Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1887)
- Date
- 1887-12-22
- Page
- Seite 813 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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813 Berlin, Kaufmann Ludwig Berlin, sämmtlich in Nürnberg wohnhaft, sowie die Herren Kaufmann Josef Feistmann und Kaufmann Wilhelm Berlin dahier, für die israelitische Waisenanstalt 9000 M. zum Zwecke der Errichtung eines Freiplatzes zu stiften. Die Stiftung lautet auf den Namen des hochgeehrten Jubilars und den seiner edlen Gattin. Herr Hofrath Berlin war über die Ehrung, in welcher er die würdigste Geburtstagsgabe erblickte^ hoch erfreut und gab auch dieser Freude lebhaften Ausdruck. Möge es ihm vergönnt sein, sich mit den Seinigen bis in das späteste Greifenalter seines der thätigen Menschenliebe gewidmeten Daseins ungetrübt zu erfreuen. — Das Centralcomite der Alliance isr. univ. theilt mit daß der Generalsekretär der Alliance Herr Isaac Eduard Kann am 4. Dezember im Alter von 57 Jahren zu Paris verstorben ist. Derselbe hatte sich sehr wesentliche Verdienste um die Bestrebungen der Alliance er- | worben, und sein Verlust wird tief gefühlt. — Wie sehr in jben betr. Kreisen das Andenken an Johann Jaeoby gekehrt geblieben, dieser Mann, der sich jedenfalls als ein kon- ' sequenter Charakter in allen Phasen seines Lebens erwiesen und auch sein jüdisches Bekenntniß selbst in seinem Testament bewährt hat, davon zeugt folgende Mittheilung aus Königsberg i. Pr.: Aus der Sammlung, welche im Jahre 1877 in Königsberg in Pr. veranstaltet wurde, um eine Büste von Johann Jacoby herzustellen, war ein Betrag von Mk. 5400! übrig geblieben. Dieser Betrag nebst Zinsen ist nunmehr der Stadt Königsberg überwiesen worden unter der Bedingung, daß aus den Zinsen alle zwei Jahre Mk. 300 für Stipendien an dortige Handwerker zur Ausbildung in ihrem Ge! werbe in einer oder mehreren Portionen, und der sich erj gebende Ueberschuß an die dortige Fortbildungsschule zur > Prämienzahlung für Lehrlinge zu verwenden sei. Jeuil Aus meiner Ärraberyeit. > VI. Nicht minder war für meine geistige Entwickelung die Lektüre wirksam. Die wenigen Bücher, die wir besaßen, wurden gelesen und zerlesen, wie Bredow's mit Anekdoten geschmückten Geschichtsbilder, Raff's Naturgeschichte, Robinson, den wir für ein Theater eintauschten, das wir für unsere Sparpfennige uns hergestellt. Aber mein Bruder hatte, namentlich als er das Gymnasium zu besuchen angefangen, viele Freunde, und brachte nun Bücher in Menge nach Hanse, die ich bunt durcheinander verschlang, so z. B. die zwölf Bände übersetzter Reisebeschreibungen von Christian Sprengel, und mein glückliches Gedächtniß speicherte eine Menge Dinge auf, so daß ich aus diesen Büchern noch heute erzählen kann. Selbst die Pädagogik bieb nicht unbeachtet, wie die Schriften Basedows, Pestalozzi's, Niemeyer's. Es hat mich stets die Beobachtung interessirt, welche ungeheure Menge von Literatur die Zeit absorbirt und der Vergessenheit überg'iebt, was in einer vorhergehenden Epoche bewundert worden. In meiner Kindheit galten Gellert, Ramler, Uz, Hagedorn, Hölty, Matlhisson noch für Sterne erster Größe am Himmel der Poesie; jetzt sind sie bis auf dieses oder Gedicht in einer Sammlung vergessen. Welche Bewunderung hegte man im ersten Viertel unseres Jahrhunderts für Jean Paul, und heute ist er vom großen Publikum mißachtet? Selbstverständlich füllte Schiller die jugendlichen Seelen aus und entzündete sie mit heiligem Feuer. Vieles von ihm, so die ganze Glocke, konnte ich auswendig und deklamitte sie, wo l e t o n.! man es verlangte. Eine Tante von mir behauptete einst, j sie wäre dabei fast ohnmächtig geworden. In meinem vierzehnten Jahre lieh mir ein Freund die Gesammtausgabe von Göthes Werken; ich las sie alle, selbst die Tagebücher, mit Ausnahme der Farbenlehre, die ich besonders der ausgezeichneten Form und der Gruppirung des Stoffes wegen auf der Universität eifrig studirte. In meinem 13. Jahre ward ich in einer Leihbibliothek, die einer Wittwe Tänzer gehörte, heimisch, und sie beauftragte mich, die in Unordnung gerathene Büchersammlung nach dem Katalog wieder zu ordnen und die unvollständig gewordenen zu beseitigen. Dafür durfte ich frei lesen, so viel mir beliebte. Und da ich sehr rasch las, wurden Hunderte von Bänden vorgenommen. Doch hatte ich so viel natürlichen Geschmack, daß ich mich bald von den Erzeugnissen des vorigen Jahrhunderts, dem „Wachtelpeter", „Die Urne des einsamen Thales" u. dergl., dann auch von den dialogisirten Ritter- und historischen Rv-- manen und von den überschwenglichen Schriften de la Motte Fouque's und Genossen abwandte; van der Velde, Walter Scott, dann Cooper und Marryat wurden meine Lieblinge. Mein Bruder gab als sechszehnjähriger Jüngling eine zweite vermehrte und sehr angemessen überarbeitete Auflage des Modell libne liinah meines Vaters bei Wienbrack in Leipzig heraus, die jetzt längst wieder vergriffen ist. Für einen Theil des Honorars errichtet er eine Leihbibliothek^, für die Jugend, mit der er recht vielen Erfolg erzielte. Er verfolgte die neueste Literatur nach dieser Richtung aufmerksam. Ein Beispiel. Damals erregte der Freischütz die