Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. Seite 809

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
Seite 809 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227715--44948-3267257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

809 in Festkleidern dem Zuge an, der sich zunächst in den Mandel'schen Gutshof begab. Dort wurde der Sarg vor dem Herrenhause vom Wagen gehoben, und der reformirte, der griechisch-katholische und der römisch-katholische Geistliche, die sich sammt Cautvren und Chor eingefunden hatten, verabschiedeten sich nacheinander in rühmenden Nachrufen von dem Verstorbenen, als dem Wohlthäter der Gegend. An drei Stunden dauerte diese Ceremonie, welche die Vertreter dreier verschiedener christlicher Culte an dem Sarge eines israelitischen Patrioten celebrirten. Der Rabbiner konnte erst vor dem Grabe selbst die Verdienste feiern, die vsich der Verblichene specieü um seine Glaubensgenossen erworben. Von Nyiregyhaza selbst hatten sich zahlreiche Notabilitäten eingefunden, um dem Todten die letzte Ehre zu erweisen, und die ganze Feier zeigte das erfreuliche Bild religiöser Toleranz, doppelt erfreulich in einer Gegend, wo dies nicht immer so war." Frankreich. Paris, 14. Dezember. Unter den Persönlichkeiten, welche der neue Präsident der Republik Carnot in das Elysöe berufen, um sein erstes Ministerium zu bilden, war auch der General Wolfs, der, im Elsaß geboren, jüdischer Religion ist. So wäre leicht zum ersten Male ein Jude Kriegsminister geworden. Jndeß kam dieses Ministerium nicht zu Stande, scheiterte jedoch nicht etwa an dem religiösen Bekenntniß des Generals, sondern an politischen Umständen, welche die Bildung eines Ministeriums zehn Tage lang seit der Wahl des Präsidenten verhinderten. — Hier ist eine sehr reiche Dame, Frau B o u c i c a u l t, gestorben, die in ihrem Testament 24 Millionen Francs für wohlthätige Zwecke vermachte. Eine große Summe bestimmte sie zur Vertheilung an Arme und überwies diese Summe in ganz gleichen Theilen an das Großrabbinat von Frankreich, das protestantische Consistorium und den Erzbischof von Paris. Nachschrift: Nach genaueren Mittheilungen erhält das Großrabbinat Frankreich 100,000 Fcs., das protestantische Consistorium ebensoviel, der Erzbischof von Paris 300,000 Fcs. zu Almosenvertheilung. Bayonne, 9. Dezember. (Privatmitth.) Das israelitische Consistorium des Sprengels Bayonne hat in diesen Tagen einen Rechenschaftsbericht über die Feier des SOjähr. Bestehens des schönen hiesigen Tempels (24. Ellul 5597) und der Einführung des neuen Großrabbiners, Herrn E. A. Astruc, früheren Großrabbiner von Belgien in sein Amt veröffentlicht. Diese Doppelfeier wurde am 13. September (24. Ellul 5647) vollzogen. Die dabei stattgefundene Ceremonie, die Aufzüge und vielfachen Gesänge werden in dem elegant ausgestatteten Heftchen ausführlich beschrieben. Was aber den Werth desselben ausmacht, sind die Reden des Großrabbiners Herrn I s a a c L e v y des Bezirks der Gironde und des Herrn Astruc selbst. Beide sind ein beredtes Zeugniß von der Entwickelung der jüdisch-französischen Kanzelberedtsamkeit. welche in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht hat. Herr Jsaae Levy ehrte besonders das Andenken des verewigten Vorgängers im Amte und sprach in vom Herzen kommenden Worten die Wünsche aus, welche für die gedeihliche Wirksamkeit des neuen Großrabbiners gehegt worden. Herr Astruc, dessen Beredtsamkeit allgemein anerkannt ist, warf zuerst einen Blick lauf die Vergangenheit dieser wichtigen, von Flüchtlingen aus Spanien begründeten Gemeinde und die Geschichte der Juden in Frankreich überhaupt; dann bezeichnet er in sehr charakteristischen Zügen den gegenwärtigen Standpunkt der Inden, namentlich vom portugiesischen Ritus, welche einerseits die ehrwürdigen culturellen und Familientraditionen zu bewahren, andrerseits den geistigen Bedürfnissen der Zeit und den Veränderungen in Sitte und Lebensgewohnheit zu genügen haben, und sprach seine Absichten aus, nach beiden Seiten gewissenhaft zu wirken. In allen Theilen seiner Rede herrschte ebenso viele Klarheit der Anschauungen, wie warme Empfindung, und können wir dem Herrn Astruc nur wünschen, daß es ihm vergönnt sei, die Früchte einer langen Wirksamkeit in diesem neuen Theile seiner Laufbahn reifen zu sehen. Rußland. Lodz, den 7. December. (Privatmitth.) Wie groß die Theilnahme der polnischen Juden an der Krankheit des deutschen Kronprinzen ist, beweist wohl am besten folgende Notiz, die wir einer hiesigen Zeitung entnehen. Sie lautet: Daß sich das Interesse der ganzen medizinisch gebildeten Welt gegenwärtig in ganz besonderem Maße auf die Beobachtung und das Studium der Krankheitserscheinung des Krebses richtet, ist anbetrachts der Erkrankung eines so hohen Patienten, wie des deutschen Kronprinzen, selbstverständlich und keineswegs als etwas Sonderbares zu betrachten; neu dagegen dürste es sein, daß sich sogar unter den Juden unserer Altstadt ein langröckiger, heilkundiger Mann gefunden hat, dem dieser Erkrankungsfall eine solche Theilnahme einflößte, daß er ein von ihm bisher geheim gehaltenes Radiealmittel gegen den Krebs an die Adresse des erwähnten hohen Patienten absandte, wobei er dem Kronprinzen, wie auch dem die Adresse verfassenden Schriflkundigen die Versicherung gab, daß ein derartiger Patient nach Gebrauch seines Mittels binnen ganz kurzer Zeit „werd gesint sain". Wie man uns mittheilte, antwortete der heilkundige Mann auf eine an ihn gerichtete Frage: warum er sein Radicalmittel gerade dem Kronprinzen entdeckte, folgende Worte: „weil er haßt nicht unsere Brüder, ich schließe ihn täglich ein in mein Gebet, und bete für ihn". Mit der Zuzählung der Stadt Rostow, am Don zum D. chen Gebiet, sollen, 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.