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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. Seite 808

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
Seite 808 (sequence 8)
Language
German
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808 bere Resultate zu hinterlafsen, weil sonst bas Verkommen der ursachlos verfolgten Glaubensgenossen unabwendbar geblieben wäre. Herr Dr. Rosenberger erwähnte auch, daß der Antisemitismus der Allianz nichts Geringeres imputire, als Anstrebung der Weltherrschaft. Man weiß nicht, ob dieser Borwurf — der einzige, den der Antisemitismus trotz seines wüthenden Hasses vorzubringen vermag — als besondere Bezeichnung anzusehen ist, indem er den Juden das als erreichbar hinstellt, was Alexander, Cäsar und Napoleon nicht erreichten, oder ob diese Anklage einen Zweifel an dem gichtigen Verstand der Juden bedeutet, die sich lächerlich machen würden, indem sie nach dem Unerreichbaren streben. Zum Schluffe bewies auch Herr Di-. Rosenberger, daß Antisemitismus und Allianz Gegner sein müssen, denn der Antisemitismus kämpft mit den verrosteten Waffen der Vergangenheit: Haß, Unrecht und Verleumdung — die Allianz mit den Waffen der Zukunft: Liebe, Recht und Erbarmen. Prag stellte bis jetzt — es ist traurig zu sagen — nur fünfzig Mitglieder, viel weniger als kleinere Gemeinden. Als Entschuldigung kann nur gelten, daß bisher nur Private die Propaganda in die Hand nahmen, während von nun an der Centralverein die Sache in die Hand nehmen wird, daß ferner das Borurtheil herrscht, daß man nur der Pariser Allianz angehören darf, wenn man die Ideen der Allianz unterstützen will. Der Vortrag hat dieses Borurtheil zerstört, und die Hoffnung ist berechtigt, daß sich die Mitgliederzahl vervielfachen wird. Die Allianz hält hoch die Fahne des Judenthums, kämpft für die Ehre des Judenthums, kämpft gegen Rohheit, Haß und Borurtheil, als äußere Feinde, und gegen „Unwissenheit und Laster, diese Kinder der Knechtung", die innern Feinde; sie befreit die Gefesselten, die sich doch niemals selbst befreien könnten, sie erhebt die Gebeugten und Gedrückten, die unsere Brüder sind, zur Höhe der europäischen Kultur. Graz (Steyermark), 12. Decbr. (Privatmitth.) Die hiesige, in stetem Anwachsen begriffene Gemeinde ist bekanntlich die erste in Steyermark, welche seit zwei Jahrhunderten sich hier wieder eonstituirt hat. Es berührt angenehm, daß der Vorstand derselben die in Oesterreich immer noch seltene Einrichtung angenommen hat, über seine Verwaltung einen Geschäftsbericht auszugeben, der für die Jahre 1885, 1886 und 1887 uns vorliegt. Die vorzüglichste Aufgabe, welche sich der Vorstand gesetzt, ist die Erbauung einer angemessenen Synagoge mit einem Gemeindehause. Zu diesem Zwecke, da die eigenen Kräfte nicht ausreichen, machte der verdienstvolle Rabbiner, Herr Dr. Mühsam, mit einem Mitgliede des Vorstandes Reisen nach Wien, Pest, Paris, London, Brüssel, Köln, Frankfurt, um für diesen ersten jüdischen Tempel iu der Steyermark eine Sammlung anzustellen, welche auch 40,000 Gulden eintrug. Nunmehr wendet sich der Vorstand an die Mitglieder der Gemeinde um Beiträge für diesen schönen Zweck, und stellt diesen die Freigebigkeit der Auswärtigen als Vorbild hin. Eine eigenthümliche Erscheinung. Die Gemeinde unterhält eine dreiklassige Volksschule, welche 1883/84 j nur Religionsschule war, seit September 1884 wieder Elej mentarschule wurde. Da die meisten Kinder nach ein- oder zweijährigem Besuche derselben in die höheren Lehranstalten übergehen, kann diese Schule nach dem Gesetze das Oeffentlichkeitsrecht nicht beanspruchen. Außer den gesetzlichen Lehrgegenständen, welche anch Turnen, Singen, Zeichnen und Mädchenhandarbeiten umfassen, wird dem Unterricht im Hebräischen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Schule wird jetzt von 35 Knaben und 32 Mädchen besucht; die Kinder der anderen Schulen erhalten Religiös- und hebräischen Unterricht. In den beiden Staatsgymnasien ist der Religionsunterricht obligat und wird in ihnen vom Rabbiner ertheilt. So werden zusammen 127 Knaben und 81 Mädchen unterrichtet. Das Armenwesen erfordert jährlich circa 1200 Gulden. Zu den Einnahmen gehört auch die Gabella, d. h. eine Abgabe auf koscher Fleisch, jedes Kilo mit 4 Kreuzern. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1887 11,985 Gulden, von welchen 945 Gulden in der Kasse blieben. Preßburg, 7. December. Die traurigen Folgen der im Jahre 1882 in unserer Stadt stattgehabten Judenkrawalle treten nunmehr in greifbarer Form auf, indem der Minister des Innern von der Stadtgemeinde in entschiedener Weise die Bezahlung der circa 5200 Gulden betragenden Kosten des damals requirirten Brachiums fordert. Nachdem jedoch die Stadtgemeinde schon vor längerer Zeit an den Reichstag eine Petition wegen Enthebung von der diesbezüglichen Zah-! lungspflicht richtete, die Art der Erledigung derselben aber bisher dem Muuicipium noch nicht notificirt wurde, beschloß die Generalversammlung, das Ministerium des Innern zu bitten, über das Schicksal der erwähnten Petition die Stadlgemeinde vorerst zu verständigen. Aus Ungarn, im December. Aus Nyiregyhaza, dem ehemaligen Centrum der ungarischen Antisemiten, wo auch j der Tißa-Eßlarer Proceß seinen Abschluß fand, wird gelschrieben: „Vor einigen Tagen fand in Kotaj die Leichenfeier j des Gutsbesitzers Albert Mandel statt. Derselbe war in l Budapest, wo er den Winteraufenthalt nehmen wollte, hoch-! betagt gestorben und sollte nun, seinem Wunsche gemäß, in j Kotaj beigesetzt werden. Als nun der Zug, der den Sarg! brachte, hier anlangte, war es Vicegespan Zoltan, der per- I sönlich erschien, um die Leiche des in der Ferne verstorbenen j Comitats'Ausschußmitgliedes in Empfang zu nehmen, während j die Stadt aus freien Stücken ihren Leichenwagen und eigene z Bespannung zur lleberführung der Leiche nach Kotaj zur! Verfügung stellte. Als der Zug sich der Ortschaft näherte, läuteten alle Glocken und die ganze Bevölkerung schloß sich

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