehen ist, sondern was noch folgen wird, ist die Frage. A—n. Bonn, 7. Dezember. (Literarische Notizen.) In diesen Tagen erschien das auch von uns angekündigte Buch: „Heinrich Heine und seine Zeitgenossen von Gustav Karst eles" (Berlin, Lehmann, 1888.) Für Alle, welche sich für das Leben und den Charakter Heine's interessiren, ist diese Schrift von Bedeutung. Nachdem Heine lange Zeit Gegenstand eines heftigen Streites und der bittersten Kritik gewesen, scheint man sich wieder zu freundlicherer Beurtheilung und zu tieferer Würdigung seiner Leistungen zu wenden, und hierzu wird die Arbeit des Herrn Karsteles recht viel beitragen. lieber den Zweck seines Buches sagt der Verf. im Vorwort: „Der Gedanke, der diesen Arbeiten zu Grunde liegt, ist der: all' die wichtigen und charakteristischen Verhältnisse und Momente im Leben des Dichters ausführlich darzustellen, die in den Biographien Heine's keine so eingehende Behandlung finden konnten. Die Tendenz, die dies Buch verfolgt, liegt darin: den Beweis zu führen, daß Heine in seinen Beziehungen zu den hervorragendsten Zeitgenossen als ein besserer Charakter und als eine vornehmere Natur sich gezeigt hat, als man dies nach den Urtheilen, welche unsere Literaturgeschichten über ihn verbreitet haben, noch immer anzunehmen geneigt und wohl auch genöthigt ist." — „Ueber Sitte und Sitten der alten Völker, namentlich der Hebräer, Griechen und Römer von Dr. Samuel Spitzer, Oberrabbiner in Esseg (Budapest, Pester Buchdruckerei-Aktien-Gesellschast 1887)." Der Verf. hat sich bereits durch eine Reihe von Monographien auf dem Gebiete der Cultur- und Rechtsgeschichte einen wohlverdienten Namen erworben, und reiht sich die vorliegende Arbeit ihren Vorgängerinnen würdig an. Der Titel besagt hinlänglich, was wir in dieser Schrift zu suchen haben, und der Verf. bemüht sich mit Erfolg sowohl die Begriffe, die bei den drei hervorragenden Völkern des Atterthums über Sitte und Sitten vorhanden waren, zu definiren, als auch eine Reihe von Sitten und Gewohnheiten gründlich darzustellen. Hierbei steht ihm ebenso eine genaue Kenntniß der einschlägigen Literaturen, namentlich der jüdischen, zu Gebote, wie auch die Vertrautheit mit den neueren