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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. Seite 810

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
Seite 810 (sequence 10)
Language
German
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810 dem Grashdanin zufolge, sämmtliche Juden, die bisher nicht die Erlaubniß hatten, in Rostow dauernd zu wohnen, aus der Stadt ausgewiesen werden. Dagegen erhalten hierbei diejenigen Juden, die Immobilien besitzen, insofern eine Vergünstigung, als ihnen ein Termin von ca. drei Jahren zur Regelung ihrer Angelegenheiten gewährt wird, während die übrigen Juden bereits vor Ablauf einiger Monate etwa 5—6, Rostow verlassen müssen. A—n. Rumänien. Bukarest, Ende November. Aus kleineren Zügen erkennt man am besten den Geist und wie tief in ihm eine Anschauung und eine Tendenz wurzelt. Deshalb mögen zur Charakterisirung der rumänischen Regierung folgende Einzelheiten mitgetheilt werden, die zugleich ein Streiflicht auf die Bestrebungen unserer rumänischen Glaubensgenossen werfen, und welche wir einer Correspondenz der Arob. i8r. entnehmen: „Das älteste und bedeutendste Organ der Oeffentlichkeit, Romanulu, veröffentlicht in seiner Nummer vom 8—9. November folgende Notiz: „Wir erfahren mit Vergnügen', daß Herr Isidore Vermont, einer der Zöglinge unsrer Schule der schönen Künste, nach einem Conkurs zu der Münchener Akademie zugelassen worden ist. Von 300 Candidaten sind nur 70 zum Conkurs zugelassen worden, und von diesen 70 haben nur 10 Erfolg gehabt, unter denen sich der junge Vermont befindet. Während des Examens besuchte der Prinz-Regent von Bayern, von mehreren berühmten Professoren der Malerei begleitet, den Prüfungssaal und beglückwünschte den jungen Debütanten, indem er ihm sagte: „Sie machen der Bukarester Schule Ehre; Ihre Arbeit ist sehr schön." Der Romanulu hat nicht hinzugefügt, daß Herr Vermont ein rumänischer Israelit ist, und diese Weglassung ist von allen Journalen nachgeahmt worden, welche diese Notiz abdruckten. Nun, jedes Mal, wenn in Rumänien die Presse eine für die Juden rühmliche Thatsache erwähnt, vergißt sie zu sagen, daß es ein Jude ist, während, wenn der entgegengesetzte Fall eintritt, oh dann ist es ein Jude und schnell kommen solche Bemerkungen wie: „Das sind die Juden, so sind die Juden" re. Der junge Vermont ist eine arme Waise, voll künstlerischen Talents, der die Schule der schönen Künste zu Bukarest auf Kosten der jüdischen Gesellschaft Munca (die Arbeit) besuchte, welche von unserem Glaubensgenossen Herrn Mosuc Ascher gegründet worden und noch heute geleitet wird, und dieser Menschenfreund verhalf ihm auch, sich nach München zu begeben. Im vergangenen Jahre erhielt Herr Vermont bei der Bewerbung um das Staatsstipendium für das Ausland alle Medaillen für die besten Gemälde, und die Jury empfahl ihn einstimmig dem Ministerium als den Würdigsten für das fragliche Stipendium. Aber Herr Sturdza, der antisemitische Minister, der würdige Nacheifrer seines Patrons, des Herrn Jean Bratiano, verweigerte das Stipendium dem Juden Vermont, weil er ein Jude ist. Unsere gegenwärtige Regierung ist außerordentlich eifersüchtig ans die schnellen Fortschritte und merkwürdigen Erfolge der jungen Israeliten in dem Unterrichte jeder Art wie in den Künsten, und thut Alles, was in ihrer Macht steht, um sie zu verhindern. Ich könnte Ihnen Hunderte von Fällen berichten, aber ich werde mich heute auf einen einzigen beschränken: Der junge Alfred Rosenstein, der hier das Lyceum fertig besucht hat, begiebt sich nach Paris und bereitet sich für das Polytechnikum vor. Er macht das Eintrittsexamen mit Erfolg. Aber die Pariser Direktion verweigert, ihn als regulären Schüler zuzulassen, bevor er nicht ein Zeugniß der rumänischen Regierung vorzeigen kann, daß er der rumänischen Nationalität angehört. Seine Verwandten thun hier alle möglichen Schritte, aber umsonst. Man antwortet: „Rosenstein, obgleich in Bukarest geboren, ist ein Fremder, denn er ist ein Jude, und alle Juden sind Fremde in Rumänien. Das Gesetz will dies so. Wie, wollen Sie, daß in einigen Jahren Rosenstein verlangen soll, wie alle Schüler des Polytechnikums zu Paris, mit Offiziersrechten in die rumänische Armee ausgenommen zu werden? Aber das wird nicht geschehen, so lange die liberale (!) Regierung die Macht hat. Wir wollen keine jüdischen Offiziere, und stiegen sie direkt vom Himmel herab." — So drückt sich der Herr General Al. Anghelesco, der Kriegsminister, aus. Und nicht nur in Bezug auf den höheren Unterricht wird die rumänische israelitische Jugend verfolgt. Die jüdischen Kinder werden es in demselben Maße für den Elementar- und Bürgerschul-Unterricht, wie betreffs der Erlernung der Handwerke. Das Cirkulair des Herrn Sturdza vom August 1887, welches mehrere jüdische Kinder aus den öffentlichen Schulen entfernte, und das' Gesetz, das den jüdischen Kindern die Staatsschulen für die Handwerke schließt, beweisen genügend was ich sage. Aber Folgendes giebt neue Beweise dafür: Die Mairie von Bukarest votirt 6000 Francs zum Ankauf von Büchern, die unter die armen Schüler vertheilt werden sollen. Einige jüdische Kinder beiderlei Geschlechts, bitten um einen Theil der Bücher, die ihnen nothwendig sind, aber man verweigert sie ihnen in cynischer Weise, weil sie Juden sind; und die Mairie ist bis zu den Ohren gouvernemental, sie gehorcht hierin den Befehlen der Regierung. — Ein Privatoerein, der zum Präsidenten Herrn vr. Sergiu und zum Vicepräsidenten Herrn I. G. Bibicesco, den Beigeordneten des Bürgermeisters, hat, unternimmt in der Stadt Sammlungen, um arme

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